Heimweh und Psychohygiene

Über das Thema Heimweh wird unter Weltreisenden nicht gerne gesprochen. So eine große Reise ist ein herausragendes Erlebnis, auf das man sich so lange gefreut hat, wahrscheinlich hat man vorher auch das gesamte soziale Umfeld damit überschüttet — da baut sich bei allen Beteiligten eine sehr große Erwartungshaltung auf, nach dem Motto: jetzt muss aber auch alles ganz toll sein.

Und weil diese Erwartungshaltung nicht enttäuscht werden darf, wird das Thema möglichst wenig erwähnt. Die meisten Leute scheuen sich nicht nur, es anderen gegenüber zuzugeben, sondern auch sich selbst gegenüber. Und vor allem denjenigen gegenüber, die die Weltreise immer schon für eine Schnapsidee gehalten haben. Tatsache ist aber, dass Heimweh vorkommt. Immer wieder mal, oft ausgelöst durch eine von mehreren typischen Situationen. Bei den meisten Leuten scheint es anschließend schnell nachzulassen, aber es ist wohl auch Veranlagungssache.

Einsamkeit

Alleinreisende sind da offensichtlich mehr gefährdet als Paare. Eine typische Situation ist z.B. bei der Ankunft in einem neuen Land, vielleicht sogar noch in einer anonymen Großstadt.

Aktiv werden

Die Leute werden nicht plötzlich an Deiner Zimmertür klopfen, Du musst raus und dahin gehen, wo Du welche kennen lernen kannst. Buche kleinere Touren, mache einen Kurs — egal was.

"Soziale" Hostels aussuchen

In manchen Hostels ist es viel leichter, Leute kennen zu lernen, als in anderen. Oft wird das durch bestimmte bauliche Maßnahmen wie ein Open-Air-Restaurant begünstigt.

Kontakt zur Heimat halten

Telefon und Internet sind bei Einsamkeit Deine besten Freunde. Du solltest aber darauf achten, dass Du das nicht als bequeme Alternative dazu siehst, vor Ort Leute kennen zu lernen.

Krankheit

Wenn Du Dich mies fühlst, willst Du eine möglichst angenehme Umgebung haben.

In ein gutes Hotel ziehen

Money well spent. Ein Zimmer mit eigenem, sauberem Badezimmer; ein Zimmerservice, der einem mal einen Tee bringt; eine funktionierende Rezeption, die für ein Trinkgeld auch mal kleinere Erledigungen organisieren kann.

Abnutzung und Übersättigung

Das ständige Umziehen und Herumreisen ist anstrengend und kann auf Dauer an die Substanz gehen, besonders in Entwicklungsländern. Normalerweise werden die Mühen des Reisens durch neue Eindrücke aufgewogen. Aber was ist, wenn die neuen Eindrücke einfach nicht mehr reichen, oder Du sie nicht mehr aufnehmen und genießen kannst?

Urlaub von der Reise machen

Nimm Dir einfach mal frei! Du musst nicht jeden Tag irgendwas besichtigen oder unternehmen. Warum nicht mal einen Wellness-Tag in den heißen Vulkanquellen einlegen, eine Massage geben lassen oder bei einem Cocktail Deine Lieblingsmusik hören?

Eine Basis suchen

Suche Dir einen möglichst zentralen Ort mit einem schönen Hostel und mache von dort aus sternförmig Ausflüge, selbst wenn das bedeutet, mehr Zeit in Verkehrsmitteln zu verbringen. Du kannst in der Basis den größten Teil des Gepäcks lassen, und selbst mehrtägige Ausflüge sind möglich: bei der Rückkehr bekommst Du oft das beste Zimmer. Ich finde das Gefühl, an einen bekannten Ort (wo man oft auch bekannte Leute wieder trifft) zurückzukommen, um Welten angenehmer als die Ankunft in einer neuen Stadt. Ist zwar nicht ganz dasselbe wie nach Hause kommen, aber es hat schon etwas davon.

Geld investieren

Mach Dir das Leben angenehm, selbst wenn es das Budget sprengt. Normalerweise wird dadurch die Reise kürzer, aber es ist immer noch besser als lange zu leiden oder sofort das Handtuch zu werfen.

Psychohygiene

Ein ganz allgemeiner Rat für alle, die lange unterwegs sind, ist: Du solltest wissen, was Dir gut tut, und es Dir regelmäßig verschaffen. Eine Reisebekanntschaft hat das mal sehr treffend mit dem Begriff Psychohygiene bezeichnet. In sich hineinzuhorchen und sich im richtigen Moment einen positiven Kick zu geben, kann die Häufigkeit, Intensität und Dauer von Heimweh-Attacken entscheidend reduzieren. Ganz verhindern wird es sie nicht. Aber das muss man dann wohl aushalten.

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