Busfahrten

Busfahren ist eine Aktivität, die Du auf Langzeitreisen sehr oft machen wirst. Du wirst generell viel in Bewegung sein und Dich nicht nur an einem Ort aufhalten, und in den meisten Ländern ist hierfür der Bus (oder die Eisenbahn) das Verkehrsmittel der Wahl. Während Reisen mit der Bahn den meisten Mitteleuropäern vertraut sein werden, ist das Reisen per Linienbus bei uns (noch) eher unüblich. Deshalb erst mal eine ganz kurze Einführung in die organisatorischen Aspekte des Busfahrens auf Langstrecken.

Das Terminal

Die meisten Busfahrten beginnen an einem Terminal. Zumindest gilt das für uns Fremde, die normalerweise nicht einfach irgendwo an der Straße auf einen vorbeifahrenden Überlandbus warten werden. Diese Terminals können sehr unterschiedlicher Natur sein.

Variante 1: der Parkplatz

Das ist der primitivste Fall: es gibt eine Stelle in der Stadt, wo alle Überlandbusse abfahren. Das ist oft ein großer Parkplatz, meistens direkt auf oder neben einem Markt. Dort stehen alle Busse rum, die Fahrer bzw. ihre Helfer schreien das Fahrtziel in die Gegend, und Du steigst einfach ein und zahlst im Bus. Oft brauchst Du die Hilfe von freundlichen Einheimischen, die Dir den richtigen Bus zeigen. Den Fahrern und ihren Helfern kannst Du normalerweise vertrauen, d.h. sobald Du den richtigen Bus erreicht hast, sollte Deinem Gepäck nichts mehr passieren. Trotzdem Augen auf, denn an diesen Terminals herrscht immer ein ziemliches Gewimmel, und Taschendiebe haben hier leichtes Spiel.

Variante 2: das öffentliche Terminal

Irgendwann bauen viele Städte ein richtiges Busterminal. Dort finden sich dann Ticketschalter mit Fahrplänen, Warteräume, Toiletten und oft auch eine Gepäckaufbewahrung. Viele Busgesellschaften teilen sich das Terminal, und jede hat einen eigenen Ticketschalter. Das ist so ähnlich wie in einem Flughafen. Wenn Du in einen bestimmten Ort fahren willst, musst Du also erst einmal herausfinden, welche Gesellschaften in diesen Ort fahren. Das steht normalerweise über dem Schalter oder an der Rückwand, meistens auch mit Abfahrtzeiten und Preisen. Nachdem Du Dich für einen Bus entschieden hast, kaufst Du das Ticket und hast in der Regel damit auch einen festen Sitzplatz.

Diese am Reißbrett geplanten Busterminals sind manchmal ziemlich weit vom Stadtzentrum entfernt. Kaum eine Stadt will den ganzen Busverkehr innerhalb der Stadtgrenzen haben. Für Dich als Rucksackreisenden bedeutet das, dass Du nicht zu Fuß vom Terminal zum Hostel oder umgekehrt kommen kannst. Für Eingeweihte gibt es oft einen Stadtbus, der zwischen Terminal und Zentrum verkehrt. Mit vollem Gepäck ist es aber meistens besser, ein Taxi zu nehmen.

Variante 3: das private Terminal

Wenn eine Busgesellschaft sehr groß wird oder sich für besser hält als die anderen, baut sie irgendwann ein eigenes Terminal. Das hat für Dich den Nachteil, dass Du nicht einfach von Ticketschalter zu Ticketschalter laufen kannst, um Zeiten und Preise zu vergleichen, sondern Du musst schon dem Taxifahrer sagen können, mit welcher Gesellschaft Du fährst, damit er Dich zum richtigen Terminal fährt.

Erste und zweite Klasse

Busse gibt es in unterschiedlichen Qualitäten. Der wichtigste Unterschied ist der zwischen erster und zweiter Klasse. Erste-Klasse-Busse verkehren normalerweise nur zwischen Busterminals, haben ein abgeschlossenes Gepäckfach und mindestens einen Sitzplatz pro Fahrgast. Meistens sind sie auch qualitativ besser als Zweite-Klasse-Busse. Ein Zweite-Klasse-Bus fährt zwar auch an einem Terminal ab, nimmt aber unterwegs weitere Passagiere mit. Es gibt keine festen Haltestellen, und es werden auch Passagiere stehend befördert. So ein Bus ist erst dann voll, wenn wirklich keiner mehr reinpasst. Außerdem wird ständig Gepäck auf- und abgeladen. Zweite-Klasse-Busse sind deshalb langsamer, unbequemer und unsicherer. Auf Nebenstrecken sind sie aber oft die einzige Wahl.

Die DOs und DON'Ts

Den besten verfügbaren Bus nehmen

Busfahren ist in den meisten Ländern so günstig, dass man durch die Wahl einer billigen Buslinie nicht viel sparen kann. Sparen kann man eher durch die Wahl eines guten Busses, nämlich Nerven. Besonders auf Langstrecken ist ein Erste-Klasse-Bus Pflicht, denn er stoppt nicht an jeder Milchkanne, was sich sowohl auf die Reisezeit als auch auf die Sicherheit Deines Gepäcks positiv auswirkt. Natürlich kann man es auch übertreiben: in manchen Ländern existiert oberhalb der ersten Klasse noch eine Luxus-Klasse, eine Super-Luxus-Klasse und vielleicht auch noch eine Ultra-Luxus-Klasse. Damit gewinnst Du oft nicht mehr viel, einfacher Luxus tut's auch. Es ist übrigens immer gut, wenn Du Dir den Bus (oder einen vergleichbaren Bus derselben Gesellschaft) vor der Fahrt ansehen kannst. Dann bekommst Du schon einen ungefähren Eindruck, auf was Du Dich einlässt.

Fahrkarte im Voraus kaufen

Normalerweise reicht es, einen Tag vor der Abfahrt am Busterminal die Tickets zu kaufen (gilt offensichtlich nicht für die Busse, die auf dem Markt abfahren), für Wochenenden und Feiertage auch schon mal zwei bis drei Tage im Voraus. Wenn Du schon weißt, wann Du weiterreisen willst, kannst Du auch gleich bei der Ankunft in einer Stadt die Tickets für die Weiterreise besorgen, dann sparst Du Dir eine Fahrt zum Busterminal. Auf kürzeren Etappen mit mehreren Verbindungen täglich kannst Du auch einfach am Bus erscheinen und auf einen freien Platz hoffen. Schlimmstenfalls musst Du eben eine schlechtere Kategorie nehmen oder ein paar Stunden warten.

Warme Sachen mit ins Handgepäck nehmen

Egal, ob es draußen warm oder kalt ist, im Bus kann es immer empfindlich kühl werden! Sei es, weil die Klimaanlage auf vollen Touren läuft, weil die Fenster die ganze Zeit auf sind, oder weil der Bus tagsüber bei 30 Grad auf Meeresniveau losfährt und nachts bei 0 Grad in 3000m Höhe ankommt. Ein Fleece-Pulli oder -Jacke, Socken und vielleicht ein Halstuch/Sarong sind auf den meisten Busfahrten Pflicht. Je besser der Bus, desto kälter ist es normalerweise drinnen.

Wasser und Essen einpacken

Vermutlich wirst Du auf langen Fahrten die Gelegenheit bekommen, unterwegs etwas zu essen und zu trinken. Aber eine kleine Flasche Wasser hilft gegen den Durst zwischendurch, und auch Kekse oder etwas Obst kommen oft sehr gelegen.

Auf die Seite setzen, wo Dein Rucksack ist

Wenn Dein Rucksack im Gepäckfach reist, solltest Du Dich möglichst auf die Seite setzen, wo er verladen wurde. So kannst Du bei Stopps vom Fenster aus sehen, ob er plötzlich Beine bekommt.

Nicht ganz nach hinten setzen

Im hinteren Bereich hüpft man auf schlechten Strecken heftig auf und ab (alle Plätze hinter der Hinterachse vermeiden). Bei guten Bussen findet sich hier auch meistens die Toilette, dadurch hast Du Lärm- und Geruchsbelästigung, bzw. Leute, die an der Toilette warten müssen, stehen direkt neben Deinem Sitz Schlange. Meistens ist auch der Motor hinten, d.h. Schlafen ist generell schwierig.

nicht ganz nach vorne setzen

Der vordere Bereich im Bus ist besonders bei Nachtfahrten zu meiden. Der Busfahrer und Du haben nämlich gegensätzliche Interessen. Er will wach bleiben, deshalb stellt er seine Klimaanlage auf Frost und sorgt für akustische Reize durch Radio oder Beifahrer. Du willst wahrscheinlich schlafen. Dabei sind auch die Scheinwerfer entgegenkommender Fahrzeuge wenig hilfreich. (Abblendlicht ist nicht in allen Ländern üblich.) Und noch ein Aspekt: manche Busfahrer haben offenbar Selbstmordabsichten; jedenfalls kann man auf den Gedanken kommen, wenn man ihr Überholverhalten beobachtet. Bei Frontalzusammenstößen hast Du im vorderen Bereich die schlechtesten Karten.

Rucksack schützen

Wenn der Rucksack auf dem Dach reist, kann er nass werden. Und im Gepäckfach lauert oft Schmutz im Form von Straßenstaub, Schmiere oder zerdrücktem Obst. Packe deshalb Deinen Rucksack vorher ein, z.B. in eine stabile Regenhülle oder einen alten Reissack. Damit erschwerst Du auch Dieben, die vielleicht auf dem Dach herumturnen, den Zugang zum Inneren des Rucksacks. Die Hülle sollte so stabil wie möglich sein, sonst hält sie die hohe mechanische Beanspruchung beim Be- und Entladen des Gepäcks nicht lange aus.

Körperkontakt zum Daypack halten

Der sicherste Platz für Dein Handgepäck ist auf Deinem Schoß. Das ist nicht immer praktikabel, z.B. wenn es sehr heiß ist und/oder dort ein kleines Indianerkind sitzt. Die zweitbeste Lösung ist, den Rucksack auf dem Boden zwischen die Beine zu stellen und einen Fuß durch einen Trageriemen zu stecken. Du musst aber darauf achten, dass sich niemand von hinten unter dem Sitz anschleicht. Durch den Körperkontakt zum Rucksack merkst Du aber normalerweise, wenn sich jemand daran zu schaffen macht.

Daypack niemals in die Gepäckablage legen

Was über Deinem Kopf ist, kannst Du nicht immer im Auge behalten, und damit ist es quasi schon geklaut. Wichtig ist, dass in so einem Fall die Reisegepäckversicherung nicht zahlt, denn Du hattest das Gepäck nicht in "unmittelbarem Gewahrsam". Für unmittelbaren Gewahrsam ist ständiger Sicht- oder Körperkontakt ausschlaggebend.

Fahrer beobachten

Bei Stopps kannst Du nicht immer abschätzen, wieviel Zeit Du hast, besonders wenn Du die Landessprache nicht sprichst. Deshalb den Fahrer beobachten: wenn er sich etwas zum Essen bestellt, solltest Du das möglichst auch tun: vielleicht ist das der letzte längere Stopp für die nächsten Sunden. Geht er aufs Klo, hast Du wahrscheinlich auch 5 Minuten Zeit. Nur wenn er kommentarlos für eine halbe Stunde in einem Privathaus verschwindet, solltest Du ihm nicht folgen, denn dann besucht er wahrscheinlich seine Frau oder Geliebte. Dass dabei der Motor weiterläuft, sollte Dich nicht irritieren; es heißt nicht, dass es gleich weiter geht.

Kein Essen oder Trinken von Mitreisenden annehmen

Es ist nicht sehr wahrscheinlich, aber es sind schon Fälle bekannt geworden, wo Leute von "freundlichen" Mitreisenden etwas zum Essen oder Trinken angenommen haben und später mit einem riesigen Brummschädel und ohne Gepäck oder Geld wieder aufgewacht sind. Das gilt auch für Kaugummis oder Zigarretten.

Ticket aufbewahren

Du solltest Dein Ticket bis zum Ende der Fahrt aufbewahren. Oft wird während der Fahrt noch eine Kontrolle durchgeführt. Das dient übrigens eher zur Überwachung der Busfahrer. Manche versuchen nämlich, durch die Mitnahme von Passagieren unterwegs noch etwas dazu zu verdienen. Manchmal wird das Ticket auch am Ende der Fahrt eingesammelt. Das ist häufig der Fall bei Buskooperativen, wo nur der Fahrkartenverkauf zentral erfolgt und jeder Bus auf eigene Rechnung führt. Die Fahrer brauchen dann die Tickets zur Abrechnung mit der Kooperative.

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