Reisekasse

Die Zeiten, wo man für eine große Reise eine Kiste mit Goldmünzen auf einem Packtier mitnehmen musste, sind zum Glück vorbei. Auf einer Langzeitreise fährst Du am besten mit einem Mix aus verschiedenen Reisezahlungsmitteln, weil alle ihre Vor- und Nachteile haben.

Du solltest den größten Teil Deines Geldes auf einem verzinsten Konto (ideal: Tagesgeldkonto) parken, wo es auch während der Reise weiter für Dich arbeitet. Unterwegs kannst Du dann mit der Kreditkarte am Geldautomaten Bargeld direkt in Landeswährung ziehen und das Tagesgeldkonto nach und nach abräumen. Mit den VISA-Karten von einigen Direktbanken ist das weltweit gebührenfrei. Zusätzlich zur Kreditkarte empfiehlt sich ein Sicherheitspolster in Reiseschecks und auch ein kleines Bündel Bargeld in US-Dollar und/oder Euro.

Konten + Karten

Die Geldbeschaffung am Automaten mit Geheimzahl ist die schnellste und unkomplizierteste Art, sich unterwegs zu refinanzieren. Das Geld wird direkt in Landeswährung ausgezahlt und über die Karte vom eigenen Konto abgebucht. Stundenlanges Schlangestehen an Bankschaltern gehört damit der Vergangenheit an. Und vor allem kannst Du auf eventuelle Einnahmen während der Reise (z.B. Untermiete) auch unmittelbar zugreifen.

Damit das alles funktioniert, brauchst Du:

  • Ein Reisekonto (Girokonto). Das ist im einfachsten Fall das schon vorhandene private Konto bei Deiner Hausbank. Empfehlenswert ist aber die Einrichtung eines separaten Kontos, vor allem wenn Du mit Begleitung unterwegs sein wirst und Ihr Euch auf eine gemeinsame Reisekasse geeinigt habt. Das Konto wird dann am Anfang aufgefüllt, und immer, wenn der Kontostand unter einen gewissen Minimalbetrag fällt, wird wieder etwas eingezahlt. Das kann man per Überweisung von unterwegs machen, oder man richtet sich einen Dauerauftrag ein, der die voraussichtlichen laufenden Kosten abdeckt; dann braucht man nur ganz selten mal eine TAN.
    Sicherheitshinweis: Der maximale Schaden, den Verbrecher im ungünstigsten Fall mit Deinem Konto anrichten können, ist die Summe aus dem aktuellen Kontostand und dem eingeräumten Dispokredit. Deshalb nie zu viel Geld einzahlen, und vor allem: keinen Dispokredit beantragen! Wenn Du kurzfristig Geld brauchst, kannst Du immer noch von einem anderen Konto per Internetbanking etwas überweisen. Falls das ein Tagesgeldkonto bei der gleichen Bank ist, dauert der Prozess nur Sekunden.
     
  • Ein Tagesgeldkonto. Lass Dein Geld weiter für Dich arbeiten, während Du unterwegs bist. Tagesgeldkonten werden recht gut verzinst und kosten keine Gebühren. Außerdem kommen Kreditkartenbetrüger an dieses Geld nicht heran, es ist also eine zusätzliche Sicherheit. Überweisungen auf ein Tagesgeldkonto sind möglich, Du kannst also z.B. Einnahmen aus Untermiete oder Steuerrückzahlungen gleich dorthin transferieren lassen. Auszahlungen gehen nur auf ein vorher festgelegtes Referenzkonto, das ist normalerweise Dein Reisekonto (Girokonto). Auszahlungen sind per Überweisung oder manchmal per Dauerauftrag möglich. (Letzteres vereinfacht die Sache während der Reise deutlich.)
     
  • Einen Homebankingzugang (mit PIN und TAN) zu dem Reisekonto und zum Tagesgeldkonto. Damit kannst Du unterwegs den Finanzstatus überprüfen, das Reisekonto auffüllen und Deine Kreditkartenabrechnungen kontrollieren.
    Sicherheitshinweis: Es ist wohl unnötig zu erwähnen, dass Internetbanking an einem öffentlich zugänglichen Rechner ein gewisses Sicherheitsrisiko darstellt. Kritisch wird es allerdings erst dann, wenn Du wirklich Transaktionen durchführen musst. Hier sind einige Vorsichtsmaßnahmen zu beachten. Durch die Trennung von Reisekonto und sonstigen Vermögenswerten schaffst Du zusätzliche Sicherheit, sowohl was Internetbanking als auch Kartenmissbrauch betrifft.
     
  • Eine oder besser zwei Karten, die einem der beiden großen Kreditkarten-Netzwerke Plus (VISA) oder Cirrus (MasterCard, Maestro) angeschlossen sind. Die Abrechnungen werden direkt von dem Reisekonto abgebucht. Es ist gut, Karten für beide Systeme zu haben, weil in der dritten Welt viele Banken nur mit einem davon zusammen arbeiten. Falls Du schon eine Kreditkarte hast, unbedingt das Verfallsdatum prüfen und gegebenenfalls eine neue geben lassen.
    Sicherheitshinweis: Besser als eine "echte" Kreditkarte ist eine Debit Card ohne Kreditlinie, mit der Du nur bis zu Deinem aktuellen Verfügungsrahmen (Guthaben+Dispo) abheben kannst. Die Maestro-Karte (früher: EC-Karte) ist z.B. eine Debit Card, auch die VISA- oder MasterCards der meisten Banken. Sicherheitshalber vorher fragen!
     
  • Geheimzahlen (PIN) für die Karten.
     
  • Einen genügend großen monatlichen Verfügungsrahmen für die Karten, um die laufenden Kosten und gelegentliche größere Einzelbuchungen (Mietwagenkaution, Flugtickets) abzudecken.
     
  • Einen Überblick über alle Notfallprozeduren, falls eine oder beide Karten im Ausland abhanden kommen. Für die Sperrung von Karten gibt es 24-Stunden-Notfallnummern, die sich je nach Bank und von Land zu Land unterscheiden können. Mach Dir eine Liste für alle in Frage kommenden Länder. Interessant ist auch die Frage, wie und vor allem wie schnell Dir die Bank eine Ersatzkarte verschaffen kann. Im Idealfall sollte das per Kurierdienst innerhalb weniger Tage gehen. Dass es bei Verlust einer Karte sehr hilfreich ist, wenn Du noch eine zweite hast, versteht sich von selbst. (Du solltest dann nur aufpassen, dass die Bank nicht aus Versehen beide Karten sperrt.)

Bei der Auswahl der richtigen Kombination aus Karten und Konto solltest Du vor allem auf die Gebühren für Barabhebungen am Automaten achten. Während bei Maestro-Karten die Gebühren von der Bank festgelegt werden, die den Geldautomat betreibt (d.h. darauf hast Du wenig Einfluss, meistens liegen sie etwa zwischen 3,-€ und 5,-€), langen die heimischen Banken bei Abhebungen mit VISA-Card und MasterCard teilweise ganz schön hin. Besonders lästig sind die Mindestgebühren, die oft verlangt werden. Die Deutsche Bank verlangt z.B. für Auslandsabhebungen bei Fremdautomaten 2,5% vom Umsatz, mindestens aber 5,75€ (Stand 23.07.2008). Das heißt: bei Abhebungen von umgerechnet weniger als 230,-€ liegen die Gebühren durch den Mindestbetrag sogar noch höher als 2,5%. Wenn Du am letzten Tag in einem Land nur mal eben 30€ brauchst, dann betragen die Gebühren sogar über 19%. Und auf Langzeitreisen, wo Du von Land zu Land wechselst, ist der Fall gar nicht so selten. In manchen Ländern ist auch der Höchstbetrag, den Du auf einmal abheben kannst, lächerlich gering, so dass Du gleich mehrfach kleine Beträge ziehen musst. Auf diese Art kannst Du bei der falschen Bank langfristig einen erheblichen Teil des Reisebudgets für Gebühren ausgeben.

Es gibt aber auch Banken, die gar keine Gebühr verlangen:

DKB
Das DKB-Cash-Konto bietet alles: VISA-Karte, VISA-Partnerkarte, Maestro-Karte, Tagesgeld mit recht guter Verzinsung, gebührenfreie Abhebungen weltweit. Und das alles für sagenhafte 0,-€.
zur DKB

comdirect
Auch die Direktbank-Tochter der Commerzbank verzichtet auf sämtliche Gebühren. Bei der comdirect werden die Kartenumsätze vom Girokonto abgebucht, dadurch hast Du die Sicherheit, dass Kreditkartenbetrüger nicht an Dein Tagesgeldkonto kommen können. Der Nachteil dieser Konstruktion ist, dass das Girokonto nicht verzinst wird. Überweisungen vom Tagesgeldkonto gehen aber per Online-Banking ohne Zeitverzögerung, so dass Du den Betrag auf dem Girokonto klein halten und bei Bedarf schnell für Nachschub sorgen kannst.
zur comdirect

Bei richtiger Wahl der Karte ist die Bargeldbeschaffung am Automaten die günstigste Methode, sich unterwegs zu refinanzieren. Günstiger als Reiseschecks und sogar als Bargeld. Denn bei Reiseschecks zahlst Du Gebühren (und zwar gleich zweimal, bei Kauf und Einlösung); und der Bargeldtausch ist zwar normalerweise gebührenfrei, dafür sind sie Kurse aber fast immer schlechter. Eine Ausnahme bildet in manchen Ländern der Schwarzmakt. Aber wenn man Dir zum ersten Mal ein Bündel mit Falschgeld angedreht hat, muss das Kapitel Geldbeschaffungskosten in Deinem Reise-Blog sowieso neu geschrieben werden.

Reiseschecks

Reiseschecks (Travelers Cheques, TCs) waren einmal die erste Wahl, um Reisegeld mitzunehmen, aber im Vergleich mit Kreditkarten gelten sie inzwischen zu umständlich. Das Einlösen eines Schecks in einer Bank kann gut und gerne schon mal mehrere Stunden dauern, wenn Du Dich nacheinander an verschiedenen Schaltern anstellen musst. Das Nachverfolgen der bereits eingelösten Schecks ist auch lästig und fehlerträchtig. Außerdem trägst Du bei Reiseschecks in Fremdwährung das Wechselkursrisiko. Einen Vorteil haben Reiseschecks allerdings: sie werden im Verlustfall ziemlich schnell ersetzt, vorausgesetzt Du hast den Original-Kaufbeleg und die Nummern der abhanden gekommenen Schecks greifbar. Deshalb ist es auch heute noch ratsam, einen kleinen Vorrat mit auf die Reise zu nehmen, und zwar nicht zum Ausgeben, sondern für Notfälle. Es sollte so viel sein, dass Du ein paar Tage über die Runden kommst, aber so wenig, dass Du es am Schluss noch ganz locker aufbrauchen kannst (etwa 200-500€). Nicht eingelöste Schecks sind am Ende der Reise nur totes Kapital. Welche Sorte Reiseschecks Du mitnimmst, ist im Prinzip egal. Viele Leute empfehlen American Express, weil angeblich die Erstattung dort etwas zügiger geht als bei Thomas Cook, VISA oder Citibank. Persönliche Erfahrungen haben ich aber damit nicht. Die Akzeptanz aller Schecks ist in etwa vergleichbar, außer in Kuba: dort werden keine Schecks von amerikanischen Emittenten angenommen, also am besten Thomas Cook mitnehmen. Scheckwährung sollte die Heimatwährung (Euro/CHF) sein, dann sparst Du Dir wenigstens beim Kauf den Wechselkursverlust.

Es ist keine gute Idee, Reiseschecks in zu großer Stückelung (mehr als 100 Euro/US-Dollar/Schweizer Franken) mitzunehmen, weil die in vielen Fällen nicht akzeptiert werden und auch nicht ohne Verlust in kleinere Stückelungen umgetauscht werden können. Ideal sind Fünfziger und Hunderter. Bei kleineren Stückelungen (10/20) ist normalerweise die Einlösegebühr unverhältnismäßig hoch im Vergleich zum Nennwert.

Bargeld

Zu Bargeld gibt es in bestimmten Situationen keine Alternative, z.B. bei Grenzübertritten, wo Du oft erst einmal ein wenig Geld in Landeswährung umtauschen musst, um überhaupt bis in die nächste Stadt und zur Bank zu kommen. Euro hin oder her, die de-Facto-Weltwährung außerhalb von Banken ist immer noch der Dollar (mit Ausnahme von Europa und Teilen von Asien). Kleine bis mittelgroße Scheine ($10/20/50 bzw. 10/20/50€) sind am besten geeignet, und sie sollten in perfektem Zustand sein. Beschädigte Scheine werden oft nicht akzeptiert, manchmal sogar nicht einmal gefaltete oder beschriftete.

Dollarscheine sind zum Verbrauch bestimmt, nicht als Sicherheitspolster, deshalb solltest Du so viel Bargeld dabei haben, dass es bis zur nächsten Möglichkeit reicht, wo Du wieder auffüllen kannst. Anbieten tun sich dafür Länder, die den Dollar als offizielle Währung haben (z.B. Panama, Ecuador), oder wo es einen komplett freien Devisenmarkt gibt (z.B. Australien, Neuseeland). Hin und wieder kann man am Geldautomaten neben der Landeswährung auch Dollars ziehen. Ein Vorrat von $200-400 ist normalerweise ausreichend. Wenn Du Bedenken hast, mit so viel Bargeld herumzulaufen, denk daran: es macht vielleicht 3 oder 4 Prozent Deines gesamten Reisebudgets aus; ein Betrag, den andere Leute ohne Nachzudenken ihrer Kreditkartenfirma in den Rachen werfen, weil sie Gebühren für Barabhebungen zahlen müssen. Wenn das Geld wegkommt, ist das zwar sehr lästig, aber ein Showstopper ist es nicht.

Weltweit gebührenfrei Bargeld
Die folgenden Direktbanken berechnen für Abhebungen mit der VISA-Karte (auch an Fremdautomaten) keine Gebühren:
Komplett kostenlos; Abhebungen erfolgen direkt vom Tagesgeldkonto; immer relativ hohe Guthabenzinsen im Vergleich mit anderen Banken.
In Verbindung mit dem Tagesgeld Plus bessere Trennung von VISA-Karte und Geldvorrat; keine Kontoführungsgebühren.