Heimatbasis

Natürlich träumen wir alle von der problemlosen Weltreise, auf der man ganz auf sich alleine gestellt alle Schwierigkeiten meistert. In Wirklichkeit kommt aber fast jeder irgendwann einmal in eine Situation, wo eine zuverlässige Person zu Hause wie gerufen kommt.

Dabei muss man gar nicht mal an besonders schlimme Dinge denken wie schwere Erkrankungen oder das Aufbringen eines Lösegeldes. Am nutzbringendsten ist ein persönliches "Sekretariat" bei Routinetätigkeiten, wie:

  • Lesen und Beantworten von Behördenpost.
  • Kontrolle der Kreditkartenabrechnungen auf Anzeichen von Missbrauch.
  • Zusendung einer neuen TAN-Liste
  • Geltendmachung von Versicherungsansprüchen.
  • Vertragsangelegenheiten wie z.B. Abwicklung der Kautionsrückzahlung mit dem alten Vermieter.

Die Heimatbasis kann aber auch als Krisenstab dienen, z.B. bei:

  • Zusendung einer Ersatzkreditkarte.
  • Telegrafischen Geldüberweisungen.
  • Organisation eines Krankenrücktransports.
  • Auslösen einer Such- oder Rettungsaktion.

Wie man sieht, ist das ein ganz schön anspruchsvoller Job, um den sich die meisten nicht reißen werden. Und es gehört auch eine Menge Vertrauen dazu. Was liegt also näher, als die Familie dafür einzuspannen? Um fair zu bleiben, solltest Du der Vertrauensperson die Aufgabe so einfach wie möglich machen, und das erfordert leider einige Vorbereitung von Deiner Seite.

Kommunikationswege etablieren

Dieses Thema wird umfassend im Kapitel "In Verbindung bleiben" behandelt. Hier sei nur noch einmal darauf hingewiesen, dass die Heimatbasis diese Kommunikationswege getestet haben muss und alles zuverlässig funktionieren muss. Kein technischer Schnickschnack für die alten Eltern, sonst bricht Dir beim ersten ernsthaften Problem die Heimatbasis weg!

Es versteht sich von selbst, dass für den Kontakt zur Heimatbasis das Internet und ggf. Fax das Mittel der Wahl sind. Wenn Deine Alten nur telefonisch mit Dir kommunizieren wollen, zeige ihnen doch mal die Netzabdeckung von Bolivien. Internet gibt es dagegen in jeder Kleinstadt.

Informationen zusammenstellen

Die Heimatbasis braucht zur Erledigung ihres Auftrags Informationen. Diese sollten alle an einer zentralen Stelle abgelegt sein, das kann z.B. ein besonderer Ordner sein. Folgende Informationen gehören da rein:

  • Deine Kontaktinformationen für unterwegs, z.B. Deine E-Mail-Adresse und Fax-Nummer.
  • Ungefähre Routenbeschreibung, inklusive einer Übersicht, welche Flüge gebucht sind.
  • Übersicht über alle bestehenden Versicherungen, mit:
    • Art des Vertrages
    • Versicherungsgesellschaft und Kontaktinformation.
    • Versicherungsnummer und Tarif.
    • Kurze Beschreibung: was ist versichert?
    • Kopie des Versicherungsscheins und der Versicherungsbedingungen.
  • Übersicht über alle sonstigen laufenden Verträge, Zahlungsmodalitäten und eigene Verpflichtungen.
  • Gegebenenfalls Informationen zum Untermietverhältnis.
  • Falls die Möbel eingelagert wurden: Informationen zur Spedition bzw. Adresse der privaten Unterstellmöglichkeit.
  • Letzter Arbeitgeber.
  • Letzter Vermieter.
  • Alle wichtigen Notfallnummern, z.B. für Sperrung von Kreditkarten, 24h-Notrufe von Versicherungen.
  • Liste der deutschen Botschaften mit Kontaktangaben (gibt es beim Auswärtigen Amt).
  • Auflistung der bestehenden Konten und dazugehörigen Karten.
  • Liste der bestehenden Lastschrifteinzugsermächtigungen.
  • Übersicht über die noch ausstehenden Zahlungseingänge.

Das sieht nicht nur aus wie viel Arbeit, das ist auch viel Arbeit. Also früh anfangen!

Vollmacht erteilen

Damit die Vertrauensperson in finanziellen und vertraglichen Angelegenheiten für Dich handeln kann, braucht sie eine Vollmacht. Weil Du im Vorfeld der Reise nicht genau wissen wirst, was alles erforderlich ist, sollte die Vollmacht möglichst allgemein gehalten sein und kommt damit einer Generalvollmacht schon sehr nahe. Muss jeder selbst wissen, wie weit er da gehen will.

Die folgende Vorlage für eine Generalvollmacht stammt von Lukas Kohli und darf unter einer Creative Commons-Lizenz verwendet werden:

Weitere Informationen zum Thema Vollmacht gibt es z.B. hier:

Wichtig: für einfache Dinge wie vertragliche Angelegenheiten reicht eine unbeglaubigte Vollmacht normalerweise aus. Sobald es aber etwas offizieller wird, besonders im Umgang mit Behörden, ist es eine sehr gute Idee, wenn die Vollmacht notariell beglaubigt ist. Wenn es hart auf hart kommt, kann man die Beglaubigung zwar auch noch unterwegs nachholen, dazu muss man aber in ein Konsulat des Heimatlandes. Im Falle der Kontovollmacht haben es die Banken gerne ein wenig formaler (d.h. auf einem eigenen Formblatt), deshalb zieht eine individuell ausformulierte Vollmacht bei denen meistens nicht. Das ist aber in Zeiten von Internetbanking und Geldautomaten auch nicht mehr unbedingt notwendig.

Disclaimer: Das ist jetzt kein juristischer Rat und soll auch keiner sein. Lass Dich in jedem Fall von jemand beraten, der sich mit so was auskennt.

Wohnsitz und Postadresse

Seinen Wohnsitz im Heimatland ganz abzumelden ist prinzipiell keine gute Idee. Das gibt viele Schwierigkeiten mit Banken, Versicherungen und Behörden (auch den ausländischen). Aber wo könntest Du Dein "offizielles" Domizil aufschlagen? Die naheliegende Lösung ist auch hier die beste: natürlich in der Heimatbasis. Dann noch schnell einen Nachsendeauftrag bei der Post gestellt, und die Vertrauensperson erhält automatisch alle wichtige Post für Dich. Die Heimatbasis ist auch der Ort, wo Dich z.B. die Rettungsflugwacht hinschafft, wenn Du im Ausland schwer erkrankst. Passt also alles perfekt, bis auf einen kleinen Schönheitsfehler: ganz legal ist es nicht, weil Du ja am Hauptwohnsitz gar nicht Deinen Lebensmittelpunkt hast. Deshalb besser beim Einwohnermeldeamt nicht erwähnen, dass Du eine längere Reise vor hast! Falls jemand fragt, bist Du eben arbeitslos geworden und ziehst wieder bei den Eltern ein. Stimmt ja vielleicht sogar.

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