Wohnung

Die eigene Wohnung während einer langen Reise einfach leer stehen zu lassen, kann sich wohl kaum jemand von uns leisten. Die meisten werden dieses Kostenfaktor weitgehend eliminieren müssen, damit die Reise bezahlbar bleibt. Also: untervermieten oder ausziehen.

Untervermietung

Das ist eine ganz elegante Methode, denn man spart sich den Stress der Wohnungsauflösung. Damit Untervermietung wirklich funktioniert, müssen aber viele Bedingungen erfüllt sein:

  • Der Vermieter erlaubt die Untervermietung oder Du bist selbst Eigentümer der Wohnung. Ein Vermieter muss einer Untervermietung nicht zustimmen. Tut er es allerdings nicht, so kannst Du Deinen Mietvertrag mit gesetzlicher Frist kündigen. Das ist interessant für Leute mit langen vertraglichen Kündigungsfristen oder mit Zeitmietverträgen. Das Einholen der Erlaubnis sollte in jedem Fall schriftlich erfolgen, das gilt vor allem für die Antwort des Vermieters.
  • Du findest einen Untermieter. Dazu kannst Du eine Annonce aufgeben oder es mal bei der Mitwohnzentrale versuchen. Von Leuten, die so was schon gemacht haben, weiss ich, dass man oft erst im letzten Moment einen Untermieter findet. In Universitätsstädten sind die Chancen kurz vor Semesteranfang am besten, da suchen oft Gastwissenschaftler eine Bleibe für ein Forschungssemester oder -Jahr. Studenten kommen als Untermieter für eine größere Wohnung eher selten in Frage, es sei denn man möchte eine WG als Untermieter haben.
  • Der Untermieter zieht wirklich zum vereinbarten Termin ein und bleibt auch in der Wohnung, bis Du zurück kommst.
  • Der Untermieter zahlt die Miete, und zwar nicht nur für den ersten Monat.
  • Der Untermieter behandelt die Wohnung und Deine Möbel pfleglich.
  • Du willst Deine Reise nicht verkürzen oder verlängern.
  • Du willst nach der Reise wieder in die gleiche Wohnung einziehen, d.h. Du findest in der Nähe Arbeit.

Wie Du siehst, gibt es eine ganze Reihe von Unsicherheitsfaktoren, aber bei kürzeren Reisen sind die Risiken überschaubar. Als Faustregel kann man sagen, dass sich ab einer Reisedauer von mindestens 6 Monaten die Wohnungsauflösung lohnt.

Wohnungsauflösung

Einpacken und Ausmisten

Die Aufgabe der Wohnung und das Finden einer neuen Wohnung nach der Reise entspricht vom Aufwand her einem Umzug. Genau genommen ist der Aufwand sogar noch höher, denn Du musst viel sorgfältiger einpacken. Der Grund ist, dass Du Deine Sachen für die Dauer der Reise wahrscheinlich irgendwo unterstellen musst, und dafür sollten sie möglichst kompakt sein. (Speditionen berechnen die Lagergebühren nach Volumen.) Das heißt, alles was man zerlegen kann wird auch zerlegt und zu flachen Paketen gemacht. Nimm Dir die Zeit, alles möglichst sorgfältig zu beschriften, sonst findest Du beim Wiederaufbau zwar Dein Bett, aber nicht die Schrauben. Auch jeder Umzugskarton sollte detailliert beschriftet sein. Heute weißt Du noch, dass das Netzteil für Dein Telefon in der Kiste "Wohnzimmer 3" ist, aber wie ist das nach einem Jahr??? Aufbauanleitungen für Deine Möbel solltest Du auch leicht auffindbar ablegen. Wenn Du keine Aufbauanleitungen hast, mach Dir kleine Skizzen beim Auseinanderbauen. Es ist erstaunlich, was man in einem Jahr vergessen kann.

Vor dem Auszug wird ausgemistet. Bei manchen Möbeln wird sich das Einlagern nicht lohnen. Ein gebrauchtes Sofa ist in der Anschaffung günstiger als die Lagerkosten. Den alten Kühlschrank mit Energieeffizienzklasse C wird jetzt auch sein Schicksal ereilen. Wenn Du Dinge los werden willst, fange rechtzeitig damit an. Kein Umzugshelfer ist begeistert, wenn die erste Fahrt mit dem LKW erst mal zum Wertstoffhof oder zum Sperrmüll geht. Wenn Du Sachen verkaufen willst, plane ein paar Wochen Zeit dafür ein.

Sachen Einlagern

Wer Verwandte oder Freunde hat, die Platz zum Lagern der Möbel haben, kommt zum Nulltarif davon. Alle anderen werden sich eine professionelle Lagermöglichkeit suchen müssen. Hier lohnt sich ein Blick in die Gelben Seiten unter "Möbeleinlagerung". Viele Umzugsspeditionen bieten diesen Service an, außerdem gibt es eine ganze Reihe von Kleinunternehmen ("7,5-Tonner und zwei starke Männer"), die oft erheblich billiger sind. Ein paar Dinge muss man allerdings beachten:

  • Es ist ein Vorlauf von mehreren Wochen notwendig, damit die Unternehmen ihre Lagerkapazitäten und Transporte planen können. Es schadet nicht, mit der Suche nach einer Lagermöglichkeit zwei Monate vor der Abreise anzufangen.
  • Wie werden die Möbel gelagert? Ist die Halle klimatisiert (das wäre perfekt), geheizt (auch gut) oder gar nix (eher schlecht wegen Feuchtigkeit und Schimmel), kommen die Sachen in einen Container (perfekt) oder werden sie auf Paletten in Folie eingeschweißt (auch ok)? Oder gar ganz offen abgestellt? (Staub, Ratten!)
  • Welcher Versicherungsschutz besteht? Musst Du noch eine Zusatzversicherung bezahlen?
  • Welche Kosten fallen für das Abholen und Bringen an? Kannst Du das vielleicht sogar selbst machen? Falls ja, wie groß muss der Laster sein? (Beladungsskizze machen, ist sehr aufschlussreich!)
  • Wie zuverlässig ist der Anbieter? Bei großen, etablierten Firmen hast Du eine gute Chance, dass Deine Sachen tatsächlich im Lager landen und nicht auf einem Flohmarkt in Osteuropa.

Renovieren

Nach dem Auszug kommt bei den meisten Leuten die Wohnungsrenovierung. Wenn Du keine Erfahrung mit Umzügen hast, wirst Du überrascht sein, wie viel Zeit das fressen kann. Schau rechtzeitig in Deinen Mietvertrag, damit Du weißt, was vereinbart ist. Wer nur streichen und den Teppich reinigen muss, hat Glück gehabt; das kann man in ein paar Tagen schaffen. Wenn es aber irgendwelche Arbeiten an Tapeten, Tür- und Fensterrahmen oder Heizkörpern zu machen gibt, dann stell Dich auf ein bis zwei Wochen ein. Falls es einen Hausmeister für die Wohnung gibt, solltest Du Dich frühzeitig mit ihm in Verbindung setzen. Er kann wertvolle Hinweise geben und kennt oft auch Leute, die für wenig Geld die Renovierung ganz oder teilweise durchführen.

Wiedereinzug

Nach der Reise kommt das Ganze dann in umgekehrter Reihenfolge. Die Spedition ist dankbar für einen rechtzeitigen Hinweis, dass Du die Sachen demnächst brauchen wirst. Eventuell steht Dein Container im Lager ganz hinten und muss in einem Prozess von mehreren Wochen langsam nach vorne verlagert werden. Nachdem eine neue Wohnung gefunden ist und die quälende Zeit im alten Kinderzimmer bei den Eltern ein Ende hat, kommt dann irgendwann der große Moment, wo der Laster mit Deinen Sachen vor der Tür Deiner neuen Wohnung steht und Du noch viel mehr Kartons auspacken darfst als zu Weihnachten. Jetzt zeigt es sich, wie gut Du eingepackt hast. Ein kleiner Auszug aus dem Katastrophen-Kabinett:

  • Eine Kiste mit Gläsern ist kollabiert, weil die schwere Bücherkiste oben drauf stand und niemand wusste, dass Gläser drin sind. (Lösung: Kisten mit empfindlichem Inhalt deutlich kennzeichnen. Schwere Kisten deutlich kennzeichnen. Bücherkisten nur halb voll machen, mit Kissen oder dergleichen auffüllen. Für empfindliche Sachen nur stabile, unbeschädigte Kisten nehmen, am besten feste Curverboxen aus Kunststoff. In Gläserkisten die obersten Zentimeter frei lassen für den Fall, dass der Boden der Kiste darüber unter Last etwas nachgibt.)
  • Du hast die Schrauben und Beschläge aller Möbel in eine Kiste gepackt, weißt aber nicht mehr welche. (Lösung: Die Schrauben von jedem Möbelstück in eine durchsichtige Plastiktüte packen und auf die Kiste nicht nur draufschreiben, dass Schrauben drin sind, sondern auch von welchen Möbelstücken genau. Die Schraubenkiste kann nämlich im Laufe des Packens so schwer werden, dass Du den Inhalt verteilen musst. In die Plastiktüten gehört ein Zettel, zu welchem Möbelstück die Schrauben gehören.)
  • Du musst beim Aufbauen ständig alle Kisten hin und her räumen, weil die Beschriftungen von vorne nicht sichtbar sind. (Lösung: Nicht die Längsseiten beschriften, sondern beide Schmalseiten. So können Kisten platzsparend an der Wand gestapelt werden, und Du kannst ohne Räumen sofort sehen, was drin ist.)
  • Die empfindlichen Möbeloberflächen haben Kratzer abbekommen. (Lösung: bei hochwertigen Holzmöbeln die Bretter einzeln in feste Folie verpacken, wenigstens die wichtigsten wie Schrankfronten und Tischplatten. Teure Luftpolsterfolie ist nur bei Spiegeln und Glasplatten notwendig.)

Na dann viel Spaß!!!

Kein Bock mehr auf die alte Heimat?

Ach ja: Falls Du Dich entschlossen hast, doch nicht mehr nach Hause zurück zu kommen, wirst Du Dich freuen, wenn Du Deine Sachen bei einer richtigen Spedition geparkt hast. Da kannst Du nämlich einfach anrufen und sagen: "Ladet das Zeug auf ein Schiff!"

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