In Verbindung bleiben

Kaum ein Aspekt einer Langzeitreise hat in den letzten Jahren eine so dramatische Entwicklung genommen wie die Kommunikation. Die Einführung des Telefons war ein müdes Geplänkel verglichen mit den Möglichkeiten, die durch das Internet inzwischen (fast) in jedem Winkel der Welt gegeben sind. Natürlich ist dadurch einiges vom Mythos einer Langzeitreise verloren gegangen. Aber sind wir doch mal ehrlich: wer schon einmal ein Telegramm an eine Postlagernd-Adresse bekommen hat, wird den alten Zeiten kaum eine Träne nachweinen.

Internet

Sehr viele Langzeitreisende sind inzwischen mit einem internetfähigen Gerät (Netbook, Tablet, Smartphone) unterwegs. Die lange Zeit erbittert geführte Debatte, ob der "wahre" Backpacker nicht besser ohne den technischen Schnickschnack reist, scheint zu Gunsten der Technikbefürworter entschieden. Möglich wurde das nicht zuletzt durch die Einführung der neuen Geräteklassen, die nicht mehr so schwer, empfindlich und teuer sind. Trotzdem gibt es nach wie vor Puristen, die den (auch emotionalen) Ballast scheuen.

Zugang unterwegs

Je nachdem, mit welcher Ausstattung man unterwegs ist, stehen verschiedene Zugänge zum Internet zur Verfügung:

  • Öffentliche WLAN-Hotspots: Die meisten Hostels und Hotels, aber auch viele Cafés und Restaurants, haben inzwischen einen Hotspot eingerichtet. Während die Nutzung in Entwicklungsländern (besonders in Asien und Lateinamerika) in der Regel kostenlos ist, wird anderswo (z.B. Australien, USA) gerne Geld dafür verlangt, und zwar nicht zu knapp. Das Gleiche gilt für teurere Hotels. Ein Tipp sind öffentliche Bibliotheken, die oft über einen kostenlosen Zugang verfügen. Viele schwören auch auf Starbucks, wo man kostenlos das WLAN nutzen kann, wenn man einen Kaffee trinkt.

  • Mobilfunk: In immer mehr Ländern kann man relativ günstig Prepaid-SIM-Karten mit einer Datenflatrate kaufen. (Die bekommt man tendenziell eher nicht am Kiosk, sondern in den offiziellen Läden der Telefongesellschaften.) Damit wird der Internetzugang von Hotspots unabhängig und in der Regel sogar günstiger als die kommerziellen Hotspots. Es kann sogar sein, dass die Verbindung schneller ist als beim kabelgebundenen Internet, nämlich dann, wenn das Netz erst relativ spät ausgebaut wurde und dabei gleich auf drahtlose Infrastruktur gesetzt wurde.
    Um Mobiles Internet mit einem "nur" WLAN-fähigen Gerät zu nutzen, muss ein anderes Gerät zwischengeschaltet werden. Das kann ein UMTS-Stick sein, aber auch ein Mobiltelefon mit Modemfunktion (via Kabel, Bluetooth oder eingebauter WLAN-Hotspotfunktion). Eine spezielle Lösung sind mobile WLAN-Router im Hosentaschenformat, die dank eigenem Akku einen autonomen Hotspot aufbauen können. Macht aber nur Sinn, wenn das Telefon das nicht sowieso kann.

  • Öffentliche Computer: Die klassischen Internet-Cafés, wo man für einen bestimmten Zeitraum einen Computer mit Internetzugang mieten kann, sind weltweit auf dem Rückzug. Kein Wunder, schließlich handelt es sich dabei um eine Brückentechnologie, die mittelfristig durch den direkten Zugang vom eigenen Endgerät abgelöst werden wird. Dieser Trend ist in Industrieländern weiter fortgeschritten als in Entwicklungsländern. Noch ist es aber überall möglich, auch ohne eigenes Gerät ins Internet zu kommen.
    Wer ausschließlich an öffentlichen Computern online gehen will, sollte sicher stellen, dass alle dafür benötigten Daten auch im Netz verfügbar sind. Das betrifft vor allem E-Mail: Wer sonst nur mit einem E-Mail-Programm wie Outlook oder Thunderbird arbeitet, muss sein Adressbuch in die Webmail-Oberfläche des Providers übertragen.

    Man muss leider inzwischen sagen, dass die Nutzung von öffentlichen Computern nur einen (wenn auch großen) Vorteil hat: Man braucht kein eigenes Gerät, dass man tragen und schützen muss (vor Beschädigung oder Verlust). Dem stehen eine Reihe von Nachteilen gegenüber:

    • Viele öffentliche PCs sind komplett virenverseucht.
    • Es besteht ein ernsthaftes Datenschutzproblem. Internetbrowser hinterlassen Informationen im Cache oder speichern eingegebene Formulardaten. Und es ist nicht wirklich schwierig, mit Schadsoftware Benutzerkennungen und Passwörter auszuspähen. Das gilt auch für Bankdaten.
    • Die Atmosphäre ist oft nicht sonderlich entspannt. Während Du versuchst, einen witzigen, interessanten Blogeintrag zu schreiben, tickt der Gebührenzähler im Hintergrund, und drei Teenager spielen rund um Dich herum eine Partie Egoshooter. Nein, nicht über Kopfhörer.
    • Die Kosten für die Internetcafes kommen auf einer Weltreise locker in die Größenordnung des Anschaffungspreises eines Netbooks.
    • Es kann in den meisten Fällen keine Software installiert werden. Es stehen also nur die Dienste zur Verfügung, die standardmäßig vorhanden sind.

Soziale Netzwerke und E-Mail

Über die Vorteile von Facebook, E-Mail & Co muss man ja wohl keine Worte mehr verlieren. Diese Kommunikationsmittel stehen Dir auf der Reise praktisch genauso zur Verfügung wie zu Hause, jedenfalls sobald Du Zugang zum Internet hast. Es gibt allerdings Länder (z.B. China), die den Zugriff einschränken.

Hinweis: Diese Einschränkungen können mit etwas technischem Verständnis leicht umgangen werden, allerdings wirft die Verwendung eines Proxy-Servers schwerwiegende Sicherheitsfragen auf, z.B. kann ein nicht vertrauenswürdiger Proxy einen Man-In-The-Middle-Angriff ausführen, bei dem selbst verschlüsselte Daten (SSL, HTTPS) problemlos mitgelesen und verändert werden können. Unbekannte Proxies sollte man also nicht für sensible Daten verwenden.

Skype

Für Gespräche in die Heimat ist das Internet inzwischen erste Wahl, denn es ist konkurrenzlos günstig. Ich empfehle Dir, dass Du Dir einen Skype-Account einrichtest, falls Du noch keinen hast. Skype ist für viele Geräte (Netbooks, Tablets, Smartphones) verfügbar und ist auch in vielen Internetcafes installiert. Es bietet Dir die Möglichkeit, weltweit für 2,2 Cent pro Minute in europäische Festnetze zu telefonieren.

Und was noch besser ist: Gespräche von Skype zu Skype sind komplett kostenlos.

Tipp: Skype ist natürlich auch für Freunde und Familie interessant, denn auch der Anruf bei Dir (wenn Du Zugriff auf ein Festnetz-Telefon hast) ist äußerst billig. Wenn Deine Eltern Dich in z.B. Australien anrufen wollen, kostet die Minute ebenfalls nur 2,2 Cents.

Blogs

Das ist ein Fluch und Segen zugleich. Fangen wir mal mit den Vorteilen an, da sind im Wesentlichen zwei: Erstens ist ein Blog für die Freunde und Verwandten sehr viel leichter zu ertragen als ein 5-stündiger Dia-Abend (bzw. eine randvolle Festplatte mit unsortierten Fotos). Die meisten Leute interessieren sich sowieso eher während der Reise für Deine Abenteuer, hinterher ist es vielen eher lästig (zumal man die meisten Bilder inzwischen schon aus diversen Reisejournals im Fernsehen kennt). Häppchenweise werden Deine Berichte sogar sehr gerne gelesen. Der zweite Vorteil ist, dass Du während Deiner Reise nicht in Vergessenheit gerätst. Beim Wiedersehen nach vielen Monaten hat man also nicht so viel aufzuholen, die Basis für Gespräche ist breiter und der Wiedereinstieg ist ingesamt leichter.

Und die Nachteile? Naja, Du musst das alles machen, während Du noch unterwegs bist. Kannst Du Dir nicht etwas besseres vorstellen, als Deine Reisezeit am Computer zu verbringen? Die Gefahr ist sehr groß, damit einfach zu viel Zeit zu verschwenden oder sich geistig zu viel damit zu beschäftigen. Andererseits habe ich aber auch schon gehört, dass es für manche Menschen eine willkommene Gelegenheit ist, das Erlebte zu reflektieren und zu verarbeiten.

Fotoseiten

Es gibt inzwischen eine unüberschaubare Menge von Websites, auf denen man Online-Fotoalben verwalten kann. (Die bekanntesten sind Flickr und Picasa.) Sie eignen sich hervorragend, um die armen Daheimgebliebenen schon von unterwegs mit Urlaubsbildern zu quälen. *evil grin* Allerdings sollte man nicht vergessen, dass das Hochladen von 500 Bildern aus einer 20-Megapixel-Kamera in einem Internetcafe in Südamerika möglicherweise etwas ganz anderes ist als die 20 Bilder von der letzten Fete über den heimischen DSL-Zugang. Sprich: diese Sites eignen sich nicht zum Archivieren von hochauflösenden Fotos, dafür gibt es andere Lösungen. Wer so eine Site nutzen möchte, sollte sich Bildbearbeitungs-Software zum Verkleinern der Bilder mitnehmen, um die Ladezeiten im Rahmen zu halten. (Achtung: Nicht die Originale verkleinern, sondern Kopien!)

Telefon und Fax

GSM-Mobiltelefone

Wer sein Handy mit auf Reisen nimmt, muss sich darüber im Klaren sein, dass es ein weiteres Gerät ist, auf das man aufpassen muss. Inzwischen dürfte aber fast jeder an ein gebrauchtes Gerät kommen, dessen Verlust verschmerzt werden kann. Internationales Roaming mit dem Vertrag von zu Hause kann das Reisebudget schnell auffressen. Eine praktikable Lösung ist es, vor Ort Prepaid-Karten zu kaufen, dann ändert sich allerdings in jedem Land die Telefonnummer.

Damit das Ganze funktioniert, empfiehlt sich mindestens ein Dreibandgerät (GSM 900/1800/1900), besser noch QuadBand. Die Netzabdeckung für alle Länder der Welt kann man bei Mobile World Live erfahren.

Telefonkarten und Calling Cards

Wer kein Handy dabei hat, kann günstig von öffentlichen Fernsprechern aus telefonieren. Wer länger in einem Land unterwegs ist, besorgt sich am besten für umgerechnet ein paar Euro eine Telefonkarte (meistens an Kiosken erhältlich).

Eine Alternative stellen so gegannte Calling Cards dar, die von einer beliebigen Telefongesellschaft sein können. Das funktioniert so, dass man von einem öffentlichen Fernsprecher eine gebührenfreie Nummer anruft, dort seinen Code und die eigentliche Zielnummer eingibt und dann mit dem angerufenen Teilnehmer verbunden wird. Die Kosten werden vom Kartenkonto abgebucht und variieren von Anbieter zu Anbieter bzw. Land zu Land. Persönlich habe ich so eine Karte noch nicht benutzt. Die Preise sind generell höher als mit lokalen Telefonkarten. Eine Prepaid Calling Card stellt allerdings ein hervorragendes Abschiedsgeschenk für einen Weltreisenden dar.

Unterwegs Faxe empfangen

Manchmal kann es erforderlich sein, dass Dir die Heimatbasis Informationen per Fax zukommen lässt, z.B. wenn Du irgendetwas unterschreiben musst. Du könntest Dir das Fax an ein Gerät schicken lassen, das in der Nähe ist, z.B. an die Rezeption eines Hotels. Die Probleme dabei: der Besitzer des Faxes muss das erlauben, Du musst die Faxnummer in der Regel erst mal durchgeben, Du musst dabeibleiben und das Fax muss dann auch wirklich in Deine Hände gelangen. Für mich sind das ein paar Probleme zu viel.

Besser ist es, wenn Du ein Fax-to-Email Gateway benutzt. Es empfängt Dein Fax, wandelt es in eine Email um und sendet sie Dir an Deine normale Email-Adresse. Ein solches Gateway ist z.B. in dem kostenlosen Email-Service von Arcor (PIA Basic) enthalten. Du bekommst dort eine Nummer in Deutschland, unter der Dein virtuelles Faxgerät immer erreichbar ist. Die empfangenen Faxe (Email-Dateianhänge als TIFF-Grafiken) kannst Du dann in jedem Internetcafe selbst ausdrucken.

Post

Briefe und Postkarten

Hach, Nostalgie! Die gute alte Schneckenpost ist besser als ihr Ruf. Von manchen Ländern sind Postkarten und Briefe nach Europa nur wenige Tage unterwegs. Im Gegensatz zu Deutschland bekommt man anderswo oft die Briefmarken schon beim Kauf der Postkarten dazu, anderenfalls muss man sich zum Postamt bemühen. Muss man aber oft sowieso, weil es die einzige zuverlässige Methode ist, die Dinger auch abzuschicken. Nur im Postamt kann man selbst zusehen, dass die Briefmarken tatsächlich abgestempelt werden. In vielen Ländern ist es kein Problem, Post einfach in den Briefkasten einzuwerfen, aber manchmal werden die ungestempelten Marken einfach wieder abgelöst und die Post wandert in die große Rundablage.

Wofür braucht man in Zeiten des Internet überhaupt noch Briefe? Um Speicherkarten oder DVDs mit Bildern nach Hause zu schicken. Das ist nämlich nach wie vor die Methode der Wahl, um seine Urlaubserinnerungen vor Verlust zu schützen.

Wer unterwegs Post empfangen möchte, braucht eine Adresse. Das kann ein Hotel sein, wo man länger bleibt. Oft ist es aber eine Postlagernd-Anschrift. Das Ganze ist umständlich und zeitraubend, und man büßt auch eine Menge Freiheit ein, wenn man schon frühzeitig anderen Leuten mitteilen muss, wann man wo sein wird. Für die, die es trotzdem tun wollen, ein paar Tipps aus der Praxis:

  • Die Postlagernd-Adresse sieht so aus:
    • NACHNAME, Vorname
    • "Poste Restante" (international) / "General Delivery" (englisch) / "Lista de Correos" (Spanisch)
    • genaue Bezeichnung des Postamts, falls es in der Stadt mehrere gibt (im Zweifelsfall die Hauptpost)
    • (Postleitzahl) Stadt
    • Land
  • Unbedingt in Blockschrift schreiben, äußerst deutlich und ohne jedes Sonderzeichen!
  • Brieflaufzeiten ab Deutschland streuen zwischen 5 Tagen und etwa 4 Wochen.
  • Briefe, die nicht innerhalb einer bestimmten Zeit abgeholt werden (meistens 4 Wochen), werden an den Absender zurück geschickt.
  • Bei der Abholung im Postamt wird einem eine Liste der gelagerten Briefe vorgelegt, auf der man seinen Namen finden muss. Auch auf alternative Schreibweisen achten, oft werden beim Übertragen der Namen Fehler gemacht. Kreativität ist hier gefragt! Im Zweifelsfall den Brief zeigen lassen.

Kurier- und Paketdienste

Wer sich etwas schicken lassen will, benutzt besser Kurier- oder Paketdienste wie DHL, UPS oder FederalExpress. Das ist teurer, geht aber viel schneller.

Zufallsbild aus der Fotogalerie