Richtiges Verhalten auf der Straße

Die meisten Orte in Mitteleuropa sind, was die Sicherheitslage betrifft, ein Hort der Glückseligkeit. Eine niedrige Kriminalitätsrate, verbunden mit einem recht ausgeprägten sozialen Frieden — das ist längst nicht überall so. Außerdem giltst Du in vielen Gegenden als Tourist automatisch als reich, was Dich natürlich zu einem lohnenden Ziel macht.

Daraus zu schließen, dass Touristen anderswo unbedingt gefährlicher leben als Einheimische, ist aber etwas voreilig. Das liegt eher daran, dass sie nicht nur ein lohnendes Ziel sind, sondern oft auch noch ein leichtes Ziel, weil sie sich so verhalten, als wären sie in ihrem Heimatland. Die Einheimischen haben dagegen gelernt, mit der jeweiligen Situation umzugehen.

Die hier vorgestellten Tipps zur Vorbeugung gegen Diebstähle und Überfälle gelten in erster Linie für Städte. Auf dem Land ist es praktisch immer wesentlich entspannter und sicherer.

Vorbeugung gegen Diebstähle

Wertsachen zu Hause lassen

Je weniger Du dabei hast, desto weniger kann man Dir klauen. Selbst wenn nichts wegkommt, ist es in vielen Situationen extrem lästig, auf Deine Wertsachen aufzupassen. Eine Plastiktüte mit einem alten Handtuch und etwas Sonnenmilch kannst Du wahrscheinlich auch an der Copacabana ohne Bedenken am Strand liegen lassen, wenn Du schwimmen gehst. Eine Kamera und eine teure Sonnenbrille mit Sicherheit nicht.

Nicht mit Gepäck in Menschenansammlungen gehen

Das ist manchmal leichter gesagt als getan, besonders in überfüllten Verkehrsmitteln. Aber auch in Bahnhöfen und Busterminals gibt es meistens geschützte Ecken, in die man sich zum Warten zurückziehen kann.

Sicherheitsausrüstung benutzen

Trage die wichtigsten Papiere, Bargeld und Kreditkarten immer direkt am Körper, unter der Kleidung. Ideal dafür ist eine Geldkatze.

Daypack bei Enge nicht auf dem Rücken tragen

In allen Situationen, wo sich jemand unbemerkt von hinten nähern könnte (z.B. auf belebten Straßen oder Märkten, in Verkehrsmitteln), solltest Du es den Dieben nicht zu leicht machen und Dein Daypack lieber vor der Brust tragen als auf dem Rücken. Es sieht zwar etwas blöd aus, aber es hilft wirklich, und signalisiert einem potenziellen Dieb, dass Du auf der Hut bist.

Blick- oder Körperkontakt zum Gepäck halten

Im Versicherungsjargon heißt das auch "persönlicher Gewahrsam". Das wird von den Reisegepäckversicherungen –falls Du Deine Sachen versichert hast– als Mindestvoraussetzung angesehen, dass Du Deinen Versicherungsschutz nicht verlierst. Ziel ist es, dass Du einen Diebstahl sofort bemerken würdest, was wenigstens die Täter abschreckt, die ausschließlich heimlich zu Werke gehen wollen. Leider sind das aber längst nicht alle, außerdem können Profis Deine Aufmerksamkeit leicht ablenken. Daher die folgende Regel:

Sachen physisch gegen Wegnehmen sichern

Genauso häufig wie der verdeckte Diebstahl (z.B. heimliches Wegnehmen von Sachen aus Hotelzimmern, Fahrzeugen oder unbeaufsichtigtem Gepäck) ist der offene Diebstahl, bei dem sich jemand einfach Dein Zeug greift und damit losläuft. Diese Strategie beruht auf der Annahme, dass Du dem Täter nicht folgen kannst, was auch meistens der Fall ist; z.B. weil Du auf den Teil des Gepäcks aufpassen musst, der noch nicht geklaut wurde, weil ein Komplize "zufällig" im Weg steht oder der Täter jung und gut trainiert ist.

Diese Form des Diebstahls kannst Du nur verhindern, wenn der Täter den Gegenstand gar nicht erst nehmen kann, weil er an Dir oder an einem Objekt befestigt ist. Wenn Du Deinen Tagesrucksack auf den Boden stellst, kannst Du z.B. einen Fuß oder ein Tischbein durch einen der Gurte stecken. Oder Du schließt mehrere Rucksäcke mit einem Fahrradschloss oder Drahtseil zusammen. Die Befestigung sollte aber einer Rasierklinge länger als ein paar Sekunden widerstehen können.

Vorbeugung gegen Überfälle

Keine Reichtümer offen zur Schau stellen

Das ist eigentlich ein No-Brainer. Nicht nur Diebe, sondern auch Räuber sind auf eine Gelegenheit angewiesen. Du hattest wahrscheinlich ohnehin nicht vor, in einem Stadtbus in Rio auf Deinem iPhone ein Sudoku zu spielen oder in Nairobi Geldscheine im Gegenwert von mehreren hundert Euro zu zücken, um eine Cola zu bezahlen. Aber ich wollte es doch mal erwähnt haben.

Beute dabei haben

Ein Räuber, der überhaupt keine Beute bekommt, wird seiner Forderung Nachdruck verleihen. Das fühlt sich nicht gut an. Deshalb solltest Du in unsicheren Gegenden niemals ganz ohne Wertsachen unterwegs sein. Ideal ist eine Geldbörse mit etwas Bargeld. Falls vorhanden, kannst Du auch eine abgelaufene Kreditkarte hineinstecken.

Gefahrensituationen vermeiden

Klingt einfach, ist aber schwierig: woher weißt Du denn, was eine potenzielle Gefahrensituation ist? Zunächst mal solltest Du auf die Tipps von Einheimischen (z.B. das Hotelpersonal) oder Reiseführern hören. Sie können Dir verraten, wo es Brennpunkte gibt, an denen viel passiert. Wenn Du diese Brennpunkte meidest, ist das schon die halbe Miete. Neben bestimmten Orten, an denen Du Dich nicht rumtreiben solltest, gibt es auch Situationen, die mit einem erhöhten Risiko verbunden sind. Beispielsweise solltest Du nicht spät abends oder früh morgens zu Fuß in einer unsicheren Großstadt rumlaufen, sondern lieber ein Taxi rufen.

Begleitung suchen

Safety in Numbers: um eine Gruppe zu überfallen, braucht es schon eine ganze Gang und eine gute Bewaffnung. Schlecht ausgerüstete Einzeltäter –und das sind die meisten– werden die Finger davon lassen. Wenn Einheimische in der Gruppe sind (z.B. ein Fremdenführer oder Taxifahrer), steigt für potenzielle Täter auch das Risiko, dass sie identifiziert werden, besonders in ländlichen Gegenden.

Nicht die Kontrolle verlieren

Schieße Dich –jedenfalls in unsicheren Gegenden– niemals dermaßen mit Alkohol oder Drogen ab, dass Du Dich nicht mehr komplett kontrollieren kannst. Wer Wahrnehmungs- oder Bewegungsstörungen hat, ist ein extrem leichtes Opfer.

Trau schau wem

Fast alle Überfälle werden durch Männer verübt, und in der Regel sind sie jung. Solltest Du irgendwann auf die Hilfe von Einheimischen angewiesen sein, z.B. weil Du die Orientierung verloren hast, wende Dich bevorzugt an Frauen und Alte.

Abstand halten

Wenn Dir Personen auffallen, die Dir irgendwie komisch vorkommen, versuche nicht direkt an ihnen vorbei zu gehen. Wechsle auf die andere Straßenseite und beobachte, ob sie das Gleiche tun. Besondere Vorsicht ist bei Leuten geboten, die offensichtlich unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stehen.

Nicht paranoid werden

Gesunde Vorsicht ist gut, Paranoia versaut Dir die Reise. Auch wenn Du keine dieser Vorsichtsmaßnahmen beherzigst, wirst Du an den meisten Orten der Welt wahrscheinlich trotzdem nicht überfallen werden. Und auch bei äußerster Vorsicht kann es Dir passieren, dass Du einfach zur falschen Zeit am falschen Ort bist. Du kannst aber die Chancen zu Deinen Gunsten beeinflussen. Fast immer reicht es aus, wenn es genügend leichtere Opfer gibt:

Ein Bär verfolgt zwei Wanderer. Unerwartet bleibt einer der Wanderer stehen und fängt an, sich die Schnürsenkel neu zu binden. Sein Begleiter ruft entsetzt: "Was um alles in der Welt machst Du? Beeil Dich, wie müssen schneller sein als der Bär!" Darauf antwortet der andere Wanderer: "Ich muss nicht schneller sein als der Bär. Ich muss nur schneller sein als Du."

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