Thema: Blutspenden in Thailand: Ein Erlebnisbericht.  (Gelesen 2121 mal)

Stecki

« am: 07. März 2012, 02:21 »
Da die Schweiz mein Blut nach meiner Rückkehr für einige Monate nicht haben will (wegen Südostasienaufenthalt) wollte ich eben in Kambodscha spenden, doch dort kommen wir dieses Mal leider doch nicht vorbei. Also lief ich gestern während ich auf mein Myanmar-Visum wartete zum nahegelegenen roten Kreuz in Bangkok. Das von der Schweiz verschmähte Blut nehmen die Thais sicher gerne.

Das rote Kreuz wurde schnell gefunden (neben der Schlangenfarm), doch angeschrieben war irgendwie nix. Alle Personen schickten mich ins toxische Institut, wo ich denen nochmals klar machte dass ich Blut spenden möchte. "Alles klar, bitte Formulare 3 und 4 ausfüllen und 20 Baht bezahlen." Ich war schon etwas verdutzt dass ich Geld bezahlen sollte, hielt dies aber für eine enmalige Registrierungsgebühr. Noch verdutzter war ich als ich jede bisherige Impfung mit Dosis angeben sollte. Ich erhielt darauf einen Ausweis und wurde zum Doktor geschickt. Der etwa 80-jährige Greis der kaum mehr den Stift halten konnjte fragte mich wozu ich den Blut haben möchte!!! Ich erklärte ihm dass ich keines haben will sondern geben möchte. "Aha, dan machen wir zuerst die Impfungen." "Hallo!?! Welche Impfungen?" Ich hatte genug und verliess das Gebäude und lief zufällig an das richtige Blutzentrum heran.

Ein topmoderner Protzbau, wo dann auch gleich alles etwas professioneller vor sich ging. Ich musste ein Formular mit etwa denselben Fragen wie in der Schweiz ausfüllen, nur dass hier halt nur Westafrika als Risikogebiet gilt. Nach kurzer Wartezeit durfte ich in den Raum wo die Vortests (Blutdruck, Hämoglobin) gemacht werden. "Adress in Thailand? No haaaave?" "Nein, ich habe ja bereits 3 Mal erklärt dass ich Tourist bin!"

Und das wars dann auch schon wieder. Ohne dass man bereits 1 Jahr in Thailand wohnhaft ist darf man kein Blut spenden, zumindest nicht in Bangkok! Offenbar haben es die Thais auch nicht mehr nötig. Langsam wundert mich echt nicht mehr dass auf der ganzen Welt über Blutknappheit gejammert wird wenn man gesundes Blut wegen irgendwelchen dämlichen Vorschriften nciht haben will. Mal abgesehen davon wird auch in Thailand jede Blutabnahme getestet.
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Skraal

« Antwort #1 am: 07. März 2012, 11:10 »
Warum sollten in Thailand andere Vorschriften gelten, als in der Schweiz? Sicherlich liegt es in der Natur der Sache, daß man auch Spender aus Malariagebieten spenden lassen muß, wenn man in einem Malariagebiet sitzt, aber irgendwelche heimatlosen Streuner spenden lassen? Und das in einem Land, wo der Sextourismus besonders groß ist? (Nicht das ich denke, daß Du in diese Gruppe gehörst, aber das Rote Kreuz kann ja nicht wissen, wer da kommt.)
Diese „dämlichen Vorschriften“ haben durchaus einen Sinn und viele wurden eingeführt, nachdem in den 80ern viele Patienten mit HIV durch Blutkonserven angesteckt wurden.

Ich finde es gut, daß das Rote Kreuz nicht nur für die weissen Westeuropäer strenge Regeln bei der Blutspende hat, und die Asiaten sich mit „unsicherem“ Blut begnügen müssen.
Außerdem gilt auch eine Sorgfaltspflicht gegenüber dem Spender, wenn ein Tourist, der seit ein paar Tagen im Land ist und die Hitze eh nicht verträgt auch noch einen halben Liter Blut verliert, tut dem das nicht gut. Da muß man einfach Regeln haben.
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Stecki

« Antwort #2 am: 07. März 2012, 11:35 »
Es leuchtet mir daher nicht ein da das Blut (sowohl in der Schweiz als auch in Thailand) sowieso getestet wird. Was sollen diese Vorschriften dann bitte für einen Sinn machen? Das hat doch nicht mit Europa und Asien zu tun, das ist allgemein fraglich. Ich meine wenn bei jemandem etwas nachgewiesen wird kann man denjenigen ja sperren lassen. Deswegen auf gesundes Blut zu verzichten das angeblich bitternötig ist verstehe ich einfach nicht.

So nebenbei gilt diese Regel mit dem einen Jahr Wohnsitz in der Schweiz nicht. Und in Kambodscha wird jede Spende, auch von "heimatlosen Streunern" angenommen. Wenn ich Blut brauche ist es mir schlichtweg egal woher es kommt, dass es sauber ist weiss ich ja.
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Litti

« Antwort #3 am: 07. März 2012, 13:05 »
Auch wenn ich kein Fachmann bin: Solche Tests sind immer fehlerbehaftet. Der Grund für die Regelungen liegt wohl schlicht darin, dass man die Wahrscheinlichkeit eines "false Negative" weiter reduzieren möchte. Wie Skraal schon schreibt, man glaubt auf diese Weise einfach auf die Lebensweise des Spenders schließen zu können.
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cocolino

« Antwort #4 am: 07. März 2012, 13:08 »
Hier in Schweden lehnen die dich als Blutspender sogar ab, wenn du da wohnst, aber kein Schwedisch sprichts!

little_earthquake

« Antwort #5 am: 07. März 2012, 13:20 »
also die monatelange sperrfrist hat meist etwas mit der inkubationszeit verschiedener krankheiten zu tun, welche man eben nicht sofort nach infektion nachweisen kann.

einige sachen machen sich im körper erst versteckt breit bevor man sie mit irgend einem test ertesten kann. nimm HIV z.B., du wirst kurz nach der infektion keinen hinweis auf HIV im Blut finden. Einige Wochen später dann allerdings zeigt es die infektion im blut an.

oder tollwut. kannst du gar nicht nachweisen. außer über einen schnitt durchs gehirn des infizierten individuums post mortem.

das gilt natürlich generell bei krankheiten, aber die wahrscheinlichkeit dass du dir was aufgeschnappt hast, ist höher wenn du durch verschiedene länder gereist bist vorher, als wenn du sesshaft dort wohnst. in aller regel haben wir antikörper gegen die in unserem umfeld auftretenden erreger und jeder neue erreger derselben art wird sofort abgetötet. bist du allerdings nicht immun kannst du ihn durch blutspende verteilen. bekommt das blut nun einer der mitten auf der intesivstation liegt und noch mit 1000 anderen sachen zu kämpfen hat, kann das den tod für den jenigen bedeuten, drum die strengen vorschriften.

sei lieber froh drüber. wenn du mal eine blutspende brauchst möchstest du auch lieber doppelt sicher sein.
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sommerjogurth

« Antwort #6 am: 19. Mai 2012, 12:42 »
Mhh, hätt vielleicht doch nicht hier ein neuen Beitrga aufmachen sollen: http://weltreise-info.de/forum/index.php?topic=6397.new#new, hätte mal lieber hier vorher alles lesen sollen. Dachte es geht nur um Thailand und ich war heut in Kambodscha spenden.

Mal so als Frage in den Raum, wenn Ihr die Thailändischen Regeln für gut erachtet, hätte ich dann heute nicht in Kambodscha spenden sollen? Ich kann soweit ausschließen, dass ich mich in den letzten Wochen an HIV infiziert habe. Aber evtl. hatte ich anfangs dieses Jahres Dengue. Kann aber auch ne Grippe gewesen sein. Nur hatte ich noch nie solche Rückenschmerzen. Hatte aber auch noch nie ne Grippe. Aber ich glaub Dengue wäre schmerzvoller gewesen (laut der Beschreibungen von anderen die man so hört) und es war zwar so Scheisse, aber auch auszuhalten.

Wenn ich in ein paar Tagen zurück bin wollt ich das testen lassen.

Also deswegen die Frage: "soll man unterwegs spenden gehen, obwohl das Risiko von Infektionskrankheiten erhöht ist?"
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