Thema: Erfahrungen mit HelpX, Workaway, u.ä. Seiten  (Gelesen 2434 mal)

Worldonabudget

« am: 29. Januar 2016, 17:11 »
Ich habe die Suchfunktion bemüht, aber keinen wirklich passenden Thread gefunden, der dazu nicht auch noch veraltet war. Für meine Freundin und mich geht es in knapp 3 Monaten Richtung Zentral- und Südamerika und wir planen unsere Reise bisher mit einem offenen Ende. Unterwegs möchten wir gerne mit Hilfe von http://www.helpx.net/ und http://www.workaway.info/ Arbeitsgelegenheiten gegen Kost und Logis finden, um die Reisezeit durch die schwächere Belastung unseres Budgets etwas zu "strecken".

Daher würden mich eure Erfahrungen mit o.g. Seiten interessieren und in welchen Ländern ihr diese gemacht habt.

Weiterhin möchte ich hier nicht die Legalität diskutieren, da für die meisten Länder sicherlich ein Arbeitsvisum benötigt wird, das wiederum schwierig zu erhalten ist. Aber würde sich die Rechtslage ggf. ändern, wenn pro Tag ein kleiner Unkostenbeitrag gezahlt wird?

Abschließend interessiert mich eure allgemeine Haltung zu den genannten Seiten. Ich halte es moralisch für bedenklich, wenn Stellen angenommen werden, durch die eine einheimische Arbeitskraft ersetzt wird. Allerdings gibt es meiner Einschätzung nach viele Projekte, deren Stellen nie auf einem regulärem Arbeitsmarkt angeboten werden würden (z.B. Selbstversorgerfarm, Entwicklungshilfe, Sprachunterricht für Kinder, etc). Und diese Art von Arbeit halte ich für unbedenklich. Davon abgesehen, dass es sich hier wahrscheinlich eher um die interessanten Projekte handelt, bei denen man einen guten Einblick in das alltägliche Leben gewinnen kann.
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pawl

« Antwort #1 am: 31. Januar 2016, 16:09 »
Zitat
Ich halte es moralisch für bedenklich, wenn Stellen angenommen werden, durch die eine einheimische Arbeitskraft ersetzt wird.

Genau so sehe ich das auch.

Wenn Ihr etwas Zeit habt schaut euch mal den Link + Videos an.

http://weltreise-info.de/forum/index.php?topic=12884.msg85542#msg85542
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Worldonabudget

« Antwort #2 am: 31. Januar 2016, 20:39 »
Vielen Dank für die Videos - die teure Vermittlung von Freiwilligenarbeit ist in meinen Augen ein sehr fragwürdiges Geschäft!

Ich möchte den Fokus gerne auf die Erfahrungen mit o.g. Seiten lenken, die sich ja klar von der klassischen Freiwilligenarbeit als soziale Hilfeleistung abgrenzen. Verstehe mich bitte nicht falsch, aber mein primäres Ziel ist nicht die Hilfe an andere Menschen, sondern durch den Tausch von Arbeitskraft gegen Kost und Logis günstiger zu reisen.
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pawl

« Antwort #3 am: 01. Februar 2016, 20:51 »
Ok ist hatte eher auf den Teil geantwortet.

Zitat
Abschließend interessiert mich eure allgemeine Haltung zu den genannten Seiten. Ich halte es moralisch für bedenklich, wenn Stellen angenommen werden, durch die eine einheimische Arbeitskraft ersetzt wird. Allerdings gibt es meiner Einschätzung nach viele Projekte, deren Stellen nie auf einem regulärem Arbeitsmarkt angeboten werden würden (z.B. Selbstversorgerfarm, Entwicklungshilfe, Sprachunterricht für Kinder, etc). Und diese Art von Arbeit halte ich für unbedenklich. Davon abgesehen, dass es sich hier wahrscheinlich eher um die interessanten Projekte handelt, bei denen man einen guten Einblick in das alltägliche Leben gewinnen kann.

Ich weiß aus Erfahrung, dass du mit www.workaway.info Arbeit finden kannst. Z.B. in Guatemala oder Nicaragua geht das viel - oft da wo der Regierung möglichst viel egal ist ;-).

Dabei geht es oft um Dorm Bett + Essen - Geld eher weniger (günstiger).

Gehts nach Guatemala?
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Susu

« Antwort #4 am: 01. Februar 2016, 23:33 »
Ich kann aus indirekter Erfahrung nur berichten, dass das famose Blue Almond Hostel auf der kolumbianischen Insel San Andres workaway nutzt.
Zur Zeit haben sie für mehrere Monate eine junge Frau aus Polen, die dort das gesamte Hostel putzt, Leute ein- und auscheckt, die Insel erklärt und als Ansprechpartnerin vor Ort ist.
Auf der Homepage www.bluealmondhostel.com findet man weitere Infos. Der Hostelbesitzer erklärt dazu einiges und sagt, dass es lt. Gesetz dort wirklich nur Logi for free, Leftover Food anderer Reisender und das ein oder andere Bier gibt aber keinerlei Vergütung.

Mein persönlicher Eindruck dieser Deals ist oft, dass man solange man in Hostels hilft nebenbei praktisch keinerlei Zeit für eigene Unternehmungen und Erkundungen hat.
Wie gesagt, nur mein Eindruck und das muss ja auch nicht schlimm sein.
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Worldonabudget

« Antwort #5 am: 02. Februar 2016, 08:32 »
@pawl: Da hast du Recht und ich mich leider etwas missverständlich ausdrücklich.

Danke für deinen Hinweis zu Guatemala! Da wir von Mexiko nach Panama auf dem Landweg reisen wollen, werden wir höchstwahrscheinlich auch einige Zeit in Guatemala bleiben.

Handelt es sich um deine eigene Erfahrung in Guatemala und Nicaragua? Und wenn ja, in was für Projekten hast du gearbeitet?


@Susu: Danke für deine Antwort! Wobei ich gerade Jobs wie putzen o.ä. für sehr fragwürdig halte, da hier eine einheimische Arbeitskraft 1:1 ersetzt wird.
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pawl

« Antwort #6 am: 02. Februar 2016, 13:05 »
Eigene Erfahrung geht nur so weit, dass einfach in jedem zweiten Hostel nur "weiße" arbeiten. Die Leute die wir kennenlernten haben dazu workaway benutzt. Mehr kann ich nicht beitragen :-)
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pad

« Antwort #7 am: 02. Februar 2016, 13:09 »
Ich frag mich immer, was das bringen soll, stundenweise unterwegs zu arbeiten, um dann irgendwo gratis übernachten zu können und ggf. noch etwas Essen dazu. Der resultierende Stundenlohn liegt doch meist sehr, sehr tief.

Zu Hause verdient man im eigenen Job ein mehrfaches pro Stunde und macht oft sinnvolleres. Ist es da nicht deutlich einfacher und lukrativer, ein wenig länger auf die Reise zu sparen oder am Abend noch ne Stunde länger im Büro zu bleiben?

Oder gehts um die Erfahrungen, die man vor Ort sammelt?

Ich war jetzt schon in vielen Hostels, wo sog. 'Freiwillige' gegen ein Dormbett und etwas zu Essen den halben Tag arbeiten, davon profitieren tut wohl höchstens der Besitzer. Als Kunde gefällt mir das nicht besonders, denn dieses 'Personal' fühlt sich bis auf wenige Ausnahmen nicht besonders verantwortlich, mancherorts war nicht mal ersichtlich, wer jetzt Gast und wer Angestellter ist. Auch Tipps zu Transport, lokale Empfehlungen etc. können solche Leute kaum abgeben, weil sie ja oft selbst erst seit ein paar Tagen da sind.

Wie gesagt, es gibt positive Ausnahmen, aber lokales Personal oder wenigstens eine gute Mischung ist mir fast immer lieber.

Wenn man unterwegs Arbeitstage mit sehr dürftiger Bezahlung einschieben muss, nur um länger unterwegs sein zu können, kann man dies doch genausogut vor der Reise machen. Mal abgesehen von Ländern vielleicht, wo man als Deutsche(r) mehr als zu Hause verdienen kann (z.B. Australien).
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Vombatus

« Antwort #8 am: 02. Februar 2016, 13:26 »
Verdammt, ich las doch erst in einem Blog von einem Pärchen, das in der Nähe von Rurrenabaque gearbeitet hat. Irgendwann kam Salmonellen und ein Skorpionstich dazu, am Schluss noch  Dreharbeiten für „national geographic“ (oder so) dazu. Findet sich jemand wieder und hat das sonst noch wer gelesen?

Soweit ich mich erinnern konnte war Putzen und Handlangerarbeiten auch ein mehr oder weniger großer Teil der Arbeit.

Und ja, ich denke, dabei geht es um die Erfahrung, einfach mal „näher dran“ oder „Teil davon“ zu sein. Zweitrangig natürlich auch um Geld zu sparen und trotzdem etwas zu erleben.

Habe auch einige Westler gesehen, die in Hostels arbeiten oder wooften. Schätze, dass die billiger waren als Einheimische.
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Susu

« Antwort #9 am: 02. Februar 2016, 18:12 »
Hi Worldonabudget,

Es wird keine eingeimische Arbeitskraft 1:1 ersetzt, denn die müsste man ja mit Geld bezahlen... :-/

In diesem Fall ist es eher so (und ich vermute, dass das gar nicht so selten ist), dass die Hostelbetreiber so selbst weniger arbeiten müssen und einfach nichts dafür zahlen.

Wenn es solche Angebote wie helpx in Hostels nicht geben würde, würden die Besitzer halt selbst weiterhin putzen, so wie sie es in der ersten Zeit ihrer Hostelgründung auch getan haben.

Ob man das jetzt gut oder schlecht findet, möchte ich nicht bewerten. Diese Helpx- Deals sind ja ein zweiseitig freiwilliges Geben und Nehmen.

Ich wollte eher auf den Punkt hinaus, dass man als "Helfer" so seine Reisezeit eigentlich nicht strecken kann, weil man ja trotzdem eigene Ausgaben hat in der Zeit und kaum/keine Zeit fürs eigene Entdecken. Es ist eher so, dass man seine Abwesenheit streckt. ;-)

Darüber muss man sich eher im Vorhinein bewusst sein.

Wenn man einen Teil seiner Abwesenheit mit solchen Projekten verbringen möchte um die vielfältigsten Erfahrungen zu sammeln, ist das eine induviduelle Entscheidung aber um das Reise-Budget zu strecken, funtioniert so was meiner Meinung nach nicht.

Lg, Su.
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Stecki

« Antwort #10 am: 02. Februar 2016, 21:29 »
Aus Erfahrung muss ich sagen dass genau diese Hostels meistens die dreckigsten sind. Gerade wenn es ums Bad geht ist die Motivation dieser "Angestellten" dann doch sehr klein gründlich zu putzen. Hinter der Bar stehen macht eben mehr Spass.

In diesem Forum wurde auch schon explizit nach kostenlosen Arbeitskräften in Kambodscha gesucht da man die Locals bezahlen müsste. Ich finde so etwas widerlich. Wer im Ausland ein Hostel aufmacht soll auch in Umgebung und Einheimische investieren.
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PhiRe

« Antwort #11 am: 03. Februar 2016, 00:33 »
@Vombatus: du meinst 2tramps1world, oder? Hier der Link zu ihrem dazugehörigen Blogeintrag:
http://2tramps1world.com/2015/12/18/welcome-to-the-jungle/
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Vombatus

« Antwort #12 am: 03. Februar 2016, 08:49 »
@ PhiRe, sehr gut. Ja genau. Vielen Dank! Dort also ein Erfahrungsbericht. Ich weiß leider nicht wie die beiden an den Job gekommen sind.
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Worldonabudget

« Antwort #13 am: 03. Februar 2016, 15:56 »
Vielen Dank für den Erfahrungsbericht und die zahlreichen anderen Beiträge!

Ich stimme euch in vielen Punkten bezüglich der "Freiwilligenarbeit" in einem Hostel zu, möchte aber ganz gerne weg von dieser Art von Arbeit kommen, da ich auch nur bedingt in einem Hostel arbeiten würde. Daher mal einige Beispiele aus Mexiko:

http://www.workaway.info/6281175314aa-en.html

http://www.workaway.info/341374295351-en.html

http://www.workaway.info/219796362715-en.html (so ganz ohne Arbeit)

Wenn man davon ausgeht, dass Unterkunft + Essen ca. die Hälfte des Budgets ausmachen, kann man meiner Meinung nach schon einiges an Geld sparen und die Reisezeit dementsprechend verlängern. Natürlich ergibt sich ein Unterschied in Quantität sowie Qualität dieser Zeit, aber 3 -5 Stunden Arbeit an 5 - 6 Tagen die Woche schließen andere Aktivitäten auch nicht vollkommen aus. Letztlich wollen wir auch nicht während der kompletten Reise immer irgendwo arbeiten, sondern nur für einige Wochen - Monate, wenn wir etwas wirklich passendes finden. Im Idealfall ein Projekt, bei dem wir wertvolle neue Erfahrungen sammeln und nützliche Dinge lernen können.

Und da die Frage aufkam: Sicherlich könnte ich in Deutschland einige Monate länger arbeiten, um anschließend länger zu reisen, jedoch geht es mir auch um den Ausbruch aus der alltäglichen Routine in Deutschland mit ihrem Höhepunkt am Freitag und dem Tiefpunkt am Montag ;)
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michelaufreise

« Antwort #14 am: 05. Februar 2016, 15:01 »
Mich hat das Thema echt begleitet auf meiner Reise durch Australien.
Ich bin schon älter und habe es nicht gemacht.
Ich muss sagen ich hab mein Stolz und würde mich doch nicht unter Wert verkaufen.
Die Hotel Besitzer lachen sich doch tot über die dummen touris.
Ich bin durch die Welt gereist und auch als Lehrling habe ich nie in einem Hostel geschlafen. 

Wenn ich keine Kohle hab fahr ich nach Hause statt in Entwicklungsländern wo essen und Übernachtung Pfennige kostet dem Hotel Besitzer kostenlos die Bude zu putzen.
Entschuldigt die Worte aber so tief kann mein Stolz nicht sinken.
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