Thema: Weltreise mit Eselskutsche = realistisch?  (Gelesen 1172 mal)

Atlas999

« am: 14. September 2013, 01:57 »
Hallo an euch! :)

Ich habe mich gerade neu in diesem interessanten Forum angemeldet und mich den ganzen Nachmittag damit beschäftigt, Forumseinträge zu lesen!

Ich bin 16 Jahre alt und in der 11. Klasse eines Gymnasiums und strebe das Ende meiner Schullaufbahn an.
Schon seit ungefähr zwei Jahren schwebt mir die Idee einer Weltreise im Kopf herum. Ich habe das Buch "Der Weltenwanderer" von Gregor Sieböck und den Film "Into the Wild" geschaut, beides hat mich total beindruckt und war wohl der Auslöser. Ich bin diesen Sommer außerdem aus meinem Auslandsjahr in Afrika wieder gekommen, ich habe ein Jahr lang in Gambia, der "Smiling Coast of Africa" gelebt und dort unzählige Erfahrungen gesammelt! Seit ich wieder hier bin, habe ich dauernd das Bedürfnis, zu reisen.

Ich habe in den letzten Wochen immer wieder über meine Pläne nachgedacht und ich merke, dass der Gedanke, der sich zuerst immer als undeutliche Silhouette in meinem Hinterkopf zurückgehalten hat, immer bereit, von Zeit zu Zeit heraus gekramt zu werden, sich plötzlich immer häufiger als klare Gestalt vor meine Augen drängt.
Meistens fasziniert mich bei diesem Gedanken die Vorstellung von absoluter Freiheit; Dass ich aufstehe und selbst entscheiden kann, was ich tun kann oder lassen, wo ich hinlaufe, keine Termine zu haben, einfach frei zu sein, so wie man es von unserem "Leben", das in der Hektik zu versinken scheint, gar nicht kennt, gefolgt von dem Verlangen, die Welt mit einem interessanten Blickwinkel zu sehen, ...bis sich das ganze in Zweifel aufsspaltet:

In der Spalte der Zweifel steht das Thema "Geld". Das wäre ein großes Problem.  Bis zu meinem Abitur könnte ich höchstens 3000€ aufbringen, welche mich wohl kaum (zu Fuß) um die Welt bringen würde, zudem ja auch schon ein großer Teil für Ausrüstung drauf gehen würde. Habt ihr Erfahrung mit Sponsoren-Suche? Ist es realistisch, sich sponsorentechnisch Hoffnungen zu machen oder könnte ich diese Hoffnung direkt in den atlantischen Ozean schmeißen? Welche Vorraussetzunen werden dort gestellt? Ich schreibe super gerne und auch während meinem Jahr in Afrika habe ich regelmäßig über meine Erfahrungen Artikel in meiner Zeitung verfasst und wäre bereit, dies auch wieder zu tun.
Oder kann ich mich mit Gelegenheits-Jobs in den verschiedenen Ländern weitertragen lassen?

Außerdem habe ich den Zweifel, zu wenige Zweifel zu haben: Ich stelle mir das so vor, die halbe Welt zu durchwandern und dabei würde ich am liebsten auf jegliche Transportmittel (Flugzeug, Bus, Auto,..) verzichten und entweder zu Fuß zu laufen und jeden Tag mein Quartier woanders aufschlagen (Zelt) oder jedoch "tierische Unterstützung" in Betracht ziehen. Ich stelle es mir total aufregend vor, mit beispielsweise einem Esel und einer Eselskutsche los zu fahren. Oder wäre ein Tier mit auf der Weltreise nur hinderlich? Kann ich mit einer Kutsche überhaupt überall hinkommen? Beispielsweise könnte ich ja keine Berge besteigen, enge Pfade wären ein Hindernis, etc. ?
Wie lange bräuchte ich zu Fuß bzw. per Eselskutsche, die halbe Welt zu durchwandern bzw. -fahren?

Auf welche Art von Problemen müsste ich mich an den Ländergrenzen gefasst machen (VISA)? Worauf müsste ich beim "Draußen-Zelten" achten?

Fragen über Fragen...Ich freue mich sehr auf eure Antworten und bedanke mich schon einmal im Voraus bei euch erfahrenen Weltenbummlern! :)

Liebe Grüße von Atlas999
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Aenima

« Antwort #1 am: 14. September 2013, 05:38 »
Hallo Atlas999,

willkommen in diesem Forum! Zunaechst mal Kompliment fuer deinen Beitrag, man merkt dass du gerne schreibst, und dir auch notwendige Gedanken machst. Es scheint an der jugendlichen Romantik zu liegen, dass immer wieder (sehr) junge Leute auf die abenteuerlichste Weise in die Welt ziehen wollen ;) Das ist erst mal gut, schliesslich ist der Reiz des Abenteuers der Keim jeder guten Reise.

Leider vergessen viele in ihrem Ueberschwang, dass die Realitaet da draussen doch noch mal anders aussieht. So werden selbst so banale Tatsachen, wie z.B. das Reisen Geld kostet einfach vergessen, oder ernsthaft in Frage gestellt. Da bist du schon ein gutes Stueck weiter.
Allerdings interessierst du dich fuer einen Reisestil, den ich als schwierig, oder zumindest fuer Fortgeschrittene Reisende einschaetze. Wenn du zu Fuss unterwegs bist, brauchst du eine ganz andere Ausruestung, als wenn du auf "herkoemmlichen" Weg reist. Du bist den Naturgewalten mehr ausgesetzt, du wirst zwangslaeufig durch duenn besidelte Gebiete kommen und dich dort mit der Wasser und Nahrungsbeschaffung herumschlagen muessen, usw. usw. Da wird jede Romantik sehr bald verflogen sein, ganz davon abgesehen dass es dich im Nu an deine Grenzen fuehrt.

Verstehe mich nicht falsch, ich will dir nicht deinen Traum kaputt machen, ich will dich nur ein bischen desillusionieren. Traeume sind gut und wichtig im Leben, Illusionen koennen gefaehrlich sein.

Die Idee mit dem Eselskarren ist nicht realistisch, das mal zu deiner eigentlichen Fragestellung. Zu Fuss ist schwierig, zumindest "durch die halbe Welt"... Aber warum nicht zu Fuss durch einen Teil Europas (wenn schon unbedingt zu Fuss) oder noch besser, ganz klassisch mit Verkehrsmitteln durch einen Teil der Welt, wo du auch mit wenig Geld weit kommst, z.B. Suedostasien?
Gruesse und viel Glueck, Aenima
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White Fox

« Antwort #2 am: 14. September 2013, 07:05 »
Hi,

ich sehe bei der Idee zwei grundsätzliche Probleme:

- dein Esel wird nicht in alle Länder einreisen dürfen (Quarantänebestimmungen für Tiere)
- Bei längeren Strecken wird so eine Eselkutsche sicher oft zusammenbrechen, das tun ja sogar gute Autos immer mal wieder. Das gilt umso mehr, wenn du dich in der 3. Welt auf schlechten Straßen bewegst.

Ich würde an deiner Stelle einfach warten bis du genügend Geld hast und dann die Sache ganz klassisch als "normaler Backpacker" angehen.
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karoshi

« Antwort #3 am: 14. September 2013, 09:43 »
Die Eselskutsche steht einigermaßen im Widerspruch zu Deinem Traum von der totalen Freiheit. Dadurch, dass Du mit einem Tier reist, übernimmst Du schließlich eine Menge Verantwortung und schränkst gleichzeitig die möglichen Aktivitäten unterwegs stark ein.

Insgesamt halte ich eine Eselskutsche als Transportmittel für eine Weltreise für nicht realistisch (wie willst Du damit über Ozeane kommen, zumal ohne Geld?), aber warum nicht für einzelne Abschnitte? Ich könnte mir vorstellen, dass Du damit recht gut durch Süd- und Osteuropa und bis in den Kaukasus kommst. Ich würde dann allerdings eher über ein Maultier nachdenken als einen Esel.
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Vombatus

« Antwort #4 am: 14. September 2013, 10:43 »
Sicher geht gehen:

guckst du, hast du bestimmt schon entdeckt?
http://weltreise-info.de/forum/index.php?topic=7978.0

http://www.thelongestway.com
hier eine Aufstellung der Kosten
http://www.thelongestway.com/20090510/misc01-about-dough.html

http://www.zufussnachindien.de/zufussnachindien.htm

ABER, warum wollen immer alle gehen, wenn Fahrradfahren doch viel "einfacher" ist?

Zu Thema Eselskutsche sag ich erst gar nicht mehr viel. Jetzt bist du 16, mit jedem Jahr kommen andere Verlockungen des Lebens hinzu. Freundin, Freunde überhaupt, Führerschein, Auto, Sturm- und Drang Zeit … etc. Da muss man schon sehr gefestigt sein, um an sein Eselskutschentraum festzuhalten.

Möchte dich aber gar nicht entmutigen. Du hast noch lange Zeit zum reisen … alle Möglichkeiten der Welt stehen dir offen.

Viel Spaß hier im Forum und beim Träumen.
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Radlerin

« Antwort #5 am: 14. September 2013, 19:30 »
Hallo Atlas999,

das mit dem Esel halte ich auch für unrealistisch. Grenzen, Quarantäne, allein schon Fähren und essen muss das gute Tier ja auch was.

Wenn du billig unterwegs sein willst, kann ich dir empfehlen, über eine Radreise nachzudenken. Es ist viel einfacher, mit dem Rad einen Platz zum wildzelten zu finden. Du kannst mehr Gepäck mitnehmen, z.B. einen Kocher, wodurch auch zumidest in Europa viel Geld sparen kannst. Du kommst auch weiter rum als nur zu Fuss, bist schneller durch langweilige Gebiete durch und dennoch langsam genug, um viel zu sehen.

Sponsoren... wie wäre es mit deinen Eltern, Oma, Opa, Tanten und Onkeln.... sei mir nicht böse, aber ich glaube nicht, dass du ansonsten veil mehr bekommen kannst als vielleicht ein paar Ausrüstungsteile (dazu gibt es hier auch schon ein paar Beiträge).

Und es muss ja auch nicht gleich die ganze Welt sein. Ich weiss jetzt nicht, wie weit du mit 3000€ kommst, velleicht sparst du ja auch noch ein bißchen mehr, aber so in einem Jahr von hier nach Asien kommt man schon mit dem Rad. Du solltest dann das Geld für das Rückflugticket aber zurücklegen.

So, lies dich mal ein, fange an zu planen, und dann wird sich dein Plan verfeinern, neue Ideen kommen. Vergiss auch nicht die Kosten für VISA, Ausrüstung, Impfungen, Auslandskrankenversicherung...
Vielleicht machst du auch erstmal ein halbes Jahr Europa und ein Stück Afrika und siehst dann mal weiter, wie es dir gefällt und wo es dich hinzieht.
Du kannst ja auch über Work & Travel nachdenken, zwischendurch.

Viel Spass beim planen und willkommen im Forum :)

Claudia
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Tags: esel weltreise