Thema: Was tun beim Worst Case  (Gelesen 9148 mal)

Der-Toto

« am: 30. Dezember 2008, 08:01 »
Hallo !
Viele werden sich jetzt kaputt lachen. Aber ich würde diese Diskussion wirklich gerne mal anregen wollen.
Hatten das Thema neulich, und irgendwie ist sich da trotz jahrelanger Reiseerfahrung KEINER sicher gewesen, wie er was unternehmen würde. Dazu ist zu sagen, dass er bislang bei keinem eingetreten ist.
Fiktives Szenario:
Pass weg, Gesamtes Geld weg, Kopien der Unterlagen weg, kein Handy, keine Kreditkarten etc und vor allem:
Kein im ausland angelegtes Konto.
Mich interessiert da jetzt alles. Allein der erste Weg: Führt er zu anderen Travellern, die man noch nicht kennt um dort zu versuchen Hilfe und Konatkte zu erfahren (sind ja auch bei solchen Storys oftmals skeptisch). Sucht ihr den Weg zur Polizei?
Botschaft fällt jetzt hier auch weg. Nehmen wir an, wir seien in Batambang, in Kerala oder ganz lustig igrndwo umme 4000 Meter im Himalaja.
Danke voran und gespannt wartend
Der Toto
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karoshi

« Antwort #1 am: 30. Dezember 2008, 13:35 »
Hallo Toto,

wieso kaputt lachen? Ist doch eine gute Frage.

Man muss natürlich voraus schicken, dass der fiktive Fall sehr selten ist, also dass alles weg ist und man auch keinen Bekannten dabei hat, der einem helfen kann. Du hast jetzt die folgenden 3 Prioritäten:
a) sofort die Kreditkarten sperren lassen.
b) so schnell wie möglich einen neuen Ausweis besorgen.
c) mit dem neuen Ausweis wieder eine gesicherte Bargeldversorgung herstellen.


Um überhaupt etwas unternehmen zu können, brauchtst Du zuerst etwas Geld oder jemanden, der Dir selbstlos hilft. Das einfachste ist in der Regel, sich von jemandem etwas zu leihen. Es braucht nicht viel zu sein, aber man muss damit ein paar Telefonanrufe machen und in die nächste größere Stadt fahren können, am besten eine mit einer Botschaft oder einem Konsulat Deines Heimatlandes. (Im Falle eines Deutschen in Kerala wäre das z.B. Bangalore.) Und dann geht das Gerenne los.

1. sofort vom nächsten Telefon aus anrufen.
  • Bank: Kreditkarten sperren lassen.
  • Heimatbasis: über die Situation informieren, Bescheid sagen zu welchem Konsulat Du willst, bei Bedarf die Nummern von Versicherungs- und Bankhotlines sowie Konsulat erfragen.
  • Konsulat bzw. Botschaft: beraten lassen, was als nächstes zu tun ist. Klären, ob Post an die Adresse des Konsulats geschickt werden kann. (Machen die wahrscheinlich nicht mehr.)
  • Bank: Notfall-Kreditkarte schicken lassen, dafür muss allerdings eine Adresse vorliegen. Also entweder an die Heimatbasis oder an ein Hotel, wo man länger ist.

2. ins Internet-Cafe.
  • Hoffentlich hast Du Dir Kopien Deiner Dokumente an Deine Email-Adresse geschickt. Die kannst Du jetzt ausdrucken.
  • Dito mit sämtlichen anderen Dokumenten (Tickets etc.), sowie Informationen für den Notfall (Telefonnummern, Versicherungsnummern etc.)

3. zum Fotografen
  • Passbilder machen lassen.

4. zum Konsulat bzw. zur Botschaft.
  • Du brauchst ein Ersatz-Reisedokument, außerdem musst Du eine Verlustanzeige für den verlorenen Pass erstatten.
  • Bürger der Europäischen Union können sich auch an die Auslandsvertretungen anderer EU-Staaten wenden, wenn es keine eigene gibt.
  • In besonderen Ausnahmefällen kann die Auslandsvertretung auch finanzielle Hilfe (Darlehen) leisten. Wenn sowohl Ausweise als auch Geld und Kreditkarten weg sind, dürfte so ein Ausnahmefall vorliegen.

5. zur Polizei.
  • Eine Diebstahlanzeige macht nur Sinn, wenn Du eine Gepäckversicherung hast.
  • Zuständig ist (falls vorhanden) die Touristenpolizei, ansonsten die Kriminalpolizei.
  • Bis Du eine getippte Diebstahlanzeige in der Hand hast, können ein bis zwei Werktage vergehen.

6. zur örtlichen Bank.
  • Erst wenn Du einen neuen Ausweis hast, kannst Du wieder an Geld kommen.
  • Bis zur Zusendung der Ersatz-Kreditkarte kannst Du eine Überbrückungszahlung in Bar bekommen.
  • Alternativ kann Dir die Heimatbasis per Western Union Bargeld transferieren. Bei Western Union kann man sich auch mit einem Code ausweisen, den einem der Absender übermittelt hat.

7. zur Immigrationsbehörde
  • Da Dein neuer Pass nicht den Einreisestempel bzw. das Visum enthält, musst Du Deinen Aufenthalt im Land noch einmal legalisieren.

8. zur Fluggesellschaft.
  • Falls Du ein Papierticket hattest (gibt es so gut wie nicht mehr), muss ein neues ausgestellt werden.
  • Wenn das Malheur kurz vor dem nächsten Flug passiert ist, muss der evtl. umgebucht werden.

Natürlich kann der Ablauf je nach Situation im konkreten Fall etwas anders aussehen. Weitere Infos (für deutsche Staatsbürger) findest Du auch beim Auswärtigen Amt.

LG, Karoshi
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Der-Toto

« Antwort #2 am: 30. Dezember 2008, 20:35 »
Holla !
Is aber ne ausführliche Liste. Das mit den wichtigsten Dokumenten auf der eigenen Seite machen wir auch alle seit Jahren.
Ist eigentlich so ziemlich die einzige Rettung. Problematischer sehen wirs mit der Geldversorgung. Karten sperren ok. Aber wie viele Tage ziehen ins Land bevor du eine Ersatznot-EC-Karte hast?
LEider fakt is, du brauchst Leute die dir helfen. Nicht immer glaubt dir jeder. Nehmen wir mal nicht nur dicht belaufene Pfade. Und so wneig Geld isset ja nich:
- telefonate
- Internetcafe wegen der Dokumente
- Überbrückung der tage bis die Ersatzkarte da ist. WOhl auch problematisch auf Grund der neuen BEILIGENDEN Geheimnummer. Glaub, da frage ich mal meine Bank. Nur um zu nerven.
Versteht mich alle nicht falsch. Will hier keinen ärgern; auch ist wie bereits erwähnt der Fall Höchst Höchst selten.
Aber wenn... Will das einfach mal durchspielen
Wer hat denn ne Lösung wenns aufem Langtang-Trek oder in Sikkim auf 4000 oder 5000 passiert?
Kein Internet, kein Konsulat, kein nichts ! Nimmer die Karten kann man sperren, weil die Handys nicht funzen
Gruß
Toto
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th23

« Antwort #3 am: 30. Dezember 2008, 22:17 »
Also ALLES weg ist ja auch wirklich sehr, sehr selten... die Grundregel für mich lautet, nicht immer alle Sachen am gleichen Platz zu deponieren. Bargeld in der einen Hosentasche, Kreditkarte 1 im Rucksack, Nummer zwei in einer anderen Hosentasche am Mann, gleiches Spiel für Pass und Personalausweis (einen am Mann, einen im Rucksack).

Dann muss es schon mit dem Teufel zugehen, dass man nix mehr hat...
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karoshi

« Antwort #4 am: 31. Dezember 2008, 11:28 »
Wer hat denn ne Lösung wenns aufem Langtang-Trek oder in Sikkim auf 4000 oder 5000 passiert?
Kein Internet, kein Konsulat, kein nichts ! Nimmer die Karten kann man sperren, weil die Handys nicht funzen
Auf dem Langtang-Trek gibt es Internet in Syabru Besi und in Thulo Syabru, allerdings nicht mehr im oberen Bereich des Tals. Und Funktelefone (keine Handys) findet man teilweise sogar in den kleineren Orten wie Singh Gompa. Es ist also davon auszugehen, dass Du die Karten sperren kannst, bevor ein Dieb einen Ort erreicht hat, an dem er sie benutzen könnte. Und zur Botschaft kommt man ab SB auch innerhalb von 24 Stunden.

Zugegeben, je abgelegener der Ort ist, umso schwieriger das Problem. Aber gleichzeitig sinkt auf dem Land auch die Wahrscheinlichkeit für so ein Missgeschick noch einmal um Größenordnungen. Insofern wird die Diskussion jetzt schon sehr theoretisch.

LG, Karoshi
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Der-Toto

« Antwort #5 am: 31. Dezember 2008, 13:28 »
Wie in Syabru gibt Internet? Funktelefon in Gompa?  :o
Kommerz !  ;)
Hut ab. Also als ich da war, da gabs das in Syabru nicht, und in Gompa? Eine Hütte, paar Matratzen - Herbergsoma aufe letzten Tage.  :)
Schicke gleich nochmal nen Link; ansonsten allen nen Guten Rutsch!
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Der-Toto

« Antwort #6 am: 31. Dezember 2008, 13:39 »
Ich nomma, passt ggf auch unter Thema Finanzen:
http://www.sekretaer-in.net/geldverlust.htm
So, gez aber wirklich GUten Rutsch!
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