Thema: Diskussion über "Mit nichts unterwegs – wenig Geld, viel Freiheit?"  (Gelesen 2124 mal)

Vombatus

Liebe Gemeinde,
würde mich freuen wenn hier eifrig hin und her diskutiert wird. Eine entgültige Antwort wir es nicht geben dafür aber Raum für Ansichten und Meinungen.

Regelmäßig finden Themen den Weg ins Forum, in denen es darum geht mit möglichst "nichts" unterwegs zu sein. Heißt mit möglichst wenig Geld und ohne Nutzung der üblichen Transportmittel. Dafür ausdrücklich zu Fuss, per Anhalter oder manchmal auch mit einer Kutsche.

Immer wieder wird dann von "Abenteuer" und "Freiheit" gesprochen. Von Ausbruch aus dem alltäglichen System hin zur Einfachheit und Verzicht.

Würde die Vorhaben und was dahinter steckt gerne hier diskutieren, um die eigentlichen Threads nicht zu sprengen weil es doch dann sehr schnell zu "Ihr gegen mich" ausartet.

Dieses "raus in die Welt", nur mit dem was man tragen kann gab es schon immer. Von der Tradition der Walz gar nicht zu sprechen. Hier habe ich aber den Eindruck als ob es um etwas anderes geht?

Vorwiegent sehr junge Menschen, gerade aus der Schule oder dem Elternhaus raus, ohne großartigen finaziellen Hintergrund, dafür aber mit allen Möglichkeiten der Wissensbeschaffung und der heutigen Zeit – nie war es einfacher sich über Ziele, Möglichkeiten etc. zu informieren – haben den Sturm und Drang abzuhauen. Wer kennt das nicht?

Was steckt hinter den vorgestellten Abenteuern?
Wann wird das Abenteuer zum Alltag? Wenn man erst mal einige Wochen unterwegs ist wird unter freien Himmel schlafen, ggf. tagelanges Hungern zum Normalfall. Ohne Frage wird es eine Menge Herausforderungen und auch wunderbare Augenblicke geben.

Was steckt hinter der erhofften Freiheit?
Wann ist man freier? Wenn ich die Wahl/Möglichkeit habe Bus, Flugzeug, Mietwagen, Hotel, Hostel, Zeltplatz, Hängematte oder Klimaanlage zu nutzen wann und wie ich es will. Oder ist es Freiheit, wenn ich nicht die Wahl habe, sondern nur das habe was ich kriege und nur dort, wo mich meine Füße hintragen.

Was steckt hinter der ersehnten Einfachheit und dem Verzicht?
Vor allem wenn es der Wunsch von jungen Erwachsenen ist, die vielleicht noch gar nicht so sehr im "System" der 40 Stundenwoche mit 30 Tagen Urlaub im Jahr, Rechnungen, Verpflichtungen, Familie, etc. eingespannt sind.

Würde mich freuen wenn ich von allen Seiten etwas zum Thema lesen würde. Gerne auch mit neuen Ansätzen ... oder was euch dazu einfällt. Möglichst sachlich ohne "besser oder schlechter", ohne Verallgemeinerungen und Verurteilungen.
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Vada

Für mich ist es auch eine moralische Frage. Gerade als "reicher" Europäer finde ich es nicht Ordnung, bei der armen Bevölkerung in 3.Welt Ländern noch die hohle Hand aufzumachen, nur weil man unbdingt reisen will, aber kein GEld hat, und zu faul ist zum sparen.
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Lunita

Was steckt hinter der erhofften Freiheit?
Wann ist man freier? Wenn ich die Wahl/Möglichkeit habe Bus, Flugzeug, Mietwagen, Hotel, Hostel, Zeltplatz, Hängematte oder Klimaanlage zu nutzen wann und wie ich es will. Oder ist es Freiheit, wenn ich nicht die Wahl habe, sondern nur das habe was ich kriege und nur dort, wo mich meine Füße hintragen.

Der Wunsch nach Freiheit ist auch für mich eine der treibenden Kräfte für meine Reise. Für mich gehört dazu einerseits, dass ich die Möglichkeit habe, meinen Horizont zu erweitern, Neues auszuprobieren und natürlich auch Aktivitäten zu unternehmen, die mir Spass machen. Ich möchte auf Galapagos mit den Seehunden tauchen, eine Jeeptour durch den Salar de Uyuni machen, auch mal gut essen und vielleicht ab und zu ein bisschen feiern. Das kostet nun mal alles Geld, aber eine Reise zu machen, nur um unterwegs zu sein, ohne solche Erfahrungen zu machen, hat für mich persönlich keinen Reiz.

Andererseits und insbesondere heisst Freiheit für mich, Zeit zu haben, an einem Ort zu bleiben, so lange ich will, nicht zu viel zu planen und nicht zu viel zu „müssen". Ohne Geld scheint diese Art der Freiheit – also planlos und ungebunden unterwegs zu sein – wohl noch grösser zu sein. Ich denke aber, das ist schlussendlich nicht viel mehr als eine Illusion, denn die Vorstellung, dass ich mich dauernd darum kümmern muss, etwas kostenlos zu bekommen oder doch irgendwoher Geld aufzutreiben, finde ich sehr stressig und – wie Vada schon geschrieben hat – je nach Situation auch moralisch fragwürdig.
Wird damit das Gefühl der Freiheit nicht wieder extrem eingeschränkt?
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santiago

Was steckt hinter der erhofften Freiheit?
Wann ist man freier? Wenn ich die Wahl/Möglichkeit habe Bus, Flugzeug, Mietwagen, Hotel, Hostel, Zeltplatz, Hängematte oder Klimaanlage zu nutzen wann und wie ich es will. Oder ist es Freiheit, wenn ich nicht die Wahl habe, sondern nur das habe was ich kriege und nur dort, wo mich meine Füße hintragen.

Der Wunsch nach Freiheit ist auch für mich eine der treibenden Kräfte für meine Reise. Für mich gehört dazu einerseits, dass ich die Möglichkeit habe, meinen Horizont zu erweitern, Neues auszuprobieren und natürlich auch Aktivitäten zu unternehmen, die mir Spass machen. Ich möchte auf Galapagos mit den Seehunden tauchen, eine Jeeptour durch den Salar de Uyuni machen, auch mal gut essen und vielleicht ab und zu ein bisschen feiern. Das kostet nun mal alles Geld, aber eine Reise zu machen, nur um unterwegs zu sein, ohne solche Erfahrungen zu machen, hat für mich persönlich keinen Reiz.

Andererseits und insbesondere heisst Freiheit für mich, Zeit zu haben, an einem Ort zu bleiben, so lange ich will, nicht zu viel zu planen und nicht zu viel zu „müssen". Ohne Geld scheint diese Art der Freiheit – also planlos und ungebunden unterwegs zu sein – wohl noch grösser zu sein. Ich denke aber, das ist schlussendlich nicht viel mehr als eine Illusion, denn die Vorstellung, dass ich mich dauernd darum kümmern muss, etwas kostenlos zu bekommen oder doch irgendwoher Geld aufzutreiben, finde ich sehr stressig und – wie Vada schon geschrieben hat – je nach Situation auch moralisch fragwürdig.
Wird damit das Gefühl der Freiheit nicht wieder extrem eingeschränkt?

Das Posting sollte man einrahmen ;D...Da schließ ich mich zu 100% an...
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NRW

Schließe mich an, der vorletzte Post triffts sehr gut!

Ganz überspitzt gefragt - Macht nicht sogar gerade Geld frei? Hätte ich ein "unbegrenzt" gefülltes Bankkonto könnte ich ein komplett selbstbestimmtes Leben führen. Ich könnte Reisen wohin und wielange ich möchte, Leben wo ich möchte und mich ohne Risiko an neuen beruflichen Dingen ausprobieren. Ob es glücklich machen würde ist die andere Frage, aber in Punkto Freiheit käm es meiner persönlichen Vorstellung schon recht nah.

Gerade diese Freiheit hat man in meinen Augen bei Reisen ohne Geld nicht. Man MUSS dorthin wo es gerade Arbeit gibt, ein kostenloses Couchsurfing Bett, günstige Lebensmittel, macht das wirklich frei?

Ich möchte es nicht verurteilen, würde aber wirklich gerne wissen was genau sich manche darunter vorstellen. Es kommen oft nur Schlagwörter wie "Freiheit" und "ungebunden", etc. Bei Nachfragen kommt nicht mehr viel, außer "Ihr versteht es ja eh nicht".

Es sind oft jüngere Leute, vielleicht ist auch viel "Naivität" im Spiel bzw. falsche Vorstellungen? Ohne Reiseerfahrung zu haben, hauptsache weg von zu Hause, Geld ist oft ohne vorher gearbeitet zu haben einfach nicht da...
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Stecki

Kurz und knapp mein Senf dazu: Ja, Geld gibt einem Freiheit. Man kann es drehen und wenden wie man will, wer Geld hat (und natürlich Zeit) reist einfach sorgenfreier und angenehmer.

Weniger wichtig finde ich hingegen anderen Besitz. Ein Auto, eine Wohnung, Möbel, das alles kann einen ganz schön nerven wenn man reisen will.
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White Fox

Ich schließe mich Stecki an - mit dem Geld kommt die Freiheit.

Viele dieser Treads werden von Leuten unter 20 eröffnet. Vielleicht muss man denen auch einfach mal sagen, dass man auch mit nur 2000 Euro schon 2 Monate in Asien reisen kann - inklusive Flug, wenn man sich auf die günstigsten Länder beschränkt. Man muss also garnicht 25 000 Euro und 12 Monate Zeit haben um das große Abenteuer zu erleben. Ich war während dem Studium oft auch nur 2-3 Monate unterwegs und eben hauptsächlich in den erwähnten billigen asiatischen Ländern.

Von dem Ansatz "zu Fuß und ohne Geld" halt ich nicht viel. Dass ist die ersten 2 Tage bestimmt super und dann kommt der große Hunger und der erste Regen. Ich weis auch nicht, warum sich das viele so leicht vorstellen.
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Litti

Würde die Vorhaben und was dahinter steckt gerne hier diskutieren, um die eigentlichen Threads nicht zu sprengen weil es doch dann sehr schnell zu "Ihr gegen mich" ausartet.

Von mir nur etwas zu diesem Punkt: Dass das Ganze immer wieder auf die selbe Art und Weise ausartet liegt in meinen Augen wohl hauptsächlich daran, dass bisher alle die hier entsprechende Reisepläne gepostet haben unglaublich naiv an die Sache herangingen. Mit diesbezüglicher Kritik kann dann meist nicht umgegangen werden, dabei wollte man ja nur das Beste.

Die Welt ohne herkömliche Transportmittel zu bereisen ist eine wirklich tolle Sache, mutig, beneidenswert, und es gibt ja auch genug Beispiele von Leuten die es gemacht haben oder machen. Aber wissen wir auch nur von einem Fall in diesem Forum der am Ende tatsächlich zu Fuß losgegangen ist? Wäre das hier überhaupt die richtige Anlaufstelle? Und braucht der Typ Mensch der zu so etwas wirklich fähig ist (das Vorhaben lässt ja auf ein hohes Maß an Selbständigkeit schließen) überhaupt ein Internet-Forum? Ich glaube nicht.
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paulinchen

Hi,
Interessantes Thema, ich möchte es mal aus meiner Sicht einer etwas älteren, aber immer noch leidenschaftlichen Reisenden betrachten.
Meine ersten Reisen fanden mit abgezähltem Geld statt, das hatten wir einfach in den Taschen. Kreditkarten etc. hatten wir nicht. Klapperige Fahrzeuge begleiteten uns. Rückblickend waren das tolle Reisen, aber nicht immer entspannt.
Irgendwann kommt die Phase, dass mehr Geld da ist, "Verzicht" im normalen Leben auf Dinge wie Eigentum und Statussymbole, die brauche ich nicht. Dafür sind die Reisetage streng abgezählt, Überstunden werden zu Freizeit.
Irgendwie reisten wir aber anders, nicht aufs Geld schauen zu müssen ist schon befreiend, wer was anderes behauptet, hat beides noch nicht praktiziert.
Heute fangen wir an, Ballast abzuwerfen, reisen nur mit leichtem Gepäck, entledigen uns einiger Belastungen in D. Ich empfinde es als unglaublich befreiend, wenig Besitz mit mir herumzuschleppen. Wir reisen langsam wieder wie in unseren Anfängen, nur mit der Freiheit und dem Luxus, alles freiwillig zu machen und nicht zu müssen.
Wir haben in "Europa" ( Portugal, Türkei etc. ) und Asien insgesamt schon so viele abgewrackte ehemalige Langzeitreisende kennengelernt, die den Traum vom Reisen mit wenig Geld ausgeträumt hatten, aber nicht mehr nach Hause konnten, weil´s keines mehr gab.
Andere Reisende abzocken, Adressen von gastfreundlichen Familien handeln, um preiswert unterzukommen, und andere Methoden des möglichst billig Reisens ist einfach nur Sch.....ist uns aber begegnet.
Glücklicherweise gibt es eine community, die unabhängig von Wohlstand und Alter sich einfach trifft, weil die Wellenlänge stimmt, das ist zumindest unsere persönliche Erfahrung und funktioniert eigentlich überall auf der Welt. Und deshalb werden wir reisen, bis wir in die Kiste wandern...... ;)

lg
paulinchen
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Aenima

Die wichtigsten  Punkte wurden  ja schon genannt. Ich sehe das auch  so, dass Geld Freiheit bringt. Das  ist ja das paradoxe im  Leben, man arbeitet,  und in dieser Zeit, in  jeder einzelnen Stunde "verkaufe" ich ein kleines Stueck meiner Lebenszeit, bin also nicht wirklich frei. Mit dem Geld das ich mit dieser Arbeit  verdiene kann  ich  mir aber wieder ein  Stueck  Freiheit  "kaufen", und auf Reisen  gehen. Somit kommt das Ganze  wieder  etwas ins Gleichgewicht.

Reisen mit einfachen Verkehrsmitteln oder zu  Fuss ist etwas anderes, das ist einfach eine besonders anspruchsvolle Art des Reisens, benoetigt aber genauso Geld wie "normales" Reisen. In  dem Zusammenhang sei vielleicht mal daran erinnert, dass auch  der Protagonist von  "Into  the Wild" zwischendrinn gearbeitet  hat, um sich die Weiterreise zu finanzieren. Ich fuehre das nur  an, weil gerade dieser Film immer wieder als Inspirationsquelle fuer  Reisen ohne Geld genannt wird.
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Lunita

« Antwort #10 am: 25. September 2013, 10:21 »
Ich möchte es nicht verurteilen, würde aber wirklich gerne wissen was genau sich manche darunter vorstellen. Es kommen oft nur Schlagwörter wie "Freiheit" und "ungebunden", etc. Bei Nachfragen kommt nicht mehr viel, außer "Ihr versteht es ja eh nicht".

Das würde mich auch interessieren. Bei diesen Threads hat man doch auch irgendwie immer das Gefühl, dass ganz profane Fragen noch nicht geklärt sind, z.B. was ist, wenn ich krank werde? Hab ich dafür notfalls genug Geld zur Verfügung? Was werde ich essen? Wie bezahle ich allfällige Visa? Jemand, der sich ernsthaft mit dieser Art des Reisens beschäftigt, sollte sich doch schon mal Gedanken zu solchen Punkten gemacht haben.
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versatile

« Antwort #11 am: 25. September 2013, 10:51 »
Aber stimmt nicht auch der Satz, "Was man besitzt, besitzt einen früher oder später"?
Und da gehört denke ich auch Geld dazu, weil selbiges einem ja erst die Möglichkeit eröffnet, Dinge zu kaufen, die man vielleicht garnicht braucht. Was da alles zugehört, muss natürlich jeder selbst entscheiden, aber brauche ich wirklich das neuste Smartphone, die noch größere Glotze, das noch schnellere Auto? Die Liste könnte ewig weitergeführt werden. Und wenn ich das dann alles habe, zwingt mich der Lebensstandard dann nicht doch dazu, weiter zu arbeiten um mir mein Leben in dem Fall weiterhin leisten zu können? Ich denke, jeder, der seinen Hausstand ausgemistet hat, um an Geld für seine Langzeitreise zu kommen, kennt das Gefühl, sich von Dingen zu trennen, die das Leben bereichert haben, aber auch die Erkenntnis, nach der Trennung "freier", in dem Fall sorgloser zu sein. Mir geht es jetzt auch so, wobei ich natürlich schon manchmal traurig bin, etwas geliebtes wegzugeben. Im Nachhinein allerdings überwiegt die Freude, meinem Ziel dadurch einen Schritt näher gekommen zu sein. Auch das ist Freiheit für mich.
Zum Thema ohne Geld reisen, fällt mir nur "Into the wild" ein. Wer den Film kennt, weiß denke ich, was ich meine. Der Protagonist schafft es auch, ohne Geld durch die USA zu "reisen", arbeitet nebenbei mal auf einer Farm, und lernt sonst Leute kennen, die ihn unterstützen. Ich denke also, dass so ein Lebensstil durchaus möglich ist, aber sicherlich in einem niedrigen Tempo. Dass man so in zwei Jahren um die Welt kommt bezweifle ich stark, als Lebensaufgabe allerdings könnte ich mir das eher vorstellen.
Was ist nun Freiheit? Wikipedia sagt, es ist die Möglichkeit, ohne Zwang zwischen verschiedenen Alternativen wählen und entscheiden zu können, also die Autonomie eines Subjekts. Dem kann ich mich prinzipiell anschließen. Für mich ist Freiheit also, auf Reisen bezogen, die Möglichkeit, an einem Ort so lange zu bleiben, bis mich mein innerer Trieb dazu bringt, weiterzuziehen, und zwar dorthin, wo ICH hinmöchte.

PS:
Zum Thema Krankheit: Ist es nicht auch Freiheit, sich bewusst dafür zu entscheiden, das Risiko einer Erkrankung ohne die Chance auf medizinische Behandlung einzugehen? Eben die völlige Unabhängigkeit von äußeren Faktoren und Zwängen, zu leben wie man es wünscht. Aber nitte nicht falsch verstehen, so ein Verhalten würde ich niemandem empfehlen und auch selbst nicht an den Tag legen, da mir mein Leben doch viel wert ist. Trotzdem denke ich, dass auch das eine Art Freiheit bedeutet.
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versatile

« Antwort #12 am: 25. September 2013, 11:17 »


Von dem Ansatz "zu Fuß und ohne Geld" halt ich nicht viel. Dass ist die ersten 2 Tage bestimmt super und dann kommt der große Hunger und der erste Regen. Ich weis auch nicht, warum sich das viele so leicht vorstellen.

Das ist ja deine persönliche Meinung und durchaus berechtigt. Aber was ich aus den Threads rausgelesen habe, ist schon die Gewissheit, dass es eben nicht leicht wird. Und wenn jemand wirklich den innersten Drang hat, aus allen Konventionen auszubrechen, dann ist er nicht genervt weil es regnet, sonder freut sich im Sommer über die Abkühlung! ;) Ich will sagen, dass jede Medaille auch zwei Seiten hat. Auch Hunger kann eine Erfahrung sein, warum fasten sonst genügend Menschen? Ob aus religiöden oder gesundheitlichen Gründen oder was auch immer, der Punkt ist, der menschliche Körper hat genügend Reserven, auch längere Zeit ohne das Nahrungsüberangebot unserer Zeit auszukommmen. Dass das eine immense psychische Überwindung kostet und physisch sogar teilweise Schmerzen bereiten kann, sollte jedem klar sein. Aber wenn jemand diesen Weg bewusst wählt, ist es durchaus machbar. Aber nochmal, empfehlen würde ich das niemandem.
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Vombatus

« Antwort #13 am: 25. September 2013, 12:33 »
Schön, dass das Thema gut läuft, vielleicht äussert sich noch einer, der den Weg einschlagen möchte oder sich es vorstellen könnte.

Thema Geschwindigkeit. Je langsamer man unterwegs ist, manchmal über Monate in einem Land, desto einfacher wird es kleine Beziehngen aufzubauen, Freundschaften einzugehen. Gerade wenn man Nomade ist und nicht vereinsamen will, dazu noch zwischendurch länger (unerlaubt für Geld oder gegen Bett und Essen) Arbeiten möchte/muss ist langsam besser als schnell. Das weiterziehen wird daruch natürlich nicht einfacher.

Denke auch deswegen werde hier oft Mitreisende gesucht. Was allerdings wieder schwer wird, weil eine andere Person auch Kompromiss und Verantwortung bedeutet. Die individuelle Freiheit einschränkt, zusammen unterwegs sein aber sicherer und stärker macht.

Erinnere mich gerade an die beiden Radler, die unter Zeitdruck durch Russland radelten um ihre Aufenthaltsgenemigung nicht zu überschreiten.
http://www.ardmediathek.de/einsplus/berlin2shanghai/berlin2shanghai-die-reise-beginnt?documentId=15136380
In bestimmten, eigentlich fast allen Ländern muss man sich als Ausländer regelmäßig um Visaverlängerungen kümmern. Der Typ aus "Into the wild" war vorwiegen in den USA unterwegs oder? Musste sich über Arbeitserlaubnis und Aufenthaltsgenehmigung keine Sorgen machen.

Neue Einstellung zu Besitz? Wie ist das mit dem Besitz bei euch? Die meisten sind zwischen 4 und 15 Monate unterwegs. Hab und Gut wird bei einer Wohnungsauflösung ausgemistet und mehr oder eingelagert. Bei Leuten ohne eigene Wohnung (z.B. Studenten) oder diejenigen, die Ihre Wohnung behalten/untervermieten können ist das weniger ein Thema, aber auch die merken unterwegs, dass man mit wenig sehr gut zurecht kommt. So lese ich es aus den bisherigen Beiträgen. Ist das ein Ziel der Reise oder einfach eine Nebenwirkung? Richtet ihr euer Leben danach mit weniger ein?

Ansonsten scheint Verzicht auf (zu viel) Besitz ein Beweggrund der "zu Fuß und ohne viel Geld" Reise zu sein.

Wann, wenn nicht jetzt? Sicherlich auch ein Grund, warum es meist die Jungen und Ungebundenen sind, die in die Weltgehen wollen. Uni-Austauschprogramme, Auslandsstudium, Work and Travel nützen, um ihren Horizont zu erweitern. Frage mich gerade, was hinter den persönlichen Geschichten steckt. Es ist schon was anderes "ohne Nichts" loszulaufen oder mit Geld eine WR bzw. Auslandstudim anzutreten. Selbst bei finanzierten Weltreisen flippen (manchmal) Eltern und Bekannte aus vor Sorge und Unverständnis. Was sagen dann die Angehörigen der "Ausreißer"?

Den oben genannten Ansatz, Geld zu sparen und in ein preiswertes Land zu fliegen, um dort dann langsamst das Leben zu genießen finde ich gut, denke aber, dass da die Herausforderung "zu leiden" fehlt, bzw. die Bereitschaft, um für Startkapital zu sorgen. Und was ist, wenn das Geld weg ist?

Ich denke, es ist schon ein Unterschied, ob ich mich für eine begrenzte Zeit auf Hunger und Verzicht im Kloster oder Fasten etc. einlasse oder es akzeptiere (vielleicht schon zur Voraussetzung mache), um ein Nomadentum realisieren zu können.


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BineKa

« Antwort #14 am: 26. September 2013, 03:55 »
Ach, seid doch nicht so streng mit den jungen Leuten :-) Mir ist das allemal sympathischer als die Jugendlichen, die sich nur um das neueste Handy und um ein schnelles Auto kümmern. Und dass sie mit dem Esel dann vielleicht doch nicht so weit kommen, macht ja nix. Ideale und was ausprobieren gehören zum jung sein!
Ich bin, als ich jung war, was ziemlich lange her ist, mal nach Marokko getrampt, die große Freiheit war das Motto - und ich hab es genossen. Dass ich die Gastfreundschaft von Menschen ausgenutzt habe, die weniger hatten als ich und ich mich im Grunde durchgeschnorrt habe, hab ich irgend wann selber gemerkt und mich nachträglich sehr dafür geschämt.
Heute hab ich mehr Geld und vielleicht auch mehr Weitsicht, und gebe das, was ich damals genommen habe, zurück.
Gruß Bine
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