Thema: reisen oder kinder - reisen mit kindern?  (Gelesen 4207 mal)

mimmi

« am: 05. Oktober 2010, 12:33 »
hallo liebes forum

dieses thema wird vielleicht eher die damenwelt ansprechen. wir waren dieses jahr für 6 monate auf reisen und haben uns damit einen herzenswunsch erfüllt. nun sind wir zurück im berufsleben und alltagstrott. ich werde dieses jahr 30 und weiss, ich möchte bald kinder (hoffentlich das nächste jahr  ;)). trotz kindern möchte ich aber auch nicht aufs reisen verzichten (ich meine dabei nicht 2wöchige all-inclusive urlaube).

wie sieht das bei euch aus, kriegt ihr beides zusammen auf die reihe? oder sagt ihr, mir ist das reisen wichtiger, ich verzichte auf kinder? oder ist es euch egal, erst mit 35, 40jahren kinder zu bekommen? das möcht ich eben nicht... oder habt ihr gar schon längere reisen mit kindern gemacht? oder habt ihr bereits kinder und legt die reise erst mal auf eis, bis die kinder "rausgewachsen" sind?

wir wollen zum beispiel unbedingt nochmals nach neuseeland und auch kanada/alaska wär noch ein wunsch. würd mich über eure erfahrungsberichte freuen!
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nepomuc

« Antwort #1 am: 05. Oktober 2010, 12:54 »
Hallo mimmi,

in einen der letzten Globetrotter-Magazine ein ein sehr netter Bericht über eine fünfköpfige Familie, die mit einem Handkarren eine kleine Alpenüberquerung macht: http://www.4-seasons.de/magazin/issues/26_2010/singlepages/projekte.pdf

Das hat mir auch mal wieder gezeigt, dass man auch mit Kindern und ein wenig Mut noch tolle Reisen machen kann. Als Kinder waren wir mit unseren Eltern auch oft mit dem Wohnmobil unterwegs. Das ist bestimmt auch gut für Neuseeland und Nordamerika geeignet - wird halt alles ein wenig kostspieliger als jetzt...

Die Familienplanung war für uns letztendlich schon auch ein Grund die Weltreise jetzt zu machen und nicht erst in fünf Jahren, wenn mehr Geld da ist und meine Freundin mit dem Studium fertig...
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Jens

« Antwort #2 am: 05. Oktober 2010, 13:06 »
Hallo Mimmi,

schöner Thread! Es gibt so einige Blogs, indenen Famielen sogar Weltreisen machen, allerdings dann nicht ganz als Backpacker, da sie wesentlich mehr Gepack dabei haben. Siehe z.B.

http://roobert.typepad.com/purkersdorf_oslo_2006/
http://www.sixintheworld.com/

Es gibt auch einen Blog, wo sich vor 20 Jahren zwei Hölländer (w/m) in Australien gefunden haben und mit dem Rad heim sind, Zu Hause haben sie geheitraten und sind dann immer mit ihren Kindern (4 o. 5) mit den Rädern durch Europa gefahren. Leider weiß ich nicht mehr die URL.

Wie du siehst ist das machbar, bestimmt super toll und auch super anstrengend!
Hier gab es jetzt eine Sendung im HR, die läuft vielleicht demnächst noch einmal wo anders im Dritten!
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Nausikaa

« Antwort #3 am: 05. Oktober 2010, 13:42 »
Danke für die Frage!! Versuche selbst gerade etwas hektisch, meine wichtigsten Reiseziele in die nächsten 3 Jahre zu packen. (Vorher kann ich aus beruflichen Gründen leider eh keine Kinder haben!) Da bleibt kaum Zeit zum Sparen... Bin also selbst gespannt auf Eure Erfahrungen!

Ich hab irgendwo (hier im Forum?) mal gelesen, dass (Welt-)Reisen gerade mit 2- 3-jährigen Kindern gut machbar seien, weil die dann schon vieles mitmachen, aber noch nicht allzu stark mit eigenen Wünschen in die Reiseplanung eingreifen. Kommt wohl auf's Kind an!  ;) Allerdings ging es hier um eine Reise im eigenen Wohnmobil, das ist natürlich sehr wichtig. Ein bisschen Stabilität muss schon sein.

Schwierig sind wahrscheinlich erstens ein möglicherweise langer Flug, der ja für uns schon anstrengend ist, und zweitens natürlich die Kosten. Ich hab mir überlegt, dass ich mich zumindest in den ersten Jahren wohl eher auf Campen und Ferienhausurlaube in Europa verlegen werde. Zum Beispiel hab ich bislang nur wenig von Italien gesehen und noch nichts von der skandinavischen Halbinsel, das steht sowieso auf der Agenda. Auch die Türkei kann man bestimmt gut mit Kindern bereisen, da hab ich schon einige Pläne! Und auch unsere direkten Nachbarn haben viel zu bieten und sind schnell zu erreichen...

Aber bestimmte Gegenden (SOA, Naher Osten, Ostafrika) und bestimmte Reiseformen (Budget-Backpacking, Overlanding im Truck) werde ich möglichst vorher unterbringen (auch wegen der Impfungen, die dann nötig wären). Vielleicht ist hier aber jemand, der das schon mit Kindern gemacht hat?

Letzten Endes hängt wahrscheinlich viel vom Kind selbst ab. Aber sobald die Kids dann ein bisschen größer sind, finden die's ja vielleicht auch cool, statt wie die anderen nach Mallorca mal nach Goa zu fliegen? Darauf baue ich jedenfalls... ;D Ich selbst bin sehr viel mit meinen Eltern gereist und fand das auch immer toll. Allerdings gab es mal ne Zeit, in der wir auf mindestens einer Woche pro Sommer auf einem bestimmten Campingplatz in Südfrankreich bestanden, weil wir da jedes Jahr unsere französischen Freunde treffen konnten... Und wie ist das ganze ausgegangen? Meine Eltern haben da ein Ferienhäuschen gekauft... :D
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weltentdecker

« Antwort #4 am: 05. Oktober 2010, 13:46 »
Hi Mimmi,

Gerade Neuseeland und Kanada sind doch super Länder, die man mit Kindern gut bereisen kann, weil: sicher und gute Infrastruktur. Da sehe ich überhaupt kein Problem. Eine richtige Weltreise ist schon schwieriger, ich denke, dass würde ich nicht machen. Außer ich hab ganz ganz viel Geld zur Verfügung und kann in gute Pensionen gehen. Und das geht ja auch nur so lange die Kinder noch nicht in die Schule müssen.

Aber es muss ja auch keine Weltreise sein. Normale längere Urlaubsreisen sind doch immer noch drin. Ich werd sicher nicht aufhören mit dem reisen, wenn ich Kinder habe. Ich will meinen Kinder ja auch die Welt zeigen :-) Nur würde ich wohl mehr auf die Sicherheit und den Standard der Länder, die ich bereisen möchte, achten. Deshalb machen wir auch nicht Australien und Neuseeland auf unserer Weltreise 2012. Das kann man nämlich auch später noch super mit Kindern und Wohnmobil machen.
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Nausikaa

« Antwort #5 am: 05. Oktober 2010, 15:19 »
Deshalb machen wir auch nicht Australien und Neuseeland auf unserer Weltreise 2012. Das kann man nämlich auch später noch super mit Kindern und Wohnmobil machen.

Das denke ich auch! Nur der lange Flug ist dabei wahrscheinlich ein Problem, in den ersten Jahren würde ich's nicht machen. Aber das sind eben nur die ersten paar Jahre! :) Und Ihr könnt ja mit Kanada starten!

Wir sind früher sehr oft in die USA geflogen, zu Anfang war mein kleiner Bruder erst sieben und fand es toll! (Ob er wohl deshalb lange Zeit Pilot werden wollte?) ;)
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cielo

« Antwort #6 am: 05. Oktober 2010, 16:22 »
ich denke auch man kann auch mit kindern noch gut verreisen, aber eben anders. man kann denen ja nicht einfach einen rucksack aufsetzen und los ;). was euch betrifft: neuseeland und kanada/alaska sind ja eh typische selbstfahrer-länder. und wenn man die kinder von vornherein mit der natur aufwachsen lässt, finden die das auch nicht unbedingt schlechter als strandurlaub. ist nur ne frage der einstellung, die man übermittelt. ich fand als kind wandern toll und wäre über kanada/neuseelandurlaube wahnsinnig glücklich gewesen :D. geht halt nicht in den ersten jahren, klar. aber sobald sie selbst gut mitlaufen können, geht das schon. kanada kann man z.b. auch später noch gut in den sommerferien machen. neuseeland würde ich machen bevor sie in die schule gehen wegen der besseren reisezeit im deutschen winter.

ich hab auch von einigen familien gelesen, die durch die welt radeln. z.b. die da: http://dreirad.fenris.ca
d.h. zuerst waren sie als paar durch die welt geradelt, in kanada kam dann chan zur welt, sie wurden etwas sesshafter und sobald er selbst fahren konnte (und er liebt das radeln), sind sie wieder los. jetzt aber wieder sesshaft.

oder ich kenn eine familie, die in 2 etappen (jeweils ein halbes jahr) durch australien mit dem womo gefahren sind. ich weiß leider nicht mehr wie alt das kind war, aber es ging auch ...

eine familie muss also nicht das ende vom individuellen reisen bedeuten :). backpackerträume sollte man sich aber besser vorher erfüllen. so mach ichs. und den passenden mann les ich schon auch noch irgendwo auf :D. wegen der altersfrage: ich glaube ich werde nicht vor mitte 30 kinder in die welt setzen können wegen meiner reisepläne (und dem fehlenden mann ;)). wenn ich von meiner ersten großen reise zurück bin, bin ich ja schon fast 29 ...


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mimmi

« Antwort #7 am: 05. Oktober 2010, 19:08 »
vielen dank für eure links, anregungen und gedanken! in neuseeland waren wir dieses jahr und ebe grad weils uns sooo gut gefallen hat, würden wir irgendwann gerne nochmal dahin, mit kindern. aber eben, der lange flug ist nicht unbedingt toll für die kleinen. kanada/alaska waren wir noch gar nicht. eine längere reise liegt nun im moment auch nicht mehr drin, haben uns drum überlegt, was wir unbedingt gerne noch ohne kinder sehen wollen, da wir eben die ziele dann auch den kindern anpassen wollen (und natürlich auch uns, denn wenns den kindern keinen spass macht, wirds für die eltern bestimmt auch anstrengender...). ich denke auch nicht, dass wir unbedingt nochmals ne weltreise machen wollen, eher ein- oder zweimonatige urlaube mit womo.

ich bin auf jeden fall froh, dass wir, gerade soa, ohne kinder erleben konnten. gerade die enorme hitze könnte ich mir vorstellen, macht denen doch recht zu schaffen. und in gewissen gegenden wärs mir mit kleinkind auch nicht wirklich wohl gewesen (so ohne medizinische hilfe in laos z.b.).

Ich werd sicher nicht aufhören mit dem reisen, wenn ich Kinder habe. Ich will meinen Kinder ja auch die Welt zeigen :-).
genau das möcht ich eben auch. vielleicht sieht man mit kindern auch dinge, die man ohne gar nicht so wahrnehmen würde?
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karoshi

« Antwort #8 am: 06. Oktober 2010, 11:46 »
Kleine Kinder hindern nicht am Reisen (das wird erst mit Beginn der Schulpflicht ein Problem, wenn man nicht selbst Lehrer ist), aber die Auswahl der Zielgebiete ist eingeschränkt. Neben den Sicherheits- (damit meine ich eher den Verkehr) und Hygieneproblemen in manchen Ländern ist es auch nicht im Sinne der meisten Eltern, die Halblinge mit Malariamitteln vollzupumpen.

Aber in entwickelten Ländern ohne Malaria (sagen wir Nordamerika, Ozeanien, Südliches Südamerika, Japan, Korea oder die "zivilisierten" Teile von China und Russland) sollte das gut gehen.

LG, Karoshi
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Skraal

« Antwort #9 am: 06. Oktober 2010, 18:38 »
Habe jetzt gerade in Yazd, Iran eine Familie getroffen, die mit ihrem zehn oder elfjährigen Sohn unterwegs iſt.
Die waren auch ſchon vier Monate mit ihm in Aſien unterwegs:

Zitat
Etwas noch: Tim, Du warst ein toller Reisekumpel. Unkompliziert, offen, voller Abenteuergeist, geduldig. Warst nie krank, hast klaglos und mit der Zeit gar mit grosser Lust Curries und Dosas mit allem drum und dran vertilgt. Warst unbeeindruckt von Chaos, Lärm und Staub und Hitze. Kurz: Wir hätten uns nie träumen lassen, dass alles so problemlos verlaufen könnten. Chapeau.... Und für all jene, die sich wegen der Schule nicht auf eine grosse Reise trauen: Tim war blitzschnell wieder integriert, ja war weiter im Stoff als die Klasse. Und hat sich unterwegs auch sozial derart positiv entwickelt, dass man eigentlich nur zu einem einzigen Schluss kommen kann: Ein paar Monate Time-Out von der Schule müssten obligatorisch sein – ein Sprung hinaus ins Leben, der ein KInd weiter bringt als ein Dutzend Bücher und Hefte.
http://kummer-schelker.blogspot.com/
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Nausikaa

« Antwort #10 am: 06. Oktober 2010, 18:55 »
Danke für den Link! Das Zitat spricht auch den meisten Reformpädagogen von der Seele...  ;)
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mimmi

« Antwort #11 am: 06. Oktober 2010, 18:58 »
ja, danke skraal für den tollen link, ich bin begeistert!
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cielo

« Antwort #12 am: 06. Oktober 2010, 20:43 »
@skraal: aber die frage ist doch, ob das immer so erlaubt ist? man muss doch schon wegen ein paar tagen urlaubsverlängerung voll den aufriss machen und das beim kultus beantragen. wie ist das dann erst bei einem halben jahr?
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Skraal

« Antwort #13 am: 07. Oktober 2010, 17:03 »
Das iſt in der Tat die Frage, und ich weiß es nicht. Die drei ſind Schweizer, und die Eidgenoſſen mögen da andere Regeln haben als die Bundesrepublikaner.
Aber hier gilt ſicherlich, wo ein Wille iſt, da iſt ein Weg. Eine Klaſſenkameradin von mir war ein Jahr mit ihren Eltern auf Weltreiſe (die waren allerdings beide Lehrer), und ich durfte auch ſchon zweimal während der Schulzeit zwei Wochen fehlen, weil ich Bekannte in der Türkei beſucht habe (und eine Woche in der Schule der deutſchen Botſchaft in Ankara mitgelernt habe).
Iſt ſicherlich eine Frage, wie man es verkauft. Daß die Schulen auf Argumente wie „Aber der Flug zwei Tage ſpäter von Malle iſt 50 Euro billiger“ nicht eingehen iſt mir klar. Daß Kinder in vier Monaten Aſien durchaus etwas lernen verſtehen Schulen ſicherlich auch.

Ich habe keine Kinder und keinerlei eigene Erfahrung mit dem Thema und mache hier nur wilde Vermutungen, wollte aber eine weitere Sichtweiſe einbringen.
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Sonja Sonnenschein

« Antwort #14 am: 08. Oktober 2010, 12:49 »
Hallo zusammen,

ein tolles Thema! Dickes Danke an mimmi, das anzusprechen...mir gehts ähnlich, nächstes Jahr werde ich 30 und hätte einerseits gerne bald Kinder, andererseits möchte ich soooo gerne reisen. Mein Traum wäre mindestens ein halbes Jahr Südamerika, und gerade da habe ich Bedenken, dass es mit Kindern zu gefährlich ist.

Ich glaube aber, dass das Reisen in Australien, Neuseeland, Kanada, USA an sich auch mit Kindern kein Problem ist.

Schwierig wirds wahrscheinlich wirklich erst mit der Schulpflicht. Dazu kann ich berichten, dass wir dieses Jahr auf unserer Australientour eine deutsche Familie getroffen haben, die mit drei Kindern in einem Wohnmobil unterwegs waren. Die Kinder waren (wenn ich mich richtig erinnere) 13, 9 und 7...meine erste Frage an die Eltern (die beide Lehrer waren) war auch, wie das mit der Schule geht. Sie haben erzählt, dass sie die Kinder einfach aus der Schule genommen haben (Zitat "Es kann einen ja keiner zwingen, in Deutschland zu bleiben und wenn ich gehn will, dann geh ich") und sie während der Reise selbst unterrichten. Die Kinder, vor allem die 13- jährige Tochter, haben einen sehr "erwachsenen" Eindruck gemacht.

Ich muss sagen, ich schwanke zwischen Bewunderung, sich das zu trauen und Zweifeln, wie sich sowas auf das Leben der Kinder auswirkt. Klar, sie sehen viel von unserer wunderschönen Welt, werden aber auch aus dem Klassenverband- und Freundeskreis gerissen und müssen sich nach der Reise wieder integrieren...aber da ich selber ja noch keine Kinder hab, kann ich das halt auch nicht wirklich beurteilen. Ich würde mir denke ich auch nicht in allen  Fächern zutrauen, die Kinder so zu unterrichten, dass sie dann auch wirlich den erforderlichen Wissenstand haben, um das nächste Schuljahr ohne Probleme zu schaffen...

Aber vielleicht kann man ja Familie und Reisen auch so unter einen Hut bringen, dass man längere Reisen unternimmt, bevor die Kinder schulpflichtig werden (dann halt in "sichere" Länder) und sobald die Schulpflicht losgeht, Reisen in den Sommerferien unternimmt (also so ca. 6 Wochen lang)- es gibt ja auch Länder, die man gut bereisen kann, wenn bei uns Sommer ist...

Huch, das ist ja fast ein Roman geworden... :o ...liegt wohl an meiner Unentschlossenheit... :-\
Wünsch euch ein schönes Wochenende!
sonja
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