Thema: Weltreise: Single oder mit Partner?  (Gelesen 685 mal)

Croissant

« am: 13. September 2016, 22:09 »
Hallo liebe Reisende :)

ich möchte meine Frage unabhängig von meinem oder eurem aktuellen Beziehungsstatus stellen: Wie reist es sich eurer Meinung nach besser - als Single alleine oder in einer Beziehung mit dem Partner?

Insbesondere: Was ist bei einer Weltreise eurer Meinung nach wertvoller? Die uneingeschränkte persönliche Freiheit, alles zu tun und lassen, was man will (zB Planänderungen jeglicher Art, man lernt sicherlich alleine mehr Leute kennen, Affären mit Reisebekanntschaften möglich ;) ) oder der Luxus, mit seinem Lebenspartner als Reisepartner die Reise _gemeinsam_ zu erleben, die Beziehung zu festigen/genießen und (wenn alles gut geht) später auf das gemeinsam Erlebte zurückzublicken?

Ich habe hier ja schon einen Artikel gefunden, der dieser Frage ansatzweise auf den Grund geht: http://weltreise-info.de/rahmenbedingungen/reisepartner.html

Aber ich würde die Frage gerne etwas vertiefen und eure subjektiven Meinungen dazu hören. Am liebsten natürlich von Leuten, die wirklich Erfahrung damit gemacht haben - also bereits eine Weltreise als Single oder mir Partner oder sogar beides gemacht haben.

Vielen Dank! :)
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dirtsA

« Antwort #1 am: 13. September 2016, 22:35 »
Hey,

meine Weltreise bin ich damals als Single gestartet aber habe unterwegs meinen jetzigen Freund kennengelernt und wir sind somit auch einige Monate zusammen gereist. Dadurch kenne ich beide Situationen.

Was für mich persönlich der größte Unterschied war, war unterwegs Leute kennen zu lernen. Das ist allein deutlich einfacher, weil (für andere) die Hemmschwelle geringer ist, einen anzusprechen und (für einen selbst) das "Muss" vorhanden ist, Kontakte zu knüpfen. Klar kann man als Pärchen auch offen gegenüber neuen Bekanntschaften unterwegs sein, aber es ist doch etwas ganz, ganz anderes. Den Teil habe ich also etwas vermisst, als ich nicht mehr alleine gereist bin.

Andererseits ist es natürlich schön, immer jemanden dabei zu haben, auf den man sich verlassen kann. Wo man weiß, dass man gleich tickt. Wo man sich die Aufgaben auf der Reise nach und nach aufgeteilt hat (einer verhandelt lieber, der andere plant die Route etc) und so weiter... Es ist angenehm, nicht immer die gleichen "where are you from - where are you going -what is your name"-Gespräche führen zu müssen, wenn man grad nicht will. Und günstiger kann es in vielen Ländern auch sein, wobei das auch mit einer Reisebekanntschaft ginge, sofern man sich das Zimmer teilen will.

Persönliche Freiheit habe ich bei beiden Varianten, weil mein Freund und ich absolut gleich ticken, wenn es ums Reisen geht. Gut - vielleicht würde ich hier und da mal öfter in ein Museum gehen oder einen Tauch-Tag mehr einlegen. Aber v.a. er ist so flexibel, dass sich fast alles einrichten lässt. Da ich auch die komplette Planung unserer Reisen übernehme, liegen diese Entscheidungen sowieso meistens bei mir.

Wenn es möglich ist, würde ich daher beides empfehlen. Jeder sollte meiner Meinung nach irgendwann im Leben wenigstens für ein paar Wochen allein gereist sein, weil es einfach ein tolles und ganz anderes Erlebnis ist. Genauso ist ist aber natürlich toll, gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen... :)

Ich hatte bei der ersten Weltreise einen Mix, und momentan mache ich meine normalen Urlaube auch teils alleine, teils zusammen. Auch unsere. zweite Weltreise sollte teils getrennt sein, das haben wir schon von beiden Seiten so beschlossen. Es geht also auch 50/50  ;D

LG
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Croissant

« Antwort #2 am: 01. Dezember 2016, 11:34 »
Vielen Dank für deine Antwort, dirtsA! :) Du hast mir damit schon mal sehr weitergeholfen.

Gibt es denn hier nicht noch mehr Meinungen bzw. Erfahrungen dazu?
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Yoss

« Antwort #3 am: 01. Dezember 2016, 13:45 »
Ich war vor zwei Jahren mehrere Monate alleine unterwegs (keine Weltreise, nur in Asien). Da ich damals nicht in einer Beziehung war (bzw. mich am Ende einer kurzen Beziehung befand, vor deren Beginn meine Planung bereits feststand), war es für mich klar, dass ich alleine losziehen würde. Und ich hatte auch keine Bedenken, dass ich es nicht genießen könnte.

Die wertvollste Erfahrung dieser Monate war diese unvergleichliche Freiheit. Ich habe es unglaublich genossen, in jedem Moment genau das tun zu können, was ich will, und mich nicht erklären zu müssen. Das war so ein tiefes Freiheitsgefühl, das mich wirklich überwältigt hat. Und genau deswegen bin ich unheimlich froh, dass ich das gemacht habe und diesen Erfahrungsschatz jetzt habe. Ich konnte tolle Momente auch sehr genießen, ohne traurig zu sein, das nicht teilen zu können. Es war so ein intensives Aufsaugen für mich ganz allein.

Gleichwohl würde ich nicht sagen, dass es für mich grundsätzlich der bevorzugte Reisestil ist. Es war einfach wichtig und richtig, diese Erfahrung zu diesem Zeitpunkt zu machen. Würde ich heute noch mal losziehen, dann auf jeden Fall mit meiner Partnerin. Um das lange Reisen zu zweit zu erleben, mich über Erlebtes austauschen zu können (und zwar anders/intensiver als mit flüchtigen Reisebekanntschaften, wo ich häufig das Gefühl hatte, dass es bei vielen nur darum geht, sich gegenseitig mit irgendwelchen Geschichten zu toppen) und mich auch mal anlehnen zu können. Und auch um mehr Spaß zu haben. Ich bin ein recht introvertierter Mensch und fand es oft anstrengend, auf andere zuzugehen und wirkliche Anknüpfungspunkte zu finden. Es gab schon Momente, in denen ich mir ein vertrautes Gesicht gewünscht hätte, jemandem, mit dem ich bereits eine Geschichte habe und folglich an einer ganz anderen Stelle einsteigen kann als mit jemandem, den ich eben erst kennen lerne.

Und ganz abgesehen davon fände ich es einfach toll, so eine gemeinsame Erfahrung mit meiner Partnerin zu haben, die einen sicher auch zusammenschweißt (im nicht so optimalen Fall vielleicht aber auch auseinander bringt  ;)).

Fazit: Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile, die ich gar nicht gegeneinander aufrechnen würde. Es ist einfach ein unterschiedliches Reisen, und wenn man Beides ausprobieren kann: umso besser.
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Worldsafari

« Antwort #4 am: 02. Dezember 2016, 01:30 »
Hi Croissant

Ich bin vor über einem Jahr alleine als Single los gezogen und finde es nach wie vor eine unglaublich bereichernde Erfahrung, so unterwegs zu sein.

Beim alleine Reisen geht es mir aber nicht nur um die uneingeschränkte persönliche Freiheit, sondern auch um die Herausforderungen, die sich einem stellen, wenn man so ganz alleine in fremden Ländern unterwegs ist.

Im "normalen" Leben ist man ja eigentlich nie alleine und man hat immer Menschen um sich, die einem begleiten und für einem da sind. Man ist zwar nie unabhängig, kann dafür aber immer auf Hilfe und Zuflucht  zählen.

Das alleine Reisen ist für mich eine Möglichkeit, die andere Seite zu entdecken, nämlich Freiheit pur und all die Unannehmlichkeiten und unentdeckten Schätze, die sich ausserhalb meiner Komfortzone befinden. Und dabei erlebte ich schon so viele tolle, aber auch schwierige Momente, die ich nicht missen möchte und die sich wohl auch positiv auf meine persönliche Entwicklung ausgewirkt haben. Und ich hätte bestimmt nicht meinen Freund kennengelernt.

Als ich schliesslich für eine Zeit lang mit meinem Freund zusammen gereist bin, sind mir die Annehmlichkeiten natürlich nicht entgangen. Gemeinsame Erlebnisse teilen, sich immer auf jemanden verlassen zu können, in Verliebtheit zu schwelgen und den Freund nicht vermissen zu müssen, war natürlich toll.

Doch nun sind wir wieder für einige Zeit getrennt unterwegs, er in Indien und ich in Australien. Uns gefällt der Mix zwischen dem alleine und gemeinsamen Reisen. Ich kann deine Frage also nicht eindeutig beantworten.

Liebe Grüsse

Worldsafari
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m3442a

« Antwort #5 am: 04. Dezember 2016, 04:35 »
Hallo zusammen,

ich stecke in eine andere Situation / Dilemma: sind zusammen als Paar losgefahren auf Reisen (wollten für 1-2 Jahre unterwegs sein). Wir haben jetzt die Freiheit alles hinter uns zu lassen und die Welt zu sehen, bevor man alt wird, oder es ist einfach die Zeitpunkt dafür. Für mich ist das mein Lebenstraum, schon als Kind habe ich Bücher, wie Marco Polo, Dschingis Khan verschlungen oder Abenteuerfilme, Filme über Everest, ferne Länder und fremde Kulturen angesehen. Ich kann auch glücklicherweise von unterwegs arbeiten und das bringt auch das nötige Kleingeld um weiter zu reisen. Also wir sind jetzt seit knapp 1 Jahr unterwegs und nun möchte Sie wieder ein festes zu Hause, weil sie nicht mehr reisen kann und Sie nicht der Typ dafür ist (hat Sie während der Reise festgestellt). Wir sind ja auch schon seit mehreren Jahren zusammen und es ist wirklich eine tolle Beziehung. Wir passen echt super zusammen und wir lieben uns auch wirklich, keine von meine bisherigen Beziehungen hätte diesen Schritt mit mir gewagt. Wir möchten also eine gemeinsame Zukunft und natürlich kann ich mir auch vorstellen sesshaft zu werden, weil es auch in meinen ursprünglichen Heimat wäre. Ich möchte aber auch weiterreisen, da wir schon so weit gekommen sind. Ich möchte mein Traum nicht einfach so aufgeben. Das ist wenn man ein Hund ein Knochen gibt und er kann paarmal darn kauen, dann nimmt man das ihn wieder weg.... Sie meinte ich kann, wenn wir ein neues Heim haben, für 1 Jahr  alleine wegfahren. Aber das ist dann noch eine richtige Beziehung? Lebt man sich da nicht zu sehr auseinander?. Oh Mann weiß echt nicht was ich tun kann, ich habe mir gesagt wenn wir losfahren möchte ich lernen mehr auf mein Bauch zu hören: der sagt fahr weiter. Mein Kopf sagt, das ich ja noch später auch eine Chance habe. Aber warum später?
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Vombatus

« Antwort #6 am: 04. Dezember 2016, 07:54 »
@ m3442a, Vielen Dank für deine Erfahrung und Schilderung. Glaube, du bist auch nicht der Erste, der dieses Dilemma hat(te). Vielleicht ist es aber besser, deine speziellen Fragen hierzu in einen anderen/eigenen Thread neu zu stellen, sonst gibt es viele unterschiedliche Fragen und Antworten und es wäre doch schade wenn die Themen und Antworten durcheinander kommen. Ich bin sicher, dass es dann auch Meinungen und Ratschläge gibt.
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