Thema: Freistellung beim Arbeitgeber beantragen  (Gelesen 596 mal)

Katja86

« am: 22. Juni 2016, 23:11 »
Hallo zusammen!

Um meinen Traum einer Weltreise zu erfüllen, steht mir "nur" noch die Hürde bevor, meinen Arbeitgeber von einer Freistellung von 6 Monaten zu überzeugen! Ich möchte eigentlich nicht kündigen, weil mir die Tätigkeit dort recht gut gefällt und das Team nett ist, aber auch weil ich während der Reise gern die Sicherheit haben möchte, zu wissen, dass ich danach noch einen Job habe.

In dem Unternehmen (mit ca. 30 Mitarbeitern) hat bisher noch nie jemand so etwas beantragt. Ich habe bereits vor einiger Zeit einmal vorsichtig angefragt, wie es denn generell mit einer Freistellung aussehen würde. Mein Chef hat gesagt sie werden sich darüber erst einmal unterhalten, hat also immerhin nicht sofort nein gesagt, aber vielleicht auch nur Rauszögertaktik... Seit längerer Zeit habe ich jetzt nichts mehr gehört und nun möchte ich langsam nochmal nachhaken.
Natürlich ist das kommende Gespräch nun besonders wichtig, da sich dabei wahrscheinlich entscheiden wird ob es geht oder nicht.

Habt ihr bestimmte Erfahrungen gemacht, worauf man bei dem Gespräch achten sollte? Welche Argumente sind gut? Ich habe zum Beispiel ein bisschen die Befürchtung, dass er sich nicht festlegen wird, sondern sagen wird, dass es davon abhängt, ob dann zu dem Zeitpunkt genügend Mitarbeiter da sind, die die Arbeit auffangen können. Aber dann hätte man ja nie die Sicherheit...und irgendwann muss man nunmal buchen. Kann man wohl vereinbaren, die Freistellung schriftlich in einer Art Vertrag festzuhalten? Hat jemand so etwas schonmal gemacht?
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Cyripton

« Antwort #1 am: 23. Juni 2016, 08:41 »
Hallo Jeany,

ich kann dir nur von meiner persönlichen Erfahrung berichten.

Ich hatte in einem Unternehmen mit knapp 1000 Mitarbeitern gearbeitet. Ich war damals schon eine weile down und wollte einfach los und was machen und erleben.
Ich habe dann auch einen Antrag auf Freistellung gestellt. Ich habe mit meinem Vorgesetzten darüber geredet und ihm gesagt, was ich gern tun möchte.
Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob er sich überhaupt gedanken gemacht hat und mit HR oder dem AM darüber gesprochen hat, auf jeden Fall kam er nach 3 Tagen zu mir und sagte mir, dass es nicht ginge, dass meine Stelle nicht so lange unbesetzt bleiben könne ... bla bla bla ... also das übliche.
Ich habe ihm 10 min später meine Kündigung in die Hand gedrückt. Ich denke erst dann ist ihm ein Licht aufgegangen, dass er gerade etwas falsch gemacht hat und sein Gesichtsausdruck war das reine Vergnügen für mich :D .
In den nächsten Tagen kam dann der Betriebsrat auf mich zu und fragte, warum ich  nicht mit ihnen gesprochen hätte usw. ...
Na ja, das Ende der Geschichte, sie hätten mich max für 6 Monate vielleicht sogar 1 Jahr freigestellt, aber nach der Aktion, war ich erstmal durch mit ihnen und bin bei meiner Kündigung geblieben ... immernoch beste Entscheidung, denn ich bin am Ende 3 Jahre weg gewesen ;) ..

Um dir ein bisschen die Angst zu nehmen, die Reise, wenn du sie tun solltest, wird mega cool :D und in Deutschland fällt man leicht, wenn man keine Arbeit hat. Solltest du dich dazu entscheiden zu Kündigen, beantrage auf jeden Fall arbeitslosengeld und bekomme den Bescheid. Selbst wenn du selber Kündigst und 3 Monate Sperre bekommst, läuft diese Sperre ab, selbst wenn du dich für deinen Trip bei der Agentur wieder abgemeldet hast. Du hast 4 Jahre anspruch auf das Geld aus deinem Bescheid. Du musst aber den Bescheid, über die höhe deines ALG 1 haben. Also ca. 4 - 6 Wochen vor Reiseantritt machen. Bei mir dauerte der Bescheid 4 Wochen.
Dann war es nur noch ein Anruf zum abmelden und ich war unterwegs.

Also viel Glück und hoffentlich hast du einen besseren Chef als ich :D
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n_rtw

« Antwort #2 am: 23. Juni 2016, 14:25 »
Ich hatte ein solches Gespräch nicht führen müssen, aber ich denke, wenn du dir im Vorfeld über alle potenziellen Probleme Gedanken machst und schon Ideen hast, wie man sie lösen könnte, wer welche Aufgaben übernehmen könnte, was ggf. durch nen Praktikanten übernommen werden kann, ob du ggf. von Unterwegs per Telefon bei wichtigen Fragen einbringen kannst, wie wann an wen du deine Arbeit übergeben kannst, ggf. wie du dir dein Gehaltsmodell vorstellst etc zeigt dies deinem Chef, dass es dir wichtig ist, im  Unternehmen zu bleiben, dich mit den Unternehmensprozessen auskennst und dich weiter einbringen willst nach deiner Reise. Bei nur 30 Leuten solltest du ja den Überblick haben was anfallen kann und welches Rädchen im Getriebe du bist. Da wuerde ich nen guten Plan haben, klar aussprechen warum du im Unternehmen bleiben willst und warum es klappen kann aber auch klar darstellen, wann du für lange weg bist bzw wie flexibel du da bist.
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chaotin

« Antwort #3 am: 23. Juni 2016, 14:51 »
Hi,
bei mir war es ähnlich wie bei Cyripton. Ich hatte erste mit meiner Vorgesetzten und der HR geredet und dann meinen Antrag auf Freistellung schriftlich gestellt. Das ganze gut 3,5 Monate bevor ich los wollte. Irgendwann kam meine Vorgesetzte auf mich zu und sagte, dass es aktuell sehr schlecht aussehe. Dann hab ich der HR pünktlich zum Monatsende meine Kündigung hingelegt und schon hatte ich zwei Tage später meine Freistellung vor mir liegen. Ich bin auch aus einem größeren Unternehmen gewesen und ich glaube, dass man gerade dort (sofern Sabbatical etc nicht schon zum "Alltag" gehören) bereit sein muss zu kündigen um einfach den Druck etwas zu erhöhen. Man muss aber auch mit eventuellen Konsequenzen leben können.
Nach der Reise hab ich dann wieder 4 Monate in der Firma gearbeitet, gekündigt um dann wieder zu reisen und jetzt final woanders "neu" anzufangen.
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Degna

« Antwort #4 am: 23. Juni 2016, 16:19 »
Hi,
bei mir war es der Klassiker. Zuerst hatte man mir gesagt,dass sowas möglich wäre. Eine Kollegin in einer anderen Abtlg. hatte 1jahr bekommen.
Aber letztendlich als es dann zur Sache ging,hat man mir gesagt,dass es nicht geht,da bei dem Personalmangel man jemand Neues für mich einstellen müßte und derjenige dann nur einen Jahresvertrag bekommen könnte,was die Chancen deutlich verschlechtere überhaupt jemand zu bekommen.
Habe freundlich gelächelt und die bereits geschriebene Kündigung abgegeben,was auch niemanden besonders erstaunt hat.
Wenn ich mir was vornehme,ziehe ich es auch durch!

Ich kann dir nur raten,nicht klein beizugeben und dir über eventuelle Konsequenzen klar zu werden.
Auf langen Reisen bekommt man einen Einblick und verändert sich auch selbst. Die Sicherheit,die dir momentan wichtig ist,wird dich wahrscheinlich in einem halben Jahr,wenn du unterwegs bist hinderlich sein,wenn du weiter reisen möchtest und vielleicht zu neuen Erkenntnissen gekommen bist.
Ich bereue es NULL gekündigt zu haben,da ich mittlerweile auf keinen Fall nach Dtld zurück will und schon mal garnicht in diese miefige Stadt im Südwesten.Arbeiten,...gerne,aber nicht in Dtld.
Wenn mir mein Arbeitgeber das Sabbatjahr gewährt hätte,hätte ich wahrscheinlich nur eine Entscheidung mehr gehabt,die er mir so abgenommen hat.

Alles Gute bei deiner Entscheidung.
Lg Claudia
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