Thema: Gefühle nach der Rückkehr...  (Gelesen 3114 mal)

LilyEarth

« am: 08. Dezember 2014, 10:41 »
Hallo ihr Lieben,

obwohl es dieses Thema schon zuhauf gibt, möchte ich euch hier von meinem Erlebten erzählen...

Mein Freund und ich sind seit drei Tagen von unserer dreimonatigen Südostasienreise zurück. Eigentlich sollte diese Reise sechs Monate dauern, doch wir haben sie auf drei Monate gekürzt. Und genau hier liegt unser Problem.

Zurück in unserem Alltag überkommen uns Zweifel darüber, ob wir mit dem Abbruch unserer Reise das Richtige taten. Zu dieser Entscheidung kam es als wir bemerkten, dass wir zuletzt sehr reisemüde wurden. Wir hatten bis dahin schon unfassbar viel gesehen und erlebt. Hinzu kam, dass wir zuletzt mehr krank als gesund waren (ständige Magen-Darm-Probleme, Erkältungen mit Fieber etc.). Wir haben lange darüber nachgedacht, uns noch zu einem schönen Strand zu schleppen um wenigstens dort Land und Leute zu genießen. Doch selbst dieser Gedanke fiel uns unglaublich schwer. Körperlich und mental (ständige Recherchen nach Unterkünften, Busgesellschaften, Routenplanung etc.) waren wir ziemlich ausgelaugt. Zuletzt suchten wir nach immer teureren Unterkünften und hielten uns mehr auf unserem Hotelzimmer auf, als Neues zu erkunden. So überlegten wir, dass es so keine schöne Reise mit tollen Erinnerungen werden kann und entschlossen uns an dieser Stelle dazu, ganz nach dem Motto "wenn's am schönsten ist sollte man aufhören", die Reise zu beenden.

Obwohl wir wissen, dass es etwas dauern kann bis man sich in seinen alten Alltag wieder eingewöhnt hat, so empfinden wir dennoch ein tiefes Gefühl von Traurigkeit. Vieles ist so bedeutungslos geworden. Es ist alles so surreal, als befänden wir uns in einer Seifenblase. Wir haben in dieser kurzen Zeit so viel gesehen und erlebt und wieder zurückgekommen, scheint alles zu sein wie zuvor. Und obwohl diese Beständigkeit ja genau dieses Gefühl von vertrautem Zuhause vermittelt, so empfinden wir es nicht so. Zurück im Alltag geht es nun darum, zu überlegen wohin man möchte. Die Suche nach einem neuen Zuhause steht an, da wir unsere Wohnung vor der Reise gekündigt hatten (was auch nach wie vor gut so ist), mein Freund wird einen Job suchen, da er vor der Reise fertigstudiert hat und ich werde weiterstudieren. Beides machen wir nur widerwillig, da dies irgendwie damit einhergeht, wohl nie wieder so lange gemeinsam reisen zu können. Zudem überlegen wir ständig wie es gewesen wäre, wenn wir weitergereist wären, ob wir wieder ein positives Gefühl bekommen hätten und welche Erfahrungen wir vielleicht noch gemacht hätten. So quälen uns ständig diese "Was-wäre-wenn" und "Hätten-wir-besser-nicht..."-Fragen. Wir haben uns so lange auf diese langersehnte Reise gefreut und jetzt fand sie doch so einen schnellen Abbruch.

Zudem kommt, dass unser Umfeld mit völligem Unverständnis auf unsere verfrühte Rückkehr reagierte. Nicht das es kein liebes Willkommen gab, nein, übererhaupt nicht. Doch die meisten scheinen sich zu fragen, wie man Sonne, Strand und "jeden Tag etwas Neues erleben" nur so einfach wieder aufgeben kann. Für uns ist das nachvollziehbar, da man nicht, wenn man selbst so etwas nicht erlebt hat, wissen kann, dass solch eine Rucksackreise auch anstrengend sein kann. Dennoch machen diese Reaktionen es einem nicht gerade leicht, sich hier willkommen zu fühlen. Naja, und der Winter hier tut sein Übriges!

Ich bemerke gerade, obwohl schon zigfach darüber geredet, dass es mir schon etwas besser geht, indem ich darüber schreibe. Es tut doch unheimlich gut, sich seine Gedanken von der Seele zu schreiben...

Naja, nichtsdestotrotz geht das Leben weiter und so versuchen wir nicht zu viel nachzudenken und einfach zu machen. Dinge, die uns schon vor der Reise am Herzen lagen und vieles Neues. Noch fühlt es sich traurig an, fast emotionslos. Doch wir hoffen, dass es sich bald ändert und wir uns wieder wohlfühlen können, in unserem (doch eigentlichen) Zuhause. ;)

Ich freue mich über jeden Kommentar über ähnlich Erlebtes nach der Rückkehr!

LilyEarth
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Susu

« Antwort #1 am: 08. Dezember 2014, 15:47 »
Hallo Lily,

Zitat
Beides machen wir nur widerwillig, da dies irgendwie damit einhergeht, wohl nie wieder so lange gemeinsam reisen zu können

Warum denkst du das?
Sieh es doch einmal so: Ihr habt euch schon einmal bewiesen, dass ihr längere Zeit gemeinsam reisen könnt. Außerdem zeigt euer Reiseabbruch, dass ihr "erwachsen" genug seid, gemeinsam eine vermeindlich "unpopuläre" Entscheidung zu treffen. Ihr habt euch aufgrund von Krankheiten und Reisemüdigkeit dazu entschieden und das braucht ihr vor niemandem zu rechtfertigen. Auf Krampf weiter zu reisen wenn es gerade oder grundsätzlich nicht passt, nur weil man sich das vorher so schön ausgemalt hat und dem Umfeld etwas beweisen möchte, ist doch Quatsch.

Kommt erst mal wieder richtig in Deutschland an (zugegeben: das kann dauern aber ihr habt ja eure gemeinsamen Reiseerinnerungen). Noch ist ja alles ganz frisch bei euch.
Und irgendwann kommt ihr dann an den Punkt, wo entweder das Fernweh wieder steigt oder ihr euch in eurem Leben in Deutschland wieder so eingefunden habt, dass ihr doch nicht mehr wegwollt. Und wenn das Fernweh wieder steigt, dann macht euch Gedanken darüber, wie ihr einen neuen Reiseplan umsetzen könnt. Nur weil ihr schon einmal länger gereist seid, heißt das doch nicht, dass ihr es nicht wieder tun könnt.

Kopf hoch!

In diesem Sinne plane ich mal meine nächste Reise weiter.  :D



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Dominik Sommerer

« Antwort #2 am: 08. Dezember 2014, 16:51 »
Hallo LilyEarth,

danke für deinen Beitrag. Deine Gefühle kann ich sehr gut nachvollziehen. Fühl dich gedrückt von mir!

Ich habe vor genau einem Jahr meine für sechs Monate angesetzte Weltreise nach zweieinhalb Monaten aus ähnlichen Gründen abgebrochen und bin nach Hause geflogen.

Ich hatte rund 80 % der Dinge gesehen die mir besonders wichtig waren. Danach war die Luft raus. Mein Bedürfnis nach Sightseeing war gesättigt, Stressresistenz und Abenteuerlust tendierten gegen Null und ich drückte mich seit Wochen davor einen Flug von Singapur nach Australien zu buchen. Als nach zwei Wochen Strandurlaub in Thailand die Reiselust nicht wieder aufflammte habe ich mich dazu entschieden nach Hause zu fliegen.

Eigentlich hatte ich vor, danach noch Australien mit dem Ghan durchqueren, den Vulkan Yasur auf der Insel Tanna in Vanuatu zu besteigen, die USA per Zug durchqueren und von dort mit dem Schiff zurück nach Europa fahren.

Ich bin zur Erkenntnis gelangt dass es die gesamte bisherige Reise abwerten würde wenn ich mich die nächsten Monate ohne Offenheit, Freude und Interesse durch die drei verbleibenden Länder gequält hätte nur um eine Weltumrundung zu schaffen.

Ich habe dann Weihnachten im Kreis der Familie verbracht und im Jahr 2014 drei Dinge gemacht die mir schon länger wichtig waren:
1. Ich habe eine Woche in einem buddhistischen Kloster verbracht
2. Ich bin von der Stadt aufs Land gezogen
3. Ich habe eine Woche Urlaub in Südtirol gemacht und mir die MessnerMountainMuseen angeschaut

Meine Reise war eine der besten Entscheidungen meines Lebens und der Abbruch aus damaliger Sicht richtig. Trotzdem hängt mir diese Entscheidung heute - ein Jahr später - immer noch irgendwie nach. Ich möchte einerseits den "Lückenschluss" gerne machen und bin andererseits derzeit nicht bereit den "Preis" dafür zu bezahlen. Ich bin gerne unterwegs. Ich schätze allerdings auch mein zu Hause, meine Freunde und Familie.

Gleichzeitig habe ich das Gefühl dass mein Leben seit dem Umzug in ein großes Haus mit Garten irgendwie starr und langweilig geworden ist. Sägemehl zu sägen und an der Vergangenheit grübeln bringt jedoch keinen Vorteil. Es ist jetzt Zeit neue Samen auszusäen und irgendwann die Früchte zu ernten.

Liebe Grüße
Dominik
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Yoss

« Antwort #3 am: 08. Dezember 2014, 17:37 »
Hallo Lily,

ich kann sehr gut nachvollziehen, was du schreibst - sowohl die Reisemüdigkeit als auch den schalen Beigeschmack, der nach dem Abbruch zurückbleibt.

Viele denken beim Reisen nur an Sommer, Sonne, tralala und unterschätzen die Herausforderungen und die vielen Unbequemlichkeiten, die damit verbunden sind, völlig. Lass dich davon nicht fertigmachen. Diese anderen haben/hätten es wahrscheinlich selbst nie geschafft, so ein Unterfangen überhaupt anzugehen. Das alleine ist ja schon mal ein toller, mutiger Schritt. Und die Entscheidung zum Abbruch ist es genauso. Letztlich geht es doch darum, das zu tun, was einem gut tut. Und genau diese Freiheit hat man beim Reisen. Wenn es besser tut, nach Hause zu fahren, ist das eben so.

Ich würde versuchen, der "verpassten" Zeit nicht nachzutrauern. Vielleicht könnt ihr mit der "gewonnenen" Zeit noch irgendwas besonders Schönes anfangen? Etwas, was ihr schon immer machen wolltet, wofür sonst nie Zeit war? Es wirklich als Gewinn betrachten?

Möglichkeiten für weitere Reisen wird es sicherlich noch geben, wenn ihr das wollt. Und das Tolle ist: Ihr habt jetzt Erfahrung und könnt das fürs nächste Mal nutzen. Z.B. die Reise völlig anders aufziehen. Insofern würde ich weniger die drei verpassten Monate als Verlust, sondern vielmehr die drei gereisten Monate als Gewinn sehen.

Ich bin selber erst kürzlich von einer viermonatigen Asienreise zurückgekommen. Und hatte zwischendrin auch immer mal wieder ordentliche Durchhänger. Sehnte mich zwischendrin z.B. nach Südfrankreich (vertrautes Urlaubsziel) und dachte auch über einen Abbruch nach, weil diese Grundbegeisterung der ersten zwei Monate verflogen war und auch so nicht wiederkam. Ich habe dann doch alles so gemacht wie geplant, vielleicht auch, weil ich eben Angst vor diesem schalen Beigeschmack hatte, der vielleicht zurückgeblieben wäre. Und bin am Ende froh, dass ich es so gemacht habe. Weil ich denke, dass es für mich persönlich wichtig war, diese schwierigen Momente zu durchleben. Und weil ich jetzt viel besser weiß, was ich nächstes Mal anders machen würde. Dass mir z.B. zwei Monate reichen würden. Oder ich längere Zeit an einem Ort verbringen würde (mit "länger" meine ich jetzt mehrere Wochen).

Ich bin mir sicher, dass auch die drei Monate in dieser Form eine ganz wichtige Erfahrung für euch waren.
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farmerjohn1

« Antwort #4 am: 08. Dezember 2014, 19:42 »
Ja, ja - ich erinnere mich an etwas Aehnliches. 
Ab 4 Wochen ist die erste 'Wir-Schwaenzen-Die-Schule-(Urlaubs-)Stimmung vorbei. Dann erlebt man und sieht, macht, tut, nimmt auf - und nach drei Monaten hat man schon so viele neue Eindruecke dass man genug Stoff haette um einen kleinen Mentalitaetswandel durchzumachen, aber das ist noch alles unverarbeitet, faengt an zu gaeren. Dadurch wird das Weiterrreisen zur Reizueberflutung - man braucht Ruhe und Zeit, moechte am liebsten an seinen Lieblingsplatz nach Hause.
Vorher war man zwar zustandsmaessig unterwegs, aber vom Grundgefuehl noch daheim, vor allem wenn man vorher immer mit einem bestimmten Personenkreis mit einem ueberschaubaren Aufgabenrahmen an einem Ort gelebt hat.
Nach etwa drei Monaten wandert das Alltagsleben von vorher in die 'Erinnerung an alte Zeiten' ab, und die Reisetaetigkeit, bzw. der neue Aufenthaltsort, rueckt - noch lange nicht uneingeschraenkt, aber mehr und mehr - zur Ausgangsbasis aller Ueberlegungen und Empfindungen auf.
Einige wollen ab diesem Punkt nur noch nach Hause - und spaeter weitermachen, oder ganz grundsaetzlich ueberhaupt nicht weiterreisen.
 
Und so ganz allgemein: mit 'Was-waere-wenn' und 'haetten-wir-besser'-Fragen kann man kein tatsaechliches Geschehen veraendern oder bewaeltigen. Man weiss nicht, ob etwas anderes, und man weiss nicht, was besser gewesen waere.
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crazy_culture

« Antwort #5 am: 09. Dezember 2014, 04:53 »
Wir sind noch unterwegs, haben aber gerade die zweite (Wochen-) lange Krankheitsphase. Ich bin nicht nur einmal im Bett gelegen und habe geheult das ich nach Hause will.
Ich kann euch verstehen und finde es mutig, den Schritt zu gehen - wie auch zu der Reise aufzubrechen mutig war. Lasst die Anderen reden. Wer den Unterschied zwischen Urlaub machen und Reisen nicht kennt, kann nicht mitreden!
Wäre es eine Option erstmal gesund zu werden und dann vielleicht für 6 - 8 Wochen nochmal loszuziehen?
Ärgert euch nicht, was ihr versäumt, freut euch an dem, was ihr geschafft habt.
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LilyEarth

« Antwort #6 am: 09. Dezember 2014, 10:50 »
Hallo ihr Lieben,

erst einmal muss ich sagen, dass ich mich sehr darüber freue, dieses tolle Weltreiseforum hier entdeckt zu haben!
Wie herrlich aktiv es ist und wie umfangreich bzgl. der Themen. Toll!

Ich möchte jedem einzelnen danken, der hier geschrieben hat! Welch tolle ausführliche und tiefe Gedanken ihr hiergelassen habt. Ich (wir) fühle mich durch euch (und auch durch schon wieder geschmiedete Reisepläne! ;)) sehr gestreichelt und konnte ein bißchen lächeln. Es tut einfach gut, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, mit Menschen, die genau wissen, wie man sich fühlt.

Ich möchte gerne näher auf den ein oder andere Gedanken von euch eingehen.

Ihr habt euch schon einmal bewiesen, dass ihr längere Zeit gemeinsam reisen könnt. Außerdem zeigt euer Reiseabbruch, dass ihr "erwachsen" genug seid, gemeinsam eine vermeindlich "unpopuläre" Entscheidung zu treffen. Ihr habt euch aufgrund von Krankheiten und Reisemüdigkeit dazu entschieden und das braucht ihr vor niemandem zu rechtfertigen. Auf Krampf weiter zu reisen wenn es gerade oder grundsätzlich nicht passt, nur weil man sich das vorher so schön ausgemalt hat und dem Umfeld etwas beweisen möchte, ist doch Quatsch.


Liebe Susu,

so sehen wir es mittlerweile auch (wobei mein Freund da schon sehr viel eher eine Akzeptanz diesbezüglich finden konnte. Ich hänge, was eine Akzeptanz der Dinge bei emotionalen Entscheidungen angeht, immer ein wenig hinterher, da ich immer ein wenig brauche, um die Dinge zu analysieren, zu verarbeiten und letztendlich anzunehmen) und sind da ganz bei uns. Ich glaube, es ist eine Kunst, ganz unegoistisch bei sich zu bleiben und seine eigenen Vorstellungen in den Mittelpunkt zu stellen, ohne darüber nachzudenken, was andere darüber meinen. Und eigentlich gelingt mir das auch. Doch in Bezug auf die Reise waren vorher so viele Leute involviert, man erzählte und stellte sich vor, man gab Dinge auf und ließ zurück. Dann erscheint ein Abbrechen des "großen" Planes für einen selbst als gescheitert. Obwohl für uns von Anfang an klar war, dass diese Reise kein Zwang aufgrund von vorher Vorgenommenem werden sollte. Freunden sollte das ebenso klar gewesen sein und trotzdem türmten sich über jeden daheimgeblieben Kopf massig Fragezeichen zum Zeitpunkt der Mitteilung, dass wir schon wiederkommen. Das zeigt in meinen Augen, dass es wohl nur darum geht, Vorgenommenes einzuhalten und nicht, das der Weg das Ziel ist. Ich hätte mir vielmehr als erste Reaktion ein herzliches Willkommen gewünscht, als die Frage danach, warum wir denn schon wieder zurück seien. Das herzliche Willkommen kam dann wenigstens in der zweiten Reaktion.  ;) Aber auch aus anderen, und vor allem primären, Gründen war der Abbruch eine schwierige Entscheidung. Immerhin ist reisen ein Privileg, dass vielleicht nicht in jeder Lebensphase so ganz ohne Weiteres klappen kann. Da spielen so viele andere Dinge noch mit eine Rolle. Insofern betrachteten wir diese Reise als DIE Gelegenheit, die Welt ein bißchen kennenzulernen und ein völliges Freiheitsgefühl zu erleben, bevor es darum geht, sich in Pflichten zu üben. Aber wie heißt es so schön? Es kommt immer anders als man denkt...


Nur weil ihr schon einmal länger gereist seid, heißt das doch nicht, dass ihr es nicht wieder tun könnt.


Das tat gut zu lesen, Susu. Mein Freund und ich sind beides Menschen, die sich einen gewissen Grad von "Freiheit" bewahren möchten. Und reisen wird für uns immer ein Thema sein. Doch sehe ich auch hier die Problematik. Ich denke, dass es schwierig wird, nocheinmal für längere Zeit zu verreisen, wenn Wünsche bestehen, Kinder zu bekommen. Wir sind beide in einem guten Alter (31 und 33) dafür und da stellt sich gerade die Frage: Wie alles unter einen Hut bekommen?! Deshalb sprach ich im ersten Post von einer "Schwebe", in der wir uns gerade befinden, denn irgendwie weiß man, dass jetzt die Weichen für das weitere Leben gestellt werden. Man traut sich nicht so recht, hat Angst, es könnte die falsche Entscheidung sein. Zudem kommt, dass wir erst relativ spät angefangen haben, unser Leben zu genießen. Die Angst, man könnte etwas verpassen ist allgegenwärtig.

Ich glaube, diese Zerissenheit die wir gerade durchmachen, wird uns zu einem neuen Lebensabschnitt führen. Gerade ist alles noch sehr unklar, man macht einfach nur, ohne jegliches Gefühl und Sinngefühl. Aber das macht Zerissenheit augenscheinlich aus! ;D Ich habe hier schon den einen oder anderen Thread bzgl. solcher Fragestellungen (Kinder und reisen, sich niederlassen oder nicht etc.) gesehen und werde mich mal inspirieren lassen! ;)

Viel Spaß dir Susu, bei deiner weiteren Reiseplanung!  :)

Auch dir Dominik, möchte ich sehr danken, für das Teilen deiner Erfahrungen!

So ähnlich wie dir, erging es uns auch. Man konnte irgendwie fühlen, dass die Reise für einen selbst beendet war. Es tut weh, das zu erkennen. Doch letztlich sollte es doch darum gehen, das Reisen als etwas Wertvolles zu betrachten und dieses Privileg mit allen Sinnen zu schätzen. Es wäre nicht richtig, alles einfach stumpf abzugrasen. Ich denke da an Menschen, die sich so etwas wohl niemals leisten können und da wäre es komisch, mit einer stumpfen Attitude herumzureisen. Es wäre keine Bereicherung gewesen.


Es ist jetzt Zeit neue Samen auszusäen und irgendwann die Früchte zu ernten.


Das hört sich doch gut an!  ;)

Hallo Yoss, auch dir möchte ich für deine aufmunternden Worte danken!


Ich würde versuchen, der "verpassten" Zeit nicht nachzutrauern. Vielleicht könnt ihr mit der "gewonnenen" Zeit noch irgendwas besonders Schönes anfangen? Etwas, was ihr schon immer machen wolltet, wofür sonst nie Zeit war? Es wirklich als Gewinn betrachten?


Ja, genau das versuchen wir: Der Zeit, die wir auf reisen verbracht hätten, hier einen Sinn zu verleihen.



Und das Tolle ist: Ihr habt jetzt Erfahrung und könnt das fürs nächste Mal nutzen. Z.B. die Reise völlig anders aufziehen. Insofern würde ich weniger die drei verpassten Monate als Verlust, sondern vielmehr die drei gereisten Monate als Gewinn sehen.


Da hast du Recht, Yoss. So sehe ich es mittlerweile auch.

Schön, dass du auf deiner Reise Erkenntnisse über dich selbst gewinnen konntest! Für mich sind diese drei Monate auch eine ständige Offenbarung über mich selbst gewesen. Insofern möchte ich diese drei Monate niemals missen und bin froh, diese Reise gemacht zu haben. Das was war zählt, und nicht das was nicht war.

Farmerjohn, sehr interessante Gedanken.  :)


Wäre es eine Option erstmal gesund zu werden und dann vielleicht für 6 - 8 Wochen nochmal loszuziehen?


Das wäre eine Überlegung, doch das wird eher schwierig. Wir wollen jetzt erst einmal Weihnachten im Kreise unserer Familien verbringen und danach werden sich für meinen Freund wohl Jobüberlegungen auftun. Aber wer weiß!  ;)


Ärgert euch nicht, was ihr versäumt, freut euch an dem, was ihr geschafft habt.


Danke, crazy_culture,  das werden wir ab jetzt ganz sicher tun!  :)

Und euch ganz schnell GUTE BESSERUNG, damit ihr schnell wieder Freude an eurer Reise habt!!







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farmerjohn1

« Antwort #7 am: 09. Dezember 2014, 12:48 »
Lilyearth,
ich kann dich in einer Hinsicht noch etwas beruhigen - aus Erfahrung: man kann mit kleinen Kindern schon auch reisen, und selbst eine Schwangerschaft heisst nicht unbedingt, dass man an zuhause gefesselt ist. Die Reise wird halt nicht schneller, einfacher und billiger dadurch. Und wenn man Eigenheim abbezahlt, Geschaeft aufbaut usw. braucht man das Geld meist fuer ueberlebenswichtigere Dinge,v.a. in solchen Zeiten wie heute.
Sicher ist das nicht ideal mit Baby und Kleinkind unterwegs zu sein, es ist halt ein Haufen zusaetzlicher Umstand: Windeln, Tragetaeschchen, Hakle-Feucht, Essens- und Stillzeiten, Ruhezeiten, lautes Weinen, Pippi machen, viel Waesche, usw. Aber so ein ganz kleines Baby wird sogar ganz gern durch die Gegend geschaukelt, alle Stewardessen und Mitreisenden sind entzueckt, v.a. in weniger hoch entwickelten Laendern  usw. Und wenn's dann laufen kann, und mehr mitkriegt, kauderwelschen die dauernd mit allen Kindern, voellig egal ob im modernen Hotel, in der Nachbarschaft oder irgendwo auf einem Marktplatz, Stadt, Dorf, Bus oder auf dem Maultier im Dschungel. Meine Aelteste wird bald sechs, die war der Umstaende halber von Anfang an ihre ersten Lebensjahre dauernd unterwegs - wir haben immer ein bisschen ein schlechtes Gewissen gehabt weil wir dachten wir reiben sie zu viel auf. Aber sie ist in unserem Dorf voll integriert, geht in die Grundschule, und dieses Jahr hat sie in den Ferien auf eigenen Wunsch ganz alleine (unaccompanied minor) einen 12-stuendigen Transatlantikflug hinter sich gebracht, war fast einen Monat bei ihren Grosseltern und hat nicht ein einziges Mal Heimweh gehabt.
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LilyEarth

« Antwort #8 am: 10. Dezember 2014, 20:49 »
Hallo farmerjohn,

vielen Dank dir, für deinen Zuspruch in Bezug auf das Kinderbekommen, auch wenn man viel reisen möchte. Das hat mich sehr bestärkt, denn du scheinst aus Erfahrung zu sprechen.

Auf unserer Reise konnten wir auch beobachten, wie gut dort die Kleinen von Reisenden ankamen, und auch als wir selbst einmal mit dem Kleinen aus unserer dort lebenden Familie unterwegs waren, kam uns von allen Seiten nur Freude und Offenheit entgegen. Es war ein völlig anderes Gefühl mit dem Kleinen unterwegs zu sein, als allein. Wären wir sehr viel länger mit ihm unterwegs gewesen, ich glaube wir hätten viele neue einheimische Freunde gefunden!  ;D

Du hast Recht. Vielleicht macht man sich im Vorfeld viel zu viel Gedanken, anstatt es einfach auf sich zukommen zu lassen. Du schreibst selbst, dass reisen mit Kindern nicht einfach ist, doch gibst du ebenso Mut, dass es dennoch möglich ist. Das denke ich auch, irgendwie. Die Ängste, alles wäre mit einem Kind sofort und für immer beendet, überkommen einen nur manchmal. Zwar haben wir momentan noch keine Lösung, wie man ein sesshaftes Leben mit längerem Reisen sinnvoll verbinden könnte, doch wer weiß was sich noch so alles ergeben wird.  ;)

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T-travel

« Antwort #9 am: 11. Dezember 2014, 09:52 »
Liebe LilyEarth,

ich erkenne mich (uns) teilweise sehr in deinen Zeilen.  ;)
Wir waren 2011 für 11 Monate unterwegs...eig hätten es 12 werden sollen. Wir haben auch früher abgebrochen, weil wir Weihnachten zuhause verbringen wollten. Meine Familie war erstmal irgendwie geschockt, weil wir niemandem davon erzählten. Es sollte eine Überraschung sein. Für sie war es eher eine Überforderung, denn sie hatten nicht damit gerechnet, dass nun noch 2 Personen am Tisch saßen.  :o Wie bei euch, war dann die 2. Reaktion eh auch herzlich, aber ich hatte mir das auch alles ein wenig anders vorgestellt. Mein Vater ist immer sehr viel gereist und er hat unserer Entscheidung früher zu kommen, eigentlich auch nicht verstanden.

Zitat
Das tat gut zu lesen, Susu. Mein Freund und ich sind beides Menschen, die sich einen gewissen Grad von "Freiheit" bewahren möchten. Und reisen wird für uns immer ein Thema sein. Doch sehe ich auch hier die Problematik. Ich denke, dass es schwierig wird, nocheinmal für längere Zeit zu verreisen, wenn Wünsche bestehen, Kinder zu bekommen. Wir sind beide in einem guten Alter (31 und 33) dafür und da stellt sich gerade die Frage: Wie alles unter einen Hut bekommen?! Deshalb sprach ich im ersten Post von einer "Schwebe", in der wir uns gerade befinden, denn irgendwie weiß man, dass jetzt die Weichen für das weitere Leben gestellt werden. Man traut sich nicht so recht, hat Angst, es könnte die falsche Entscheidung sein. Zudem kommt, dass wir erst relativ spät angefangen haben, unser Leben zu genießen. Die Angst, man könnte etwas verpassen ist allgegenwärtig.

Das könnte von mir geschrieben sein. Bis vor der letzten Reise hatte ich genaue Vorstellungen von meinem Leben: Studium, Reise, arbeiten, Kinder, vielleicht irgendwann ein Nest bauen (kaufen)...tja, die Reise hat Vieles durcheinander gebracht.
Sobald ich angefangen habe zu arbeiten, wurde mir sehr schnell bewusst, dass das nicht das alleinge Lebensziel sein kann. 40 Jahre, 40h, Woche f. Woche, nur um zu konsumieren im Endeffekt!  :o So entstand die Idee eine 2. Reise zu machen, doch auch wir sind nicht mehr die "jüngsten"  ;D Mittlerweile habe ich die 30 überschritten und trotzdem geht es in einem Monat wieder los.  ;D Die Angst, "nicht alles unter den Hut bringen zu können" habe ich nachwievor, aber ich weiß, wenn ich meinem Herzen nicht folge, werde ich das ewig bereuen. Und wir könnten uns auch vorstellen, mit Kind zu reisen. Wir haben viele Paare mit Kindern getroffen - alles machbar!
Was mich persönlich beispielsweise am meisten stört bzw. beschäftigt ist, dass man in hier (in der westlichen Welt) sehr schnell als Exot abgestempelt wird, wenn man nicht dem vorgeschriebenen Pfad folgt (Karriere, Haus bauen, Kinder, etc...). Unsere Freunde unterstützen uns sehr, die Familien - das ist ein eigenes Thema: Da reichen die Kommentare von: "Oh super, recht habt ihr" bis "Ihr seid nun beide über 30, wie stellt ihr euch das vor mit der Arbeit und Familie - übernehmt endlich Verantwortung". Aber eigentlich tun wir das ja, wir nehmen unser Leben selber in die Hand und tun das, was uns glücklich macht. Ich denke, viele sind einfach auch neidisch, weil sie die Möglichkeit nicht hatten bzw. sich nicht trauen.
Am meisten hat mich eigentlich die Reaktion meines Chefs geschockt: "Eure Generation ist viel zu egoistisch-ihr solltet auch einmal an die Gesellschaft denken!" --> damit meinte er u.a. Pensionssystem etc...)  :o :o :o
Und ja, was sagt wohl der Arbeitsmarkt nach einer 2. Reise dazu???

Nichtsdestotrotz geht es wie gesagt in 4 Wochen wieder los. Ich bin gespannt, ob es die richtige Entscheidung war, oder ob wir sogar nach 2-3 Monaten sagen, dass es eigentlich reicht und wir doch sesshaft werden wollen. Wie auch immer: Es wäre vollkommen ok! Auf diesen Prozess freue ich mich schon!

Kommt jetzt erstmal zuhause an-lasst euch Zeit, alles andere wird sich von alleine ergeben.

LG T-Travel
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farmerjohn1

« Antwort #10 am: 11. Dezember 2014, 13:14 »
Also ich muss mich dem Vorredner anschliessen, sofern ich ihn/sie richtig interpretiere: das Gegensatzschema: freie Reise/Auslandserfahrung=Normbrecher=boesi-boesi gewesen! versus Urlaub/formaler Austausch=Normerfueller=fein, hier hattu Fressi! beleidigt ja nunmehr schon mittlere Intelligenz. Wobei ich mich bei einer so stark exportabhaengigen Wirtschaft wie Deutschland frage, wie es ueberhaupt moeglich ist, dass eine Mehrheit nicht nur in der Gesellschaft sondern auch bei den hoch gebildeten Fachleuten und Koennern so kurzfristig denken kann, bzw. das nicht unter ihrem Niveau empfindet, sondern auf einmal (nachdem die gleiche Kategorie von Leuten, mitunter dieselben Personen 40 Jahre alles was richtig und vernuenftig ist bekaempft haben) aktiv im Ausland nach jungen Leuten sucht, da der heimische Arbeitsmarkt in absehbarer Zeit unter Personalmangel leiden soll.
Ich finde dein Chef hat recht, so einen tollen Chef haette ich gerne mal gehabt. Aber ganz konkret wegen der Reise irrt er sich meiner Meinung nach gewaltig. Recht hat er wegen allem anderen:
Von was fuer einem 'vorgeschriebenen Pfad' ist daueberhaupt die Rede:'Karriere, Haus bauen, Kinder, etc...'??? Ihr seid zwar (Lillyearth z.B.) etwas juenger als ich, aber deutlich weniger als zehn Jahre, und ich kann mich wohl vom Elternhaus, aber weder aus meiner Schulzeit, noch Ausbildungszeit, noch Studienzeit noch der ersten Zeit im Beruf auch nur im Geringsten erinnern, dass es sowas wie diesen vorgeschriebenen Pfad ueberhaupt gegeben haette. Europaweit ging es da um Gruppenbildung, Ausleben (was vor allem seitens der jungen Frauen souveraen gehandhabt wurde), schnell Examenstitel ergattern egal wie und ueberall besonders im Beruf wegen Konkurrenz jeder gegen jeden, um peppiges Auftreten und wie man sich mit fremden Federn schmueckt vielleicht noch. Erst jahrzehntelang auf Kosten von anderen wild sein und dann ploetzlich in Weiss heiraten, ansonsten eben lebenslang WG oder Singlewohnung. Wer da ganz grundsaetzlich verantwortungsbewusst war bzw. zu sein versuchte oder (klein-)buergerliche Ideale aber mit etwas kulturellem Anspruch hatte, entsprach nicht der Sozialnorm.
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T-travel

« Antwort #11 am: 11. Dezember 2014, 17:27 »
Ich finde dein Chef hat recht, so einen tollen Chef haette ich gerne mal gehabt. Aber ganz konkret wegen der Reise irrt er sich meiner Meinung nach gewaltig. Recht hat er wegen allem anderen:
Von was fuer einem 'vorgeschriebenen Pfad' ist daueberhaupt die Rede:'Karriere, Haus bauen, Kinder, etc...'???

Ich bin mir ehrlich gesagt nun nicht ganz sicher, ob du das wirklich ernst meinst?!  :o Vielleicht kannst du deine Gedankengänge näher erläutern? Ich war nämlich ziemlich perplex über die Reaktion meines Chefs...du kennst ihn nicht. Ein Chef, der seine Mitarbeiter bei allem möglichen versucht zu kontrollieren und seinen, im wahrsten Sinne des Wortes, Gesetze zu unterwerfen, nenne ich keinen tollen Chef!   :(
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farmerjohn1

« Antwort #12 am: 11. Dezember 2014, 18:34 »
T-travel: klar kenne ich deinen Chef nicht, ich habe ja auch nicht gesagt dass er seinen Job als Boss toll macht, sondern dass ich ihm darin zustimme, dass unsere Generation viel zu egoistisch ist - das gilt aber auch fuer die Generation die jetzt in Rente geht, das waren naemlich die, von denen ein sehr grosser Teil mit schlechtem Beispiel vorangegenagen ist, u.a. auch mit diesem rabiaten Feminismus, der den jungen Frauen suggeriert, der Mann sei zum Spass haben da, aber ansonsten der Feind im Bett, und Kinder ein Klotz am Bein. 
Meine Vorgesetzten haben meistens Egoismus, Hedonismus und schnellen Erfolg gepredigt, es hiess immer  'du musst ja selbst wissen, was du machen musst' - wenn das dann richtig war, wurde man in den Himmel gelobt und wenn was schief ging war man out, mit Schikanen durch andere Mitarbeiter usw, usf.
Klar, Zusammenarbeit beruht auf gegenseitigem Nutzen - dass ein Chef kontrolliert, ist Teil seiner Pflicht - natuerlich kann man das sachlicher oder mit sadistischer Freude machen. Ein ordentlicher Chef vertritt aber auch gewisse Werte und  erkennt, dass Fuehrungsmacht auch Verantwortung uebernehmen bedeutet, nicht nur Machtspiele spielen und sich aufblasen.
In diesem Sinne hatte ich die Aussage deines Chefs (ohne ihn oder dich zu kennen) positiv interpretiert, naemlich dass er dich daran erinnern wollte, dass es nicht nur darum geht, zu tun was einem Spass macht, sondern zu erkennen was man gut kann, das auszubauen und sich damit als nuetzliches Mitglied  in die Gesellschaft einzubringen - ein schwieriges Unterfangen, insbesondere im Zusammenhang mit ''Wertewandel''. Es kann aber auch sein, dass dein Chef einfach nur Angst um seine Rente hat, oder einfach nur das letzte Wort haben wollte - das kann ich nicht beurteilen.
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knappe

« Antwort #13 am: 12. Dezember 2014, 12:16 »
Ich möchte nochmal kurz auf das eigentliche Thema zurückkommen:
ich war 2013/2014 für 6 Monate mit meinem Freund unterwegs. Wir haben unsere Runde wie geplant beendet und sind Ende März zurückgekommen.
Und trotzdem ist vieles ähnlich: das Gefühl der Leere, der Sinnlosigkeit, das Thema, zu spät damit begonnen zu haben, das Leben zu genießen (ich bin w & 30), die Frage, wie man jetzt alles unter einen Hut bekommen soll und wo das Leben hingehen soll. Ob es nochmal möglich ist, so zu reisen? Und hat man aus dieser wahnsinnig privilegierten Zeit wirklich das Optimum herausgeholt???
Die Fragen, die ich mir stelle, sind also deinen ziemlich gleich. Und das heißt auch, dass diese Fragen (wahrscheinlich) auch aufgetaucht wären, wenn ihr die Route wie geplant durchgezogen hättet. Diese Themen kommen wahrscheinlich eher von dem "Break", dan man mit so einer Reise unternimmt und der anschließenden neuen Suche nach dem Platz im Leben.
Was ich persönlich wichtig finde (weil ich es eben anders erlebt habe) ist, dass ihr beide diese Gefühle und Fragen habt.
Gebt euch gegenseitig den Halt und das Verständnis, das euch von außen keiner geben kann.
Und ja, alle haben Recht, die sagen, erst einmal abwarten, was kommt. Hattet ihr nichts das Gefühl, dass das schwierigste an der Organisation eurer Reise die Entscheidung dafür war? Dass sich anschließend alles irgendwie gefunden hat?
Bei uns war das so. Und das gibt mir Hoffnung: wenn ich wieder los will, muss ich nur die Entscheidung treffen dafür. Und alles andere wird sich wieder finden.

In diesem Sinne wünsche ich dir und euch ein gutes weiteres Wieder-Einfinden!

farmerjohn1

« Antwort #14 am: 12. Dezember 2014, 14:27 »
Wieso mal kurz auf das eigentliche Thema zurueckkommen? Davon rede ich doch die ganze Zeit: Gefuehle (und Gedanken) nach der Rueckkehr. Sicher waeren diegleichen Situationen und Fragen auch dann aufgetaucht, wenn sie die Reise planmaessig durchgezogen haetten, ich vermute sogar noch staerker - mein Erklaerungsangebot fuer vorzeitige Rueckkehr ist sogar genau das, bzw. die Furcht davor, dass weiterer Aufenthalt in der Fremde fundamental verunsichern koennte - oder besser gesagt, es erforderlich machen koennte einen Teil der eigenen Fundamente auseinanderzunehmen und mit neuen Einsichten und Elementen versehen wieder zusammenzufuegen, und zwar ohne den bereits muehevoll zusammengebrachten Aufbau zu beeintraechtigen. Ich hatte in meinem ersten Kommentar zu diesem thread davon gesprochen, dass, sofern man vorher weitgehend sesshaft war bzw. in ueberschaubarem Rahmen gelebt hat, erfahrungsgemaess etwa drei Monate eine grenzwertige Zeit sind - da beginnt der Zustand vor der Reise 'Geschichte' und der Zustand des Reisens, bzw. der neue Aufenthaltsort zur Basis-Wirklichkeit  zu werden - und zwar dergestalt, dass man einige Grundlagen sowie auch aktuelle Normen und Werte aus der jeweils aktuellen Umgebung uebernimmt, und zwar auch dann teilweise unbewusst, wenn man viel Hintergrundinformation sucht und sich mehrmals taeglich darueber Rechenschaft ablegt. Denn es ist ja - unter anderem - ein Gebot der Vernunft, Staerken des vorherigen Entwicklungsstandes zu behalten, die des neu Kennengelernten zu ubernehmen - dessen Fehler moeglichst aussen vorzulassen und gleichzeitig sich vorher zu eigen gemachte  Fehler zu beheben, bzw. zumindest zu relativieren. Dieser Prozess wird irgendwann auf einer Zeitachse zwischen drei Monaten und zwei Jahren unumkehrbar, mit der Konsequenz eines unterschiedlichen Masses an Abstand von  allen Kulturen - inklusive der eigenen in die man ggf. zurueckkehrt. Das heisst auch: Abstand von der angeblichen Zwangslaeufigkeit bezueglich deren oertlich stattfindenden Entwicklungen. Und hoffentlich eines Tages mit der Konsequenz einer moeglichst (all-)umfassenden Perspektive und Handlungsfaehigkeit.
Und hier moechte ich meine Vorrednerin knappe bekraeftigen: auch ich halte es fuer besser, wenn sowas - selbst wenn es bei derlei Prozessen verschiedene Ueberschaubarkeitsabstufungen gibt - im Paar geschieht, sogar von moeglichst jung an.
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