Thema: Depression  (Gelesen 2089 mal)

Greentea

« am: 31. Oktober 2014, 07:50 »


Hallo ihr lieben,
Auch für mich ist es nicht typisch im Internet über mich und meine Gefühle zu sprechen, aber ich habe ein kleines Problem.
Ich bin nun seit circa 2 Monaten zusammen mit meinen Freund auf Weltreise und es geht mir absolut nicht gut. Ich habe meinen Job gekündigt, weil ich seit ca 4 Jahren nur noch unzufrieden mit allem bin. Ich fühle mich in meiner Haut nicht mehr wohl, habe ein paar Kilo zugenommen und finde dass ich noch nicht den richtigen Beruf gefunden habe. Deswegen habe ich gekündigt und gehofft, dass ich durch die gewonnene Zeit mal abschalten kann und mir klar wird, was ich will.
Doch 2 Monate sind rum und mir fehlt meine gewöhnte Umgebung, mein Freund und ich streiten viel, da ich oft müde und lustlos bin und er unterwegs ist und neue Leute kennen lernt. Ich fühle mich, als wäre ich auf der Strecke geblieben.
Meine Lustlosigkeit und traurige Stimmung macht uns die ganze Reise kaputt und unsere Beziehung leidet extrem. Habt ihr Tipp gegen eine Depression? Ich weiß dass ich am besten zu einem Arzt gehen sollte, aber das ist hier fern von Zuhause nicht so einfach. Etwas womit ich mir hier in Thailand helfen kann? Oder wisst vielleicht sogar einen Therapeuten in Thailand oder Australien?
Vielen Dank vorab für die Hilfe!
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Vombatus

« Antwort #1 am: 31. Oktober 2014, 08:27 »
Ging es dir schon vor der Reise schlecht oder hängt dein Gefühlszustand mit der Reise zusammen, abgesehen von der Unzufriedenheit mit allem?

Redet ihr miteinander? Könntest du im schlimmsten Fall die Reise abbrechen oder ihr eine bestimmte Zeit getrennt reisen?

Leider habe ich keine Erfahrungen auf dem Gebiet, in den Links hier ging es auch mal um Depressionen auf Weltreise, denke aber jeder Fall ist anders. Vielleicht bekommst du einen Anstoß?
http://weltreise-info.de/forum/index.php?topic=8054.msg50232#msg50232

Hier wurden Internetadressen gepostet
http://weltreise-info.de/forum/index.php?topic=9067.msg57934#msg57934

Vielleicht kannst du dich an die Botschaft wenden oder auch bei Expats nach Adressen fragen?

Gute Besserung und trotzdem gute Reise.
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Greentea

« Antwort #2 am: 31. Oktober 2014, 09:35 »
Nein mir geht es schon seit Jahren so. Aber ich habe es eigentlich immer auf Stress bei der Arbeit geschoben. Nun sind 2 Monate ohne Arbeit rum und eigentlich lebe ich einen ziemlichen Traum. Aber ich kann es null genießen und bin den ganzen Tag nur schlapp und müde und erfreu mich an nichts ..
Mit dem getrennt Reisen, haben wir schon probiert. Ist damit beendet, dass ich zusammen gebrochen bin und er mich quasi im letzten Moment vom Heim Reisen abhalten konnte. Ich war so aufgelöst wie ich mich noch nie erlebt habe ..
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Blume

« Antwort #3 am: 31. Oktober 2014, 10:26 »
Was müsste passieren bzw. vorhanden sein, damit du dich besser fühlst? Wie müsstest du über dich und die Welt denken, damit du dich besser fühlst?
Wenn du diese Fragen für dich beantwortet hast, kannst du dich fragen, welche Wege du gehen müsstest bzw. was du machen oder umdenken müsstest, um dahin zu gelangen.

Zwischendurch kannst du "kleinere Brötchen" backen und dich fragen, in welchen Situationen in der letzten Zeit  du dich etwas besser gefühlt hast als in anderen (z.B. wenn du doch in Gesellschaft anderer warst, wenn du schwimmen warst, wenn du im Reiseführer gelesen hast, wenn du Vögel beobachtet hast etc.). Wenn du diese Situationen oder Verhaltensweisen identifiziert hast, mache mehr davon. Gehe auch mal täglich für 10 Minuten ganz ohne Sonnenschutz in die Sonne. Bei manchen Leuten hilft das, positive Botenstoffe im Körper anzukurbeln. Ausprobieren kann nicht schaden, außer wenn du die Zeit vergisst und dir einen Sonnenbrand holst ;).

Wenn du merkst, dass du mit dieser "Selbsttherapie" gar nicht weiterkommst, dann rufe bei Therapeuten in Deutschland an. Es kann sein, dass sowieso Wartezeiten für einen Therapieplatz bestehen. Du kannst den Therapeuten nach Tipps fragen, wie du die Wartezeit sinnvoll überbrücken kannst.

Es ist ja schon mal sehr gut, dass du dir eine Verbesserung wünschst und etwas unternimmst (z.B. in diesem Forum schreiben). Dass man erkannt hat, dass es so nicht weiter geht und man etwas tun muss, ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer Besserung! Ich wünsche dir alles Gute und dass es dir besser geht.
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schaunmamal

« Antwort #4 am: 31. Oktober 2014, 10:28 »
hallo greentea,

das ist ja ein schlamassel - da fährst du auf reise um dich zu erholen und spaß zu haben und dann das! *umarmdich*

du brauchst dir aber nicht so viel druck aufbauen, es ist normal, dass man nicht ein komplett anderer mensch ist, nur weil man jetzt ein paar kilometer weiter weg ist von daheim. da hast du dir vielleicht zuviel selbst versprochen.

wahr ist aber, dass alles in dir steckt, was du zum glücklichsein brauchst. du kannst dich jeden tag, jede sekunde, verändern in dem du andere entscheidungen als gewohnt triffst (andere reaktionen, neue dinge ausprobieren, mal "ja" statt "nein" sagen oder umgekehrt, etc.). bewusst der inneren stimme folgen, die dir sagt, was "richtig" wäre. unternimm vielleicht mal was alleine, mach einen tauchkurs, eine tour oder einen sprachkurs ohne deinen freund. dann wirst du auch neue leute kennenlernen.

leider kann ich dir nicht helfen, aber ich weiß aus eigener erfahrung, dass sowas nicht schön ist.
ich wünsch dir, dass es bald besser geht und du den druck von dir nimmst, dass jeder tag sonnenschein sein muss! deine erfahrung auf der weltreise ist eben deine erfahrung - sie musst kein bestimmtes bild malen, nur deines!

alles gute!
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karoshi

« Antwort #5 am: 31. Oktober 2014, 12:41 »
Hallo Greentea,

auch von mir erst mal eine dicke Umarmung. Du schreibst, dass Du weißt, dass Du am besten zu einem Arzt gehen solltest. So etwas auszusprechen (sogar öffentlich) ist ein großer Schritt, der Überwindung kostet. Dafür muss der Leidensdruck schon sehr hoch sein, und das lese ich auch aus Deinen Zeilen heraus. Das Problem ist nur, dass Reisen und eine Therapie nicht gut zusammen gehen. Und eine Reise kann eine Therapie auch niemals ersetzen, wie Du selbst festgestellt hast. Denn unterwegs begegnet man vor allem sich selbst.

Du wirst also eine schmerzhafte Entscheidung treffen müssen, und das wird möglicherweise ein Reiseabbruch oder eine Unterbrechung auf unbestimmte Zeit sein. So etwas ist unheimlich schwierig, aber Du musst Dir darüber klar werden, dass es nicht Deine Schuld wäre.

Als "kleine" Lösung wäre eventuell ein Meditationsaufenthalt in einem Kloster einen Versuch wert. Das kann aber, wenn man da mit einem Sack von Problemen hin geht, sehr heftig werden.

Ganz wichtig: Reden, reden, reden mit Deinem Freund.
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Blume

« Antwort #6 am: 04. November 2014, 14:56 »
Hallo Greentea,

wie geht's? Immer noch so schlimm?
Wo genau in Thailand seid ihr eigentlich?

Liebe Grüße
Blume
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dirtsA

« Antwort #7 am: 10. November 2014, 13:57 »
Oje das klingt echt nicht gut :(

Wie wäre es, wenn du mal ein paar Tage (oder sogar Wochen) einfach an einem Ort, an einem schönen Strand bleibst. Dich zu nichts zwingst. Einfach jeden Tag so lange schläfst, wie dir danach ist, dich dann an den Strand in die Sonne legst, mit einem lustigen (nicht nachdenklichen...) Buch. Einfach mal "nichts machen" und ankommen. Vielleicht brauchst du das auch einfach, bevor du wieder Lust hast, neue Leute zu treffen? Um einfach runter zu kommen und wirklich zu realisieren, dass du jetzt erst mal "frei" bist. Seid ihr vielleicht einfach mit einem zu dichten Programm an Sightseeing gestartet, sodass dein Arbeitsstress gleich in Reisestress übergegangen ist? In Thailand gibt es ja jede Menge Inseln, die sich zum "Ankommen" anbieten, auch noch ganz kleine (fast) untouristische. Ich finde auch, dass Sonne/Wärme positive Energie bringt. Vielleicht bist du aber eher der Berg/Natur-Fan und würdest dich im Norden in einem kleinen Thai-Dorf wohlfühlen? z.B. in der Cave Lodge in Soppong kann ich mir so was auch wunderbar vorstellen...

Naja, hoffe jedenfalls, dass es dir bald besser geht und du die Reise wieder genießen kannst!! Kopf hoch! :)

LG
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Surfy

« Antwort #8 am: 12. November 2014, 10:40 »
Ich würde zu einem lokalen Arzt gehen. Vielleicht in einer Thailand Expat Community nach einem guten Psychologen fragen. Mitunter wandern auch Ärzte aus, und Du kommst sogar an eine deutschsprachige Beratung.

Es kann alles mögliche sein, eine Depression, ein Burnout, eine hormonelle Störung. In den Regel heilt sich unser Geist und Körper selber, aber ich denke da kann man sich viel viel leidenszeit ersparen, in dem man professionelle Hilfe in Anspruch nimmt.

Manchmal hilft auch ein medikamentörser Anschub um wieder in den trott zu kommen. Ich hatte eine Schilddrüsen Fehlfunktion, war am Zittern/Schwitzen und anderes (nicht so schönes) und bin auch sehr spät (nach Monaten) zum Arzt.

Wenn man merkt dass die Leute das zittern bemerken auf der Arbeit - irgendwann geht man dann halt doch zum Arzt.

Das "Leiden" war völlig unnötig, ich musste ein Jahr lang Tabletten nehmen mit abnehmender Dosierung - und bin wieder heile. Schade dass ich nicht schneller zum Doc bin, dass hätte mir einiges erspart...  Vielleicht hilft Dir mein Beispiel ja, dass selber besser zu machen.  ;)

Surfy

Eidechsenkönigin

« Antwort #9 am: 12. November 2014, 13:55 »
Hi :)
es ist wirklich sehr schwer auf diese Entfernung und ohne dich zu kennen, Tipps zu geben, aber hier mal meine Meinung dazu: Sehr häufig stecken hinter solchen Emotionen, in denen Du gerade steckst, Gedanken, die Dich dazu bringen so zu empfinden. Deine/Eure Reise ist wie sie ist und nicht die Dinge selbst sind hier wahrscheinlich das Problem, sondern was Du daraus machst. Ein Beispiel: Du kommst auf die Toilette, ein Mädel kommt aus der Kabine, die Du ansteuerst und Du siehst, dass die Brille total vollgepinkelt ist. Du ärgerst Dich, regst Dich vielleicht auf, fragst Dich, wie man eine Toilette so hinterlassen kann und spielst mit dem Gedanken, ihr Deine Meinung zu sagen, falls Du sie draussen nochmal sehen solltest. Du drückst dann selbst die Spülung und siehst, wie diese so stark sprudelt, dass die gesamte Brille vollgespritzt wird. All Deine Gedanken über diese Situation waren also völlig unnötig, haben Dich eher dazu gebracht, Dich zu ärgern oder evtl. auf einen kommenden Konflikt vorzubereiten. In jedem Fall taten diese Gedanken Dir nicht gut.
Viele dieser Gedanken sind jedoch meist im Unbewussten vergraben und nicht so leicht zugänglich. Deshalb beobachte Dich vielleicht beim Empfinden dieser Emotionen, wachst Du schon so auf oder entwickeln sich diese Gefühle erst im Laufe des Tages. Oftmals sind es kurze Gedanken, die vielleicht auch schon lange in uns existieren und Dich unbwusst traurig machen. Das was Du empfindest muss also nicht zwangsläufig eine Depression sein. Für den Anfang könnte ich Dir ein Buch empfehlen, was Dir als Leitfaden dazu dienen kann, an diese Gedanken zu kommen und diese zu lösen, um lieben zu können, was ist und sich nicht durch Gedanken darüber eine subjektive Wirklichkeit zu schaffen.
Andere sehr hilfreiche Ratschläge wurden ja bereits zahlreich gegeben, so dass ich wirklich nur darauf eingehen wollte. Falls Du Interesse an dem Buch hast, schreib einfach nochmal. Möchte hier nicht unnötig Werbung "schalten", wobei ich ja nichts davon hätte, weiß nur nicht, wie Karoshi das gerne sehen möchte. :)
LG
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