Thema: Umweltbelastung durch Tourismus: wie geht Ihr damit um?  (Gelesen 17545 mal)

karoshi

Gerade habe ich gelesen, dass die philippinische Regierung plant, die Insel Boracay wegen der Umweltbelastung für 6 Monate für den Tourismus zu schließen.
http://www.spiegel.de/reise/aktuell/philippinen-boracay-soll-fuer-touristen-geschlossen-werden-a-1201504.html

Sicher eine extreme Maßnahme, aber die negativen Folgen des Tourismus für das Ökosystem gerade von kleineren Inseln sind nicht von der Hand zu weisen. Wie geht Ihr damit um? Versucht Ihr, aktiv Müll zu vermeiden? Macht Ihr Eure Entscheidung, einen Ort zu besuchen, vom Umgang mit Müll abhängig? Sprecht Ihr die Leute vor Ort aktiv auf solche Themen an? Oder blendet Ihr möglichst aus, dass Ihr Teil des Problems seid?

Lasst mal hören.
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echidna

« Antwort #1 am: 06. April 2018, 14:10 »
Ein schwieriges Thema, mit dem ich mich natürlich auch zunehmend konfrontiert sehe. Ich selbst versuche inzwischen zumindest, touristische Hotspots eher zu meiden, um die dortigen unerträglich gewordenen Touristenmassen nicht noch weiter zu vermehren (z.B. Venedig oder Dubrovnik). Und oft ist es in weniger gut besuchten Orten auch sehr schön (und die dortigen Hotel- und Gaststättenbetreiber freuen sich noch über Besucher).

Außerdem kommen für mich derzeit keine Kreuzfahrten in Frage, weil diese Riesendampfer sowohl echte Dreckschleudern zu sein scheinen, und weil sie oft gleich große Touristenfluten auf einen Schwung in eine Stadt "auskippen", wo die Leute dann die Straßen und Gassen verstopfen, ohne großartig Geld für die einheimische Wirtschaft zu hinterlassen (weil: gegessen und übernachtet wird auf dem Schiff).
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Beate

« Antwort #2 am: 06. April 2018, 14:24 »
Was Echidna hier schreibt hätte genausogut auch ich schreiben können. Deshalb: volle Zustimmung, ich machs genauso.

Beate
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Svenja

« Antwort #3 am: 06. April 2018, 15:00 »
Für die anstehende Langzeitreise wollen wir einen Steripen mitnehmen, um Wasser aufbereiten zu können und Müll von Plastikflaschen zu vermeiden. Bisher habe ich versucht meine Edelstahlflasche an größeren Kanistern oder öffentlichen Trinkwasserstationen aufzufüllen, nur klappte das nicht immer.
Auch habe ich für Einkäufe immer einen Beutel dabei und kann so (meist) auf Plastiktüten verzichten, eigenes Besteck spart Einmalbesteck bei Streetfood, kein Stohhalm,... Alles jedoch nichts weltbewegendes, darum freue ich mich sehr über weitere Anregungen!
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karoshi

« Antwort #4 am: 06. April 2018, 16:47 »
Ich denke, der Bereich "Trinkwasser" ist derjenige, wo man am leichtesten mit geringem Aufwand eine Menge erreichen kann. Auch wenn es noch so verlockend ist, einfach am Straßenrand eine Einwegflasche zu kaufen: Wenn man mal die Berge von leeren Plastikflaschen gesehen hat, die in Hinterhöfen gesammelt, auf wilden Müllkippen abgeladen oder einfach ins Wasser geworfen werden, dann ist eigentlich klar, dass das nicht so weiter gehen kann.

Also: wo immer möglich, keine Flaschen kaufen, sondern vorhandene Flaschen auffüllen!
  • Am besten: sauberes Wasser aus Refill-Stationen nehmen. (Für deren Kanister gibt es normalerweise ein Pfandsystem.)
  • Oder: Wasser aus Leitungen oder (möglichst unbelasteten) Gewässern selbst reinigen, z.B. mit Steripen oder Keramikfiltern.
  • Hilfsweise gehen auch mal Wasserentkeimungstabletten.
  • Wenn das alles mal nicht geht: möglichst große Wasserbehälter kaufen und den Inhalt nach und nach in die Flasche abfüllen. Je größer der Behälter, desto weniger Kunststoff muss pro Liter eingesetzt werden. (Das macht natürlich nur Sinn, wenn man einige Zeit am selben Ort ist oder ein eigenes Fahrzeug hat.)
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Sulawesi

« Antwort #5 am: 06. April 2018, 22:25 »
Wasserfalschen bringen auch in dritte Welt Ländern den Sammlern gute Geld, daher sind diese ein weit geringeres Problem als Plastiktüten.

Müll kommt von westlichen Touristen eh so gut wie keiner - es sind schon die Einheimischen die alles von oben bis unten zu müllen. Ein Touri läuft eher ne Viertelstunde durch die Gegend nach einen Mülleimer, da hätte ein Einheimischer nur Verständnis für. Die pfeffern alles in die Landschaft.
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Vombatus

« Antwort #6 am: 07. April 2018, 09:03 »
Versucht Ihr, aktiv Müll zu vermeiden?
Ich versuche beim Einkaufen Plastiktüten zu vermeiden und kaufe wenn ich länger Vorort bin Wasserkanister statt kleine Flaschen, ggf. nütze ich Auffüllmöglichkeiten. Versuche dann in abgelegenen Gegenden weniger zu verbrauchen, im Sinne von, lieber keine Chipstüte oder Cola-Dose, sondern lokales Zeug und große Wasserflasche. Damit hat es sich aber schon.

Macht Ihr Eure Entscheidung, einen Ort zu besuchen, vom Umgang mit Müll abhängig?
Nein, bisher nicht

Sprecht Ihr die Leute vor Ort aktiv auf solche Themen an?
Nein.

Oder blendet Ihr möglichst aus, dass Ihr Teil des Problems seid?
Bin mir dessen schon bewusst, vor allem wenn man auf Inseln die Müllhalden und Reste davon sieht, aber ja, es wird ausgeblendet.

Grundsätzlich verursachen viele Touristen in abgelegenen Orten sehr viel Müll, also zum Beispiel auf Inseln, abgesehen von frischen Fisch und ggf. Früchten und Kokosnüssen wird alles per Boot angeschifft und alles was nicht bei der Wiederverwertung Geld bringt bleibt dann auch auf der Insel, bzw. wird dort verbrannt. Ansonsten sehe ich es wie Suwalesi, im Umgang mit Abfall finde ich (westliche) Touristen verantwortungsvoller als Einheimische. Habe das bei meinem letzten Insel-Thailandurlaub wieder beobachtet, wie Einheimische von jung bis alt ihre eigene Insel vermüllen. Während Touristen (ich auch) noch den Müll vom Strand aufsammeln. Ich habe auch noch nie einen (westlichen) Touristen gesehen, der einfach seine Wasserflaschen aus dem Busfenster wirft oder ins Gebüsch.
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Svenja

« Antwort #7 am: 07. April 2018, 11:52 »
Den von Vombatus und Sulawesi beschriebenen Umgang mit Müll von Einheimischen habe ich auch beobachtet, besonders bei Menschen mit wenig Bildung. Trotzdem würde ich dir Sulawesi wiedersprechen, dass von Touris so gut wie kein Müll kommt. Nur weil ich meinen Müll in den Mülleimer schmeiße ist er nicht weg. In vielen Ländern wird auch der Müll aus Mülleimern verbrannt oder irgendwo in die Landschaft gekippt, da es kein umweltfreundliches Entsorgungssystem gibt. Und auch Deutschland weiß nichtmehr wohin mit all dem Plastikmüll, den China früher noch aufgekauft hat.
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beretravels

« Antwort #8 am: 07. April 2018, 12:39 »
Ganz großes Thema!

Kho Phiphi in Thailand soll ja auch für einige Monate gesperrt werden, um die Korallen zu schonen. Hängt ja auch teilweise damit zusammen. Ich finde das an sich gut, allerdings ist das natürlich sehr ärgerlich, wenn man seinen Jahresurlaub genau dann dort verbringen will.

Zum Thema Müll ist es ja meist so: je ärmer und je schlechter die Bildung, desto schlechter der Umgang mit dem Müll. Und meist hat man aufgrund der Sprachbarriere kaum eine Chance Einheimische darauf anzusprechen oder ihnen dazu etwas zu erklären. Besonders schlimm fand ich es zb in Bagan, aber ich kann mich auch an meine Vietnamreise erinnern, als ich ganz schnell wieder aus dem Meer raus bin, als ich plötzlich von einem Müllteppich überholt wurde (War bei Mui Ne). Generell finde ich die Sammelaktionen super, auch wenn häufig Einheimische aktiv dagegen arbeiten.

Wir versuchen auf unserer Reise so viel Müll wie möglich zu vermeiden, kommen aber um Plastikflaschen häufig nicht rum. Klar, Bier und Cola lieber aus der Flasche als aus der Dose oder der Plastikflasche. Aber bei Wasser ist es meist etwas schwieriger, so lange man nichts zum auffüllen hat. Wenn wir irgendwo länger als 3 Tage sind holen wir meist Kanister. Und die Gasflaschen stelle ich immer neben den Mülleimer, damit die Glassammler nicht den Müll durchwühlen müssen und von weitem sehen, dass es was zu holen gibt. Dann funktioniert das Recycling auch in Entwicklungsländern. Und wir verwenden nach Möglichkeit einen Beutel zum einkaufen, zwischendrin sind Plastiktüten für Wäsche und Schuhe aber von Nöten.

Eine paradoxe Erfahrung haben wir in Südafrika gemacht. Wir waren im Township Motherwell bei Port Elizabeth und haben uns da mit einem einheimischen Künstler getroffen. Der hat uns unter anderem seine upcycling Projekte gezeigt. U.a. gibt er Kindern 1 Rand, wenn sie ihm eine Plastikflasche voller Plastiktüten bringen. Am gleichen Tag schmeißt er dann aber auf einer Wiese im Township seine eigene Flasche über die Schulter... so 30 Minuten nachdem er predigte, wie wichtig es doch sei, den Müll weg zu bekommen.... also ist die Message nur halb angekommen: upcycling und Müll sammeln ist im Trend und gilt noch als "alternativ" weshalb sich damit Geld verdienen lässt. Aber der Sinn dahinter bleibt dem einfachen Geist verborgen.
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beretravels

« Antwort #9 am: 07. April 2018, 13:13 »
Für die anstehende Langzeitreise wollen wir einen Steripen mitnehmen, um Wasser aufbereiten zu können und Müll von Plastikflaschen zu vermeiden. Bisher habe ich versucht meine Edelstahlflasche an größeren Kanistern oder öffentlichen Trinkwasserstationen aufzufüllen, nur klappte das nicht immer.
Auch habe ich für Einkäufe immer einen Beutel dabei und kann so (meist) auf Plastiktüten verzichten, eigenes Besteck spart Einmalbesteck bei Streetfood, kein Stohhalm,... Alles jedoch nichts weltbewegendes, darum freue ich mich sehr über weitere Anregungen!

Die Idee find ich cool. Aber wie machst du das dann zb mit gechlortem Wasser (aus der Leitung). Der Steripen  arbeitet mit UV-Strahlung, oder? Reicht das aus, um zb. Auch Mehrzeller zu töten? Ich rede jetzt nicht von kurzzeitiger Benutzung wie zb auf einer Wanderung oder so, sondern vom dauerhaften Gebrauch. Wäre auf jeden Fall eine wirklich smarte Alternative zum Plastikflaschenwasser.
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Steffi365

« Antwort #10 am: 07. April 2018, 13:54 »
Seit unserer Reise haben wir einen ziemlichen Mülltick. Unterwegs haben wir die Plastiktüten immer abgelehnt, haben meist an Essensständen mit Wegwerfgeschirr nichts bestellt, auch wenn es teilweise nicht so einfach war eine Alternative zu finden.

Bei vielen ist es Bequemlichkeit   oder sie denken einfach nicht so weit. Diese Aussage beziehe ich auf alle. Ich sehe da keinen Unterschied, in Hamburg bin ich Einheimischer in einer Tourihochburg für Städtereisen. Und diese Stadt empfinde in inzwischen einfach nur noch als dreckig.

Ein super Beispiel für Bequemlichkeit ist zb. 7Elven in Taiwan und in Thailand. In Taiwan wurde man gefragt ob man die Tüte will, man musst bewusst ja sagen. In Thailand wird es einfach eingetütet, man muss bewusst von sich aus nein sagen. Das machen jedoch nicht viele.

Viele Angewohnheiten haben wir auch wieder mit nach Deutschland gebracht, Essen oder Coffee to Go gibt's nicht mehr, auch wenn es verlockend ist. Früher gab's das so ziemlich jeden Tag. Und inzwischen Frage ich mich auch ob Deutschland sauberer ist. Ich glaube nein, man sieht es bei uns in den Städten nur weniger, da es jeden Tag weggeräumt wird. Allein die Stadtreinigung Hamburg hat dieses Jahr enorm aufgestockt, laut Zeitung 450 neue Stellen. Und warum das ganze? Weil es vielen einfach egal ist, der Müll wird dort fallen gelassen wo man gerade ist. Ob man das auf den Bildungsstand beziehen kann? Ich glaube schon, nur gibt es halt überall (auch hier) genug Leute ohne die ausreichende Bildung.
Letztens waren wir in der Sächsischen Schweiz wandern. unglaublich was auch da an Müll liegt. Vom Bonbon Papier, über Tüten bis zu Getränkedosen.
Habt ihr euch mal die Autobahnen bei uns angeschaut, was da an Müll liegt? Hier werfen die Leute das Zeug, genau wie in Asien oder Südamerika einfach aus dem Fenster.

Meide ich Reiseziele? Nein, das Problem ist überall, dann dürfte ich nirgends hin.

Ja ich spreche Leute darauf an, wenn sie Sachen einfach fallen lassen, soweit keine Sprachbarriere vorhanden ist.

Sehe ich mich als Teil des Problems? Ich denke wir tragen alle dazu bei. Jedoch kann jeder von uns seinen Fußabdruck mit schon kleinen Sachen klein halten.

Ich sehe in der Thematik kein spezielles Reiseproblem. Egal ob im Alltag oder Unterwegs, egal ob in Europa oder Asien, der beste Müll ist der, der nicht entsteht.
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Sulawesi

« Antwort #11 am: 07. April 2018, 18:53 »
Und auch Deutschland weiß nichtmehr wohin mit all dem Plastikmüll, den China früher noch aufgekauft hat.

Das weiß Deutschland sehr wohl. Nennt sich thermische Verwertung und da ist Plastikmüll richtig was wert. Überhaupt kein Problem. Nur hat China früher halt mehr gezahlt.
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farmerjohn1

« Antwort #12 am: 08. April 2018, 08:11 »
Abgesehen davon, dass die Einheimischen oft keine groesseren Umwelt-Schoner sind als die Touristen (manchmal sogar im Gegenteil), und abgesehen davon dass auch die mal flaechendeckend dazu gebracht werden muessen  selbst nach Moeglichkeit entsprechend zu handeln:  das Problem - auch das Umweltproblem - sind ja die grossen Massen auf geringem Platz. Wenn einmal in der Woche fuenf Leute mit einem Pack-Maultier einen 5km langen Urwaldpfad entlang laufen und dabei ihren Muell mit nach Hause nehmen, ist das alles wunderbar, auch wenn mal an einen Baum uriniert wird.
Sind es jeden Tag 50 Leute mit 10 Maultieren, koennen Pflanzen nicht nachwachsen, Tiere wandern ab, Boden- und Wasserwerte veraendern sich und das Zumuellen wird schwerer kontrollierbar.

Ich fordere (und tue das auch was mein Verhalten betrifft):
1. Diversifizierung der Tourismusdestinationen: lieber viele kleine als wenig grosse Massen-Destinationen, die dann zwangsverwaltet oder gar an anderer Stelle kopiert werden muessen, waehrend die kleineren Destinationen mit dem Bed&Breakfast-Betrieb an Auslastungsmangel und an fuer 5*Hotels konzipierten Auflagen eingehen.
2. drakonische Geld- und Arbeitsleistungs-Abgaben an die Gemeinschaft fuer jeden Muell-In-Die-Landschaft-Bringer/Liegenlasser... Egal ob Einheimischer oder Touri, egal welcher Herkunft.
3. weltweite Durchsetzung und Umsetzung von Anreizen, sich landschaftsschonend zu verhalten (Pfand fuer Plastikflaschen, ueberall Muelltrennungsbehaelter, Steuerermaessigungen, Einkaufspreisermaessigungen und zinslose Kredite fuer Kauf und anschliessender Anwendung entsprechender Technik, etc.).
4. Information, Information, Information.
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Sebi

« Antwort #13 am: 08. April 2018, 08:44 »
Wenn es um Umweltbelastung durch Tourismus geht, sollte man neben dem Müllproblem auch das Thema Fliegen nicht vergessen. Während man zuhause ja auch Müll produzieren würde (wenn auch ggf. weniger als auf Reisen), ist der Schadstoffausstoss durch die Flüge ja sozusagen "on top". Und da kommt einiges zusammen: fliegt man einmal Economy Asien und zurück, hat man schon so ca. knapp die Hälfte der jährlichen CO2-Emissionen des Durchschnittsdeutschen verursacht. Ein Problem, das viele ausblenden (mich leider eingeschlossen).
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Beate

« Antwort #14 am: 08. April 2018, 10:04 »
OK, aber wenn man daheim bleibt, dann fährt man meistens mit dem Auto. Also ist die Belastung beim Fliegen wirklich nicht so viel grösser.
Abgesehen davon: wir alle fliegen einmal oder vielleicht zweimal im Jahr irgendwohin. Und das in einer vollgepackten Maschine.
Und was machen all die Geschäftsreisenden im Computer-Zeitalter: sie fliegen teilweise fast täglich. Ich würde mal ganz leise einwenden, dass da noch viel mehr Einsparpotential wäre.

Beate
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