Thema: Camperreise durch das Ende der Welt  (Gelesen 3221 mal)

Beate

« am: 02. Juli 2020, 18:31 »
Jaja, stimmt schon: diese Reise ist schon ein paar Jahre her. Aber sie war so interessant, dass ich darüber einen Reisebericht geschrieben habe.


Nachdem wir 2005 ganz Chile einmal von Norden nach Süden durchgefahren sind, 2009 das argentinische Seengebiet ausgiebig bewundert haben, 2011 den argentinischen Norden bereist haben, hatten wir entschieden, dass es mal wieder Zeit wäre, uns diese Weltregion anzuschauen. Dieses mal sollte Patagonien auf dem Plan stehen, aber mit mehr Zeit.

Nachdem wir gerade zum richtigen Zeitpunkt ein Sonderangebot für eine Camper-Rückführung von Punta Arenas nach Talca gefunden hatten, wurde also ohne viel Überlegungen gebucht. Und nun geht’s los:

Unser Flug über Sao Paulo kam nachmittags in Santiago an. Nach dem Einchecken im Hotel machten wir uns sofort auf die Socken zum nahegelegenen Mercado Municipal, um dort erst mal eine schöne Meeresfrüchte-Platte zu vertilgen.




Am nächsten Morgen ging dann der Flug nach Punta Arenas. Wir hatten die richtige Seite ausgewählt und bei einem absolut Spitzenwetter konnten wir die vor uns liegende Route gleich mal in Anschein nehmen. Wir sahen Bariloche, den Mt Fitzroy, sogar den Perito Moreno Gletscher konnten wir erkennen.

Das Fitzroy Massiv:




Nachmittags machten wir dann noch einen kleinen Rundgang durch Punta Arenas, der südlichsten Stadt Chiles, und entschieden uns fürs Abendessen für ein Curanto. Diese typische Speise sollte zwar in einem Erdloch zubereitet werden, aber ich könnte mir vorstellen, dass die Zubereitung in einer Ofenröhre erfolgt ist. Geschmeckt hat es trotzdem.

Punta Arenas Rätsel: wer ist echt und was ist Billd?




Beate

Beate

« Antwort #1 am: 03. Juli 2020, 15:49 »
Am nächsten morgen, Samstag, 19.1., stand der Fahrer mit unserem gebuchten Camper tatsächlich pünktlich vor der Tür. Allerdings war der Camper dann doch eine Enttäuschung: die Camp-Unit war ziemlich verschmutzt, vor allem das Geschirr schien schon einige Zeit nicht mehr gespült worden zu sein.

Zum Glück haben wir schon etwas Übung mit der Übernahme derartiger Autos und so prüften wir wirklich alles nach. Da stellte sich dann heraus, dass die Gasflasche leer war, der Wassertank ebenfalls, auf der Beifahrerseite der Sicherheitsgurt nicht funktionierte etc. Das hiess also erst mal in die Werkstatt um alles reparieren zu lassen. Nach unserem Einkauf stellten wir dann auch noch fest, dass der Kühlschrank nicht funktionierte.Also wieder in die Werkstatt, wo bis 18.00 h versucht wurde, diesen zu reparieren. Als das nicht klappte, fuhren wir erst mal auf den nächsten Campingplatz und vereinbarten, dass wir am nächsten Tag, Sonntag, um 10.00 h wieder an der Werkstatt sind. Nun, wir waren da, aber von der Werkstatt oder dem Autoverleiher liess sich niemand blicken. Also entschieden wir, dass wir uns einen neuen Kühlschrank kaufen, was natürlich an einem Sonntag Vormittag in einer Stadt am Ende der Welt und mit fast keinen Spanischkenntnissen auch nicht so einfach ist.

Kurz und knapp: um 15.00 h hatten wir zumindest eine Kühlbox die über die Autobatterie lief und konnten somit mit 1 ½ Tagen Verspätung endlich unsere Runde starten.




Wir fuhren am Meer entlang nach Norden, erst mal zur Pinguin Kolonie Seno Otway. Diese ist unterdessen in privater Hand und heisst jetzt „Mina Pecket Harbor Reserve“. Die Mine hat eine völlig neue Strasse von Punta Arenas gebaut, die natürlich Maut kostet. Aber in der Pinguin Kolonie hat sich seit unserem letzten Besuch 2005 nichts verändert. Man könnte stundenlang zusehen, wie sich die Pinguine sonnen oder mit ihren fast erwachsenen Jungen vom Meer zu Ihrem Nest watscheln.








Für die Übernachtung hatte ich mir schon einen Platz ausgedacht, an dem wir 2005 schon übernachtet hatten. Bei einem eigenartigen Denkmal am Strand.




Als wir dann dort waren, stellten wir fest, dass unterdessen alles eingezäunt ist und wir dort nicht stehen konnten. Einen Campingplatz gibt es allerdings auch im weiten Umkreis nicht. Also fuhren wir noch einige Kilometer weiter, bis wir an einem Seitenweg einen wunderschönen ruhigen und nicht einzusehenden Platz mitten in einer Wiese fanden. Hier legten wir dann erst mal unsere Bratwürste auf den Grill, beobachtet von einem CaraCara, der wahrscheinlich auf den einen oder anderen Brocken spekulierte.




Beate

Beate

« Antwort #2 am: 04. Juli 2020, 18:15 »
Am Montag, 21.1. machten wir vormittags einen ausgiebigen Stadtbummel in Puerto Natales.
Eigentlich wollten wir an diesem Tag bis zum Torres del Peine NP kommen. Allerdings hat sich in der Zwischenzeit die Strassenführung geändert. Die Hauptstrasse geht jetzt direkt an der Cueva de Milodon vorbei. Diese Höhle hatten wir gar nicht auf dem Programm, aber da wir schon mal davor standen, mussten wir sie auch besichtigen. D.h. wir machten die kleine Wanderung, die neben der Höhle zu einem Aussichtspunkt hoch geht. Da es auf diesem Weg so viele Blüten zu sehen und zu fotografieren gab, brauchten wir doppelt so lange wie erwartet. Trotzdem machten wir dann noch eine kurze Stipvisite in der Höhle. Aber dort gibt’s wirklich nichts zu sehen. Nur ein künstliches Milodon (urzeitliches Faultier) haben sie am Eingang aufgestellt und Informationstafeln über die Funde.

Nachdem wir auch nicht hetzen wollten, schafften wir es an diesem Tag nicht mehr bis zum TdP. Aber wir fanden einen wunderschönen Stellplatz kurz vor dem NP, mit vollem Blick auf die Türme des NP, den wir den restlichen Abend geniessen konnten.






Beate

Beate

« Antwort #3 am: 05. Juli 2020, 20:41 »
Dienstag, 22.1.: es hat hat die ganze Nacht geregnet und auch jetzt tröpfelt es immer noch. Wir fahren in den NP und fahren als erstes zum Lago Gray. Dort stapfen wir erst mal durch tiefen Kies zu einer Halbinsel und dann hoch zu einem Aussichtspunkt. Von dort hat man einen wunderschönen Blick auf den Gletscher und bestimmt 20 Eisberge, die im See treiben. Und wider Erwarten ist gerade dieser Blick bei dem nebligen und regnerischen Wetter besonders schön. Wir sind froh, dass wir die Wanderung dieses mal machen konnten. Als wir 2005 hier waren, mussten wir schon auf der Kiesbank abbrechen, weil uns der Wind fast weggeweht hätte.








Auf dem Rückweg laufen wir noch ½ Stunde zum Salto Chico. Dann geht’s zu unserem geplanten Campingplatz am Lago Pehoe. Hier müssen wir feststellen, dass die Stelle, an der wir letztes mal standen mit tollem Blick über die Hosteria Pehoe zu den Türmen, unterdessen Picknickplatz und somit nur day-use ist. Auf der anderen Strassenseite wurde ein völlig neuer Campingplatz gebaut. Zwar ohne schönen Ausblick, dafür mit mehr Komfort. So gibt’s für jeden Stellplatz einen überdachten Picknicktisch mit Windschutz. Und damit können wir auch im Regen noch draussen sitzen und grillen..




Bevor wir uns aber niederlassen, fahren wir schnell noch zum Salto Grande und laufen, trotz des Windes und des Regens, noch ½ Stunde am Wasserfall und Fluss entlang.


Und hier noch ein paar Bilder vom Nationalpark:





Hosteria Lago Pehoe:






Beate

Beate

« Antwort #4 am: 06. Juli 2020, 16:32 »
Am Mittwoch, 23.1., ist vom Regen nichts mehr zu sehen. Bei strahlendem Sonnenschein, allerdings wieder starken Wind, wollen wir zum Mirador Condor hoch laufen. Aber bei einem Waldbrand in den letzten Jahren wurden alle Wegweiser zerstört und nach ½ Stunde herumirren im Wald geben wir entnervt auf.

Wir fahren nochmal zum Salto Grande und laufen hier eine etwas längere Runde mit fantastischen Ausblicken. Dann geniessen wir in der Hosteria Pehoe einen Capucchino und Bananenkuchen.

Heute wollen wir eigentlich auf dem Campingplatz des Hotel Las Torres übernachten. 2005 war es uns nicht möglich, dorthin zu kommen. Die Brücke über den Fluss war zu schmal, wir kamen mit unserem Camper nicht durch. Unterdessen wurde gleich daneben eine breite Brücke gebaut.

Alte Brücke:




Als wir aber den Campingplatz sehen, entscheiden wir doch, weiterzufahren. Das hier ist mehr oder weniger nur eine Wiese. Aber vorher genehmigen wir uns im Hotel noch ein Sandwich.

Wir fahren also weiter über den Lago Amarga (uninteressant) mit einem kleinen Umweg zum Salto Peine, der gerade sehr viel Wasser hat, zum Lago Azul. Auch hier haben wir 2005 übernachtet, müssen jetzt aber feststellen, dass es diesen Campingplatz nicht mehr gibt. Aber die Parkrancher erlauben uns trotzdem, dort über Nacht zu stehen. So haben wir wiedermal einen Abend ganz für uns allein in der Natur.






Überall im NP gibt’s grosse Herden Guanakos (wilde Lamas) mit vielen Jungen. Ausserdem sehen wir an diesem Tag insgesamt 5 Kondore.




Beate

Nocktem

« Antwort #5 am: 07. Juli 2020, 13:23 »
toller bericht!!
da kommt man mal wieder richtig ins träumen! :)

dirtsA

« Antwort #6 am: 07. Juli 2020, 14:41 »
Jaaa, da kommen Erinnerungen hoch bei mir! :) Schon eine richtig tolle Gegend.
Wann fand diese Reise nochmal statt? Du erwähnst glaub ich nur die Jahr von den vorherigen Reisen, Beate ;)

Beate

« Antwort #7 am: 07. Juli 2020, 15:48 »

Wann fand diese Reise nochmal statt? Du erwähnst glaub ich nur die Jahr von den vorherigen Reisen, Beate ;)

Ich habe mir ja gar nicht gewagt, die Jahreszahl zu schreiben. Es war nämlich schon 2013. 8)
Von den darauf folgenden 3 Reisen (jedes 2. Jahr) habe ich keinen Reisebericht geschrieben.


dirtsA

« Antwort #8 am: 07. Juli 2020, 15:50 »
Macht doch nichts! :) Ist ja immer noch schön zu lesen.

Beate

« Antwort #9 am: 07. Juli 2020, 16:22 »
Am nächsten Morgen ist es nur 5 Grad. Auch die Nacht war schon sehr kalt.
Es geht raus aus dem Nationalpark zur Grenze bei Cerro Castillo. Dort ist er Teufel los, zum Glück nicht bei der Ausreise, sondern bei der Einreise nach Chile. Trotzdem brauchen wir über eine Stunde, bis aller Papierkram erledigt ist.




Wir fahren raus in die Pampa, die Ruta 40 entlang nach Norden, nach Calafate. Dort werden mal wieder die Vorräte aufgefüllt und dann geht’s zum Nationalpark Perito Moreno. Dort hatten wir 2005 auf einem Campingplatz nahe am Gletscher übernachtet. Aber jetzt erfahren wir am Eingang, dass es diesen Campingplatz nicht mehr gibt und alle Touristen bis 20.00 h aus dem Park heraus müssen. Obwohl es schon 18.00 h ist, entscheiden wir doch, noch reinzufahren, denn wir wissen nicht, ob morgen das Wetter noch so schön ist. Und bezahlen tatsächlich den vollen Eintrittspreis von 100 Pesos/Person.

Trotzdem lohnt es sich, der Gletscher ist momentan sehr weit vorangeschritten, fast macht er die Engstelle zwischen den beiden Seen zu. Ab und zu brechen grosse Eisstücke ab und fallen mit Getöse ins Wasser.




Um 20.00 h fahren wir wieder raus und suchen einen Campingplatz. Der nächste „offizielle“ ist 30 km weit weg und so weit wollen wir nicht fahren. Aber wir sehen mitten in der Pampa ein kleines Wäldchen, das kommt uns gerade Recht und wir haben wieder einen schönen Stellplatz.

Abends beobachten wir noch eine Fuchsfamilie, Vater, Mutter, 3 Kleine, die nur ein paar Meter von uns entfernt erst spielen und dann im Gänsemarsch losziehen, wahrscheinlich um sich ihr Dinner zu holen.

Beate

dirtsA

« Antwort #10 am: 08. Juli 2020, 09:56 »
Oh wie schön, die Füchse wären mein Highlight gewesen!! :)

Beate

« Antwort #11 am: 08. Juli 2020, 10:31 »
Schade, dass ich davon keine Bilder habe. Es war schon zu dunkel zum fotografieren.


dirtsA

« Antwort #12 am: 08. Juli 2020, 11:14 »
Aber dafür hattet ihr einen genial sonnigen Tag beim Perito Moreno! Bei uns war es leider eher grau verhangen an dem Tag. So ein blitzblauer Himmel macht sich schon nochmal besser auf dem Foto ;)

Beate

« Antwort #13 am: 10. Juli 2020, 20:47 »
Freitag, 25.1.: Wir entscheiden, trotz des hohen Preises noch einmal zum Gletscher zu fahren. Schliesslich sind wir ja hier, um Gletscher zu sehen. Und wir geniessen das Spektakel noch einmal.




Dann geht’s bei bestem Wetter wieder raus in die Pampa.

Heute steht der Mt. Fitzroy auf dem Programm. Das heisst: eine lange Fahrt über die Ruta 40. Trotz der Eintönigkeit finden wir die Pampa immer wieder interessant. Man kann das Gefühl der Weite gar nicht beschreiben. Heute ist ein sehr starker, heisser Wind. Man kommt sich vor wie im Backofen bei Umluft.






Unser geplanter Campingplatz, gleich am Visitorcenter in El Chalten, ist, wie könnte es auch anders sein, unterdessen zu einem Picknickplatz umgewidmet. So müssen wir noch einige Kilometer weiterfahren zu einem privaten Campingplatz. Es ist Wochenende in der Ferienzeit und dieser Campingplatz ist total überfüllt. Aber wir haben wiedermal Glück: da wir mit unserem hohen Camper nicht unter die Bäume passen, dürfen wir ausserhalb des offiziellen Platzes auf dem Kiesbett des Flusses zu übernachten und haben damit wieder einen herrlichen Blick auf die Berge.




Am Samstag fahren wir zum Lago Desierdo. Trotz der sehr schlechten Strasse sind jede Menge PKW unterwegs (die Argentinier kennen da nichts, die fahren mit ihren PKW wirklich überall hin).




Wir machen eine 1-stündige Wanderung, 300 Höhenmeter hoch zum Gletscher Huemul. Dort oben hat man eine herrliche Sicht auf den Gletscher, der direkt gegenüber liegt, nur getrennt durch einen kleinen Gletschersee. Ein prima Platz für ein Picknick, vor allem bei diesen wolkenlosen Himmel, der sich unterdessen durchgesetzt hat.




Nach dieser Wanderung holen wir unsere Campingstühle aus dem Auto und machen es uns erst mal am Ufer der Lago Desierdo bequem, bevor wir gegen Abend wieder zurückfahren.

Eigentlich hätten wir wieder auf den Campingplatz von gestern gemusst, aber wir haben auf der Herfahrt eine absolut schöne Stelle, abseits der Strasse, nicht einsehbar, an einem Fluss, entdeckt. Und hier übernachten wir heute und geniessen die helle Vollmond-Nacht.





Beate

« Antwort #14 am: 12. Juli 2020, 20:01 »
Mit einer kurzen Wanderung zum Chorillo del Salto, ein schöner Wasserfall, müssen wir uns am nächsten Morgen vom Nationalpark verabschieden.




Nach dem Einkaufen und Tanken in El Chalten hat uns die Pampa wieder.




Aber jetzt wird’s ungemütlich: eine Baustelle von insgesamt 115 km erwartet uns auf der Ruta 40. Die Umgehungsstrasse läuft zwar direkt daneben, ist aber eine furchtbare Rüttelpiste, während wir auf der Baustelle den schönsten Asphalt sehen.
Nach ein paar Kilometern machen wir es wie die Argentinier: bei jeder Gelegenheit wird auf die neue (noch gesperrte) Fahrbahn aufgefahren und wenn dann tatsächlich eine Stelle mit Bauarbeiten kommt, dann fährt mal halt für ein paar Meter wieder runter auf die „Umgehung“. So kommen wir unerwartet schnell voran.

Wir wollen heute irgendwo am Lago Cardiel übernachten, konnten aber vorher nicht in Erfahrung bringen, ob es da einen Campingplatz oder überhaupt irgendeine Infrastruktur gibt. Trotzdem wir kilometerlang auf der Ruta 40 am See entlangfahren und das tiefe Blau des Wassers bewundern, finden wir keine Zufahrtsstrasse. Erst am äussersten Nordende, der See liegt schon hinter uns, geht eine Strasse ab, die, wie sich herausstellt, tatsächlich zum See führt. Dort ist keinerlei Zivilisation und wir haben damit wieder eine herrliche Stelle für unseren Camper gefunden.




In ganz Argentinien findet man an den Strassen immer wieder Gedenkstätten für "Gauchito". Das war sowas wie ein argentinischer Robin Hood:






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