Thema: Reisebericht Pantanal und Nationalpark Chapada dos Guiamaraes (20.9. - 18.10.17)  (Gelesen 9809 mal)

Beate

Ja, da stehen wir nun am Ende der Transpantaneira. Vor uns ist nur noch der Fluss und dahinter Urwald.



Die Transpantaneira wurde in den 1970er Jahren gebaut, hauptsächlich um den dortigen Viehzüchtern den Abtransport ihrer Tiere zu erleichtern. Sie sollte eigentlich einmal den gesamten Pantanal durchqueren. Aber hier am Cujaba River wurden die technischen Schwierigkeiten doch zu gross und das Geld ging aus. Seitdem hat niemand mehr den Versuch unternommen, hier weiterzubauen.

Gleich in den ersten Jahren der Transpantaneira gab es ein Desaster: es regnete sehr viel, durch die Strasse konnte das Wasser nicht abfliessen und tausende Rinder ertranken. Viele Viehzüchter mussten damals aufgeben. Das war der Anstoss, die vielen Brücken unter der Strasse zu bauen. Diese Holzkonstruktionen halten auf dem losen Lehm allerdings nicht lange und müssen laufend repariert werden. Deshalb wurde jetzt damit begonnen, die Holzbrücken durch Betonbrücken zu ersetzen. Aber bis diese Arbeiten fertig sein werden, werden noch viele Jahre vergehen.

In der Zwischenzeit haben viele der damaligen Viehzüchter auf Tourismus umgestellt und haben ihre Bauernhäuser als Pousada ausgebaut. Damit lässt sich anscheinend mehr Geld verdienen.


Auch hier in Porto Joffre werden wieder Bootstouren angeboten. Aber bei diesen Bootstouren dreht sich alles in erster Linie um den Jaguar. Natürlich will jeder Tourist hier einen Jaguar sehen und jeder Bootsführer tut sein möglichstes, damit das klappt. So rasen wir also erst mal sehr lange über den Fluss. Irgendwann bremst der Bootsführer abrupt und rast zurück: er hat einen Ruf bekommen, dass ein Jaguar gesichtet wurde. Kurz darauf sehen wir ihn auch. Leider hat er sich sehr weit unter die Bäume zurückgezogen, sodass er schwierig zu fotografieren ist:






Erst nach dieser Sichtung wird die Bootstour ruhiger und wir können wieder die anderen Tiere beobachten.

Ein Kaiman, der gerade Beute gemacht hatte:




Ein sehr grosser Grüner Leguan (Iguana)




Wir sehen auch wieder eine Familie der fast ausgestorbenen Riesen-Otter. Aber diese Tiere sind so flink, dann wir nur unscharfe Fotos bekommen konnten.

Hier auf dem Fluss schippern auch Hausboote. Das wäre was für uns, sowas lieben wir:




Den Nachmittag verbringen wir wie immer am Pool und im Zimmer, bevor wir später noch einmal einen Spaziergang über das Hotelgelände machen. Der ganze Stolz des Hotels ist ein See mit riesigen Seerosen. Leider ist jetzt keine Blütezeit:




Auf unserem Spaziergang bekommen wir Begleitung:




Dieses Huhn folgt uns auf jeden Schritt. Als ich am nächsten Tag die Koffer einladen will, greift mich dieses verrückte Huhn doch tatsächlich an und fährt mit den Krallen über meinen Arm. Als ich das an der Rezeption erzähle, erfahre ich, dass die Angestellten die Henne "Maria" getauft haben und sie wahrscheinlich dachte, ich hätte Futter in der Tasche.

Auf dem Hotelgelände dreht sich natürlich alles um die sehr seltenen Hyazinth-Aras, die hier allerdings in Scharen herumfliegen:





Morgen müssen wir wieder zurückfahren und mir graut jetzt schon vor den Brücken, ich darf gar nicht dran denken.

Beate





Jef Costello

Wie viel habt ihr für die Jaguartour bezahlt? Ich habe ein paar Agenturen kontaktiert in Brasilien und die Preise waren sehr hoch, wobei das für 4-5 Tage war.

Beate

Ja, diese Jaguar-Tour war wahrscheinlich das Teuerste auf der gesamten Reise.  Sie kostete pro Person (1/2 Tag) 130 $, wobei der Bootsführer nur portugiesisch sprach. Englischsprachige Touren waren noch einiges teuerer.
Die wissen schon, was sie verlangen können.  ;D Aber jeder, der dorthin fährt, möchte halt auch einen Jaguar sehen.

Da werden wahrscheinlich 4-5 Tage-Touren unbezahlbar teuer sein. Aber wo wollen die denn übernachten? Im Zelt im Urwald????

Beate

Jef Costello

Ach das ist ja echt günstig!!

Ich hatte damals nur Angebote für 300€+ pro Tag gesehen. War dann im südlichen Pantanal bei der Posada Santa Clara, vier Nächte für 120-150€ (glaube ich). Hatten mega Glück und einen Jaguar auf einem Baumstamm im Fluss gesehen.

Lustigerweise hatte ich damals gedacht, dass das Pantanal eher weniger hergegeben hat und war bis zur Jaguar-Sichtung auch eher zwiegespalten. Wenn ich jetzt aber meine Fotos ansehe fällt mir auf, wie viele Vögel und kleinere Tiere ich dort gesehen habe. :)

Beate

Lustigerweise hatte ich damals gedacht, dass das Pantanal eher weniger hergegeben hat und war bis zur Jaguar-Sichtung auch eher zwiegespalten. Wenn ich jetzt aber meine Fotos ansehe fällt mir auf, wie viele Vögel und kleinere Tiere ich dort gesehen habe. :)

Mir ging es ähnlich. Ich war eigentlich auf der ganzen Reise ziemlich enttäuscht über die "wenigen" Tiersichtungen. Wahrscheinlich habe ich das unbewusst mit der Serengeti verglichen, weil es ja auch immer hies, das Pantanal ist die Serengeti Südamerikas.
Aber als ich dann daheim die Fotos sichtete und sortierte war ich auch total überrascht, wie viele Tiere wir gesehen haben. Und je öfter ich die Fotos anschaue, desto mehr denke ich, dass ich dort nochmal hin möchte. (wenn Corona Vergangenheit ist).


dirtsA

Lustig, auch ich als Leser empfand es als recht viele Tiere, die ihr gesehen habt! :) Und was für ein Glück mit dem Jaguar!! Ich finde die Fotos gar nicht so schlecht, also sooo arg versteckt hat er sich doch gar nicht. Da standen wir im Kruger NP damals mehr durchs Gestrüpp ein paar Leopardenflecken suchen ;D

Übrigens muss ich auch meine Aussage revidieren, dass ich in Rurrenabaque in Bolivien das Gleiche gesehen hätte (das war ja meine Vermutung). Teils ist es natürlich ähnlich, z.B. Kaimana, Capibaras etc. Aber v.a. die bunte Vogel-Vielfalt hatten wir dort z.B. nicht! Wobei ich aber bleibe ist, dass ich wohl nicht deshalb wieder nach Brasilien würde, solange sich die Lage dort nicht um einiges verbessert (Sicherheit, nicht Corona). Da würde ich denke ich lieber mal nach Costa Rica und dort auf "Vogeljagd" gehen ;)

Nachtrag: Bei den Brücken hätte ich auch Angstzustände bekommen! ;D ;D

Beate

Hei Astrid,

klar, auch ich werde Brasilien erst wieder in meine Reisepläne einbeziehen, wenn sich dort die Corona-Situation erledigt hat. Also ich rechne mal nicht vor 2022.
In Bezug auf Kriminalität hatten wir wirklich keine Probleme. Diese existiert ja auch vor allem in Rio und Sao Paulo. Auf dem Land sind die Menschen genauso freundlich und hilfsbereit wie überall auf der Welt. Aber wir hatten selbst in Rio keine Probleme (kommt alles noch im RB).
Dagegen wird ja in diversen Foren in letzter Zeit sehr viel vor Costa Rica gewarnt, was ich so schade finde, denn wir haben dieses Land auch als wunderschön und freundlich in Erinnerung. Wir waren zweimal dort: 1992 und 2004. Das erste mal war dieses Land in Deutschland noch völlig unbekannt und wir sind wirklich ins Abenteuer gefahren. Das zweite mal fanden wir ein total verändertes Land vor: Tourismus überall, dementsprechend auch einige negative Aspekte. Schon allein deshalb würde ich gerne nochmal dorthin, um einen Vergleich zu haben.

Bzgl. der Brücken: also damit hatte ich wirklich Probleme, und wir sind ja Einiges gewohnt. Aber wenn man über eine Brücke Millimeter-Arbeit leisten muss, um nicht in einem solchen Loch zu versinken, das ist dann schon nervig. Und der Höhepunkt war dann immer, wenn die Tourveranstalter wie die Blöden über diese Brücken gefahren sind. Ich möchte nicht wissen, wie viele Unfälle dabei passieren. Aber davon hört man natürlich nichts.

Beate

Jef Costello

@Astrid: Ich fand es bis auf die Vogel-Vielfalt sehr ähnlich, wobei die Vögel ja einer der Hauptgründe für einen Pantanal-Besuch sind.  ;) Im Gegensatz zu Beate habe ich z.B. keine Riesenotter, Ameisenbäre oder Tapire gesehen. Ocelot auch nicht, die Gruppe vor mir aber schon. Da im Süden war auch sehr viel Weideland. Ich habe aber oft gehört, dass man im Norden viel leichter Tiere sieht. Also ich kann dir nur sagen, dass ich am letzten Tag vor der Jaguar-Sichtung schon sehr gelangweilt war, weil ich jetzt kein überragend langes Telephoto-Objektiv dabei hatte und die meisten Vögel gefühlt Eisvögel, Reiher, kleine Falken und Papageie sind. Aber der Moment als ich dann den Jaguar gesehen habe war einfach unbeschreiblich, ich konnte mich vor Freude kaum halten. :D

Aber man kann eine schöne Woche im südlichen Pantanal und Bonito verbringen. Wenn du speziell hinfliegst würde ich aber das extra Geld in die Hand nehmen und eine Jaguar-Safari im nördlichen Mato Grosso buchen.

Mato Grosso ist sehr sicher eigentlich für Brasilien, sowohl Süden als auch Norden. Die Kriminalitätsraten gehen dort seit Jahrzehnten langsam zurück.

Beate wart ihr eigentlich in Nobres? Ich habe gelesen, dass es dort auch sehr schön sein soll.

Beate

weil ich jetzt kein überragend langes Telephoto-Objektiv dabei hatte

Hahaha, da muss ich jetzt lachen. Weisst Du, mit was wir fotografiert haben?
Mit einer kleine Hosentaschen-Digicam (Canon SX 620 HS).


Beate wart ihr eigentlich in Nobres? Ich habe gelesen, dass es dort auch sehr schön sein soll.

Ja, waren wir, gleich nach dem Pantanal. Kommt noch im RB.

Beate




Beate

Nachdem wir also jetzt am Ende der Transpantaneira sind, müssen wir ja wieder zurück. Wir haben nur ein Problem: durch den Ausfall unserer Buchung bei der Puma Lodge ist ja unser gesamter Reiseplan durcheinander geraten. Und wir waren schon froh, dass wir diese beiden Tage in Porte Joffre vorziehen konnten, aber alle anderen Hotelbuchungen können wir nicht ändern. Also müssen wir zwei Nächte irgendwie überbrücken.
In Porto Joffre wollen wir nicht bleiben, denn es ist nicht nur sehr teuer, man kann auch fast nichts unternehmen.
Nachdem es hier auf der südlichen Transpantaneira keine weiteren Unterkünfte gibt, entscheiden wir, wieder zurück zu fahren zur Pousada Rio Claro.

Die Fahrt zurück verläuft sehr gut, die Strasse ist unterdessen abgetrocknet, die Brücken kennen wir ja und fahren so oft wie möglich lieber aussenrum durchs trockene Flussbett. Viele Tiere sehen wir nicht, nur einen Rhea (ein kleiner Verwandter des Nandu:




Wir kommen mittags in Rio Caro an und werden gleich wie alte Bekannte empfangen. Nachdem wir unser Zimmer bezogen haben machen wir gleich wieder die angebotene Bootstour. Diesesmal sind amerikanische Bird Watcher an Bord und wir amüsieren uns köstlich: sie wissen wirklich von jedem noch so kleinen Vogel den Namen, streiten auch mal ob es die eine oder andere Unterart ist, und zeigen mir bei jedem Vogel das dazugehörige Bild auf ihrem I-Pad.

Aber wir sehen auch einen Kingfisher, der gerade einen Fisch gefangen hat:




In der Pousada sind wieder viele der seltenen Hyazinth-Aras, und sie sind gar nicht scheu:




Kurz bevor wir zum Diner gehen wollen, wirds nochmal aufregend: wir sehen auf einmal an der Zimmerdecke lauter sehr kleine schwarze Punkte, die sehr schnell mehr werden. Nach genauerem Hinsehen stellen wir fest, das sind sehr kleine Ameisen, eine ganze Invasion!!
Also holen wir unser Insektenspray heraus und sprühen. Aber das war absolut keine gute Idee. Denn nun fallen die toten Ameisen von der Decke und dafür ist das Bett schwarz gesprenkelt.

Es bleibt nichts anderes übrig, wir gehen zur Rezeption, wo wir sofort ein anderes Zimmer bekommen. Diesesmal ist es ein sehr grosses Familienzimmer. Glück gehabt.
Nach dem Abendessen geniessen wir noch den Abend auf der Terrasse in der Hängematte:




Als wir am nächsten Tag aufwachen regnet es. Ja, es war schon seit Tagen vorausgesagt, dass es heute den ganzen Tag regnen soll. Und wir hatten uns schon Gedanken gemacht, da nach unserem vorigen Plan genau heute die Bootsfahrt mit Jaguar-Sichtung auf dem Programm gestanden hätte. Somit hatten wir mit der ausgefallenen Buchung hinterher betrachtet noch viel Glück. Denn jetzt haben wir auch das schlechteste Stück der Transpantaneira hinter uns und sitzen in einer gemütlichen Pousada in einem schönen Zimmer bei guter Internet-Verbindung. So lässt sich auch ein 24-Stunden-Dauerregen einigermassen gut überbrücken.
Wir können zuschauen, wie aus der Parkanlage in der Pousada innerhalb kürzester Zeit eine Seenlandschaft wird:




und können uns vorstellen, wie es zur richtigen Regenzeit hier aussehen wird.

Nach diesem faulen Tag können wir nur hoffen, dass es morgen wieder besser wird.

Beate

karoshi

Hahaha, da muss ich jetzt lachen. Weisst Du, mit was wir fotografiert haben?
Mit einer kleine Hosentaschen-Digicam (Canon SX 620 HS).
Die hat doch einen optischen 25x Zoom. Das würde ich durchaus als langes Tele durchgehen lassen (25-625mm).

Beate

Stimmt natürlich, der Zoom ist absolut gut, besser als jeder Zoom bei einer Spiegelreflex. Und diese kleine Kamera macht auch wirklich sehr gute Fotos.
Ich hatte den Kommentar vom "überragend langen Tele-Objektiv" eigentlich auf diese brutal schweren und langen Wechsel-Objektive für Spiegelreflex-Kameras bezogen, die von so manchen Touristen wie "Waffen" mitgeführt werden.




Beate

Wir müssen wieder mal früh aufstehen: unsere heutige schon obligatorische Bootsfahrt beginnt schon um 8.00 h. Dafür werden wir aber wiedermal mit der Beobachtung von Riesen-Otter belohnt:






Und dieser Kormoran hat gerade einen Fang gemacht:




Einen solchen Reiher haben wir auch noch nie gesehen:




Ein Specht sucht in der Wiese:




Nach dem Mittagessen müssen wir wieder mal weiterfahren. Allerdings haben wir heute nur 20 km vor uns: wieder etwas nach Süden bis zum Pixim River. Und dort, ziemlich genau auf der Hälfte der Transpantaneira, ist am Fluss das Hotel Mato Grosso:




Dort geniessen wir am Nachmittag erst mal den schönen Pool:




Erst am späten Nachmittag schauen wir uns etwas auf dem Gelände um und entdecken gleich einen Anhinga, der sich sonnt:




Und diese kleine Eule verschläft die heisse Zeit im Baum:




Beate


Beate

Die nächsten drei Nächte sind wir in diesem Hotel. Es gibt die üblichen Aktivitäten: Bootstour, Game-Drive. Diesen machen wir aber lieber alleine mit dem Mietwagen. Wir fahren z.B. auch mal bis zum Eingang der Nachbar-Pousada, Fazenda Tereza. Auf dieser sehr schlechten Zufahrtsstrasse sehen wir dieses Tier hier. Erst viel später erfahren wir, dass es ein "schwarz-weisser Teju" ist, das ist eine sehr grosse Eidechse.




Wir machen auch eine kleine Wanderung über das Gelände:








Aber am besten ist es doch, einfach am Ufer zwischen den Vögeln zu sitzen, den Riesen-Ottern zuzuschauen, und zu geniessen:




So kann ich auch schön beobachten, wie über die nahe Brücke eine riesengrosse Rinder-Herde getrieben wird:




Kurz drauf kommen die Treiber/Gauchos schon wieder zurück:




Das war das Bufett zum Dinner:






Und abends kommen die Capibaras auf den Parkplatz:





Beate

Hier noch ein paar Schnappschüsse von unseren Bootstouren:












Ein Agouti, schwer zu sehen im Unterholz. Leider weiss ich keine deutsche oder englische Übersetzung. Das Tier ist ungefähr so gross wie ein grosser Hase:




Ist das jetzt auch ein Waran? Der Bootsführer nannte es "Leigato" oder so ähnlich:




Ja, und abends hatten wir wiedermal Besuch im Bad:




Noch einmal ein Blick auf das Hotel:




Beate



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