Thema: Wohnmobil-Neuwagen-Überführung in Zeiten von Corona  (Gelesen 3278 mal)

Beate

Schon im letzten Sommer hatten wir unseren diesjährigen Urlaub geplant und gebucht: eine Wohnmobil-Neuwagen-Überführung vom Hersteller in Middlebury, IN zum Vermieter in Las Vegas, wofür wir uns 5 Wochen Zeit gegeben haben.
Der Abflug nach Chicago soll am 8. März stattfinden. Und jetzt sitzen wir schon seit Tagen auf heissen Kohlen und hoffen, dass unser Flug noch durchgeführt wird und wir die Reise antreten können. Unsere Überlegung ist, wenn wir einmal in den USA sind, wird schon alles klar gehen.

Wir haben Glück und fliegen am 8. März planmässig mit Lufthansa nach Chicago, wo wir im letzten Tageslicht landen.




Dort gehts dann gleich in das gebuchte Airport-Hotel für 2 Nächte. Am nächsten Tag ist Stadtbesichtigung in Chicago angesagt. Ich bin nicht der Stadtmensch und das Wetter trägt auch nicht gerade dazu bei, den Tag zu geniessen. Es ist kalt, windig, regnerisch. So laufen wir nur kurz mal durch die Fussgängerzone, gehen Mittagessen und fahren dann schnell zurück in unser Hotel.




Beate

Beate

« Antwort #1 am: 07. April 2020, 21:00 »
Was kann ich denn machen, damit die Bilder gleich über die volle Breite erscheinen? Bis jetzt muss man nochmal drauf klicken, was ich umständlich finde?

karoshi

« Antwort #2 am: 08. April 2020, 10:56 »
Da kannst Du leider gar nichts machen, die Forum-Software zeigt zuerst immer nur ein Vorschau-Bild an.

Beate

« Antwort #3 am: 08. April 2020, 20:41 »
Danke  ;D
Da weiss ich wenigstens, dass ich nicht zu blöd bin. lol

Beate

Beate

« Antwort #4 am: 08. April 2020, 20:45 »
10.3.:
Heute ist frühes Aufstehen angesagt. Bereits um 7.00 h starten 2 Busse voller erwartungsfroher Touristen aus Deutschland und Holland zur Wohnmobil-Fabrik in Middlebury, In. Die fast 3-stündige, langweilige Fahrt geht fast direkt nach Osten, quer durch Greater Chicago und die weiteren Städte im Norden. Letztendlich ist, ausser dem wahnsinnig dichten Verkehr, nichts zu sehen.

Kurz vor 11.00 h (wir verlieren eine Stunde, da Chicago in der Zeitzone "Central Time" liegt und Middlebury in "Eastern Time") erreichen wir das Werk. Hier stehen die Wohnmobile schön aufgereiht und warten auf uns:




Nachdem wir schon so oft mit Wohnmobil unterwegs waren, brauchen wir keine Einweisung mehr. Daher geht die Übernahme sehr schnell, es muss nur der Papierkram erledigt werden. So sind wir bereits um 11.30 h auf dem Weg. Wir fahren direkt nach Süden, allerdings nicht über die Interstate, sondern über kleinere Landstrassen, durch kleinere Städte. Das finden wir viel interessanter. In Huntington erledigen wir unseren ersten Grosseinkauf. Dort gibts sogar einen "richtigen" Aldi, mit einem Sortiment vergleichbar dem deutschen.
Um 17.00 h sind wir dann am geplanten Campingplatz am Salamoni Lake. Hier ist noch alles geschlossen (Toiletten, Duschen, etc), aber wir können reinfahren und dann kostenlos dort übernachten.




Nachdem das Wetter den ganzen Tag, und auch jetzt abends noch sehr schlecht ist, können wir auch nicht mehr draussen sitzen. Das hat aber den Vorteil, dass wir in aller Ruhe unsere Koffer auspacken und das Wohnmobil einräumen können. Wir haben uns unterwegs ein Grillhähnchen gekauft, dass wir jetzt in der Mikrowelle aufwärmen und im Womo verspeisen.
Und so sieht es im Inneren unseres Heimes für die nächsten Wochen aus:





(Hinten im Eck ist das Schlafzimmer, rechts davon die Tür zum Bad)


Beate



Beate

« Antwort #5 am: 09. April 2020, 12:05 »
11.3.
Draussen ist es neblig und kalt, nur 3 Grad. Also fahren wir recht schnell weiter, wieder auf dem direkten Weg nach Süden. Nur Indianapolis umfahren wir weiträumig auf dem Hwy. 9, da ich nicht gerne im dichten Verkehr fahre.
Kurz vor unserem heutigen Campingplatz machen wir noch einen kleinen Umweg zur Medora Covered Bridge. Das ist die längste Covered Bridge in USA: 135 Meter. Sie ist für den Autoverkehr gesperrt, aber man kann drüber laufen.






So sind wir auch heute wieder sehr frühzeitig auf unserem Stellplatz am Starve Hollow Lake. Dort laufen wir noch eine kurze Runde übere den Campingplatz. Wanderungen sind ja momentan für mich nicht möglich: mit einer gebrochenen Schulter und dem Arm in der Schiene läuft es sich nicht so gut!
Gegen Abend kommt doch tatsächlich noch ein bischen die Sonne durch, sodass wir bis 20.00 h draussen sitzen können.






Beate

Beate

« Antwort #6 am: 09. April 2020, 20:13 »
12.3.
Auch heute früh ist es wieder ekelhaft kalt und neblig. Um 9.00 h hören wir in den News, dass Trump eine Einreisesperre für alle Nicht-Amerikaner verfügt hat. Was sind wir froh, dass wir die Einreise gerade noch geschafft haben.
Wir fahren wieder direkt südlich. In Salem, IN, kommen wir am schönen Courthouse vorbei:




Bis zur Brücke über den Ohio-River ist es neblig und trüb. Kaum sind wir über den Fluss, kommt doch tatsächlich die Sonne durch.

Da wir heute wieder eine Stunde "gewinnen", sind wir nach Ortszeit schon um 13.00 h am Campingplatz im Mammoth Cave Nationalpark. Wir wollen die Höhlen besichtigen, leider ist nur noch eine Tour, die Gotic-Tour, möglich. Die buchen wir sofort. Die Höhle ist zwar riesig, allerdings hätten wir uns diese 15 $ pP wirklich sparen können. Viel zu sehen gibts nicht: man läuft ca. 3 Meilen durch die schlecht beleuchtete Höhle (hin und zurück auf demselben Weg) und sieht nur ein paar wenige Tropfsteinformationen.






Da war im Herbst die Besichtigung der Carlsbad Caverns wesentlich interessanter.

Als wir nach 2 Stunden wieder aus der Höhle kommen, regnet es in Strömen. Am Campingplatz erzählt uns die Camp_Host(in), dass es eine Tornado-Watch gibt. Das ist eine Vorwarnung. Wenn wir Angst hätten, sollten wir im Ernstfall in die Duschhäuser gehen, die wären gemauert. Wir schauen uns das an, stellen aber fest, dass die Mauer nur ca. 1.50 m hoch ist, alles darüber, auch die Dächer, sind Holz. Das wäre für uns zu wenig Schutz.

Wir sind noch am überlegen, als die Hostin wieder vorbeikommt. Jetzt gibt es eine Tornado-Warnung, d.h. jetzt wird es Zeit, wirklich Schutz zu suchen. Sie schlägt vor, dass wir zur Lodge fahren und dort in der Lobby abwarten. Das machen wir auch ganz schnell. Dort in der Lodge treffen sich inzwischen alle Camper und die meisten der Hotelgäste aus den Cabins. Es stehen ein paar Stühle rum und der Fernseher läuft. Es gibt ein Notprogramm, auf dem der genaue Verlauf des Tornados gezeigt wird und immer wieder überlegt wird, welchen Weg er wohl einschlagen wird. Niemand kann das so genau vorhersagen, also bleibt nur mal abwarten:




Wir befinden uns ziemlich genau am rechten Rand des roten Feldes, also "mitten drin". Leider können wir nicht alles richtig nachvollziehen, da wir natürlich nicht wissen, wo die genannten Counties (Landkreise) sind. Wir würden gerne die Zeit für ein Abendessen nutzen, aber das Restaurant und auch der Shop der Lodge sind geschlossen. Also bleibt nur zu sitzen, zu warten und zu hoffen.

Nach 2 Stunden scheint wohl die grösste Gefahr gebannt, denn die Gäste aus den Cabins verlassen nach und nach die Lobby. Nach 3 Stunden sind wir die letzten, die es wagen zu gehen. Draussen tobt das Wetter: es stürmt und hagelt, dass wir Angst um unser Wohnmobil haben und es blitzt und donnert ohne Pause. Ein solches Gewitter habe ich noch nie erlebt: es hört und sieht sich an wie ein Feuerwerk in den letzten Minuten, wenn alle Raketen fast gleichzeitig gezündet werden. Und dieses Wetter geht noch ca. 1 Stunde so weiter.

Am nächsten Morgen erfahren wir, dass der Tornado gerade mal 5 Meilen nördlich von uns vorbeigezogen ist. Zum Glück hat er keine grossen Schäden verursacht, da er über unbewohntes Land ging.


Inzwischen ist es so spät, dass wir als Abendessen nur noch eine tiefgekühlte Chimichanga in die Mikrowelle werfen und dann gleich im Bett verschwinden.


Beate


PS. Wenn Ihr Euch vielleicht wundert, weshalb es so wenige Bilder gibt: Bisher gab es nicht viel zum fotografieren. Das Wetter war meistens schlecht und die Landschaft auch nicht gerade atemberauschend. Aber das wird im Laufe des Trips schon noch besser.

Jef Costello

« Antwort #7 am: 09. April 2020, 21:13 »
Sag mal Beate, wie viel Tag schätzt du benötigt man pro Tag in den USA, wenn man hauptsächlich campt?

Beate

« Antwort #8 am: 09. April 2020, 21:15 »
Du meinst wahrscheinlich, wieviel Dollar??? oder??

reisefieber2019

« Antwort #9 am: 10. April 2020, 03:27 »
Hi
Kannst mir das mal mit der Überführung erklären ?! Du schreibst gebucht ..... und 2 Bus Ladungen Menschen die Fahrzeuge Uberfuhrt haben.
Das klingt alles sehr gewerblich und kostenintensiv. Ich meine es klingt nicht nach fahr mir die Kiste mal nach LA fur umsonst.
Was kostet das ? Und wie lauft das?
Was verbraucht so ein Riesen Auto ?30 Liter.

Beate

« Antwort #10 am: 10. April 2020, 10:23 »
Hi
Kannst mir das mal mit der Überführung erklären ?!

OK, ich versuchs mal.

Es gibt jedes Jahr Sonderangebote für solche Überführungen. Bei den Womo-Vermietern laufen die Autos ja nur ca. 2, höchstens 3 Jahre. ( Nur einer, CA, fährt seine Womos länger!). Nach dieser Laufzeit werden die Womos an Privat verkauft. Also müssen neue Womos her. Die werden fast alle im Norden Indianas gefertigt, müssen aber zu den Vermietstationen überall in den USA. Dafür müssten die Womo-Vermieter ja Leute einstellen, und das ist teuer. Also sind sie auf die Idee gekommen, diese Fahrten günstig anzubieten. Damit haben sie zumindest keinen Verlust und einige Kunden bekommen günstig eine Womo-Tour. Ich finde, das ist eine win-win-Situation.

Normalerweise kostet ein solches Womo, je nach Grösse und Saison, ca. 150 oder auch mehr Euro am Tag. Bei einer solchen Überführung zahlt man ca. 30-40 Euro/Tag. Man kann frei wählen, wie lange man das Womo braucht und an welcher Vermietstation man es zurückgeben will. Nur muss man halt vorher buchen (meistens schon 1/2 Jahr im voraus). Dass auf solchen Touren die Einweg-Miete entfällt, ist ja klar.

Die Kunden reisen individuell an, können also in Chicago bleiben so lange sie wollen. Dann geht innerhalb 3 Wochen jeden Tag ein oder zwei Busse ab Chicago zum Womo-Hersteller. Dort werden die Wohnmobile ausgegeben, ganz normal wie bei jeder Womo-Übernahme, mit Einweisung, Papierkram, etc. Und dann fährt jeder Kunde mit seinem Wohnmobil die von ihm gewünschte Route und Geschwindigkeit. Wir haben 5 Minuten nach der Abfahrt kein einziges Womo aus der Übernahme mehr gesehen. Erst kurz vor der Rückgabe trafen wir auf einem Campingplatz 2 andere Reisende, die ein paar Tage nach uns übernommen hatten. Also es ist keine "Gruppenreise".

Allerdings muss ich sagen, dass solche Überführungstouren nichts für Womo-Anfänger sind: Es sind ja fabrikneue Womos und da kann schon mal die eine oder andere Kleinigkeit nicht so richtig funktionieren. Da muss man sich zu helfen wissen. Und dann sind diese Angebote immer total ausserhalb der Saison. Wir hatten z.B. bei der Abfahrt in Middlebury noch Minus-Temperaturen. Das ist also nichts für "Urlauber".

Beim Benzinverbrauch kann man über den Daumen rechnen: Länge in ft. = Liter/100 km. Also unser Womo, ein ziemlich Kleines, hatte 25 ft, d.h. ca. 25 Liter/100 km. Der Verbrauch differiert aber sehr stark je nach Fahrweise. Wir sind "Trödler" und brauchen ca. 21-22 l, wer des Womo jagt, der hört richtig, wie das Benzin durchläuft und braucht dann leicht auch mal 28 l oder mehr. Aber Benzin ist ja in USA ziemlich billig.

In Kanada gibts solche Überführungsfahrten auch, um im Frühling die Womos von der Zentrale in Vancouver zu den Vermietstationen überall in Kanada zu fahren. und im späten Herbst, von diesen Ausstenstellen wieder zurück nach Vancouver. So sind wir schon sehr günstig von Vancouver nach Halifax gefahren, auch nach Whitehorse. Und von Whitehorse und Yellowknife zurück nach Vancouver.


Beate




GschamsterDiener

« Antwort #11 am: 10. April 2020, 12:48 »
Vielen Dank für die Info! Wieder was gelernt..

Knud65

« Antwort #12 am: 10. April 2020, 14:23 »
So, bzw. ähnlich habe ich mich in Australien und zum Teil durch Neuseeland fortbewegt. Allerdings für Mietwagenfirmen und der Abfahrts-/Ankunftsort und der Zeitrahmen wird vorgegeben. Dafür ist es kostenlos. Hier wurden minicamper und Autos angeboten.

Es wurde nur die Standardversicherung inkludiert, so dass man je nach Wunsch hinzubuchen musste. Auch ein Mindestalter musste man haben (21 oder 27).

Beate

« Antwort #13 am: 10. April 2020, 20:18 »
Hallo Knud, das würde mich auch mal reizen. Das Mindestalter hätten wir ja  ;D ;D ;D
Und die Zusatzversicherungen laufen über die Kreditkarte. Wenn nur Australien nicht so weit weg wäre!!!!

Beate

Beate

« Antwort #14 am: 10. April 2020, 20:24 »
Heute morgen ist von dem ganzen Unwetter nichts mehr zu sehen. Die Bäume stehen alle noch und die Wasserpfützen sind vertrocknet. Die Sonne scheint und es ist 10 Grad.

Als wir unser Wohnmobil übernahmen, war dort im Norden ja noch Winter mit Nachfrost. Deshalb konnten wir das Womo nur "winterized" übernehmen. D.h.: es war kein Wasser in Womo, weder für Dusche, Spüle oder WC, denn es hätten bei Minustemperaturen die Leitungen platzen können. Jetzt sind wir aber so weit im Süden, dass keine Nachtfröste mehr zu erwarten sind, deshalb wird jetzt das Womo "de-winterized". Das ist eine Menge Arbeit:
Da es die erste Füllung eines Neuwagens ist, muss der Frischwasser-Tank (150 l) erst mal gespült werden. Also mindestens einmal füllen und dann wieder ablassen. Was natürlich über 2 Wasserhähne im Womo und die Toilettenspülung nicht so schnell geht. Danach nochmal auffüllen. Die zweite Spülung sparen wir uns, da wir sowieso nie das Wasser aus diesem Tank trinken.
Aber jetzt können wir wenigstens das Womo voll nuetzen.
Wir schauen uns noch kurz den Nationalpark an. Hier blühen schon viele Wiesen:




Dann gehts wieder auf Tour, wieder nach Süden mit Ziel Nashville. Dort übernachten wir stadtnah am Two Rivers RV-Park. Wir haben Glück und die beiden Stellplätze neben uns bleiben frei, so haben wir etwas mehr "Luft".




Dieser "Kerl" bewacht die Rezeption:




Wir warten eine volle Stunde auf den bestellten Shuttle in die Stadt, aber jeder Bus fährt vorbei. Deshalb bekommen wir unser für den Shuttle bezahltes Geld zurück und kommen dann mit Verspätung doch noch los. Im Stadtzentrum von Nashville ist der Teufel los, ok, es ist ja Freitag abend. Aus jedem Haus tönt die Musik, oft im Erdgeschoss eine andere Band als im 1. Stock, aber jede Band versucht lauter zu spielen als die anderen. Es ist ein fürchterlicher Lärm. Und auch auf der Strasse wird wild gefeiert:










Wir trinken das eine oder andere Bierchen, essen gemütlich zum Abend und fahren dann mit dem Shuttle wieder zurück zum Campingplatz.



(Jaja, Plastik-Sparen ist nach wie vor ein Fremdwort in USA!)


Beate


PS: Wir haben hinterher erfahren, dass schon 2 Tage später alles geschlossen war und die Stadt, wie jede andere auch, "tot" war.


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