Freitag, 15.08.2025
Der Sonnenaufgang über der Bucht weckt mich - perfektes Wetter heute.
Eigentlich nennt man die Färöer ja, the islands of maybe - weil das Wetter extrem unbeständig ist. Ich habe aber offenbar Glück. Das kleine Städtchen Tórshavn ist heute auch erstaunlich international. Man hört Englisch, Portugiesisch, Schwizerdütsch... Zwei Kreuzfahrtschiffe liegen vor Anker. Da habe ich Glück noch ein Plätzchen im Café zu bekommen, denn Frühstück gibts im Airbnb leider nicht.

Die Färöer sind teuer, da verzichte ich darauf, über die komplette Zeit ein Auto zu haben.
Um aber trotzdem ein bisschen rum zu kommen, gönne ich mir ein Fahrrad. Und damit ich auch über die Berge komme, ist es elektrisch.
Weit fahre ich erstmal nicht. Gleich um die Ecke ist der alte Friedhof von Tórshavn. Mir sind die ganzen Hansen und Johansen unbekannt, aber die Gräber sind zum Großteil noch aus dem 19. und frühen 20. Jh.
Ansonsten ist die Hauptstadt der Färöer herzallerliebst und mit ihren 14.000 Einwohnern auch recht überschaubar.
Ich bin ganz dankbar über die motorisierte Unterstützung, denn ich steigere mich. Waren die Orkneys noch relativ flach und die Shetlands hügelig, sind die Färöer jetzt eine ganz andere Hausnummer. Sie besitzen mit dem Kap Enniberg gar das höchste lotrechte aus dem Meer ragende Kliff der Welt (754m). Da werde ich allerdings nicht vorbeikommen.

Das nette Tier ist ein Färöerpony. Von denen gibt es keine 100 Exemplare mehr.
Eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Färöer (zumindest abseits der Landschaft) ist Kirkjubøur. Einst war der kleine Ort geistiges und kulturellen Zentrum der Inselgruppe. Ab 1100 war es der Sitz des Bistums der Färöer, kurzzeitig gar dem Erzbistum Hamburg-Bremen unterstellt.
Sverri Sigurdsson, der bedeutendste norwegische König des Mittelalters stammt aus Kirkjubøur. Aber keine Sorge, ich musste auch nachlesen, wer das überhaupt ist.
Was ich nicht nachlesen muss ist, wer Magnus war, nach dem die hiesige Kathedrale benannt ist - nämlich genau der gleiche wie in Kirkwall.
Für eine Kathedrale ist der Bau ziemlich klein, aber das ist natürlich der Einwohnerzahl der Inseln geschuldet. Mittlerweile ist die Kirche eine Ruine - mache sagen, sie sei nie fertig gestellt worden.
Gleich daneben befindet sich die Sankt-Olaf-Kirche aus dem Jahr 1250. Die ist die älteste Kirche der Färöer. Ihr ehemaliges Innenleben schaue ich mir heute Nachmittag im Museum näher an.
Was ich mir jetzt gleich ansehe, ist der Königsbauernhof. Der stammt aus dem 11. Jh. und ist damit das älteste noch bewohnte Holzhaus Europas. Neben dem bewohnten Teil ist auch ein weiterer als Museum zurecht gemacht. Ich sehe die Roykstova, die Rauchstube, den zentralen Raum, in dem sich quasi das kulturelle Leben des Hofes abgespielt hat, sowie die Loftstovan (Dachstube), das Büro der färöischen Bischöfe, in dem u.a. am 24.06.1298 der Schafsbrief verfasst wurde, das älteste erhaltene Dokument der Färöer.
Der Hof ist seit 17 Generationen in Besitz der Familie Patursson, die seit 1550 den königlichen Pachtbrief besitzt.
Gleich hinterm Hof befindet sich eine Pferdekoppel mit eben jenem Tierchen von den vorhergehenden Bildern, von denen mir ein Anwohnern berichtet, dass es sich um Färöerponys handelt.

Eigentlich wollte ich noch zum Tyggjara Wasserfall - noch dazu über die Bergstraße. Ich entscheide mich auf halber Strecke um. Zum einen sehe ich ihn schon eine ganze Weile von der anderen Seite des Fjordes und zum anderen habe ich keine Lust auf zweieinhalb Kilometer Tunnel. Es gibt auch schon entlang meiner Strecke einige Wasserfälle.

Es ist eine spontane Entscheidung, doch schon heute ins Nationalmuseum zu gehen. Ursprünglich hatte ich dies für Sonntag auf dem Plan, aber das wäre eventuell zu knapp geworden.
Ich lerne viel über Geologie und Tierwelt der Färöer, über die Geschichte und Kultur. Ein Highlight ist jedoch das hier ausgestellte Kirchengestühl von Kirkjubøur, der größte nationale Kunstschatz der Färöer. Die Gestühlwangen stammen aus der Olafskirche und sind über 600 Jahre alt. Eventuell sollten sie ursprünglich sogar im Magnusdom installiert werden.


Auch in Hoyvik, dem Nachbarort Tórshavns, gab es einen Königsbauernhof. Der ist mittlerweile ein kleines Freilichtmuseum. Neben den unterschiedlichen Lagerhäusern für Fleisch, Kartoffeln u.ä., gibt es auch eine Schmiede und natürlich das Wohnhaus des Landvogts. Das ist erstaunlich geräumig und im Vergleich zum Croft House auf den Shetlands regelrecht luxuriös.

Die Färöer gehören ja eigentlich zu Dänemark. Aber erst 1874 hat ein dänischer König die Inseln besucht - Christian IX. zu dessen Ehren 1882 diese Säule mit tollem Blick über die Stadt errichtet wurde. Der Besuch war nicht ganz unproblematisch. Während der Willkommensrede des Königs fiel der Bürgermeister von Tórshavn in Ohnmacht und verstarb.
Über der Stadt liegt ein unerwarteter Rosenduft. An zahlreichen Orten türmen sich Heckenrosenberge auf. Das hätte ich hier nicht erwartet.

Der Akku ist leer, passenderweise direkt in Tórshavn. Also geb ich das Rad wieder ab und ziehe wieder zu Fuß los. Auf den Tinganes hätte ich das Rad eh nicht mitnehmen können. Das ist die Halbinsel, die in den Hafen von Tórshavn ragt, der älteste Teil der Stadt, in dem seit ungefähr dem Jahr 900 der Thing stattfindet, also eines der ältesten noch existierenden Parlamente der Welt.
Die Gassen mit den roten und pechschwarzen Holzhäusern sind urig. Besonders die begrünten Dächer haben es mir angetan.

Nach den gestrigen Sandwiches darf ich heute mal wieder essen gehen - bei Katrina Christiansen. Aber oje, wo bin ich denn hier gelandet. Nur zwei Dinge auf der Speisekarte - ein großes Menü und ein kleines Menü... Ich hätte mich mal vorher informieren sollen. Naja, Augen zu und durch. Obwohl, nein! Augen auf. Denn es ist wirklich alles ein Fest für Augen und Gaumen.
Morgen werde ich wohl wieder auf Sandwiches ausweichen müssen.
- Garnelentoast
- in Soja marinierter Lachs auf Seegrassalat
- Lammkeule mit Linsen, Kartoffeln und Wurzelgemüse auf Paprikasauce
- Salat von Kohl, Birnen und Nüssen auf Frischkäse mit Senfvinaigrette
- Lemon Curd mit Crumble, Buttermilchmousse und Meringue
Jeder Gang begleitet von einem passenden Wein. Da muss ich aufpassen, auf dem Heimweg nicht im Hafenbecken zu landen.
