Zusammenfassung und Fazit zur Carretera Austral (Ruta 7)Die Carretera Austral (CA) wurde mir vor 12 Jahren von meinen chilenischen Freunden ans Herz gelegt: wild, abgelegen, wunderschön. Die CA verläuft von Puerto Montt bis Villa O’Higgins, ist ca. 1.200km lang und verbindet viele Nationalparks des chilenischen Patagoniens. In dieser Gegend wohnen in Summe 100.000 Menschen, die Hälfte davon in Coyhaique, der einzigen richtigen Stadt, die strategisch günstig in der Mitte der CA liegt.
Man kann die CA per Fahrrad, per Hitchhiking, mit viel Geduld mit Bussen und Fähren machen – oder natürlich mit dem Auto. Camper sind in Chile sehr teuer, Mietwägen gehen preislich (ca. 50 EUR) und man findet problemlos über Booking und vor allem AirBnB okaye Unterkünfte von Bano compartido (ca. 25 EUR) bis Cabana mit eigener Küche und Bad (ca. 50-60 EUR). Da Restaurants in dieser Ecke ziemlich teuer und schlecht sind (einfaches Mittagessen 15-20 EUR), die Lebensmittel dafür recht günstig, empfiehlt es sich immer etwas mit Küchenzugang zu buchen - do the math!
Wenn man Einwegmiete und Routenführung über Argentinien ausklammert, gibt es eigentlich nur 2 Varianten, wie man die CA angehen kann: Nord-Süd-Nord mit Start- und Endpunkt Puerto Montt oder Mitte-S/N-Mitte-N/S-Mitte mit Start- und Endpunkt Coyhaique. Wenn man etwas googlet, wird auch eine Variante von O’Higgins aus (S-N-S) erwähnt, aber ich frage mich, wie das gehen soll und wieso man sich das antun sollte. O’Higgins ist eine frontier town mit 2 Flügen pro Woche von Puerto Montt, wo Einheimische priorisiert werden. Mir wäre auch nicht klar, ob man sich dort überhaupt ein Auto mieten kann.
Nach etwas Überlegen entschied ich mich für die Variante von Coyhaique aus. Der Grund war, dass die Strecke von Puerto Montt aus ziemlich bald 3 teils längere Fährstrecken beinhaltet, und manche Fähren muss man in der Hochsaison im Voraus buchen. Ich entschied mich, diesen Abschnitt nicht zu machen und mir damit 6 Fährfahrten (= teuer, unflexibel, lange Wartezeiten) zu sparen. Damit konnte ich es in 15 Tagen teils gemütlich angehen und trotz wechselhaften Wetters unter Ausschöpfung von Backup-Tagen alles abklappern, was ich geplant habe.
Die grobe Route war wie folgt: Von Coyhaique in den Norden, Besuch von Pumalin NP und Queulat NP. Der Norden ist weniger spektakulär als der Süden, hat dafür zu 80% asphaltierte Straßen. Queulat ist ein hängender Gletscher mit einem Wasserfall und dadurch recht ikonisch, weswegen man seot Kurzem limitierte Tickets im Voraus buchen muss, was viele nicht wissen (ich habs mir dann erst auf dem Rückweg ansehen können). Im Pumalin NP kann man zum Chaiten Vulkan raufgehen und hat ein schönes Panorama. Sonst gibt es noch 2nd tier Wanderungen und es war einiges wegen Instandhaltung gesperrt, was mich interessiert hätte. Im Norden war ich 5 Nächte, aber es hätten 3-4 locker ausgereicht. Das Wetter war im Norden sehr gut; Sonnenschein bei 20-25 Grad, die Strecke ist immer grün, häufig aber nicht so spektakulär wie gedacht. Die Straßen sind zu 75% asphaltiert.
Im Süden war meine Strecke: Coyhaique - Cochrane (2N; von dort Patagonia NP) – Caleta Tortel (1N; auf Stelzen und Stegen gebautes Holzfällerdorf, das man erst seit 20 Jahren mit dem Auto erreichen kann) – O’Higgins (2N; Ende der Carretera Austral) – Puerto Rio Tranqilo (1N; Kayak zur Catedral de Marmol) – Chile Chico (2N; von dort Jeinimeni NP) – Fähre von Chile Chico (2h) nach Villa Cerro Castillo (2N; von dort Cerro Castillo NP) – Rückfahrt zum Flughafen Coyhaique, Rückgabe Auto ohne Vorkommnisse. Die Straßen im Süden sind ab Cerro Castillo zu 80% unpaved, allerdings kann man meistens trotzdem 60-80km/h fahren. Das Wetter im Süden war leider zum Teil ein Spielverderber, und wenn das Wetter in Patagonien nicht passt, macht es nicht mehr so viel Spaß.
Die Highlights:
1. Laguna Castillo: 1300m Aufstieg wird mit schönen Panoramen und dem Blick auf die spektakuläre Laguna belohnt – Prädikat Torres del Paine.
2. Patagonia NP: Habe den Lagunas Altas Trek (22km als Loop) dieses recht neuen NPs gemacht. Man sieht Guanakas und geht an mehreren Seen vorbei. Schöne Panoramen. Nichts hier ist top tier, das Wetter war halt perfekt an dem Tag, da macht die Beinarbeit auch mehr Freude.
3. Die Straßenqualität (vor allem im Norden). Die unbefestigte Ruta 7 wird immer weniger unbefestigt und es war immer wieder eine positive Überraschung, wenn es mal wieder ein weiteres unerwartetes asphaltiertes Stück Straße gab.
4. Caleta Tortel: mal etwas anderes und ein schöner Ausblick
5. Cochrane, Chile Chico – beide Kleinstädte waren tolle Logistikhubs (abseits von Coyhaique) mit guten und preiswerten Übernachtungen, starkem Internet, Supermärkten, Wäschereien und den nettesten Hosts im Süden (aber vielleicht hatte ich einfach Glück).
Die Lowlights:
1. Die Fähre, die man benötigt, um nach O’Higgins zu gelangen, ist gratis, braucht für die Strecke von 6km ca. 45 Minuten, fasst 12 Fahrzeuge und ist in der Hauptsaison komplett überlastet. Das bedeutet lange Wartezeiten: Hinfahrt 3 Stunden, Rückfahrt 5 Stunden. Sehr unerfreulich.
2. Kosten der NP und tourism pricing: Eintritt in die NP is normalerweise für Ausländer 12 EUR pro Tag, es gibt keine Wochen- oder Monatstickets. Das summiert sich entsprechend. Tiefpunkt war Cerro Castillo mit 20 EUR, dafür erzählen dir drei unterschiedliche Personen dann, dass es oben windig ist. Danke für die essenzielle Information. Tourism pricing gilt übrigens auch für die Fähren.
2. Vielleicht auch wetterbedingt: Catedral de Marmol. Die Fotos sehen geil aus, die Realität ist trist, wenn es regnet. Und es hat stark geregnet. Das alles für 2 Formationen und eine Höhle, durch die man durchkayaken kann...
3. Bootsausflüge: Ich habe keinen einzigen Bootsausflug zu irgendwelchen Gletschern gemacht, weil ich die 150 EUR pro Nase nicht eingesehen habe - alles, was Recht ist.
Fazit: Es war schon okay, aber für mich nicht essenziell – anders als zum Beispiel Torres del Paine. Es war mal wieder so ein Ausflug, nach dem ich mich fragte, warum man sich das antun sollte, wenn man so etwas Ähnliches mit viel weniger Aufwand und wahrscheinlich sogar besser in Skandinavien oder definitiv besser und deutlich günstiger in Neuseeland bekommt. Das habe ich meinen lieben Freunden in Santiago natürlich nicht gesagt.

Bei Fragen: gerne!