Thema: Brand in Rouen  (Gelesen 975 mal)

Yoss

« am: 30. September 2019, 09:53 »
Hallo zusammen,

ich habe für den 7. bis 18. Oktober einen Sprachkurs in Rouen gebucht. Nach dem verheerenden Brand in der Chemiefabrik Lubrizol am vergangenen Donnerstag bin ich nun etwas beunruhigt und weiß nicht recht, ob ich wirklich fahren soll. In den deutschen Medien wurde darüber nicht viel berichtet, aber die französischen sozialen Netzwerke sind voll von eindrücklichen Bildern und Schilderungen.

Da ist hochgiftiges Zeug in die Luft gegangen, und auch wenn die Wolke wohl Richtung Norden weitergezogen ist, weiß ich nicht, wie viel von den Giftstoffen da noch in der Luft ist. Da ich nicht die allerkräftigsten Atemwege habe und schon unter dem Feinstaub in München leide, möchte ich sie dem eigentlich nicht aussetzen. Nur finde ich es eben schwer, die feine Trennlinie zwischen Panikmache und reeller Gefahr zu finden.

Dass die Behörden die Gefahr herunterspielen, ist klar. Das war bei ähnlichen Katastrophen in der Vergangenheit nicht anders. Deswegen beruhigt mich das nicht wirklich. Andererseits kann man etwaige Langzeitfolgen so direkt vielleicht auch noch nicht einschätzen.

Was würdet ihr machen? Oder woran würdet ihr eure Entscheidung festmachen?

Ach so, und: Spontan umbuchen auf eine andere Stadt kann ich leider nicht. Die Optionen sind einfach nur: fahren oder nicht fahren (und in letzterem Fall wahrscheinlich ganz schön viel Geld in den Sand setzen).
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GschamsterDiener

« Antwort #1 am: 30. September 2019, 10:26 »
Fahr hin. Und wenn es dir dort nicht gut geht, kannst du ja spontan wieder weg fahren.
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Knud65

« Antwort #2 am: 30. September 2019, 13:40 »
Höre auf Dein Bauchgefühl und folge dem. Geld ist ersetzbar, Gesundheit leider nur schwer.
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Stecki

« Antwort #3 am: 30. September 2019, 13:43 »
Hast Du denn eine Reiseversicherung? Die müsste doch in solchen Fällen zahlen.
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Damaris

« Antwort #4 am: 01. Oktober 2019, 20:22 »
Frag bei dem Sprachkurs-Veranstalter vor Ort nach. Und höre auf Dein Bauchgefühl.
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Marla

« Antwort #5 am: 01. Oktober 2019, 20:42 »
Frag bei dem Sprachkurs-Veranstalter vor Ort nach.
Finde ich auch eine gute Idee. Vielleicht gibt es ja auch die Möglichkeit, den Aufenthalt nach hinten zu verschieben, oder kannst du deinen Urlaub nicht mehr verlegen?

Was das Thema Reiseversicherung angeht: Mir ist kein Produkt bekannt, was sowas abdeckt. Bei den gängigen (Reiserücktritt, Reiseabbruch) hängen die versicherten Ereignisse mit der versicherten Person und ihrem Umfeld zusammen, z.B. unerwartete(!) schwere(!) Krankheit, schwerer Unfall, Tod eines Angehörigen, Arbeitsplatzverlust etc., siehe die jeweiligen Versicherungsbedingungen.
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Yoss

« Antwort #6 am: 01. Oktober 2019, 21:02 »
Fahr hin. Und wenn es dir dort nicht gut geht, kannst du ja spontan wieder weg fahren.

Ich mache mir, glaube ich, eher Sorgen um etwaige Langzeitfolgen. Kann gut sein, dass man so direkt nichts merkt, aber die Rechnung Jahre später serviert bekommt. Es ist z.B. unklar, ob Asbest verbrannt wurde.

Hast Du denn eine Reiseversicherung? Die müsste doch in solchen Fällen zahlen.

Tatsächlich habe ich keine Reiseversicherung. Es wäre die erste Reise in meinem Leben, die ich storniere. Wobei - @Marla - ich gedacht hätte, dass sie in solchen Fällen vielleicht doch greift, da "höhere Gewalt". Aber ich kenne mich damit überhaupt nicht aus.

Frag bei dem Sprachkurs-Veranstalter vor Ort nach. Und höre auf Dein Bauchgefühl.

Ich habe sowohl bei der Sprachschule als auch bei meinem Vermieter nachgefragt, die beide gemeint haben, es hätte sich alles schon wieder sehr beruhigt und es bestünde keine Gefahr. Die Schule sagt, dass keiner der Schüler den Aufenthalt abgebrochen oder storniert hätte. Insofern wäre sie sicherlich auch nicht kulant, was eine etwaige Rückerstattung anginge. Außerdem habe ich noch eine in Rouen lebende Bekannte einer Bekannten gefragt (sozusagen unabhängig, da sie kein Geld von mir bekommt  ;D), die meinte, es würde immer noch ein beißender Geruch in der Luft liegen, aber canceln würde sie nicht.

Vielleicht gibt es ja auch die Möglichkeit, den Aufenthalt nach hinten zu verschieben, oder kannst du deinen Urlaub nicht mehr verlegen?

Schwerlich. Das ist mein Bildungsurlaub, den ich mit meinem Arbeitgeber so abgeklärt habe und der sich dieses Jahr sonst nicht mehr ausgehen würde. Das müsste ich dann einfach nächstes Jahr alles komplett neu anleiern.

Ich tendiere inzwischen eher zu fahren, verfolge aber noch bis zum Schluss alle Nachrichten. Morgen werden die Behörden neue Luftanalysen veröffentlichen. Mal sehen. Die Vorfreude ist auf jeden Fall dahin.  :(
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Marla

« Antwort #7 am: 01. Oktober 2019, 21:27 »
Ich tendiere inzwischen eher zu fahren, verfolge aber noch bis zum Schluss alle Nachrichten. Morgen werden die Behörden neue Luftanalysen veröffentlichen. Mal sehen. Die Vorfreude ist auf jeden Fall dahin.  :(
Dann drück ich dir die Daumen, dass sich die Situation weiter bessert und die Vorfreude bei dir doch noch kommt.

Noch mal kurz off topic: Falls du tatsächlich fahren solltest, würde ich mich sehr über einen Bericht freuen :) Denn ich habe lustigerweise nächstes Jahr auch einen Sprachaufenthalt in Rouen ins Auge gefasst. Ich habe Freunde in Caen, die mich eingeladen haben sie zu besuchen, und wollte das mit 1 Woche Sprachkurs kombinieren. Denn für ein Wochenende lohnt sich die umständliche Anreise aus Deutschland nicht. Da bin ich auch auf Rouen gestoßen.
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Yoss

« Antwort #8 am: 03. Oktober 2019, 20:07 »
Noch mal kurz off topic: Falls du tatsächlich fahren solltest, würde ich mich sehr über einen Bericht freuen :) Denn ich habe lustigerweise nächstes Jahr auch einen Sprachaufenthalt in Rouen ins Auge gefasst. Ich habe Freunde in Caen, die mich eingeladen haben sie zu besuchen, und wollte das mit 1 Woche Sprachkurs kombinieren. Denn für ein Wochenende lohnt sich die umständliche Anreise aus Deutschland nicht. Da bin ich auch auf Rouen gestoßen.

Das mache ich gern - ich habe jetzt doch definitiv beschlossen zu fahren. Die Sprachschule hat mir zwar noch angeboten, den Kurs innerhalb von 12 Monaten nachzuholen, aber irgendwie wollte ich das jetzt doch nicht alles abblasen.
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Yoss

« Antwort #9 am: 17. Oktober 2019, 20:10 »
Sodele, kurz vor Ende meines Aufenthalts hier in Rouen wie gewünscht ein paar Worte dazu... Kurz zusammengefasst: Ich bin eher mittelmäßig begeistert. Zum Teil auf Grund äußerer Faktoren, zum Teil auf Grund eigener Fehler.

Rouen hat eine sehr schöne Altstadt mit unzähligen wunderschönen, sehr, sehr alten Fachwerkhäusern, netten Geschäften und Restaurants. Dort durch die Gassen zu bummeln, ist schon sehr atmosphärisch. Die Kathedrale ist schön anzuschauen, ebenso die erst 1979 erbaute Kirche Ste-Jeanne-d'Arc. Abseits der Altstadt gibt es allerdings nichts mehr zu sehen, es sei denn, man hegt ein besonderes Interesse für rauchende Industrieschlote, viel befahrene Straßen und triste Wohngebiete.

Ich hatte Mühe, die Zeit nach der Schule zu füllen, da es nicht so wahnsinnig viel zu sehen gibt und das, was ich sonst problemlos stundenlang machen kann - einfach ziellos durch die Stadt laufen -, gänzlich unattraktiv ist. Zum einen hat es jeden einzelnen Tag geregnet, zum anderen ist besagter Brand in der Chemiefabrik auch nach drei Wochen noch spür- bzw. riechbar. Nicht immer und überall, aber je nach Wind und Stadtteil hängt ein sehr unangenehmer chemischer Geruch in der Luft, weil da angeblich immer noch Gas aus nicht gesicherten Fässern austritt. Da will man dann eben auch nicht unbedingt an der Seine spazieren gehen bzw. besonders viel Zeit draußen verbringen. Überhaupt habe ich die Luft insgesamt als sehr schlecht empfunden und hatte deutlich häufiger Kopfschmerzen, als ich das sonst habe. Ich bin froh, wenn ich übermorgen wieder abfahre, weil sich das alles nicht so gesund anfühlt.

Mein eigener Fehler war, dass ich mir eine Unterkunft gesucht habe, die viel zu weit außerhalb liegt. Ich habe zwar mein Fahrrad dabei, habe jedoch die Qualität der Straßen über- und die Höhenmeter außerhalb des Zentrums unterschätzt. Einmal zu Hause angekommen, ist die Motivation, noch mal rauszugehen, daher sehr gering.

@Marla: Dein Plan - eine Woche Sprachkurs, weil du eh schon in der Nähe bist - ist schon ok. Aber länger würde ich tatsächlich nicht bleiben. Ich würde mir unbedingt eine Unterkunft im Zentrum suchen und mir auch gut überlegen, in welche Jahreszeit das fallen soll. Dieser ständige Regen ist wohl sehr normal. Im Sommer wird es auch mal sehr heiß und trocken, dafür nimmt die Luftverschmutzung allerdings noch mal weiter zu. Laut der Lehrer an der Schule ist das kaum erträglich.

Also so richtig viel Werbung kann ich für die Stadt leider nicht machen. Was es für mich rausgerissen hat, war der Ausflug am letzten Wochenende. Ich habe mir ein Auto gemietet und bin die Côte d'Albâtre abgefahren. Veules-les-Roses ist ein sehr schöner Ort, und die Wanderung von Yport nach Étretat entlang der Steilküste war toll. Auch Honfleur ist einen Besuch wert (viel, viel Fachwerk!). Wenn ich noch mal in die Normandie fahre, würde ich mich auf jeden Fall auf die Küste konzentrieren und die Städte eher außen vor lassen.



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Marla

« Antwort #10 am: 18. Oktober 2019, 15:30 »
Danke für deinen Bericht! Schade, dass du nur so mäßig begeistert warst, zumindest von Rouen selber. Tatsächlich ist der Regen auch das, was mich am meisten stört, die Niederschläge sind ja das ganze Jahr über recht hoch. Die Stadt selber interessiert mich schon, hab auch auf den ersten Blick ein paar Museen gesehen, die mich interessieren würden. Abgesehen davon mag ich es auch, wenn es nicht zu viel Abwechslung gibt und ich genug zum Lernen komme. Und länger als von Sonntag Abend bis Freitag Nachmittag würde ich ja eh nicht dort bleiben.

Aber warst du denn mit der Sprachschule zufrieden, würdest du die weiterempfehlen? Hattest du Gruppen- oder Einzelunterricht?
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Yoss

« Antwort #11 am: 19. Oktober 2019, 21:12 »
Aber warst du denn mit der Sprachschule zufrieden, würdest du die weiterempfehlen? Hattest du Gruppen- oder Einzelunterricht?

Ich habe den Kurs bei "French in Normandy" gemacht und würde nicht sagen, dass die besser oder schlechter als andere Schulen sind. Es war sehr ähnlich wie in meinen bisherigen Kursen auch, mit der einen Ausnahme, dass diesmal alles komplett elektronisch lief. Sämtliche Unterlagen wurden über Google Drive bereitgestellt und bearbeitet - ich fand es etwas lästig, ständig auf meinem Smartphone rumfummeln zu müssen. Kann auch an meinem Alter liegen.  ;) Überhaupt Alter - ich weiß jetzt nicht, wie alt du bist, aber mit meinen 41 Jahren kam ich mir da unter all den 19-Jährigen schon ein bisschen wie die Oma vor.

Ich habe einen Intensivkurs belegt, was Gruppenunterricht von 9:30 - 13:00 und 14:00 - 16:00 bedeutete. Der Morgenkurs (C1-/C2-Level) war ok, nachmittags war das höchste, was es gab, aber nur B2. Das war dann ehrlich gesagt ziemlich dröge.  Einzelunterricht wäre sicher noch mal ergiebiger gewesen, aber mein Ziel war es jetzt nicht, das Maximum herauszuholen, sondern einfach, in der Sprache drin zu bleiben und nicht alles zu vergessen, was ich über Jahre gelernt habe. Dafür war es ganz ok.
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Marla

« Antwort #12 am: 20. Oktober 2019, 21:40 »
Cool, danke, das hilft mir sehr weiter. Die komplett elektronischen Unterlagen kommen mir sehr entgegen. Ich schmeiße die Zettel aus den Sprachkursen sowieso hinterher gleich wieder weg und finde das immer sehr unnötig.
Alterstechnisch habe ich es auch lieber, wenn da ein paar Leute über 30 oder wenigstens Ende 20 sind. Zuletzt in Marokko hatte ich eine tolle Mischung von Leuten zwischen Ende 20 und Anfang 40. Aber es war der einzige(!) Fortgeschrittenenkurs neben dem reinen Anfängerkurs. D.h. manche waren vom Niveau eher so A2/B1, und ich brauche auch C1. Das war für beide Seiten ziemlich blöd, ich war unterfordert, die anderen von mir genervt ;) Deswegen hört sich das bei der Schule in Rouen wirklich super an. Das ist mir dann auch wichtiger als Leute in meinem Alter zu haben.
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