Thema: Verzweifelt: Null Kommunikation  (Gelesen 1649 mal)

Invisiblue

« am: 15. Mai 2019, 16:20 »
Liebe Weltenbummler,

ich befinde mich zur Zeit auf dem Trip meines Lebens - und brauche dringend Rat, denn ich verzweifle langsam.. Insgesamt 3 Monate sind wir mit einem Wohnmobil auf Roadtrip in den USA, zu dritt, ein Paar und eine Freundin. Es könnte alles megatoll sein..
Alles war bereits geplant, dann schloss die Freundin sich an. Cool, dachte ich.
Leider stellte sich jedoch schnell heraus, dass wir absolut nicht zusammenpassen. Trotz vorheriger Absprachen bezüglich Kommunikation, Geld etc. funktioniert es überhaupt nicht. Der Plan, was wir sehen wollen, stand schon, dementsprechend konnte die Freundin sich nur anschließen. Sie wusste das und da wir dieselben Interessen teilten war sie vom Plan sehr angetan. Jetzt jedoch ist sie unzufrieden, da wir jeden Tag sehr früh aufstehen. Sie snoozelt ihren Wecker, steht aber nicht auf, wird ewig nicht fertig. Wir kommen fast jedes Mal zu spät los und mussten daher einige Punkte schon sausen lassen. Ansprechen bringt absolut nichts - sie ist sogar der Meinung, wir wären schuld, weil wir mit dem dumpen und auffüllen warten, bis alle fertig sind (sonst hat man ja direkt wieder was im Abwassertank). Oft merkt man, dass sie wegen irgendetwas sauer ist, aber auf Nachfrage sagt sie nur, es sei nichts. Die Komunikation funktioniert überhaupt nicht und ich weiß nicht mehr, was ich tun soll.
Normalerweise würde ich getrennt weiterreisen, aber da sie die gesamte Reise von uns vorgelegt bekommt, ist das nicht möglich. Auch da gibt es Reibereien: Sie sollte ihr essen selber zahlen, da sie diese Kosten auch daheim gehabt hätte. Darum wollte sie unterwegs arbeiten. Bisher macht sie jedoch keine Anstalten und lässt alles von uns zahlen - sie verlässt sogar den Raum, wenn wir essen waren. Auf Nachfrage nach ihrer Arbeit antwortet sie ausweichend, obwohl auch da vorher Absprachen getroffen wurden (Transparenz: Es geht nicht darum,sie zu kontrollieren, sondern um zu wissen, wie man kalkulieren muss, denn auch uns sitzt das Geld stramm). Wir wollten ihr ermöglichen, mitkommen zu können, aber gerade würde ich am Liebsten allein weiter reisen. Es macht keinen Spaß mehr, man ärgert sich nur noch.
Bevor jmd fragt: Nein, sie war daheim nicht so. Es ist, als wäre das eine völlig fremde Person bei uns. Ich weiß nicht, was ich tun kann, ohne die Freundschaft zu gefährden.
Hat hier jmd mal etwas Ähnliches erlebt und/oder weiß Rat?
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dumbo

« Antwort #1 am: 15. Mai 2019, 18:14 »
Wenn sie es nach dem X-ten mal noch nicht begriffen hat fällt mir nur die "Trennung" ein. So hart wie es klingt, aber die Freundschaft würde ich (zumindest fürs Reisen) beenden. Ich denke es wird auch zuhause nicht mehr dasselbe sein zwischen euch.
Ausser die Freundschaft ist dir viel wichtiger als die Reise, dann darfst du aber auch nicht mehr klagen ;)
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karoshi

« Antwort #2 am: 15. Mai 2019, 18:42 »
Oha. Das klingt heftig.

Eine Ferndiagnose ist immer schwierig, und ich möchte auch nicht zu hart zu Dir sein. Du weißt aber wahrscheinlich selbst, dass Ihr an der Entstehung dieser Situation nicht ganz unbeteiligt wart. Wenn ich das richtig verstehe, bezahlt Ihr der Freundin die Reise, die sie sich selbst nicht leisten könnte. Das ergibt automatisch ein merkwürdiges Abhängigkeitsverhältnis und jede Menge Konfliktpotenzial mit einem ganz üblen Worst Case, und das habt Ihr offenbar unterschätzt. Ich verstehe bis zu einem gewissen Punkt Eure Motivation, das zu machen. Aber den Plan B jetzt erst entwickeln zu wollen, zeugt davon, dass Ihr sehr blauäugig an die Sache rangegangen seid. Das kann man Euch zwar nicht unbedingt zum Vorwurf machen. Aufgeregt habe ich mich aber bei diesem Satz:
Ich weiß nicht, was ich tun kann, ohne die Freundschaft zu gefährden.

Sorry, aber wer gefährdet hier die Freundschaft? Oder noch etwas deutlicher: diese Freunschaft willst Du nicht gefährden? Obwohl ich nur Deine Version der Geschichte kenne, ist das für mich ziemlich eindeutig: Ihr werdet ausgenutzt und lauft Gefahr, dass Eure große Reise zum Desaster wird.

Genauso deutlich müsst Ihr das Eurer Freundin sagen. Natürlich nach Möglichkeit nicht mit Vorwürfen, sondern Ihr müsst Ihr ganz offen erklären, wie es Euch damit geht. Im Idealfall entsteht daraus eine fruchtbare Diskussion, aber nur, wenn alle Beteiligten eher an der schonungslosen Wahrheit interessiert sind als an Selbstverteidigung und persönlichen Befindlichkeiten. Das könnte ein Test sein, was die Freundschaft wirklich wert ist.

Und wenn das nicht hilft, sehe ich es wie dumbo: Da bleibt nur die Trennung. Und ja, sie ist möglich, wenn auch für einen Preis: Kauft ein Oneway-Ticket nach Hause und setzt Eure Freundin in den Flieger. Das ist mehr, als die meisten tun würden. Und Ihr müsst Euch dabei nichts vorwerfen.
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Jef Costello

« Antwort #3 am: 15. Mai 2019, 19:55 »
Ihr sucht ein klärendes Gespräch mit deiner Freundin und wenn es nicht klappt, fahrt ihr sie in die nächste Großstadt und verabschiedet euch. Wo ist das genaue Problem?
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farmerjohn1

« Antwort #4 am: 16. Mai 2019, 21:23 »
Jaja. Sloop John B. Da habt Ihr eine Person mit auf grosse Fahrt genommen, die der Situation nicht gewachsen ist. Unklar ist vorerst, ob sie es  nicht will (also Euch bewusst ausnutzt) oder nicht kann (weil sie sich selbst falsch eingeschaetzt hat).  Hoist up the sail, let her go home - or either you'll sink the whole trip.
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Vombatus

« Antwort #5 am: 17. Mai 2019, 09:05 »
Ein bisschen könnte man es so herauslesen, als ob du schon weißt (unterbewusst/bewusst), dass die Reise so nicht weitergehen kann und du jetzt hier im Forum die Bestätigung dafür suchst.

Von aussen betrachtet, ist die Frage schnell beantwortet. Wenn die Reise so weitergeht wie bisher wird keiner von euch glücklich. Im schlechtesten Fall wird es sich noch aufstauen und zuspitzen. Die ganze Zeit in der man irgendwie „Groll“ hegt, Probleme hat, kann die Reise nicht richtig genoßen werden. Und wie viel Zeit habt ihr? Wann könnt ihr das nächste Mal losziehen und nach euren Wünschen und Bedürfnissen unterwegs sein.? Einen (euren) Traum erfüllen?

"lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende"
Gut, so schlimm wird es schon nicht sein. Immerhin habt ihr es zu dritt versucht. Wenn es nicht geht, dann geht es halt nicht. Lernt was daraus.

Populäre Fehler
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In dem Fall schließe ich mich Jef Costello an:

Ihr sucht ein klärendes Gespräch mit deiner Freundin und wenn es nicht klappt, fahrt ihr sie in die nächste Großstadt und verabschiedet euch. Wo ist das genaue Problem?
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Beate

« Antwort #6 am: 19. Mai 2019, 14:37 »
OK, ich bin ja auch der Meinung, dass Ihr Euch trennen solltet. Aber ein Problem wurde hier noch nicht angesprochen und Ihr scheint es auch nicht zu wissen:
In USA ist arbeiten als Tourist VERBOTEN. Und seid da bitte sehr vorsichtig. Wenn Ihr beim Arbeiten erwischt werdet, und sei es auch nur gegen Kost und Logie, fliegt Ihr im besten Fall sofort raus und dürft nie mehr einreisen. Im schlechteren Fall gibts eine Gerichtsverhandlung. Da sind die Amis wirklich sehr streng.4


Beate
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