Thema: Wegrennen & einfach tun & studieren  (Gelesen 1667 mal)

Jens01

« am: 09. Mai 2019, 11:44 »
Hallo,

ich bin mir gerade mit allen unsicher und stehe gerade an einem Punkt im Leben wo ich tausend Abzweigungen habe, aber nicht weiß wohin ich abbiegen soll.

Zu meiner derzeitigen Situation:

Nach einem abgebrochenen Studium, einem Jahr voller Unsicherheit danach, habe ich letztes Jahr meine Ausbildung beendet. Aufgrund der Neuausrichtung des Arbeitgebers habe ich meinen Job wechseln müssen ('ich wurde gegangen'). Um nicht arbeitslos zu werden habe ich zum Jahreswechsel 2018/2019 den neuen Job angefangen. Allerdings kristallisierte sich in den letzten Jahren immer mehr der Wunsch einer längeren Weltreise heraus. M

Mein Problem:

Durch Streitigkeiten innerhalb der Familie fühle ich mich nicht mehr wohl in der Nähe der Familie zu sein. Dazu kommt allerdings, dass ich aufgrund der unbezahlbaren Mieten (1000€ warm bei 1500€ einkommen) bei meinen Eltern lebe. Und das mit 25 Jahren. Erschwerend kommt hinzu das mein neuer Job zwar in Ordnung ist, aber mich nicht ausfüllt.

Gefühlsmässig bin ich nahe an einem Burnout oder zumindest völlig ausgelaugt.

In Gedanken an weitere berufliche Wege finde ich derzeit nicht den Mut bzw. Anstoß dazu, die Weltreise dingfest zu machen.

Der Plan war/ ist diese Weltreise per Rad zu machen. Aber wie erklär ich das meinem Umfeld, dass ich mich ausgepowert fühle und dass mit Reisen heilen möchte.

Hier die finale Frage: Wie komme ich aus die sich ewig falsch drehenden Hamsterad raus?
Danke für Kommentare dazu, Jens
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zogi

« Antwort #1 am: 11. Mai 2019, 17:00 »
Hallo jens01,

du hast gerade große Herausforderungen, weiterer Beruf-, bzw Bildungsweg mit dem Zwiespalt deines Wunsches der Weltreise, das Verhältniss zu deiner Familie und der dazugehörigen Wohnsituation, das verkehrtlaufende Hamsterrad, in deinem Leben zu meistern.

Das sind große schwierige Fragen, die nur du dir selber beantworten kannst, um dieses Hamsterrad durchbrechen zu können.

Aus dem gelesen Text heraus finde ich, dass du ein reflektierter Mensch bist und versuchst diesen Herausforderungen auf den Grund zu gehen. Das finde ich einen Schritt in die richtige Richtung und sehr gut!! :)

Zu deinem Wunsch der Weltreise:

Ich kann dir nur aus meiner Erfahrung sagen, es war der Ritt meines Lebens, mit allen Höhen und Tiefen, die ich damit hatte. Es hat mich daraus an Erfahrungen, die ich mir aus diesen Phasen hart erarbeiten musste, bereichert. Ich ging in diese Reise und kam als andere Person wieder. Ich definierte daraus das erstemal in meinem Leben Werte für mich und die Welt, wie ich sie sehe.
Daraus resultierte, dass ich Zuhause bestehende/etablierte Werte hinterfragte und in Konflikte mit diesem Werten kam. Als Konsequenzen daraus hatte ich zu gewissen einst engen Beziehungen harte schmerzhafte Entscheidungen treffen müssen. Trotz all dem war ich froh, glücklich und stolz, dass ich diese Reise gemacht hatte. Es war eine meiner besten Entscheidungen die ich im Leben getroffen habe.

Darum frage dich:

- Wie wichtig ist dir die Reise?

- Wie wichtig ist dir der Fokus deiner beruflichen Wege?

- Warum willst du diese Reise machen?

- Was erwartest du dir von deiner Weltreise?

- Was soll nach dieser Reise anders werden?

- Ist das nur eine Flucht aus der Situation oder hast du unabhängig davon andere Ziele?

- Wie kann ich es mir finanzieren?


Diese Fragen solltest du allein für dich ehrlich beantworten um ein Gefühl dafür zu bekommen. Weiters ist eine ehrlich geführte Pro und Contra Liste zum deinem Thema Weltreise, glaube ich, ein gutes Werkzeug um dieses Gefühl zu vertiefen und für weitere Entscheidungen als Stütze zu benutzten.

Beste Grüße

Daniel :)
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peka65

« Antwort #2 am: 12. Mai 2019, 15:34 »
Hallo Jens,
ich habe 2013 mit Ende 40 meinen Job gekündigt und bin für 5 Monate auf Reisen gegangen. Danach habe ich sogar noch studiert. Bis heute habe ich diesen Schritt nicht bereut und würde es immer wieder machen.

Allerdings sollte dein Wunsch diese Reise zu machen größer sein als der Wunsch einfach nur wegzurennen!
Denn deine Sorgen nimmst du letztendlich auch mit auf Reisen, du kannst dabei natürlich Abschalten und hast viel Zeit zum Nachdenken, aber die Reise ist irgendwann zu Ende und die Sorgen sind gegebenenfalls immer noch da.

Darüber wie dien Umfeld reagiert würde ich mir gar keine Sorgen machen. Bei mir haben fast alle positiv auf mein Vorhaben reagiert, allein meine Mutter hatte Befürchtungen wegen meines Jobs, aber sie gehört auch einer Generation an wo ein vernünftiger Arbeitsplatz mit an erster Stelle kommt. Ich hatte sogar das Gefühl das mich viele ein wenig Beneidet haben.

Du solltest nur sehen das du die Reise auch finanziert bekommst und den Startzeitpunkt so wählst, das du nach deiner Rückkehr auch Anspruch auf Arbeitslosengeld hast, damit du dir in Ruhe einen neuen Job suchen kannst.

Ansonsten kann ich mich meinem Vorschreiber nur anschließen.

Gruß,
Peter
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Styles78

« Antwort #3 am: 14. Mai 2019, 16:19 »
Hallo Jens,
ich habe 2013 mit Ende 40 meinen Job gekündigt und bin für 5 Monate auf Reisen gegangen. Danach habe ich sogar noch studiert. Bis heute habe ich diesen Schritt nicht bereut und würde es immer wieder machen.

Allerdings sollte dein Wunsch diese Reise zu machen größer sein als der Wunsch einfach nur wegzurennen!
Denn deine Sorgen nimmst du letztendlich auch mit auf Reisen, du kannst dabei natürlich Abschalten und hast viel Zeit zum Nachdenken, aber die Reise ist irgendwann zu Ende und die Sorgen sind gegebenenfalls immer noch da.

Darüber wie dien Umfeld reagiert würde ich mir gar keine Sorgen machen. Bei mir haben fast alle positiv auf mein Vorhaben reagiert, allein meine Mutter hatte Befürchtungen wegen meines Jobs, aber sie gehört auch einer Generation an wo ein vernünftiger Arbeitsplatz mit an erster Stelle kommt. Ich hatte sogar das Gefühl das mich viele ein wenig Beneidet haben.

Du solltest nur sehen das du die Reise auch finanziert bekommst und den Startzeitpunkt so wählst, das du nach deiner Rückkehr auch Anspruch auf Arbeitslosengeld hast, damit du dir in Ruhe einen neuen Job suchen kannst.

Ansonsten kann ich mich meinem Vorschreiber nur anschließen.

Gruß,
Peter

Da kann ich nur zustimmen. Ich bin 41 und meine Reise geht im August lost...ich hab meinen Job, die Wohnung und alles was mich hier hält gekündigt, verkauft, verschenkt :-). Warum? Weil ich das schon immer mal machen wollte.
Ich hatte auch mit dem einen oder anderen Zweifler zu tun...meine Mutter gehört dazu.
Es gibt hierzu einen extrem wichtigen Tipp...was in deinem Leben passiert entscheidest nur Du!! Lass dich nicht von anderen Meinungen davon abhalten etwas zu machen...oft projizieren Menschen ihre eigenen Ängste auf das Leben anderer. Du brauchst in deinem Alter keine Erlaubnis...setz alle wichtigen Menschen darüber in Kenntnis was du machen willst und fertig!!!
 
Rückblickend hätte ich mir jemanden in meinen näheren Umfeld gewünscht der mich zu mehr Mut anstiftet. Kann mir auch bei dir vorstellen das es schwierig ist solche Entscheidungen zu treffen wenn dein Umfeld eher nur von "man weiß nie was passiert..." Menschen geprägt ist.
Und es dann trotzdem zu machen...das wird sicher was mit dir als Person machen.
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Jens01

« Antwort #4 am: 22. Januar 2020, 10:59 »
Hallo Zusammen,

eine etwas verspätete Antwort auf die vielen sehr guten Antworten.

Ich werde die Weltreise in 2 Jahren beginnen. Bis dato werde ich mein Leben "aufräumen". D.h. unnötige Verbindungen kappen und mein eigenen Stiefel durchziehen. Es ist ein Prozess, den ich lieber vor so einer Reise abgeschlossen haben will, als dass ich ihn mitnehme.

Nebenbei ist das natürlich den Finanzen förderlich. Lehrt auch ein wenig Selbstdiziplin.
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Marla

« Antwort #5 am: 27. Januar 2020, 03:13 »
Hört sich für mich total gut an dein Plan mit dem erst aufräumen, dann los :) Ich hatte auch vor diversen Jahren einen beruflichen Tiefpunkt, aber anstatt alles hinzuschmeißen, hab ich noch ein Jahr gewartet. Das hatte im Nachhinein viele Vorteile: ich konnte die Reise richtig planen, vor allem aber mich darauf freuen. Gleichzeitig war bei der Arbeit dadurch, dass das Ende absehbar war, meine Einstellung gelassener und dadurch einiges weniger schlimm. Dass ich nicht überstürzt und im guten gegangen bin, hat sich dann sogar Jahre später noch mal ausgezahlt. Natürlich ist es um einiges schwerer, wenn auch noch private Angelegenheiten dazu kommen, aber es hört sich für mich so an, als wärst du da jetzt optimistischer.

Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass du alles so gut es geht geklärt kriegst.

Das mit dem Wegrennen mag sogar für einige erst mal funktionieren. Hab z.B. auf Reisen mal jemanden getroffen, der seinen Beruf schrecklich fand und einfach abgehauen ist. Die Reise lief super bei ihm. Aber der Gedanke an die Rückkehr, ein Budget, das langsam zuende ging, Druck vom sozialen Umfeld zuhause haben ihm schwer aufs Gemüt geschlagen. Einige Probleme lösen sich mit dem Abstand, den man auf der Reise gewinnt, aber nicht alle.
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