Thema: Die Stans, oder: von Almaty bis Taschkent in 3 bis 4 Wochen  (Gelesen 1484 mal)

GschamsterDiener

Ich möchte in August/September endlich nach Zentralasien. Nach einer ersten Recherche würde die grobe Route wie folgt aussehen:

1-2. Almaty
3-5. Nach Issyk-Kul (Altyn-Emel NP?)
6. Issyk-Kul
7. Karakol
8. Bishkek?
9. Song Kul
10. Song Kul
11. Osh
12-17. Pamir Highway mit Jeep
18. Dushanbe
19-20. Samarkand
21. Bukhara
22. Chiva (-> Flug nach Tashkent)
23. Tashkent

Ich reise schnell und interessiere mich für Kultur und Natur. Budget: Ausreichend. Bin nicht darauf angewiesen, auf Mitfahrer für den Pamir-Jeep zu warten. Möchte lieber mehr ausgeben, dafür schneller vorankommen, weil ich zeitlich ein wenig limitiert bin (theoretisch aber aus den 3 Wochen 4 Wochen machen könnte..).

Meine ersten Fragen
1. Kasachstan:
a) Zahlt sich der Altyn-Emel NP aus? Photos sehen gut aus.

2. Kirgisien:
a) Der Issyk Kul gilt als Highlight, wirkt aber auf mich nicht interessant. Zahlt sich der überhaupt aus?
b) Tipps neben meinen 3-4 Zielen?
c) Schöne, nicht zu lange Treks möglich?
d) Bishkek überhaupt eine Reise wert?

3. Tajikistan:
a) Wie weit soll ich den Jeep nehmen? Ich überlege, aus Zeitgründen den Jeep nur nach Khorog zu buchen und von dort direkt nach Duschanbe zu fahren/fliegen.
b) Ideen für kurze Treks rund um den Pamir? Allgemein weitere Tipps?

4. Usbekistan:
a) Gibt es neben meinen 3 Hauptzielen Samarkand, Bukhara und Chiva noch andere sehenswerte Stationen? Aralsee habe ich recherchiert, hat mich aber als Ziel nicht überzeugt.

Wie ist allgemeine die Geldsituation in den Ländern? Kann ich abheben? Sollte ich viel Bargeld mitnehmen? Und wenn ich Bares mitnehme: EUR oder USD?


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shanti

« Antwort #1 am: 12. Juni 2018, 12:59 »
Hallo,

zu Kasachstan kann ich nichts sagen und zu Kirgistan nicht viel (war nur vier Tage dort), aber hier mal ein bisschen Input:

Kirgistan:
b) Sary Tash hat mir sehr gut gefallen. Pik Lenin ist ein grandioser Anblick und es sind auch kurze Treks möglich. Hilfsbereite Touristeninformation.
d) Nicht wirklich. Der Markt ist ganz interessant aber kein Grund extra da hinzufahren.

Tadschikistan:
a) Wenn du eh bis Dushanbe möchtest, warum dann den Jeep nicht bis dorthin buchen ? Es fahren Shared Jeeps ab Khorog die die Strecke in einem Tag machen - die Fahrt ist sehr lang und anstrengend. Bin in zwei Tagen per Shared Jeep von Duschanbe nach Khorog und das waren schon lange Tage im Auto. Flugzeug geht, aber du kannst dich nicht darauf verlassen dass jeden Tag eins fliegt: Man fährt morgens zum Airport und wenn eine Antonov da ist, das Wetter gut und genügend Leute anwesend wird geflogen, sonst fährt man wieder zurück ins Guesthouse und versucht es am nächsten Tag.
b) Trek: Bartang Valley, richtig geil. Andere Tips: Du schreibst Pamir Highway aber da das manchmal synonym benutzt wird: Unbedingt durch den Wakhan fahren. Das ist kein Pamir Highway (der verläuft parallel) aber später trifft man wieder auf die M41. Die Gegend dort ist herzzerreissend schön. Und wenn du von Murghab mit Privatjeep kommst: Bulunkul und drumherum. Schräge Gegend. Krater von Meteoriteinschlag, verlassenes russisches Observatorium usw.  Im Allgemeinen: Darauf achten dass du dich in Kirgistan ein bisschen an die Höhe akklimatisierst. Habe zwei Mal Touristen getroffen die die Tour wegen Höhenproblemen abbrechen mussten. Aus der anderen Richtung (TJK-KRG) ist das nicht so problematisch, hatte selbst auch keine Probleme.

Usbekistan:
a) Nein, ich glaube das ist es im Wesentlichen. Buchara ist schöner als Samarkand, deshalb lieber dort zwei Tage und in Samarkand nur einer.

Zum Geld:
Kirgistan: Reichlich funktionierende Geldautomaten in allen größeren Orten (Osh, Bishkek). In Grenznähe können auch USD in Guesthouses getauscht werden.
Tadschikistan: Reichlich funktionierende Geldautomaten in Duschanbe, ein einziger Geldautomat in Khorog. In Murgab auch ein Geldautomat, aber nur zugänglich zu Geschäftszeiten der Bank (Sonntag geschlossen). USD werden als Währung akzeptiert.
Usbekistan: Euros auf Schwarzmarkt tauschen.

Schade dass du da so durchhetzen möchtest, aber Gratulation zur Wahl des Reiseziels !

Mario
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GschamsterDiener

« Antwort #2 am: 12. Juni 2018, 13:38 »
Super, besten Dank für die Tipps. Evtl. werde ich noch ein paar Tage anhängen. Dass das zeitlich sehr knapp bemessen ist, ist mir bewusst, aber ich möchte Urlaubstage für den Winter in Afrika aufsparen.
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twobirds

« Antwort #3 am: 13. Juni 2018, 11:29 »
Spannend! Fragen dazu:

Wie schätzt du die Wetterlage im August/September dort ein? Höchst/Tiefsttemperaturen insb. in den unwirtlicheren Lagen? Wir wollen nächstes Jahr evtl. in der Gegend sein, und finden widersprüchliche Informationen, sicherlich auch aufgrund der Höhendifferenzen...

Visa: Via bezahlte LOI, oder aufgrund des Tempos Transitvisa etc?
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GschamsterDiener

« Antwort #4 am: 13. Juni 2018, 11:34 »
Spannend! Fragen dazu:

Wie schätzt du die Wetterlage im August/September dort ein? Höchst/Tiefsttemperaturen insb. in den unwirtlicheren Lagen? Wir wollen nächstes Jahr evtl. in der Gegend sein, und finden widersprüchliche Informationen, sicherlich auch aufgrund der Höhendifferenzen...

Visa: Via bezahlte LOI, oder aufgrund des Tempos Transitvisa etc?

Für Kasachstan und Kirgisistan gibt es kein Visum, bei Tajikistan ein eVisum und nur in Usbekistan muss ich eines in der Botschaft beantragen (soll aber ab Juli auch auf eVisum umgestellt werden - mal sehen). LOI bzw Transitvisum ist eigentlich nur in Turkmenistan ein Thema, aber dort fahre ich nicht hin.
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Kama aina

« Antwort #5 am: 21. August 2018, 17:39 »
Und ist dein Routenplan gleich geblieben oder hast du ihn umgestellt?
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GschamsterDiener

« Antwort #6 am: 21. August 2018, 21:50 »
Und ist dein Routenplan gleich geblieben oder hast du ihn umgestellt?

ich habe Ziele in KAZ und KYR gestrichen und dafür den Pamirteil erweitert, zudem verzichte ich auf Chiva
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Kama aina

« Antwort #7 am: 21. August 2018, 21:55 »
Ich sehr gespannt was du am Ende der Reise zu berichten hast! :)
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GschamsterDiener

« Antwort #8 am: 17. September 2018, 18:03 »
Bin seit heute zurück. Der Trip war in Summe okay mit ein paar Schwierigkeiten, wenigen Enttäuschungen, aber auch nicht so vielen Highlights.

Meine Route war letztlich:
1. Almaty 2d
2. Bishkek 2d (1d krankheitsbedingt)
3. Bishkek-Song Köl-Bishkek-Osh in 3d2n inklusive Übernachtung in Song Köl
4. Osh 2d warten auf einen vollen Pamir-Jeep (wir sind dann letztlich zu 2t losgefahren)
5. Pamir Highway bis Khorog via Lenin Peak und Wakhan Valley in 5d
6. Dushanbe 1d
7. Samarkand (& Shahrisabz) in 2d
8. Bukhara 1d
9. Khiva 1,5d
10. Tashkent 1d

Allgemein ist das eine überraschend touristische Gegend. Auf dem Pamir sieht man regelmäßig Fahrräder und die 3 bekannten Städte in Usbekistan bersten nur so über von 50+ Touristengruppen, aber auch einheimischen Touristen und, ich nehme mal an, Kasachen. Usbeken und Kasachen haben das Handy gerne filmend bei der Hand und posen in Gruppen unter Durchspielen aller möglichen Konstellationen. Hat mir manchmal ein bisschen den Nerv geraubt.

Die Großstädte (abgesehen von Samarkand, eh klar) sind eher uninteressant. Ich war von Almaty negativ überrascht, wird die Stadt doch als die beste in der Region angepriesen - konnte ich so nicht nachvollziehen, auch wenn die Umgebung schön sein soll. Dafür hat mich Bishkek positiv überrascht. Nicht, dass es abseits der 2-3 SU-Devotionalien was zu sehen gäbe - aber die Stadt hat eine reichhaltige Auswahl an Restaurants und Supermärkten. Dushanbe und Tashkent sind beide eher austauschbar mit jeweils paar Scheußlichkeiten und 1-2 Semi-Sehenswürdigkeiten.
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GschamsterDiener

« Antwort #9 am: 17. September 2018, 18:16 »
Die Pamir-Strecke hatte seine schönen Flecken, allerdings auch viel Einöde. Für mich war nicht das Wakhan Valley das Highlight, sondern die Gegend um den Lenin Peak / Sary Tash bis zum Niemandsland zwischen Kyrgyzstan und Tajikistan. Die Strecke zwischen Karakol und Langar (Start des Wakhan Valley) fand ich schlicht langweilig. Im Wakhan hatte ich etwas Pech mit dem Licht.

Uzbekistan: Samarkand ist eine öde Stadt mit mangelhafter Touristeninfrastruktur. Allerdings gibt es hier die besten Monumente der Gegend mit tollen Mausoleen. Buhara hat die beste Touristeninfrastruktur, fällt aber etwas ab bei der Qualität der Sehenswürdigkeiten. Khiva hat eine recht überschaubare Anzahl an Highlights, ist aber am fotogensten. Dafür stehen sich die Touristen gegenseitig auf den Füssen und die Portionen in den Restaurants sind vergleichsweise bieder. Für mich aber trotzdem das Highlight meiner Reise.

Die Menschen: Mir gegenüber zurückhaltend neutral. In den Touristenorten hat man sich halt an den Touri gewöhnt, ein bekanntes Phänomen.

Das Essen: In den besten Restaurants in Ordnung, ansonsten eintönig: Eier, Lamm und Reis.

Schwierigkeitsgrad: Die Gegend wird von Jahr zu Jahr einfacher und moderner. Am Pamir gab es fast immer Strom und eine heiße Dusche und ich musste keine Polizisten/Grenzbeamten bestechen (meine Fahrer dafür umso regelmäßiger). Internet ist in Uzbekistan am langsamsten, in Sary Tosh ironischerweise am schnellsten. Geld ist nur in Uzbekistan ein Problem, wo Bankomaten nur im Visa-Netzwerk, wenn überhaupt, funktionieren.
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GschamsterDiener

« Antwort #10 am: 17. September 2018, 18:24 »
Fazit: Ich denke, in Kyrgyzstan und vor allem Tajikistan gibt es für Naturfreunde sehr viel zu entdecken, aber vieles davon ist schwierig zu erreichen. Bist du kein Selbstversorger mit Zeit und Zelt und Russischkenntnissen, darfst du eine teure Tour buchen.
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GschamsterDiener

« Antwort #11 am: 18. September 2018, 09:44 »
Sorry für den chaotischen Bericht, der vieles auslässt. Ich war gestern noch sehr müde. Wenn es konkrete Fragen gibt: Gerne hier.
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Eka

« Antwort #12 am: 18. September 2018, 11:19 »
Danke für deinen klasse Reisebericht und die Aufspaltung in einzelne Beiträge, war sehr gut zum lesen.

Was hast du für deinen auf eigene Faust-Trip durch diese Länder im ganzen bezahlt (natürlich inkl. Flüge, Visa usw.)?
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Wishbone

« Antwort #13 am: 03. Oktober 2018, 21:44 »
Hi,

Interessant, Deine Kurzfassung. Ich bin seit einer Woche auf dem Planungstrip für Kirgistan und Tadjikistan, habe mich schon ganz gut eingelesen.

Ich werde die Tour mit einem Mietwagen, 4x4 oder zumindest SUV machen, Start in Bishkek, vereidigte Russisch-Dolmetscherin (Freundin) ist dabei. 1 Woche für Pamir Hwy Osh bis Khorog, retour über das Wakhan Bailey ist meine Idee, dann noch eine Woche in Kirgistan.

Wie sieht es denn mit Unterkünften am Pamir Hwy und im Wakhan aus? Alles machbar oder lieber ein Zelt mitnehmen (Ich campe sehr gern, aber Gepäck ist ja beim Flug limitiert).

Wie sind die Straßen in Tadjikistan, also Pamir Hwy und Wakhan? Muss man sich da arge Sorgen machen? Der Pamir auf der kirgisischen Seite ist geteert, hab ich schon gesehen.

Vielleicht kannst Du mir helfen?

Grüße
Christian
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GschamsterDiener

« Antwort #14 am: 03. Oktober 2018, 23:37 »
Unterkünfte am Pamir sind unproblematisch. Das ist eine eher touristische Gegend und quasi jedes Haus ist ein Guesthouse.

Strassenqualität: Niemandsland zwischen KG und TJ ist eher tough. Die Wakhan-Strecke zwischen ca Bulunkul und Langar ist für Nicht-4×4 nicht befahrbar. Ab Langar geht es wieder.
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