Thema: Virunga: Gorillas und Nyiragongo Vulkan  (Gelesen 2426 mal)

BeenAroundTheWorld

« am: 06. Juni 2017, 15:19 »
Hallo zusammen,

ich habe versucht meinen kurzen Trip in den Kongo unten zusammenfassen. Kann einen Besuch des Virunga Nationalparks uneingeschränkt empfehlen, 2 absolute Highlights direkt nebeneinander.

Organisation: Der Virunga Nationalpark hat eine eigene Website (visitvirunga.org), die erstaunlich gut gemacht ist. Alle Aktivitäten lassen sich leicht online buchen und zahlen. Wenn über diese Website gebucht wird kümmert sich der Park um das Visum für DRC, welches nach meinem Verständnis auf normalem Wege recht kompliziert/langwierig ist.
Anreise/Einreise/Abreise: am Donnerstag von Frankfurt über Addis nach Goma. Zwar 5-6 Stunden Layover in Addis, aber an sich alles easy. Flieger landet in Bujumbura zwischen, man bleibt aber im Flieger sitzen. Ankunft in Goma am Freitag gegen 14:30.
Immigration in die DRC war ein wenig chaotisch. Es wird ein Nachweis der Gelbfieberimpfung verlangt. Wenn man diese nicht hat, wird die Impfung vor Ort vorgenommen. Das ist allerdings gesundheitlich nicht nur fragwürdig sondern auch medizinisch sinnbefreit. Aber man hat sich natürlich vorher informiert und daher sollte es nicht zu dieser Situation kommen. Die charmanten Damen am Impfcheck haben mir versucht noch weitere Impfungen anzudrehen, die ersten nicht vorgeschrieben sind und die ich zweitens bereits hatte (allerdings hatte ich nur den Gelbfieberausweis dabei). Alternativ könne ich mich auch für 50 USD freikaufen. Ich hatte über die Masche gelesen und bin trotz Protest weitergegangen, kein wirkliches Problem also. Die Einreise hat dann doch noch c. 1 Std. gedauert, da keiner einen Plan hatte was genau seine Aufgaben sind. Ich wurde dann von Person zu Person durchgereicht, mein Pass war irgendwo anders, mein Rucksack auch. Egal, irgendwie bekam ich den Pass mit Stempel zurück, und mein Rucksack ist auch aufgetaucht. Ach, Afrika ;-)
Unterkunft: Hab über Airbnb ein Zimmer im Zentrum von Goma gebucht. Über den host auch den Airporttransfer. Es gibt auch ein paar Hotels, wohl auch einige „nette“ direkt am Kivu See.
Goma: Sehr schön am See zwischen Hügeln und Vulkanen mit dichtem Urwald gelegen. Ich durfte schon einige Städte in Schwarzafrika besuchen, Goma ist eine Nummer für sich. Jahrelanger Bürgerkrieg in der Region hat Spuren hinterlassen. Bettelarm und hohe Kriminalität (Teilreisewarnung für Goma und die Nord-Kivu Provinz). Entsprechend ist an jeder Ecke, vor jedem Gebäude und dazwischen schwerbewaffnete Security. Meine Unterkunft hatte z.B. einen Wachturm mit 2 bewaffneten Guards und noch einer vor der Tür, hatte ein bisschen was von einem Gefängnis. Die UN versucht durch ihre Präsenz ein wenig Ruhe reinzubringen, es fahren immer wieder Jeeps und gepanzerte Trucks mit Blauhelmen durch die Stadt. Bin grundsätzlich sehr relaxed was Street Crime angeht, aber mir wurde mehrfach, u.a. von einem UN Soldaten und meinem airbnb host, deutlich gesagt, dass zu Fuß nach Sonnenuntergang ein no-go ist. Dafür gibt es Motos, einfache Motorräder, auf die man springen kann, ein lokales Taxi sozusagen. Hört sich jetzt vielleicht alles extremer an, als es in Wirklichkeit ist, hab mich zu keinem Zeitpunkt unsicher gefühlt. Es gibt auch einige ganz gute Restaurants, die natürlich primär von UN und NGOs besucht werden. Auch der ein oder andere Local mit dicken Goldketten und leicht bekleideter Begleitung lässt sich hier blicken.
Gorillas: Ich wurde um 6:30 am Samstag von einem Virunga Park Jeep an meiner Unterkunft abgeholt, neben dem Fahrer waren noch 2 mit Maschinengewehren bewaffnete Ranger im Jeep. Fahrt c. 2-2.5 Std. Vor Ort kurzes Briefing. Wir waren insgesamt 7 Besucher und wurden in 2 Gruppen aufgeteilt. Meine 3er Gruppe wurde von 2 Rangern begleitet. Nach c. 1 Std. durch dichten Urwald sind wir auf eine Gorilla-Familie gestoßen (dann mussten wir Mundschutz anziehen, um die Tiere nicht zu gefährden). Insgesamt c. 10 Affen, incl. 2 Silberrücken. Wahnsinnsgefühl. 7 Meter Abstand wird sehr flexibel ausgelegt. Ein schwingender junger Gorilla hat mir z.B. am Ärmel gezogen. Einer der Silberrücken hat sich unerwartet von hinten genähert. Plötzlich stand er c. 1-1.5m vor bzw. hinter uns (kann ich hier Videos posten?). Die Gorillas haben ihr Ding gemacht und uns wenig beachtet, bis auf die jungen Wilden, die die ganze Zeit spielen wollten. Näher und intensiver kann man Gorillas wohl nicht erleben. Insgesamt durften wir 1 Std. mit den Gorillas durch den Urwald ziehen, bevor es zum Camp zurückging. Um c. 15h war ich wieder an meiner Unterkunft. Definitiv eines der geilsten Erlebnisse meines Reiselebens.
Nyiragongo Vulkan: 8:30 Abfahrt am Sonntag, c. 30 min Fahrt zum „Basiscamp“, das auf c. 1900m über Meer liegt. Dann Anmeldung und Briefing. Die Tour war ausgebucht (wohl eher selten), insg. 20 Besucher + 4 Köche, 4 Ranger und c. 10 sogenannte Porter. Um 10:30 war Abmarsch. Anfangs war es sehr warm und Urwald, der sich dann mit Lavagestein abgewechselt hat. Richtung Gipfel sehr vulkanisch, keine Pflanzen etc. Nach 6 Stunden waren wir oben auf knapp 3500m. Dort war es natürlich deutlich kälter, schätze so um die 5 Grad. Das Besondere: Man schaut in den größten Lavasee der Welt in einem der aktivsten Vulkane der Welt (Beim Ausbruch 2002 hat er halb Goma zerstört). Sehr cooler Anblick, der See leuchtet knallorange und gibt respekteinflößende Geräusche von sich. In der Zwischenzeit haben die Köche überraschend gutes Essen auf den „Tisch“ gezaubert und das mitgebrachte Bier war auch fast wieder kalt. Zeitgleich mit uns war eine Crew von Wissenschaftlern, BBC und National Geogrpahic oben, die untersucht haben wann der Vulkan wieder ausbricht (statistisch wohl alle 20 Jahre) und eine Reportage über den Vulkan gedreht haben. Es gibt 10 einfache Hütten mit Matratzen direkt am Krater. Abstieg nach Frühstück um 6.30, Ankunft unten c. 10:30. Insgesamt nicht ganz unanstrengend aber auch nicht wirklich fordernd, vom Schwierigkeitsgrad vielleicht vergleichbar mit Mount Kinabalu, wobei die rutschigen Lavasteine ihre Tücken haben. Mit Sicherheit auch ein absolutes Reisehighlight
Nach einer Dusche im Airbnb bin ich dann zum Flughafen und heute Morgen in Frankfurt gelandet.

Kama aina

« Antwort #1 am: 06. Juni 2017, 15:48 »
Das ist mal ein mega geiler und informativer Bericht über eine der verrücktesten und außergewöhnlichsten Reisen dich ich bisher mitbekommen habe! Sehr sehr geil!
Hast du einen Blog oder Facebook, eine Gruppe oder sonst was wo man sich die Bilder und Videos ansehen kann?
Darf man fragen was dich der ganze Spaß gekostet hat?

Aber schon mal geil zu wissen, dass wenn man alles über den Park bucht so recht einfach geht!

GschamsterDiener

« Antwort #2 am: 06. Juni 2017, 17:54 »
Daumen hoch!

moilolita

« Antwort #3 am: 06. Juni 2017, 18:14 »
Sehr sehr cool!
Vielen Dank für den tollen Bericht!  :) Das klingt wirklich beeindruckend!

dirtsA

« Antwort #4 am: 06. Juni 2017, 18:49 »
Klingt nach einem genialen Wochenende! Schön, dass alles so gut geklappt hat und es wirklich so ein tolles Erlebnis war :)

Vombatus

« Antwort #5 am: 06. Juni 2017, 19:25 »
...kann ich hier Videos posten?
Auf jeden Fall kannst du z.B. ein Youtube-Link posten.

Schöner Bericht!

BeenAroundTheWorld

« Antwort #6 am: 07. Juni 2017, 14:05 »
Danke euch! Tut manchmal ganz gut etwas komplett Anderes zu Erleben, auch wenn es nur für ein paar Tage ist.
Ich bin Social Media-seitig extrem schwach aufgestellt, daher wird das wohl nichts mit Videos/Fotos. Egal, ist auch schwierig solche Erlebnisse medial rüberzubringen.


Kama aina

« Antwort #7 am: 07. Juni 2017, 14:08 »
Jetzt hast du uns mit dem Silberrücken-Video so gelockt! Da kannst du doch keinen Rückzieher machen! ;-)

BeenAroundTheWorld

« Antwort #8 am: 08. Juni 2017, 10:01 »
Ich hatte ja gute Intentionen, aber werde von meiner mangelnden Tech-Affinität mal wieder ausgebremst ;-)

Kama aina

« Antwort #9 am: 08. Juni 2017, 10:12 »
Dropbox! ;-)

Darf man dich fragen was der ganze Spaß gekostet hat? Würde mich echt mal interessieren!

BeenAroundTheWorld

« Antwort #10 am: 08. Juni 2017, 10:41 »
Der Spaß kostet c. USD1150: USD400 Gorillas, USD400 Vulkan (incl. Essen und Ausrüstung, ohne USD300), Visum USD100 und Transport zu/ von Gorillas und Vulkan insgesamt c. USD250.
Flugpreise sind natürlich variabel. Die meisten Besucher fliegen nach Kigali und fahren dann 3-4 Std. bis zur Grenze. Der einzige internationale Flug nach Goma geht mit Ethiopian von/nach Addis.
Preise für die Unterkunft sind überschaubar, ich habe in einem Airbnb gewohnt, ich glaube für EUR30 die Nacht. Wer mehr Luxus in der Natur und weniger Chaos in der Stadt will, der kann auch in einer Lodge in der zwischen Gorillas und Vulkan nächtigen, ich glaube das kostet dann so um die USD300 die Nacht.
Wie in einem anderen Thread geschrieben hat Rwanda gerade die Gorilla Permits auf USD1500 verdoppelt. Kann natürlich sein, dass Uganda und Congo nachziehen. Also schnell hin ;-)

Kama aina

« Antwort #11 am: 08. Juni 2017, 10:47 »
Also für so ein geiles Erlebnis würde ich das Geld auch ausgeben! Sehr cool!
Ja die Erhöhung der Permits ist echt schade! Aber immer gut über sowas informiert zu sein! Danke dir!

BeenAroundTheWorld

« Antwort #12 am: 15. Mai 2018, 15:14 »
Nach der erneuten Ermordung einer Rangerin und der Entführung zweier britischer Touristen ist der Virunga Park nun auf unbestimmte Zeit für Touristen geschlossen. Sehr schade, die Region könnte Devisen wirklich gut gebrauchen.

Kama aina

« Antwort #13 am: 15. Mai 2018, 19:32 »
Ätzend! Sowas versaut mir immer die Stimmung! Kann man nur hoffen, dass sich die Region wieder etwas befriedet! Und das dieses Naturparadies nicht darunter leidet!

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