Thema: Vater hat Krebs - Reise nicht antreten?  (Gelesen 2384 mal)

TL_84

« am: 19. Dezember 2016, 10:33 »
Hallo ihr Lieben

Mein Freund und ich sind beide sehr reisebegeistert, das alltägliche Leben ist nicht so unseres...wir möchten leben, nicht nur exisitieren. Wir haben beide schon einmal eine längere Auszeit gehabt, arbeiten beide wieder seit über einen Jahr. Im Sommer haben wir uns dann entschlossen, dass wir nochmals eine längere Reise starten möchten. Leider hat dann zur gleichen Zeit mein Vater die Diagnose Lungenkrebs erhalten (bereits mit Ablegern, extensive disease). Wir haben dann das Ganze verschoben. Da die Chemo gut angeschlagen hat, habe ich dann vor zwei Wochen meinen Job gekündigt und wir wollten eigentlich gestern Sonntag alle Flüge buchen und am 02.02.17 losfliegen für 3.5 Monate (wir haben die Sache abgekürzt wegen der Krankheit meines Vaters).

Nun hat er am Freitag Bescheid bekommen, dass seine Tumore gewachsen sind und mittlerweile auch das Lymphsystem betroffen ist. Es geht im momentan nicht so gut. Man hat sogleich wieder mit einer Chemo gestartet.

Jetzt meine Frage: Was würdet ihr an meiner Stelle machen? Zu Hause bleiben? Trotzdem fliegen? Grundsätzlich kann ich ja jederzeit wieder umkehren...aber villicht ist man dann zu spät? Wenn ich zu Hause bleibe müsste ich mir einen temporären Job suchen (und da habe ich eigentlich nicht gross Lust drauf)...

Ich weiss nicht, vielleicht versteht ihr mich, ich bin total hin- und hergerissen.

Liebe Grüsse
TL_84
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Mezen

« Antwort #1 am: 19. Dezember 2016, 11:13 »
Hallo TL_84

Hast du mit deinem Vater denn direkt schon gesprochen? Weiss er, dass du und dein Freund eine lange Reise machen wollen?
Vielleicht ist es ja sein Wunsch, dass ihr die Reise antretet und nicht wegen ihm darauf verzichtet.
Ich würde auf jeden Fall mit ihm darüber sprechen.

Ich habe eine gute Freundin, die wegen dem Gesundheitszustand ihrer Grossmutter vor einem Jahr auf eine monatige Reise durch Thailand mit ihrem Freund und anderen Freunden verzichtet hat, da sie nicht weg sein wollte, falls ihre Grossmutter stirbt.
Ihr Freund und die Freunde gingen dann ohne sie und ihre Grossmutter starb erst in diesem Jahr.
Ich denke heute bereut sie es, dass sie auf die Reise verzichtet hat.

Was geben denn die Ärzte für eine Prognose für deinen Vater?
Vielleicht geben dir die Einschätzungen der Ärzte auch ein besseres Gefühl dafür, ob ihr die Reise antreten sollt oder nicht.

Ich persönlich würde wahrscheinlich gehen.
Natürlich ist es dein Vater, aber du lebst DEIN Leben einmalig und du bist niemandem etwas schuldig.
Du kannst die Zeit bis zum 02.02.17 mit deinem Vater ja besonders bewusst geniessen und ihn zum Beispiel mit regelmässigen E-Postkarten an der Reise teilhaben lassen.
Vielleicht gibt es deinem Vater besonders Kraft zu sehen, wie glücklich du dein Leben geniesst.
Zudem finde ich 3,5 Monate keine so lange Zeit.

Liebe Grüsse
Mezen
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dirtsA

« Antwort #2 am: 19. Dezember 2016, 12:42 »
Hey,

oje, das ist keine schöne Situation. So oder so wirst du dich mit deiner Entscheidung wahrscheinlich nicht gut fühlen...

Für mich würde es auch davon abhängen, was genau die Ärzte sagen. Gibt es noch Hoffnung auf vollständige Genesung, oder ist es schon so, dass es dem Ende zugeht? Wenn letzteres der Fall wäre, würde ich persönlich nicht losfahren. Was ist mehr wert - die letzten Monate mit einem geliebten Menschen zu verbringen (letzte Chance, für immer!) oder einem Hobby nachzugehen, für das man noch sein ganzes Leben Zeit hat? Klingt jetzt vielleicht etwas krass, aber ich würde es mir nie vergeben wenn ich in so einer Situation wegfahre und mein Vater dann stirbt. Ich könnte da meine Reise auch nicht genießen, wenn ich weiß, dass er zuhause leidet und im familiäre Unterstützung gut täte.

Wenn sich das Ganze allerdings noch über Jahre ziehen könnte (mit Genesung oder auch nicht), ist es eine schwierigere Entscheidung. Ich weiß nicht, wie nahe dein Vater und du euch steht, daher eigentlich unmöglich, hier eine Empfehlung auszusprechen.

Für mich weiß ich ziemlich sicher, dass ich nicht fahren würde. Vielleicht ist es etwas anderes, wenn man noch nie eine Auszeit hatte und/oder in seinem eigenen Leben nur jetzt fahren könnte (zB weil dann Familienplanung ansteht oder sonst was). Aber ihr habt schon eine Auszeit gehabt, und wenn 84 in deinem Namen für deinen Jahrgang steht, seid ihr ja auch noch nicht so alt.

Du schreibst, du kannst jederzeit umkehren, das stimmt. Aber natürlich kann das auch mal 2-3 Tage dauern, bis du dann wirklich zuhause bist. Oder du bekommst eine wichtige Nachricht gar nicht, weil du gerade ein paar Tage beim Trekking ohne Internet bist. Für mich wäre das schrecklich, wenn ich nach einem Trek zurück komme und nur noch die Email lesen kann, dass der Vater verstorben ist. Oder noch rechtzeitig, und dann heim zu rasen, gerade noch rechtzeitig am Krankenbett anzukommen - oder auch nicht...

Naja, wie gesagt: Am Ende ist es deine Entscheidung, die kann dir niemand abnehmen...
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Vombatus

« Antwort #3 am: 19. Dezember 2016, 13:52 »
… Naja, ich würde so eine Frage nicht öffentlich stellen, kann aber verstehen, wenn du hin- und hergerissen bist. Letztendlich würde ich dirtsA letzen Satz unterstreichen: Am Ende ist es deine Entscheidung, die kann dir niemand abnehmen … und du wirst damit alleine klarkommen müssen.

Um es noch komplizierter zu machen ein paar Fragen, die du dir stellen kannst, … welche du dir wahrscheinlich ohnehin schon gestellt hast.

Würdest du dir Vorwürfe machen, wenn dein Vater stirbt während du weg bist?

Würde der Gedanke an das Leid deines Vaters die Reisefreude verderben? Also, könntest du unbeschwert reisen?

Würdest du dann 100% zurück, falls dein Vater stirbt? Wie wäre es, wenn du dann nicht da gewesen wärst?

Wie lange würdest du warten, falls es deinem Vater besser geht, bis du dann startest?

Was ist, wenn dann ein erneuter Rückfall kommt?

Was ist, wenn dein Vater stirbt während du zuhause bist? Wer übernimmt die Aufgaben die dann vielleicht anstehen?

Kannst/möchtest du dann einfach los?

Was sagt deine Mutter, Familie?

Was sagt, (würde) dein Vater sagen?

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Claudia-to-go

« Antwort #4 am: 19. Dezember 2016, 14:09 »
Liebe TL_84,

es ist wirklich schwer, dir als komplett Außenstehende etwas zu raten.

Ich würde ebenfalls das Gespräch mit meinem Vater und meinen weiteren Angehörigen suchen. Denn auch wenn er diesen Rückfall übersteht, wird es schon durch die Chemo eine harte Zeit, in der deine Eltern/Geschwister sicher dankbar für Unterstützung sind.

Wenn du eine sehr enge Bindung zu deinem Papa hast, ist es vielleicht die beste Ausgangssituation, da du nun Zeit hast, die du mit ihm verbringen kannst.

Ich denke eine solche Entscheidung hängt stark von der Beziehung ab, die man zu einer Person hat.

Viele Grüße,
Claudia
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