Thema: Welche Länder eignen sich besonders für Alleinreisende - und welche nicht so?  (Gelesen 3232 mal)

GschamsterDiener

Ganz erschließt sich mir der Sinn hier nicht, aber bitte...

IRAN
Sehr kontaktfreudige Bevölkerung, geradezu gierig nach dir - was man mögen kann oder auch nicht (mir war es zu viel Liebe, aber ich bin eher asozial). Alleinreisen kein Problem, Mitreisende findet man immer wieder in den wenigen Hostels. Diejenigen, die im Iran reisen, sind auch zumeist ziemlich nette und coole Leute (abgesehen von den paar Besserwissern, die man in ungewöhnlicheren Reiseländern immer wieder trifft). Englisch ist weiter verbreitet als man vermutet.

GEORGIEN & ARMENIEN
Ähnlich wie im Iran: Überragende Gastfreundschaft (Reisen per Autostopp ist sehr einfach), überschaubare Anzahl an Hostels, wodurch die (relativ wenigen) Touristen zusammen bleiben. Wie im Iran trifft man immer wieder die gleichen Reisenden.

BANGLADESH
Ein untouristisches Land. Keine Backpacker, folglich ist Backpacker-Infrastruktur NICHT vorhanden. Man steigt entweder für ein paar EUR in einem sehr rudimentären Hotel (Bett, kaltes Wasser, Hocktoilette) unter oder gibt 15-25 EUR aus, um den Standard deutlich zu erhöhen (WIFI, Sitzklo, warme Dusche). Preis/Leistung ist woanders besser. Du bist die Hauptattraktion. Die Einheimischen sind freundlich, eine gewisse Aufdringlichkeit ist halt immanent (für mich weniger als in Indien, wo man 100x die gleiche Unterhaltung führen muss). Die Bettler in Zügen sind viel aufdringlicher als in Indien. Mitreisende werden sich sehr stark in Grenzen halten. Für alleinreisende Frauen jedenfalls nicht wirklich empfehlenswert.

EL SALVADOR
Es gibt zwar nur wenige Touristen, dafür aber die wohl besten Hostels in Zentralamerika (ich würde sogar behaupten: die besten nördlich von Chile). Bevölkerung ist typisch lateinamerikanisch freundlich, aber zurückhaltend.

MEXIKO
Die meisten Touristen sind auf der Strecke von Oaxaca nach Yucatan/Cancun zu finden + Mexico City. Rund um und nördlich von Mexico City hast du großartige Hostels in beeindruckenden historischen Städten quasi für dich. In keinem Land war ich so häufig alleine in einem Dormitory. Die Einheimischen sind zurückhaltend, aber super freundlich (für mich Top 3 in Lateinamerika). Ähnlich wie in BRA, CHI oder ARG immer wieder einheimische Reisende.
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Oliver13

Dann nochmal ein paar Erfahrungen von mir.

Iran
Super einfach und schön, alleine zu bereisen. An den klassischen Hauptattraktionen, z.B Esfahan oder Shiraz, trifft man in den wenigen Hostelartigen Unterkünften andere Reisende, vom Backpacker bis hin zu eher älteren Ehepaaren. Alles in allem sehr interesannte, nette Leute, die schon viel rumgekommen sind. Abseits der Hotspots werden es deutlich weniger Touristen, eher gar keine. Nördlich von Teheran habe ich genau zwei weitere Backpacker in drei Wochen getroffen. Aber das ist kein Problem, da die Iraner wie überall super gastfreundlich und aufgeschlossen sind. Es ist auch nicht zu teuer an den Orten, an denen es nur simple iranische Hotels gibt ein Einzelzimmer zu nehmen. Der Transport ist auch zahlreich und günstig.

Armenien
Außerhalb von Yerevan trifft man wenig andere Reisende. Es gibt aber überall tolle Homestays bei armenischen Familien, wo immer jemand Englisch kann und einem auch mit der weiteren Organisation hilft. Ein wenig Russisch wäre jedoch sicher sehr hilfreich.

Nagorno Karabakh
In Stepernaketh gibt es ein paar Homestays und Hotels. Und die meisten Backpacker landen alle im selben Homestay sodass man leicht die wenigen Reisenden hier trifft und sich auch für Tagesausflüge zusammenschließen kann.

Georgien
Vermutlich das touristischste dieser vier Länder. Es gibt recht viele Homestays und auch einige Hostels und man trifft die meisten Reisenden. Auch zum wandern oder für Ausflüge steht eigentlich immer jemand bereit und man kann sich Taxikosten teilen. Wie auch in den anderen Ländern ist der Altersschnitt höher als in den typischen Backpacker Zielen in Asien.
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pad

Vielen Dank für die vielen Berichte, ich finde das echt sehr spannend!

@GschamsterDiener bzw. zum Sinn der Sache:
Mir persönlich geht es so, dass ich noch eine sehr grosse "Liste" an Ländern und Orten habe, die ich gerne besuchen möchte. Wahrscheinlich werde ich auch nie alle machen können und die Reihenfolge ist mir dabei gar nicht so wichtig. Einige Destinationen werde ich alleine bereisen, andere mit Begleitung. Solche Berichte können als Hilfe bei der Entscheidung dienen, wenn es darum geht, wo man in Begleitung vielleicht eher eine bessere Zeit hat und wo es auch alleine äusserst spannend (oder vielleicht sogar spannender als in Begleitung) ist. Natürlich kommen noch ganz viele weitere Faktoren für die Auswahll eines Landes in Frage.

Zudem können vor allem die positiven Berichte Mut machen, in Länder zu fahren, die vielleicht bisher nicht auf dem Radar waren.

Es steht ausser Frage, dass solche Erfahrungen immer sehr individuell sind - dennoch zeichnen sich m.E. Muster ab.

Würde mich freuen, wenn hier noch mehr Meinungen zusammen kommen.
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ulmi

Hallo zusammen,

außer den "3 Guyanas" habe ich alle Länder Südamerikas bereist. Touristische Infrastruktur gabs m.E. dabei in Venezuela und Paraguay am wenigsten.
Damit verbunden ist auch automatisch, dass man dann dort auch weniger Backpacker trifft. Für beide Länder trifft das auf sehr weite Teile des Landes zu. Für Venezuela möchte ich (zu einem der Vorredner) noch Choroní und mit Abstrichen die Colonia Tovar sowie die Isla de Margarita (letztere 2 v.a. bei einheimischen Touristen frequentiert) und die Gran Sabana (aufgrund der Nähe zu Brasilien wohl viele Touristen von Brasilien) ergänzen, wo doch ein gewisser Tourismus herrscht.

Für alle anderen Länder gilt aber genauso, dass in abgelegenen Gegenden "westliche Leute" Exoten sind und man daher kaum Backpacker sieht.

Mit Einheimischen in Kontakt zu kommen, finde ich in Südamerika hingegen nirgends schwer, vorausgesetzt man spricht die Sprache(n). Verglichen mit (SO)Asien mag es viell. weniger einfach sein, kann ich nicht beurteilen, da ich Asien kaum kenne, aber m.E. locker einfacher, als in meinem Heimatland (D).
Gefühlt wird es aber wohl so sein, dass man vielleicht mit einem Chilenen, Argentinier oder Brasilianer abseits der Touristenpfade (allerdings gilt auch hier: je nachdem wo) eher eine Wellenlänge hat, da man sich kulturell/mentalitätsmäßig näher ist, als mit einem Bergbauern, den man auf dem Takesi-Trek in den Bergen trifft. (wobei das Gespräch mit Letzterem allerdings sehr wahrscheinlich einprägsamer/spezieller sein wird)

Die Länder mit weniger touristischer Infrastruktur zähle ich auch zu den etwas schwierigerer zu bereisenden Ländern in SA.

Alle Länder Südamerikas, die ich bereist habe, habe ich (zumindest die meiste Zeit) alleine bereist und funktioniert hat es überall relativ gut. Es war nur, z.B. in Venezuela und Paraguay, in manchen Gegenden etwas mühsamer und etwas risikoreicher.

Grüßle vom ulmi
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santiago

Da hier bisher vor allem über Asien und SA geschrieben wurde, noch etwas zu Europa:

Die Azoren sind (noch?) ein klassisches Reisegebiet für Familien oder Paare. Hostels gibt es kaum, auch weil die Anreise eher teuer ist, man braucht unbedingt ein Mietauto, und es ist generell eher ruhig auf den Inseln. Dafür ist die Landschaft ein Traum, auf airbnb kann man sich tolle Häuser am Meer mieten und es gilt als einer der besten Gegenden für Whale watching.
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n_rtw

Dann mach ich mal mit Frankreich weiter.
Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dort relativ viele Touristen in den Staedten zu treffen, was aber irgendwie fast gar nicht funktioniert hat im Norden (Amiens, Lille, Rouen, St. Malo, ...). Hostels gab es dort kaum bis gar nicht und die Jugendherbergen waren voll mit Familien oder Einzelpersonen mit Mission (Arbeitssuche etc). Und fast alles Franzosen. Vielleicht lags daran dass es erst Juni war und noch nicht voll Saison? Und die Jugendherbergen hatten eher 2 Mann Dorms und kaum Gemeinschaftsraeume. In Lyon und Marseille im August war das ganz anders. Es gab Hostels wie man es kennt bzw. die Jugendherberge in Lyon ist sehr kommunikativ.
Zwischendrin bin ich viel gewandert und dort das gleiche Spiel. In der Bretagne im Juni habe ich in 2 Wochen nur 6 andere Wanderer gesehen, der Rest Camper, alles Franzosen. Und auf den Campingplatzen kommt man nicht so einfach ins Gespraech, wie im Hostel. Wanderer sind doch anders, und Camper erst recht. Auf dem Stevenson Wanderweg im August war dagegen voll die Voelkerwanderung und man kam mit vielen ins Gespraech. Aber auch zu 95% Franzosen.
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pad

Danke für eure Einträge.

Ich möchte meinen Beitrag zu Brasilien noch etwas relativieren.

Um Salvador und entlang der Küste (Linea Verde) habe ich recht viele Individualreisende und Backpacker getroffen. In den Hostels herrschte ein guter Mix. In der Region Bahia ist mir auch die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Locals sehr positiv aufgefallen. Ich fand die Leute in Brasilien überall freundlich, aber hier ist es mir besonders positiv aufgefallen.

In einer zweiten Brasilienreise würde ich mich darauf konzentrieren, die Regionen nördlich von Salvador zu erkunden. Hier scheint mir das Land auch lebensfreudiger, "echter" und lebendiger als im teilweise doch sehr europäischen und organisierten Süden.
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