Thema: Meine große Resteverwertung: Asien, OZ, Südsee, NZ, SA, Antarktis, Karibik, Afri  (Gelesen 15846 mal)

GschamsterDiener

Zusammenfassung und Fazit zur Antarktis:

19D/18N an Bord der Hondius. Die Route im Groben war: Beagle Channel/Seetag (1,5d)- Falklands (1,5d)-Seetage (2,5d)-South Georgia (4d)-Seetage (1,5d)-South Orkneys (0,5d)-Seetag (1d)-Antarctic Peninsula (3,75d)-Seetage = Rückkehr über die Drake Passage (2,25d).

Ich habe ca. 10 Tage vor Start des Cruise für 12,5k$ ein Bett in der 4er-Kabine gebucht. Mit Trinkgeld (freiwillig) und Spende an den South Georgia Fund (ich habe einen Kochkurs an Bord für 250 GBP ersteigert) hat mich die Expedition dank schwachem Dollarkurs ca. 11k EUR gekostet.

Ich bin ja eher nicht so der emotionale Typ und habe nach vielen Reisen eine recht hohe Begeisterungsschwelle entwickelt, aber die Antarktis war eine meiner absolut besten Reiseerfahrungen und die hohe Ausgabe definitiv wert. Eine Traumreise.

Was passiert so, wenn man am Schiff ist: Das war meine erste Kreuzfahrt, insofern war ich überrascht über das hohe Level des Angebots an Bord. Tägliche Reinigung der Kabinen, drei überraschend gute Mahlzeiten (meistens Buffet, manchmal 3-Gang-Menü) und Snacks dazwischen, Tee und Kaffee so viel man will. Da fragte sich der notorische Backpacker nach Jahren in versifften Absteigen, wieso er so etwas nicht viel früher gemacht hat, ist doch viel bequemer. Internet ist überraschend schnell und stabil und man hat 1.5GB täglich gratis. An Seetagen gibt es regelmäßige wissenschaftliche Vorträge – 30% ausgezeichnet, weitere 40% gut. Die Vorträge werden von den Guides gehalten. Die ca. 16 Guides sind ein illustrer internationaler Haufen von Spezialisten. Beispiele: Wir hatten einen Dr. der Glaziologie, einen Dr. der Veterinärmedizin, eine Falklanderin in 8. Generation, einen Veteranen des Falklandkrieges, Vogelkundler, die Jahre auf Südgeorgien verbracht hatten, etc. Die Guides operieren auch die Zodiacs (kleine Gummiboote) und schauen bei Anlandungen, dass die chinesischen Passagiere keine Pinguine mitnehmen, etc.

Was passiert außerhalb des Schiffs: man ist entweder an Land oder (wenn die Personenzahl an Land limitiert ist oder eine Anlandung wegen Wetters nicht möglich ist) man cruist im Zodiac herum. Ich war zunächst kein großer Fan der Zodiacs, weil es bei Fotos wackelt und man in Südgeorgien aus dem Wasser weniger sieht als an Land und es kalt ist. Aber ich wurde ein großer Fan von Zodiacs in der Antarktis, weil man da sehr nahe Robben und – natürlich! – Wale rankommen konnte.

Die Highlights in loser chronologischer Reihenfolge:
1. Saunders Island (Falklands): ich fand die Falklands insgesamt nett, aber am wenigsten interessant – mit Ausnahme von Saunders Island. Hier gibt es neben mehreren Arten von Pinguinen eine große Brutstätte von Albatrossen.
2. Alle Anlandungen in Südgeorgien: Riesige Kolonien von Königspinguinen (100tausende); verspielte Fellrobben; Seeelefanten mit ihren wunderschönen großen Augen; junge Seeelefanten-Männchen, die sich ausprobieren; Besuch von ehemaligen Walstationen Marke Lost Places, insbesondere Grytviken bei perfektem Sonnenschein, wo die Fauna die Kontrolle über vor sich hin rostende Mordmaschinerie übernommen hat – sensationell photogen.
3. Vom Schiff aus Wale beobachten, teils von der für alle offenen Brücke aus. An einem Abend, als wir durch einen Kanal gefahren sind, haben wir wahrscheinlich über 100 Buckelwale in einer Stunde gesehen. An einem anderen Tag haben wir ca. 20 Orcas entdeckt, die einen Finwal erlegt haben und konnten 20 Minuten lang die Action vom Schiff aus verfolgen.
4. Die Schönheit der Antarktis: Sonnig, windstill, die Szenerie spiegelt sich im glatten Wasser wider.
5. Die Zodiac Cruises in der Antarktis: Buckelwale teilweise weniger als einen Meter vom Gummiboot entfernt, Leopardenrobben, die dich vom Wasser aus auschecken, ein Orca direkt unter dem Boot. (Ich war leider nicht in einem der Boote, vor denen ein Buckelwal ca. 20x pirouettenhaft aus dem Wasser sprang.)
6. Das Wetter: Wir hatten echt Glück. Nicht mal in der berüchtigten Drake Passage hatten wir signifikanten Wellengang. Südgeorgien war teils sonnig, teils konnten wir leider nicht anlanden, die Antarktis war perfekt.

Die Lowlights:
1. Eigentlich nur die recht zähe Seepassage zwischen Falklands und Südgeorgien.
2. Evtl. noch ein paar der Zodiacfahrten in Südgeorgien.

Was hätte ich im Nachhinein anders gemacht: Ich hatte als Puffer 2 Nächte Buenos Aires + 2 Nächte Ushuaia vor dem Cruise und eine Nacht in Buenos Aires nach dem Cruise gebucht und konnte damit meinem Hobby, der Mißbilligung Argentiniens, ausgiebig fröhnen. Dieser große Puffer war aber im Nachgang überhaupt nicht notwendig. Ich würde im Nachhinein jeweils eine Nacht in BA und Ushuaia streichen. Zudem würde ich von BA nach Ushuaia die deutlich günstigeren Flugtickets von Flybondi buchen anstatt mit Aerolineas Argentinas zu fliegen, die sehr teuer und regelmäßig verspätet sind.

Bei Fragen: gerne.
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