Thema: Leben im Hier und Jetzt  (Gelesen 6649 mal)

tanoil

« Antwort #15 am: 27. Mai 2016, 14:43 »
Deshalb finde ich es toll wenn Leute solche Träume real anpacken so wie hier. Das kann man nicht als vergeudete Zeit bezeichnen.
Richtig. So sehe ich es auch. Ich finde es im Gegenteil ein gutes Beispiel, wenn es jemand auch ohne besondere finanzielle Segnungen, durch konsequentes sparen es schafft seine Reisepläne zu verwirklichen.
Schließlich würde auch niemand in frage stellen, dass jemand jahrelange Entbehrungen in Kauf nimmt, um etwa ein Studium abzuschließen. Selbst bei einer Ausbildung ist man erstmal ein paar Jahre schlechter gestellt als manch ungelernter Arbeiter.
Wenn ich mich an meine Studienzeit zurückerinnere, kann ich sagen, dass das damals eine sehr schöne Zeit war. Wir hatten viel Spaß und sind auch oft feiern gewesen. Die beschränkten Mittel, die wir da als hatten, haben dem wenig Abbruch getan.
Ich finde sparen, weniger konsumieren, heißt nicht gleich, dass man nicht lebt. Gestern war ich zB 5 Stunden Rad fahren bei mir im Umland. Hätte ich nicht zu wenig Wasser dabei gehabt, dann hätte ich keinen Cent ausgegeben dafür. Für mich jedenfalls genauso gut oder besser als viele andere Beschäftigungen, die richtig Geld gekostet hätten.
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farmerjohn1

« Antwort #16 am: 28. Mai 2016, 19:04 »
na, man baucht sich schon  nicht zu wundern, dass hier das (zeitlich definierte) Lebensziel Weltreise besonderen Vorrang hat - sonst wuerde das Forum ja heissen: Lebenvorderweltreise-info.de, oder so aehnlich.

Ob das langfristig und gruendlich geplante oder akzidenzielle Vorgehen sinnvoller ist, kann man nicht allgemein sagen, finde ich. Haengt zu stark von der Person und von den Lebensbedingungen ab.

Gibt Leute die arbeiten 20, 30 Jahre und laenger an einem Plan, der alles Erwuenschte nebst moeglichst vollstaendiger Hintergrundinformation und Fehlerkorrekturen von vergangenen Eigen- und Fremdfehlern enthaelt - und muessen am Ende mangels Moeglichkeiten entweder auf die Umsetzung ganz verzichten oder selbige eben doch ueber's Knie brechen, und sehenden Auges Maengel in Kauf nehmen, die sie trotz aller Vorkenntnis und vorausschauenden Massnahmen nicht vermeiden koennen. Andere wiederum haben gar keine Ahnung und machen einfach irgendwas was sich gerade bietet - und das bringt sie in jeder Hinsicht sehr weit.

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schmitzi

« Antwort #17 am: 01. Juni 2016, 16:13 »
Für Planung habe ich nie allzu viel Zeit aufgewendet. Impfungen, Visafragen, Krankenversicherung. Den Rest möglichst akut vor Ort planen.

Trotzdem habe ich mit dem Leben im "hier und jetzt" so meine Probleme. So richtig zufrieden bin ich nicht, weil mich der Alltag oft anödet - auch wenn ich an meinem Beruf Spaß habe und natürlich auch oft abgelenkt bin. Aber du hast schon recht meistens denke ich eher "nach der Reise ist vor der Reise". Vielleicht fehlen mir ja auch bloß die richtigen Hobbies :D .
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dirtsA

« Antwort #18 am: 01. Juni 2016, 16:23 »
Mal ehrlich gesagt: Das mit dem nicht-zufrieden-sein haben doch viele meiner Freunde auch, die mit Reisen rein gar nichts anfangen können. Denke nicht, dass das in allen Fällen so viel damit zu tun hat.

Wir sind einfach eine verwöhnte Generation in einem Land, wo man es sich erlauben kann, sich zu fragen was man denn noch mehr vom Leben erwarten kann. Eigentlich sollten uns gerade unsere Reisen doch vor Augen führen, dass wir weltweit so ziemlich den Jackpot gezogen haben. Wir haben einen Job, der gut genug bezahlt ist, um (mehr oder weniger) regemässig grössere Reisen in der ganzen Welt zu unternehmen. Ist doch nichts Schlimmes, wenn man von einer Reise zur nächsten lebt. Mein Vater lebt von einer Bergtour zur nächsten. Klar, Bergtour geht öfter als Reise, aber trotzdem. Auch in der nächsten Umgebung gibt es genug zu entdecken - warum nicht die Umgebung bereisen? Damit dann genauso häufig möglich, wie auf den Berg rauf.
Noch dazu haben wir den Luxus der wohl weltweit meisten bezahlten Urlaubstage, sodass wir nicht nur Geld (durch den Job) sondern im Vergleich zu den Amis auch Zeit haben, unserem Hobby nachzugehen.

Gerade unsere Reisen sollten uns vor Augen führen, dass das nicht normal ist.
Klar, will ich lieber besser gelaunte Menschen oder eine Strandbar um die Ecke und ist mir das wichtiger als ein gutes Einkommen und Zeit in der ich reisen kann - dann muss ich eben anders priorisieren und in ein Land gehen, das mir genau das bietet. Aber dann nicht beschweren, wenn ich aus dem Land nicht mehr raus komme, weil ich nicht genug für den Flug verdiene. Natürlich gibt es evtl. Zwischenlösungen, aber ALLES geht eben nicht. Das sollte doch jedem klar sein...  ::)

Sorry, aber musste ich hier mal loswerden, weil es einfach schon so viele Threads in der Richtung gibt...  ::)
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hosep

« Antwort #19 am: 17. Januar 2025, 20:55 »
Ich habe ein wenig gestöbert und bin auf dieses interessante Thema gestoßen. Ich selbst habe sowohl die von dir aufgestellte These er- und gelebt als auch die Planungen nebenherlaufen lassen und kaum bis gar keine Zeit investiert für Recherchen. Bin jetzt auf der sechsten Langzeitreise und muss sagen, dass die Deutschlandaufenthalte zwischen der ersten und vierten Reise schon in die Richtung gingen wie von OP beschrieben. Entweder in Fotobüchern und den letzten Reiseerinnerungen geschwelgt oder exzessiv die nächste Reise geplant. Hatte teilweise schon was von Realitätsflucht. Die vierte Reise ging dann mit Abstand am längsten (anderthalb Jahre statt der üblichen 6-10 Monate) und seitdem ist es auch irgendwie eher ein Teil meines Lifestyles geworden. Genau wie andere Dinge auch. Soll heißen, ich sehe das Reisen zwar immer noch als wichtig und fundamentalen Teil meines Lebens an, aber es ist nicht mehr der alleinige heilige Gral in meinem Leben und gleichrangig mit anderen Interessen, die mir auch fehlen würden, gäbe es sie nicht mehr. Es verschmilzt halt alles immer mehr miteinander, was sich aber auch gut und rund anfühlt. Ich reise zB auch nicht mehr ausschließlich mit dem klassischem bucket list mindset, wo ich dann bestimmte Orte/Sehenswürdigkeiten/Aktivitäten "abarbeite". Stattdessen stehen dann halt - auch wenn ich gerade unterwegs bin - zeitweise andere Interessen höher im Kurs als das Reisen seiner selbst willen. Ich war jetzt zB neulich zwei Monate in Marokko. Nettoreisezeit war etwa ein Monat, den Rest der Zeit habe ich in zwei völlig andere Ziele investiert (ein sportliches, eins in Persönlichkeitentwicklung). Dabei war es völlig gleich, ob ich nun in Marokko, Deutschland, Bolivien oder Kambodscha bin. Genauso ist es mit den Ruhephasen im Leben. Grundlegend ist es mir mittlerweile nicht mehr so wichtig ob ich an irgendeinem Strand chille oder bei Freunden und Familie auf der Couch.
Was die Planung angeht, empfinde ich diese bisweilen sogar als lästig. Die letzten Länder hatte ich eigentlich nur ein großes Auswahlkriterium: Von wo gibt´s wann und wohin einen Schnäppchenflug in ein Land, in dem ich noch nicht war bzw wo ich gern mal wieder hin will. Danach gibt´s eine kurze Recherche auf Google, Maps, Bildersuche und booking. Das war´s. So kommt´s, dass ich die Flüge nur ein oder zwei Wochen vorher buche und dann immer nur für die jeweils nächsten eins zwei Orte recherchiere. Wobei ich auch ab und an mal einen Tag erwische wo ich richtig Bock habe und im Planungsmodus bin. Da kann ich dann auch gut vorarbeiten.

Grundlegend finde ich deshalb die Aussage richtig, dass man seine Zeit verprasselt, wenn man sich ausschließlich auf die nächste Reise konzentriert, obwohl diese noch nicht in unmittelbarer Zukunft liegt und man nur seine Zeit bis dahin absitzt. Das gilt aber genauso für alles andere im Leben und geht schon bei den Menschen los, die sich Montag schon auf Freitag freuen und sich nur durch die Woche schleppen (und langfristig das Renteneintrittsalter).
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