Ich habe ein wenig gestöbert und bin auf dieses interessante Thema gestoßen. Ich selbst habe sowohl die von dir aufgestellte These er- und gelebt als auch die Planungen nebenherlaufen lassen und kaum bis gar keine Zeit investiert für Recherchen. Bin jetzt auf der sechsten Langzeitreise und muss sagen, dass die Deutschlandaufenthalte zwischen der ersten und vierten Reise schon in die Richtung gingen wie von OP beschrieben. Entweder in Fotobüchern und den letzten Reiseerinnerungen geschwelgt oder exzessiv die nächste Reise geplant. Hatte teilweise schon was von Realitätsflucht. Die vierte Reise ging dann mit Abstand am längsten (anderthalb Jahre statt der üblichen 6-10 Monate) und seitdem ist es auch irgendwie eher ein Teil meines Lifestyles geworden. Genau wie andere Dinge auch. Soll heißen, ich sehe das Reisen zwar immer noch als wichtig und fundamentalen Teil meines Lebens an, aber es ist nicht mehr der alleinige heilige Gral in meinem Leben und gleichrangig mit anderen Interessen, die mir auch fehlen würden, gäbe es sie nicht mehr. Es verschmilzt halt alles immer mehr miteinander, was sich aber auch gut und rund anfühlt. Ich reise zB auch nicht mehr ausschließlich mit dem klassischem bucket list mindset, wo ich dann bestimmte Orte/Sehenswürdigkeiten/Aktivitäten "abarbeite". Stattdessen stehen dann halt - auch wenn ich gerade unterwegs bin - zeitweise andere Interessen höher im Kurs als das Reisen seiner selbst willen. Ich war jetzt zB neulich zwei Monate in Marokko. Nettoreisezeit war etwa ein Monat, den Rest der Zeit habe ich in zwei völlig andere Ziele investiert (ein sportliches, eins in Persönlichkeitentwicklung). Dabei war es völlig gleich, ob ich nun in Marokko, Deutschland, Bolivien oder Kambodscha bin. Genauso ist es mit den Ruhephasen im Leben. Grundlegend ist es mir mittlerweile nicht mehr so wichtig ob ich an irgendeinem Strand chille oder bei Freunden und Familie auf der Couch.
Was die Planung angeht, empfinde ich diese bisweilen sogar als lästig. Die letzten Länder hatte ich eigentlich nur ein großes Auswahlkriterium: Von wo gibt´s wann und wohin einen Schnäppchenflug in ein Land, in dem ich noch nicht war bzw wo ich gern mal wieder hin will. Danach gibt´s eine kurze Recherche auf Google, Maps, Bildersuche und booking. Das war´s. So kommt´s, dass ich die Flüge nur ein oder zwei Wochen vorher buche und dann immer nur für die jeweils nächsten eins zwei Orte recherchiere. Wobei ich auch ab und an mal einen Tag erwische wo ich richtig Bock habe und im Planungsmodus bin. Da kann ich dann auch gut vorarbeiten.
Grundlegend finde ich deshalb die Aussage richtig, dass man seine Zeit verprasselt, wenn man sich ausschließlich auf die nächste Reise konzentriert, obwohl diese noch nicht in unmittelbarer Zukunft liegt und man nur seine Zeit bis dahin absitzt. Das gilt aber genauso für alles andere im Leben und geht schon bei den Menschen los, die sich Montag schon auf Freitag freuen und sich nur durch die Woche schleppen (und langfristig das Renteneintrittsalter).