Thema: Segeltörn Karibik - Inseln unter dem Winde  (Gelesen 1062 mal)

Derevaja

« am: 15. April 2024, 16:27 »
Seit einigen Wochen sind wir nun schon von unserem Segeltörn von Martinique nach Sint Maarten zurück und ich wollte einen kurzen Bericht dazu schreiben. Die Idee war zwei Leidenschaften zu verbinden: Meilen sammeln (für den Hochseeschein) und Länder sammeln (für den persönlichen Reiseatlas) :P

Die Route führte uns auf einem ELAN 514 (ca.16m) Performance Cruiser als Teil der mitsegelnden Crew von Martinique’s Le Marin Marina über Dominica, Guadeloupe, Antigua, St Kitts and Nevis, Sint Eustatius nach Sint Maarten.

In der Praxis sieht so ein Segeltörn mit relativ vielen Meilen so aus, dass man am ersten Morgen Proviant kauft, Sicherheit und Aufgabeneinteilung, sowie die Etappen mit der Crew durchspricht, und dann das erste Tagesziel anpeilt und lossegelt. Jeden Tag wird dann eine Strecke gesegelt, ggfs. Zwischenstops an schönen Schnorchel- oder Landspots gemacht, und abends wird geankert oder an einer Boje festgemacht. Die Anker- und Bojenplätze werden entsprechend Verfügbarkeit und Wetter ausgewählt. Gegessen haben wir meist an Bord, abends ab und zu auch in kleinen Restaurants an Land. Nach einer Woche haben wir in einer Marina in Antigua die Vorräte (Wasser, Essen, Diesel, Gas) aufgefüllt.

Wind und Wetter waren uns wohlgesonnen und wir hatten nur eine stürmische Nacht und sehr wenig Regen in einem Zeitraum von zwei Wochen im Februar. Ansonsten guten Wind und viel Sonne.

Was bei so einem Segeltörn natürlich etwas zu kurz kommt ist die Erkundung der einzelnen Inseln im Landesinnern. So haben wir in Dominica nur die Indian River Tour gemacht (kann man machen), in Guadeloupe Terre de Haut (sehr schöner Ort), das Fort Napoleon, und das Tauchrevier Cousteau Reserve, in Antigua die Gegend um Jolly Harbour, Pinneys beach in Nevis, und die Küste von Sint Eusta-tius erkundet. Auf Sint Maarten haben wir uns die Gegend um Simpson Bay und Maho Beach (wo die Flugzeuge sehr nah über einen hinwegfliegen) und ein paar Strände angesehen.

Eine kurze Zusammenfassung der Inseln so wie ich sie erlebt habe:

Martinique: schöne Natur, relativ gross, gute Flugverbindungen, relativ viele Unterkünfte, viele französische (Pauschal-)Touristen, gute Marina

Dominica: sehr ursprünglich, beeindruckende Natur, interessante Mischung von Kulturen, Rastafari

Guadeloupe: ähnlich wie Martinique, Iles les Saintes sind sehr schön

Antigua: teuer, grandioses Meer und Strände

St Kitts und Nevis: scheint weniger (touristisch) entwickelt

Sint Eustatius: Öl- und Gasindustrie, wenig touristisch, tolle Landschaft

Sint Maarten: niederländische Seite: Party, grosse Marina
 
Allgemein muss man sagen, dass die Gegend relativ teuer und stark auf den Tourismus der Kreuzfahrtschiffe ausgelegt ist. Die Erkundung mit einem Segelboot ist an sich dem Reisen mit den grossen Schiffen ähnlich, allerdings ist man dabei ständig aktiv, sehr nah an den Elementen, viel mehr integriert in alle täglichen Aktivitäten (Kochen, Navigieren, Segeln, Recherchieren, etc.), und natürlich etwas mehr allein als auf den Cruises 😉 Eine Woche mehr Zeit wäre schön gewesen um die Inseln noch ausführlicher zu erkunden.

Uns hat es (wie auch schon 2022 als wir von Martinique Richtung Süden gesegelt sind) sehr gut gefallen, allerdings werden wir jetzt auch erstmal ein paar Jahre nicht mehr in die Karibik reisen.
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Marla

« Antwort #1 am: 18. April 2024, 16:10 »
Antigua: teuer, grandioses Meer und Strände

St Kitts und Nevis: scheint weniger (touristisch) entwickelt

Sint Eustatius: Öl- und Gasindustrie, wenig touristisch, tolle Landschaft
Würde ich so unterschreiben. Außer Statia, das fand ich eher trostlos, und auch mein Lonely Planet meinte, dass die Attraktionen alle unter Wasser liegen. Aber ihr habt vermutlich mehr gesehen vom Wasser aus.

Zitat
Allgemein muss man sagen, dass die Gegend relativ teuer und stark auf den Tourismus der Kreuzfahrtschiffe ausgelegt ist.
Absolut. Wobei manche Ecken wie English Harbour auf Antigua zu 100 % auf Segel- und Yachttourismus ausgelegt sind, was ich auch krass fand, das ist echt eine Szene für sich.
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isla

« Antwort #2 am: 18. Februar 2026, 06:43 »
Das klingt nach einem fantastischen Törn, ihr habt ja richtig was mitgenommen auf der Strecke. Die Idee, Meilen und Länder gleichzeitig zu sammeln, ist doch perfekt, und ihr habt in zwei Wochen eine beeindruckende Anzahl an Inseln abgedeckt. Der ELAN 514 ist ja auch ein feines Schiff für so eine Performance-orientierte Reise.

Was du beschreibst, ist genau das, was viele unterschätzen: So ein Törn mit ambitionierten Tagesetappen ist eben kein reiner Inselhopping-Urlaub, sondern in erster Linie Segeln mit Landgang als Zugabe. Man ist ständig mit Navigation, Wetter, Manövern und dem Bootsalltag beschäftigt. Dass ihr trotzdem die Höhepunkte wie die Indian River Tour in Dominica oder das Cousteau Reserve in Guadeloupe mitnehmen konntet, zeigt, dass ihr den Rhythmus gut getroffen habt.

Spannend, wie unterschiedlich du die Inseln wahrgenommen hast. Dominica als ursprünglich und rastafarisch zu beschreiben, passt genau zu dem Bild, das man oft hört – die Natur dort soll ja atemberaubend sein. Antigua mit seinem teuren, aber grandiosen Wasser und Stränden kenne ich auch so. Und Sint Maarten mit der Party-Stimmung und dem Maho Beach, wo die Flugzeuge tiefer einfliegen als manch ein Vogel, ist einfach ein Erlebnis für sich.

Schade, dass ihr ausgerechnet Sint Eustatius, oder Statia wie es oft genannt wird, nur von der Küste sehen konntet. Die Insel hat historisch eine riesige Bedeutung gehabt und soll landschaftlich der Hammer sein, aber wenn die Industrieanlagen dominieren, ist der Reiz zum Anlanden vielleicht geringer.

Dein Fazit trifft es gut: Es ist eine teure, auf Kreuzfahrttourismus ausgelegte Region, aber vom Segelboot aus erlebt man sie viel intensiver, weil man selbst Teil des Geschehens ist. Dass ihr jetzt erstmal eine Pause von der Karibik macht, kann ich verstehen. Nach so einem Ritt hat man sich eine Auszeit verdient, und die Welt hat ja noch andere schöne Ecken zu bieten. Danke für den ausführlichen Bericht, hat richtig Spaß gemacht zu lesen.
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