Thema: Mit dem Fahrrad nach China 2024 - 26  (Gelesen 460 mal)

thrones_of_blood

« am: 14. Oktober 2022, 18:13 »
Liebes Forum

Einige von euch werden sich vielleicht noch daran erinnern, dass ich 2015 nach meinem Studium für 7 Monate nach Asien aufgebrochen bin und dort als Backpacker herumgereist bin.
Ursprünglich hatte ich damals eigentlich etwas ganz anderes geplant: Mein ursprünglicher Plan war, mit dem Fahrrad von der Schweiz bis nach China zu radeln. Dies habe ich dann aber zugunsten vom Backpacking nicht gemacht. Natürlich habe ich meine Reise total genossen, jedoch lässt mich diese Idee vom Overland nach China einfach immer noch nicht los. Ich habe mir auch schon die Mongol Rally überlegt, oder die ganze Strecke mit dem ÖV zu machen…

Mittlerweile bin ich verheiratet und habe einen guten Job, der mir eigentlich auch Spass macht. Doch in letzter Zeit sitze ich immer öfter im Büro und frage mich, was ich mit meinem Leben mache… So sind schon mehr als 6 Jahre vergangen, seit ich von meiner Reise zurückgekehrt bin. Der Traum, die Seidenstrasse mit dem Fahrrad zu bereisen, schwirrt mir somit immer öfter wieder im Kopf herum.

Hierzu sei noch gesagt… Ich bin kein passionierter Radler – Im Gegenteil: Ich besitze nicht einmal ein Fahrrad. Dies war wohl mitunter der Grund, warum ich es 2015 nicht gewagt habe. Mittlerweile bin ich aber an einem Punkt angekommen, wo ich mir sage: Wenn ich es jetzt nicht mache, dann wahrscheinlich niemals. Mich reizt das langsame Reisen, der Kontakt mit den Menschen, der «Outdoor-Aspekt» und die Challenge.

Zum Glück kann sich meine Frau mit dieser Idee auch anfreunden. Somit haben wir beschlossen, den Plan in die Wirklichkeit umzusetzen und mit der Planung zu beginnen. Im Sommer 2023 müsste ich meinen Arbeitgeber informieren, dass ich im folgenden Jahr kündigen möchte (ich bin in einer Kaderposition und eine Nachfolge zu finden dauert recht lange. Deshalb müsste auch aus Fairness früh informieren.) Ich bin in der Bildung tätig, somit kann ich normalerweise nur auf Ende Juli künden.

Es gibt ausserdem schon vor Beginn einige organisatorische Hürden zu beachten:

-   Meine Frau ist nicht Schweizerin, somit reisen wir mit 2 verschiedenen Pässen (CH + Taiwan) und somit zwei verschiedenen Visabestimmungen. Eventuell schaffen wir die Einbürgerung noch bevor wir losreisen, so dass sie in Zentralasien auch in die meisten Länder visumfrei einreisen kann.
-   Sowieso ist die Visumbeschaffung bei diesem Unterfangen eine Challenge: Turkmenistan gibt – so wie ich im Moment informiert bin – momentan (seit Covid) keine Transitvisa mehr aus. Ein Chinavisum in Zentralasien zu beschaffen, wird auch immer schwieriger.
-   Aktuelle geopolitische Situation: Unruhen im Iran, in Kasachstan sowie in Tadschikistan, Krieg in der Ukraine und die damit verbundenen Spannungen mit Russland. Wer weiss, wie das alles weiter geht…
-   Covid: Es ist immer noch nicht sicher, wie das mit Covid weitergeht. Vorallem habe ich keine Lust, in China in so einen zero-covid Lockdown zu geraten oder mich alle drei Tage testen zu lassen. Auch in anderen Ländern bleibt die Lage unberechenbar.

=> All diese Dinge müssten wir im Auge behalten. Schlussendlich, wenn es aus irgend einem Grund so aussehen würde, dass wir es nicht durchziehen könnten, könnten wir immer noch eine «normale Weltreise» machen.

Grundsätzlich würden wir uns eine 2 jährige Auszeit nehmen, Jobs kündigen und Wohnung auflösen. Die grobe Planung sähe dann so aus:

August 2024 – November 2024 (4 Monate)
-   Erste Etappe Radeln von der Schweiz über den Balkan bis nach Istanbul

November 2024 bis Ende Januar 2025 (3 Monate)
-   «Überwintern», bis das Klima für die Weiterreise wieder OK ist.
-   Eine Idee ist dabei, zum Beispiel von Istanbul in die VAE zu Fliegen und dort dann im Oman eine Fahrradtour zu machen. Ausserdem könnten wir uns auch einen Abstecher nach Indien vorstellen, und dort z.B. vom Süden bis nach Mumbai radeln.

Februar 2025 – Oktober 2025 (9 Monate)
Rückkehr nach Istanbul, dort das Visum für den Iran beantragen und dann weiterradeln nach Georgien & Armenien (bis Ende März, so dass wir nicht während dem Ramadan im Iran sind).
Ab April dann in den Iran, weiter nach Turkmenistan -> Usbekistan -> Tadschikistan (Pamir Highway) -> Kirgisistan.

In Kirgisistan wäre dann die grosse Entscheidung fällig, wie es weiter geht. Eventuell direkt oder via Kasachstan nach China. Hier ist das Problem, dass Xinjiang kaum mehr als Individualreisender mit Fahrrad zu bereisen ist. So zumindest sehen das viele, die in letzter Zeit dort waren: Zu stark sind die Einschränkungen, man darf ja nicht mal mit einem Messer einreisen und überall gibt es Checkpoints.

Somit wäre die Alternative, je nach dem, wie viel Zeit wir vor dem Wintereinbruch noch haben, via Kasachstan -> Russland (Transitvisum) -> Mongolei nach China zu gelangen. Erstens sind die Erfahrungen mit Chinavisum in Ulaanbataar recht gut, andererseits würden wir in die innere Mongolei einreisen, wo die Einschränkungen viel weniger streng sind (für chinesische Verhältnisse/im Vergleich zu Xinjiang zumindest). Ich bin mir aber auch bewusst, dass das noch einmal ein paar tausend zusätzliche Kilometer bedeutet, da sowohl Kasachstan, als auch die Mongolei riesig sind…

Auf jeden Fall ist das Ziel Peking.

Je nach Befindlichkeit, Budget und Jahreszeit wäre es durchaus denkbar, von Peking aus noch weiter in Richtung Süden, zum Beispiel Hong Kong, oder sogar nach Südostasien zu radeln. (Mein ursprünglicher Plan aus 2015 sah Singapur als Ziel vor.)

Oktober/November 2025 – Juli 2026
Jobsuche (Auf August 2026)
Ev. längerer Aufenthalt in Asien (z.B. Taiwan) als Überbrückung
Ev. die Radreise noch verlängern, (z.B. in Neuseeland oder SOA)

Die Auszeit von zwei Jahren würde natürlich ein ordentliches finanzielles Polster erfordern, laut meiner Kalkulation sollten wir aber in den nächsten zwei Jahren noch genug Kapital aufbauen können und wir haben auch schon einiges gespart. Wahrscheinlich würden wir all unsere materiellen Dinge verkaufen und uns dann bei meinen Eltern einquartieren (Meldeadresse), solange wir unterwegs sind.

Soweit mal der grobe Plan. Gerne höre ich eure Meinung dazu. Insbesondere das «Überwintern» ist für mich noch ein offener Punkt: Dort höre ich gerne eure Ideen. Natürlich wäre ich besonders interessiert an Feedback von Personen, die diese Route schon mal mit dem Fahrrad gemacht haben, insbesondere auch Feedbacks zu dem Zeitplan.

Ansonsten werde ich versuchen, euch über die Planung in diesem Thread auf dem Laufenden zu halten.  :)

Liebe Grüsse
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Derevaja

« Antwort #1 am: 21. November 2022, 10:56 »
Klingt nach einer spannenden Reise auf einer super interessanten Route mit tollem Ziel!

Aus ein bisschen Reiseerfahrung in der Gegend und von Erzählungen (ein Bekannter ist mit dem Rad von der Schweiz nach Kathmandu gefahren) kommen mir ein paar Themen in den Sinn die bei euch evtl. auch relevant werden können:

- Falls noch nicht geplant, den Kaukasus in die Route mit aufnehmen, das sind ein paar spannende Länder und Landschaften
- Falls es im Iran dann immer noch grössere Probleme gibt oder falls man kein Visum für Turkmenistan bekommt, gibt es noch eine Fähre übers Kaspische Meer von Baku nach Akthau mit der man die beiden Länder umgehen kann
- Vielleicht hast du "Long Way Round" gesehen wo Ewan McGregor mit dem Motorrad um die Welt fährt? In der Serie kommt die ländliche Mongolei jedenfalls nicht so gut weg bzgl. Qualität der Fahrbahn etc. hehe
- Mein Bekannter hat erzählt, dass ihn Indien nach kurzer Zeit extrem genervt hat und er auf dem Fahrrad wirklich ununterbrochen belästigt wurde

Wahrscheinlich kennt ihr alle möglichen Radreisefilme bereits, aber ich liste trotzdem mal ein paar die ich spannend fand: Berlin2Shanghai, Thomas Meixner im Interview oder Vorträgen, Anderswo: Allein in Afrika, Besser Welt als Nie und Florian der  bei onemanonebikeoneworld.com gebloggt hat ...

Bin schon gespannt auf Berichte von der Reise und hoffe, dass die Reisebdingungen bis dahin noch etwas entspannter werden :)
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Tessa

« Antwort #2 am: 21. November 2022, 17:06 »
Das klingt für mich nach einem wundervollen und bereits sehr gut durchdachten Plan! Großartig!

Ich hoffe, ihr könnt das auch genauso umsetzen! Ich habe keine Erfahrung mit dem Mittleren Osten und auch nicht mit einer China Reise. Am Ähnlichsten, waren bei mir die Sinai Halbinsel - da überwintern? ... und Südkorea, da aber viel zu kurz. Ich finde es gut, dass du schon mal als Backpacker in China warst, dann weißt du ungefähr, was dich erwartet. Mit dem Rad ist das betreffend der Ausrüstung sicher eine besondere Challenge.

Bin auch gespannt, wie es weiter geht und ob alles so klappt, wie ihr es anpeilt!  :)
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thrones_of_blood

« Antwort #3 am: 22. November 2022, 10:35 »
Vielen Dank für eure Antworten, Tessa und Derevaja!

- Falls noch nicht geplant, den Kaukasus in die Route mit aufnehmen, das sind ein paar spannende Länder und Landschaften
- Falls es im Iran dann immer noch grössere Probleme gibt oder falls man kein Visum für Turkmenistan bekommt, gibt es noch eine Fähre übers Kaspische Meer von Baku nach Akthau mit der man die beiden Länder umgehen kann

Ich war schon in Georgien und Armenien und würde eigentlich super gerne dort mit dem Fahrrad durchfahren. Dies ist aber nur möglich, wenn meine Frau bis zur Abreise den CH-Pass erhält, da taiwanischen Staatsbürgern die Einreise nach Georgien nicht erlaubt ist.
Das würde auch bedeuten, dass wir, wenn der Iran nicht durchradelt werden könnte, eine Strecke fliegen müssten, da wir nicht über Georgien nach Aserbaidschan einreisen könnten, um die Fähre zu erwischen. In diesem Fall müssten wir uns überlegen, dass wenn wir sowieso fliegen müssten, wir zum Beispiel direkt nach Usbekistan fliegen würden.

Ich hoffe aber, dass das mit der Einbürgerung klappt, da die meisten Länder auf der Route für mich visumfrei oder mit e-Visum sind. Mit dem taiwanischen Pass wäre das alles viel komplizierter, da wir nicht nur Visa beschaffen müssten, sonder teilweise sogar einen teuren und komplizierten "letter-of-invitation" bräuchten.

Je nach dem würde das die Frage mit dem überwintern klären, denn vielleicht wäre das der Moment, an dem wir zurück in die Schweiz gehen um Dokumente zu besorgen, seien dies Visa oder Pässe. Ansonsten haben wir uns mittlerweile ziemlich mit dem Plan Oman -> Indien angefreundet.

- Mein Bekannter hat erzählt, dass ihn Indien nach kurzer Zeit extrem genervt hat und er auf dem Fahrrad wirklich ununterbrochen belästigt wurde.

Ich war noch nie in Indien, auch ein Grund, warum mich eine Reise mit dem Fahrrad dort reizt. Ich habe auch schon einige Reiseberichte, auch einige der von dir genannten geschaut. Das Duo Rausgefahren, welches einen super Youtube-Channel über das Radreisen hat, hat spannende Videos zum Thema Indien gemacht und die haben mich eigentlich ermutigt, Indien in die Planung aufzunehmen. Vorher war ich - aufgrund der Erlebnisse anderer und des Kulturschocks, den scheinbar fast alle Reisenden dort haben - etwas skeptisch ;D

Ich finde es gut, dass du schon mal als Backpacker in China warst, dann weißt du ungefähr, was dich erwartet. Mit dem Rad ist das betreffend der Ausrüstung sicher eine besondere Challenge.

China kenne ich tatsächlich als Reiseland sehr gut, und auch meine Frau hat eine Zeit lang in China gelebt. Für uns sicher ein grosser Vorteil ist, dass wir beide Chinesisch sprechen (ich ein Bisschen, aber von meiner Frau ist es die Muttersprache). Trotzdem bietet China einige Challenges. In China ist ja das mit der Registration der Übernachtung auch so eine Sache und die Behörden sind sich nicht gewohnt, dass Touristen voll individuell unterwegs sind. Ich habe zudem einige Berichte gehört, dass seit Ausbruch von Covid die Einschränkungen für Reisen sehr gross sind, selbst für Leute, die in China leben und sich die Lage wieder verbessert hat. Aber ich hoffe ja sowieso, dass sich die Situation in den nächsten 1.5 Jahren weltweit wieder entspannt.

Und vielleicht an dieser Stelle ein Update: Die Fahrräder sind bestellt :)
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