Thema: Rundreise durch Litauen  (Gelesen 399 mal)

Marla

« am: 25. Juli 2021, 20:31 »
Hier kommt ein Bericht von meiner Zug- und Busreise durch Litauen. Ich war 2 Wochen dort, was vermutlich länger ist, als andere das Land erleben. Und selbst für mich, die ich mir gerne mehr Zeit lasse, war das relativ lang. Grund ist, dass aktuell Grenzübergänge nerviger sind als sonst und ich mir den finanziellen und (recherche)zeitlichen Aufwand für weitere Corona-Tests ersparen wollte. So habe ich mich entschieden „nur“ Polen - wo ich aktuell noch 2,5 Wochen unterwegs bin - und Litauen zu kombinieren. Zudem war ich schon 2015 in Riga und 2018 in Tallinn (habe aber vor, mir auch den Rest von Lettland und Estland irgendwann noch anzuschauen).

Ansonsten kommt man sicher auch mit 1 bis 1,5 Wochen gut hin, wenn man die Orte in Litauen sehen möchte, die ich bereist habe.

Von Berlin aus ging es mit dem Zug nach Bialystok und von dort aus weiter mit dem Bus nach Vilnius. Die Stadt hat mir total gut gefallen, und es gab mehr zu sehen, als ich gedacht hatte. Ich habe natürlich einige schöne Kirchen besichtigt, aber den Beinamen „Rom des Ostens“ finde ich etwas übertrieben, denn Rom spielt nun wirklich in einer ganz anderen Liga. Was mich viel mehr überzeugt hat, waren die Museen. Das in dem Großfürstlichen Schloss ist unglaublich weitläufig und wirklich toll gemacht. Auch in dem Gediminas-Turm sind einige interessante Ausstellungsstücke zu sehen. Der lohnt sich aber vor allem wegen der Aussicht über die Stadt und die Umgebung. Außerdem gibt es einige kleinere Museen zur Jüdischen Geschichte in Vilnius, die ebenfalls interessant waren. Das Museum der Opfer des Genozids hat mich an das KGB-Gefängnis in Tallinn erinnert, ist aber deutlich größer und sehenswerter. Bis auf das Museum für Moderne Kunst, das mich nicht überzeugt hat, war auch überall der Eintritt sehr günstig. Aber natürlich gibt es auch außerhalb der Museen viel zu sehen, die Universität z.B. mit ihren diversen Innenhöfen ist echt schön. Ansonsten habe ich mich auch viel im Park (Bernardinų sodas) aufgehalten, um der Hitze zu entfliegen, die mit durchgehend 30 bis 35 Grad wirklich ungewöhnlich für Litauen war (die Allzeit-Höchsttemperatur liegt nur wenig drüber).

Wie schon hier im Forum empfohlen wurde, habe ich Tagestouren nach Trakai und Kaunas von Vilnius aus unternommen. Beides hat super geklappt mit der Bahn. Es hätte auch Busse gegeben, aber wenn ich die Wahl habe, ziehe ich Bahnfahren immer vor.

Trakai ist ein idyllischer kleiner Ort, der von Seen umgeben ist. Ich glaub, auch ohne das Schloss hätte sich für mich eine Fahrt dorthin gelohnt. Hab nur bedauert, keine Badesachen dabei gehabt zu haben. Das Wasserschloss ist aber natürlich auch sehenswert, und die verschiedenen Ausstellungen darin waren sehr gut gemacht. Obwohl ich an einem Sonntag dort war, war es nicht überlaufen. Außerdem gibt es einige schöne Restaurants mit Garten in der Nähe. In einem davon habe ich die lokale Spezialität Kibinai (Empanada-ähnliche Teigtaschen) genossen.

Bei Kaunas war ich vorher unsicher, ob man es schafft, in einem Tagesausflug alles zu sehen. Aber das war kein Problem, da die Altstadt recht kompakt ist. Wobei ich aber dazu sagen muss, dass ich das Ninth Fort ausgelassen habe, weil man vom Bahnhof dorthin eine Stunde mit dem Bus gebraucht hätte. Falls mal jemand schon dort war, kann er/sie gerne kommentieren, ob das ein Fehler war. In der Altstadt gibt es aber auch einiges zu sehen. Empfehlenswert ist auf jeden Fall der Aufstieg zum Turm der Peter-und-Paul-Kathedrale, von dem aus man einen tollen Blick über die Altstadt hat. Wenn man sich für Kunst interessiert, unbedingt das MK Ciurlionis Museum besuchen, das eine umfangreiche Sammlung litauischer Kunst enthält mit Schwerpunkt auf Moderne. Sehr schön ist auch die Fußgängerzone (Vilniaus gatve), die von Bäumen gesäumt und ziemlich lang ist. Was das Vergnügen ein wenig getrübt hat, war die Tatsache, dass das Stück vor dem Rathausplatz gerade neu gemacht wird und komplett gesperrt war. Außerdem ist noch zu beachten, dass man vom Bahnhof doch eine ganze Weile läuft, bis man in den hübschen Teil von Kaunas kommt, die Gegend um den Bahnhof ist dagegen richtig unattraktiv (schlimmer noch als in anderen Städten).
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Marla

« Antwort #1 am: 25. Juli 2021, 20:52 »
Anschließend bin ich von Vilnius nach Siauliai gefahren. Ich hatte vorher überall gelesen, dass es dort nichts als den Kreuzhügel zu besichtigen gibt und wurde dann, vermutlich aufgrund meiner niedrigen Erwartung, positiv überrascht. Auch diese Stadt hat eine nette Fußgängerzone, die allerdings leider ebenfalls zum Teil gerade neu gemacht wird. Aber zumindest kam man anders als in Kaunas überall durch. In dem Teil, der gerade nicht umgebaut wird, gibt es einige nette Cafés und Restaurants. Man kann sich die Highlights der Stadt (z.B. die Kathedrale und die wirklich sehenswerte und historisch interessante Villa Chaim Frenkel) gut in einem halben Tag anschauen.

Der Kreuzhügel liegt 12 km außerhalb von Siauliai, und ich hatte mich dafür entschieden, mit dem Fahrrad hinzufahren, was sich als gute Idee herausgestellt hat. Man fährt zwar die meiste Zeit parallel zu einer vielbefahrenen Straße, aber immerhin ist der Radweg klar abgetrennt und einigermaßen gut erhalten. Außerdem waren nebendran immer wieder Störche zu beobachten. Wenn ich aber mal von dem Radfahrspaß absehe, weiß ich nicht, ob ich den Kreuzhügel selbst empfehlen würde, wenn man nicht ohnehin in der Gegend ist. Ich mag zwar skurrile Sehenswürdigkeiten total gerne, und außerdem habe ich ein Faible für christliche Symbolik. Aber die mystische Atmosphäre, die diverse Google-Rezensenten dort erlebt haben, habe ich nicht wahrgenommen. Lag vielleicht auch daran, dass es ein sehr sonniger und ungewöhnlich schwüler Tag war. Könnte mir gut vorstellen, dass es in der Dämmerung oder Dunkelheit deutlich beeindruckender ist. Die Geschichte der Kreuze ist natürlich schon interessant und beeindruckend.
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Marla

« Antwort #2 am: 25. Juli 2021, 21:03 »
Eher negativ überrascht wurde ich anschließend von Klaipėda. Von meiner Heimatstadt Kiel gibt es eine Fähre dorthin, und anscheinend nutzen die viele Deutsche, um sich Klaipėda anzuschauen. Aber ich frage mich echt wozu, denn m.E. ist dort so gut wie nichts zu sehen! Vergleichbar mit Kiel ist auch in Klaipėda im zweiten Weltkrieg viel zerstört worden, und in der Nachkriegszeit wurde auch noch einiges abgerissen, so dass z.B. fast keine alte Kirchen mehr existieren. Länger als einen halben Tag konnte ich mich dort nicht sinnvoll beschäftigen, zumal ich auch die Museen eher enttäuschend fand.

Aber es ist nun mal das Sprungbrett zur Kurischen Nehrung, und die lohnt sich absolut. Man fährt von Klaipėda mit der Fähre in nur 10 min rüber nach Smiltynė. Die meisten machen nur einen Tagesausflug, was man daran sieht, dass kaum jemand Gepäck dabeihat. In Smiltynė und Umgebung ist daher auch unter der Woche einiges los. Von daher war ich sehr froh über meine Entscheidung, eine Unterkunft in Nida gewählt zu haben, das mit dem Bus in rund einer Stunde zu erreichen ist. Nida ist total schnuckelig und hat eine sehr gechillte Atmosphäre. Um zu baden, läuft man über die Düne zur Ostseeseite, wo ein endlos langer Strand mit feinem weißem Sand und sehr wenig Menschen wartet. Einer der schönsten Strände, die ich in Europa bisher gesehen habe! Am ersten Tag war sehr viel Wellengang und offiziell Baden nicht erlaubt, aber das hat die meisten (mich eingeschlossen) nicht abgehalten zumindest ein Stück reinzugehen. Aber auch an den anderen Tagen waren ordentlich Wellen, was für mich immer das Beste am Baden ist. Einen halben Tag habe ich mit einer Fahrrad-Tour nach Juodkrantė verbracht, wobei da auch eher der Weg das Ziel war. Die Landschaft, die abwechselnd aus Wäldern und Dünen besteht, ist wunderschön. Leider habe ich bis auf ein Reh, das direkt vor meinem Fahrrad den Weg gekreuzt hat, und natürlich unzählige Wasservögel keine weiteren Tiere dort gesehen.
Was man über die Kurische Nehrung wissen sollte, ist, dass sie deutlich teurer ist als der Rest von Litauen. Ist ja auch logisch bei der abgeschiedenen Lage. Ich war 2 Nächte / knapp 3 Tage dort. Im Nachhinein hätte ich Klaipėda um eine Nacht verkürzen und diese stattdessen auch noch in Nida verbringen sollen. Das hätte kostentechnisch auch keine großen  Unterschied gemacht, denn auch Klaipėda selbst ist schon einen Tick teurer als die anderen Städte.

Fazit: Wie erwartet war die Kurische Nehrung das Highlight für mich in Litauen. Aber auch Vilnius, Kaunas und Umgebung und - wenn man mehr Zeit hat - auch Siauliai und der Kreuzhügel sind eine Reise wert.
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Railjeter

« Antwort #3 am: 28. Juli 2021, 08:21 »
"und anscheinend nutzen die viele Deutsche, um sich Klaipėda anzuschauen. Aber ich frage mich echt wozu, denn m.E. ist dort so gut wie nichts zu sehen! "

Ich glaube nicht um Klaipeda anzuschauen sondern ab dort mit dem eigenen Auto eine Baltikum-Rundreise zu beginnen.

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Marla

« Antwort #4 am: 28. Juli 2021, 09:01 »
Das würde auch total Sinn ergeben. Tatsächlich bietet aber auch Klaipeda selbst eine große Anzahl an touristischen Einrichtungen (Hotels, Restaurants) und es laufen nicht wenige (deutsche) Touristen rum. Gibt nur vor Ort m. E. nichts zu sehen. Warst du denn mal dort und wenn ja, was war dein Eindruck? Möchte wissen, ob ich irgendwas übersehen habe.
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Railjeter

« Antwort #5 am: 29. Juli 2021, 07:33 »
Warst du denn mal dort und wenn ja, was war dein Eindruck? Möchte wissen, ob ich irgendwas übersehen habe.
Nein, auf den Abstecher hatte ich verzichtet.
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