Thema: Weltreise mit Kindern / Süd- und Mittelamerika  (Gelesen 1138 mal)

Slomo

« am: 30. November 2020, 11:27 »
Hallo zusammen,

wir haben eine Idee, die uns nicht mehr loslässt - und ich brauche Eure Einschätzung  ;)

Also: Wir sind eine Familie mit 2 Kindern, aktuell 2 Jahre und 7 Jahre alt. Das Reisefieber habe ich in die Wiege gelegt bekommen und so bin ich früher viel gereist in Südamerika, Asien und Afrika. Auch mit den Kindern waren wir schon unterwegs in Australien, Thailand, USA, Oman und so weiter. Es ist uns sehr wichtig, den Kindern zu vermitteln, dass die Welt unfassbar schön ist und die Menschen alle unterschiedlich und doch gleich sind.

Es ist immer wieder schön, unterwegs zu sein, aber aktuell beschränkt sich das Reisen in die Ferne auf 3 Wochen im Sommer (auf den sind wir aufgrund der Schulferien und arbeitgeberseitig festgelegt).

Seit einigen Tagen haben wir die Idee einer Weltreise von 6-8 Monaten in 2023. Unser Sohn ist in der Schule weit voraus und würde ein halbes Jahr Auszeit schulisch verkraften. Unsere Kleine wäre dann noch nicht in der Schule.

Inspiriert von "Long Way Up" würden wir am liebsten im Januar in Patagonien starten und dann hoch in Richtung Mittelamerika und eventuell noch Nordamerika fahren.

Folgende Punkte bewegen uns:

1. Ist es möglich - und was kostet es - ein Auto nach Südamerika zu verschiffen? Ich habe gelesen, dass das Kaufen vor Ort keine optimale Option ist. Oder gibt es sinnvolle Wege einer Langzeitmiete z.B. in Chile?

2. Was müsste man budgetär einplanen (ohne Flüge & Auto) und unter der Prämisse, dass wir zu 50% in normalen Unterkünften (kein Luxus, aber auch nicht ganz einfach unbedingt) und zu 50% im Auto / auf Campingplätzen schlafen würden?

3. Was wäre eine sinnvolle Planung geographisch? Wie bekommt man ein Auto über den Dariens Gap? Oder besser aus diesem Grund auf das eigene Auto verzichten?

4. Hat jemand einen ähnlichen Trip gemacht und Erfahrungen?

Viele Grüße
Sven

 
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reisefieber2019

« Antwort #1 am: 30. November 2020, 12:13 »
Auf deine Fragen konnte man seitenlang antworten.
Bin  von Canada bis Chile gereist.
Uber den gap kannst nur verschiffen.
Eine Idee ,ein Tipp ein Van in Amerika kaufen ( sind günstig dort ) und bis Panama fahren. . Das Auto kannst du dort wohl “ verkaufen “ haben mir drei Leute gesagt die ich in Panama getroffen habe. Ist wohl nicht ganz offiziell.

Wenn du 8 Monate hast starte doch in México im Marz Richtung Suden bis Chile. Hatte immer bestes Wetter. Alles andere grade mit den Kids wird zu stressig. Damit meine ich noch zusätzlich Nord Amerika zu machen.

Ich muss ganz ehrlich sagen ich wurde die Tour nicht mit dem Auto machen. Da gibts Länder da kommst du nicht mehr raus wenn du ein Unfall hast. Nee danke.
Und wenn Schlies ne zusätzliche Versicherung fur Anwalt usw ab.

Ich hab in der Regel 15 Euro bezahlt fur ein sauberes Einzelzimmer. Geht sicher auch günstiger.
So dann gute Nacht und Gruße aus Australien
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Styles78

« Antwort #2 am: 02. Dezember 2020, 15:06 »
Ich verstehe den Gedanken mit dem Auto weil man da viel mehr Freiheit genießen kann, keine Frage. Aber wie schon mein Vorredner sagte eine Panne ist wirklich kein großer Spaß in Südamerika. Entweder ihr habt schon einen guten Camper/Jeep den ihr verschiffen wollt oder ihr überlegt ob die Reise nicht mehr Sinn macht mit den Öffis. Mietwagen in Chile, so habe ich gehört sind alles andere als billig. Ich bin von Kolumbien über Peru, Bolivien, Chile nach Argentinien (Bariloche) mit Fernbussen. Die Busse sind oft um einiges Besser als z.b. der FlixBus Standard hier...und die Verbindungen sind wirklich gut in so ziemlich jede Ecke.
Zeit habt ihr ja genug, deswegen eine preislich günstigere Alternative als das Fliegen in Südamerika.

Zu den Preisen kann man wirklich nur einen groben Richtwert geben, man sagt ja ca. 1000€/Person/Monat. Ich lag in Südamerika etwas drüber ca. 1200€, wobei die Südliche Region Südamerikas am meisten kosten dürfte. Ich muss dazu sagen, das ich alleine gereist bin, überwiegend in Hostels und ab und an in günstigen Einzelunterkünften übernachtet habe.
Wenn man zu zweit ist sind die Kosten für die Unterkunft immer günstiger.
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dirtsA

« Antwort #3 am: 03. Dezember 2020, 09:17 »
Ich verstehe die vielen negativen Stimmen nicht, wenn es um eine Reise mit Auto geht. Jährlich fahren hunderte Leute die Panamerica und mit Kids find ich so eine Reise im Camper echt besser zu organisieren, als mit Öffis. Dann haben sie auch zumindest ein permanentes Zuhause.

Schaut mal bei http://www.einmalrundum.ch/, sind auch manchmal im Forum, aber weiss nicht ob sie diesen Beitrag hier lesen werden. Ansonsten versucht doch mal, sie anzuschreiben über den Blog! Können auch bestimmt viel zu Verschiffung etc. erzählen.

Bei 6-8 Monaten und mit Kids würde ich mich aber nicht stressen, sondern lieber gezielt ein paar Länder rauspicken, z.B. von/nach Buenos Aires/Montevideo verschiffen und von dort eine Runde Südamerika fahren (und damit meine ich keine komplette Umrundung!! Das fände ich schon ohne Kids zu stressig). Chile, Argentinien, Brasilien sind teuer. Da würde ich eher schauen, dass ich einen super Camper habe und wenn möglich immer campen kann. So ein Camper und dessen Verschiffung ist sowieso teuer, dann würde ich schauen, dass ich da das Maximum raushole und nicht wieder viele Nächte in einem Hotel verbringe. Bolivien ist vielleicht nicht so Camper-geeignet, aber da findet man sicher Familienzimmer um die 15-20€ oder 30-40€ wenns sehr schön sein soll. Peru, Ecuador, Kolumbien liegen irgendwo dazwischen kostentechnisch.

Ich kenne mich mit Verschiffung nicht aus, aber vielleicht ist es ja möglich, nach Buenos Aires/Montevideo zu verschiffen und dann von Cartagena aus wieder zurück? Die Route fände ich machbar in 6-8 Monaten.
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Jens01

« Antwort #4 am: 03. Dezember 2020, 11:21 »
Ich bin auch dabei für 2023 oder 2024 was zu planen.

Ich persönlich finde allerdings die Masse an Ländern für den Zeitraum arg viel. Allein USA und Kanada kriegt man in 6- 8 Monaten kaum hin.
Würde mich da eher auf einen Bereich konzentrieren. Zum Beispiel:

Südliches Südamerika: Chile, Argentinien, Brasilien (da kannst du dann auch Patagonien oder den Regenwald genießen.
Oder Nördliches Südamerika: Peru, Ecudador und Kolumbien (Venezuela ist die schlechteste Idee die man haben kann).
Oder nur Mittelamerika etc.etc.

So "rennst" du ja förmlich durch den Kontinent. Allein für die Strecke gehen sicher 3 Auto-Fahr-Monate drauf. Das hat weniger was mit reisen zu tun.

Weniger ist mehr, finde ich. 
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Marla

« Antwort #5 am: 05. Dezember 2020, 14:06 »
Eins vorweg:
Es ist uns sehr wichtig, den Kindern zu vermitteln, dass die Welt unfassbar schön ist und die Menschen alle unterschiedlich und doch gleich sind.
Das hast du echt schön gesagt :) Ich bin so froh und dankbar, dass meine Eltern damals genauso gedacht haben, und ich bin mir ganz sicher, dass es euren Kindern irgendwann ähnlich gehen wird. Also erst mal Glückwunsch zu der Entscheidung!

Ansonsten schließ mich aber der Mehrheit an, 6-8 Monate ist für die Strecke schon ohne Kids echt sportlich, und mit Kindern würde ich mir deutlich mehr Zeit lassen.

Ich stelle so eine Reise in Öffis auch eher stressig vor mit Kindern. Ich hab Freunde, die mit ihrer Tochter so reisen, aber sie ist es von klein auf gewöhnt, und die machen auch eher nur so 4-8 Wochen Touren. Alle anderen, die länger mit ihren Kindern unterwegs sind, nehmen einen Camper o.ä. und sagen genau das, was Asti auch schon erwähnt hat, dass es für die Kinder toll ist, unterwegs ein Zuhause zu haben. Wie man das allerdings bewerkstelligt, kann ich leider auch nicht sagen, ich habe Mittel- und Südamerika nur mit Bussen bereist. Aber ich drück euch die Daumen, dass ihr das geklärt kriegt!
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Slomo

« Antwort #6 am: 09. Dezember 2020, 11:23 »
Erst einmal vielen Dank für Eure ausgewogenen und hilfreichen Antworten!

Die Frage nach der Fortbewegung haben wir nicht entschieden für uns. Meine Erinnerung an Chile ist, dass Autofahren dort verhältnismäßig unproblematisch ist. Allerdings kamen wir damals auch vom Salar de Uyuni in Bolivien runter und die Straßen und die Infrastruktur erschienen uns als relativ gut. Aber das mag täuschen. Wir planen, wenn Corona es erlaubt, dieses Jahr im Sommer für 3 Wochen nach Chile zu fliegen, dann werden wir uns nochmal vor Ort selber ein Bild machen.

Bezüglich der Route habt ihr Recht. Wir sind es  gewohnt, die 3 Wochen im Sommer zu nutzen und haben dann einen Rhythmus von 4-5 Tagen pro Ort, dazwischen Fahrten von maximal 4-5 Stunden. So haben wir es diesen Sommer rund um Island gemacht oder auch in den USA. Unsere Kinder kommen damit gut klar. Campen ist bislang nicht "unseres" (ok, falls meine Frau mitliest: "meines"  :D), vielleicht müssen wir das mal probieren.

Ich habe den Eindruck, wir machen den gedanklichen Fehler, diesen Ansatz der 3 Wochen auf 6-8 Monate auszuweiten. Gefühlt wären wir dann nach spätestens 2 Monaten völlig "überladen" mit Eindrücken. Weniger ist mehr, ja, das verstehe ich und muss ich auch nochmal drüber nachdenken. Vor allem weil wir gerade auch noch andere Routen in Erwägung ziehen (Australien -> Südostasien -> China -> mit der Transsib zurück), die nicht weniger intensiv sind.

Nochmal danke! Und übrigens: Der Gedanke einer Weltreise ist eher "gereift" als "verworfen" durch die Auseinandersetzung damit :)
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dirtsA

« Antwort #7 am: 09. Dezember 2020, 14:33 »
Also ich erachte eine Veschiffung von einem eigenen Fahrzeug aufgrund der hohen Kosten und Bürokratie nur sinnvoll, wenn es ein Fahrzeug ist, in dem man dann auch übernachten kann (und das auch die meiste Zeit macht). Ansonsten würde ich lieber hier und da ein Auto ausleihen, hier und da Öffis. Ich würde mir das mit dem Campen ja nochmal überlegen, gerade auch bei den anderen Routen, die ihr andenkt. Sind oft teure Länder sonst oder es gibt in einer Gegend nicht so wirklich Unterkünfte. Ihr könntet das ja im Sommer in Chile testen, wenn es dazu kommt. Gerade wenn die Kids ihr eigenes Gepäck noch nicht tragen können, erschwert (wörtlich..) eine Reise mit Öffis die Dinge wohl ziemlich.

4-5 Tage vor Ort und dazwischen Fahrtage mit 4-5 Stunden finde ich eh ok für die Planung. Wir waren meistens kürzer vor Ort und öfter länger im Bus dazwischen. Aber ich würde halt min. 1 Monat pro Land einplanen, die Distanzen sind ja riesig und sonst kommt ihr mit den o.g. 4-5 Tagen / Stunden nicht hin. Kannst das ja selbst an einem Beispiel z.B. Peru mal durchrechnen und dir auf Google Maps die Fahrzeiten anschauen als Anhaltspunkt. Dann wirst du schnell sehen, dass 6-8 Monate Nord- und Südamerika viel zu viel ist. Da müsstet ihr eher fast jeden Tag fahren und das sicher mehr als 4 Stunden. Klar gibt es Leute, die das machen - bei denen steht aber meistens die Fahrfreude im Vordergrund (nicht Sightseeing oder Land kennenlernen) und ich würde mal behaupten, die haben zu 99% keine Kids dabei ;)
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Surfy

« Antwort #8 am: 10. Dezember 2020, 14:09 »
Das mit länger Reisen mit und ohne Verschiffen hab ich schon einige male  gemacht  ;)  Südamerika ist recht einfach und entspannt mit dem Fahrzeug zu bereisen. Die Panamericana (Ushuia - Alaska) ist daher eine der meistgefahrenen Routen von uns selbstfahrern, im Vergleich zur Seidenstrasse oder Transafrika. Sehr oft traf ich da auch auf betagtere Pärchen um über 70, die da friedlich im Wohnmobil unterwegs sind.







Ich habe einige Famillien getroffen, die in Südamerika mit ihren Kindern unterwegs waren.  Je nach Budget mit lokalem normalen Auto und Bodenzelten bis hin zum Wohnmobil.

Es ist eher eine rechnerische Aufgabe. Je länger eine Reise dauert, desto teuerer wird das Mietmaterial.

Als Berechnungsgrundlage muss man sich die Formen und Kosten des verschiffens genauer ansehen.

-       Roro (Roll on Roll of) im gesicherten Fahrzeug Deck
-       Container Verschiffung
-       Seereise und kombinierte Fahrzeug Roro Verschiffung (32 Tage auf See)

Bei Roro gibt es gerne Einbrüche in die Wohnmobile, mit einem standard Auto ist das gebenenfalls kein grösseres Problem, wenn man sieht dass es leer ist.

Eine Containerverschiffung eines Standard Containers kostet zwischen 3500-5000 USD je nach Hafen und Hafengebühren. Buenos Aires ist da leider etwas teuer.

Ein grosser Container kostet nicht viel mehr - und schon kann man sich die Kosten mit anderen Mitreisen(den) teilen, Beispiel 2x Auto + 1x Motorrad.

Ich habe im 2014 zum Thema mal einen Artikel geschrieben: die Fahrzeugverschiffung nach Südamerika - für alle die es datailliertes nachlesen wollen.

Ich würde dazu auch eine Fahrzeugversicherung empfehlen, je nach Fahrzeugwert auch mit Vollkasko verfügbar.

Lokale Fahrzeugvermieter von Autos bis Wohnmobilen und deren Preise liefert Google - dann gilt es die eigene Rechnung zu machen.

Da wird schnell klar, dass hier cirka 7000 USD für Transport anstehen (wenn man sich nicht Zeit nimmt für RoRo oder Containersharing). Dafür kann man auch knapp 4 Monate ein kleines Auto mieten.

Damit kann man lokal in Chile auch schon ein Fahrzeug (Auto) kaufen, und noch locker einige Reparaturen einplanen, von Sachen die man beim Kauf übersehen hat. Und das Fahrzeug am Ende verschenken, wenn man keinen Käufer findet - und ist noch immer unter 7`000 USD.

Im Ausland ein Auto kaufen ist jetzt auch nicht so die grosse Hexerei, die Preise ähnlich bzw vergleichbar. Auf die schnelle wäre hier eine recht brauchbar ausehende Anleitung: https://bluemarblevagabonds.com/how-to-buy-a-car-in-chile-as-a-foreigner/  Ob die da angegebenen Kontakte gut sind kann ich nicht beurteilen, aber vor-Ort selber einen Notar zu finden - ist einfach  ;)

Persönlich würde ich nie Geld überweisen, ohne das Fahrzeug gesehen und gefahren zu haben...

Geht es nicht um ein Auto zu Kauf/Miete sondern um ein Wohnmobil, ist natürlich eine höhere Summe im Spiel, ein grösseres finanzielles Risiko und das Verschiffen steht da plötzlich recht attraktiv da...

Wer mag kann da gern in meinen Blogs zum Thema Overlanding stöbern. Mit verschiffen waren das:

Transafrika Blog:    http://transafrica2012.blogspot.com
Südamerika Blog:  http://adventure-overland.blogspot.com
Island Artikel: https://www.4x4tripping.com/2015/06/reisetipp-island-mit-dem-4x4.html

Ich bin des öfteren hier am lesen / schreiben - frag also ruhig  ;)

Auch in Südamerika kosten die Hotels, Bugalows und Hostels etwas, und die Reise als "Overlander" mit dem Schlafen am oder im Fahrzeug, dass selber kochen - senkt die Reisekosten doch erheblich. Campsites finden sich oft, dort wo es keine gibt geht auch das Wildcampen.

Kinder finden Camping (neudeutsch auch Vanlife oder Overlanding genannt) in der Regel sehr schön, und wissen sich in der Natur gut selber zu beschäftigen. Da sich Kinder schnell mal gleichaltrige Spielfreunde suchen, klappt es mit der lokalen Integration mit Locals in der Regel nahtlos  ;D

Surfy

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