Thema: Mexiko abseits der Klassiker  (Gelesen 537 mal)

Marla

« am: 25. April 2020, 21:53 »
Wie schon angekündigt kommt hier mein Reisebericht aus Mexiko aus der Prä-Corona-Ära ;) Ich habe den Bericht wie gesagt schon vor über einem Monat geschrieben, und bei manchen meiner Aussagen, insbesondere dass es irgendwo menschenleer war, bin ich im Nachhinein nicht sicher, ob das nicht schon allererste Corona-Effekte waren. Andererseits war es an anderen Orten dann auch wieder ziemlich voll. Lässst sich jetzt sowieso nicht mehr rausfinden, von daher lass ich das so stehen.

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Seit Jahren höre ich immer wieder von Leuten, dass sie Mexiko bereist haben, und so gut wie alle meinen damit (ausschließlich) die Yucatán-Halbinsel. Auch hier im Forum berichten fast alle nur davon und ggf. noch Chiapas, Oaxaca und Mexiko City (CDMX).

Mich hatte daher schon früh in meiner Planung der Rest von Mexiko besonders gereizt. Tatsächlich mochte ich dann Yucatán (außer Campeche) noch weniger als befürchtet. Das lag auch daran, dass die Empfehlungen von Freunden bereits mindestens 2-3 Jahre alt waren und es in dieser Zeit noch viel touristischer (und teurer) geworden ist. Klar, gibt Leute, die das nicht stört, aber ich gehöre nicht dazu. Andererseits bereue ich es auch nicht, da mich meine Eltern in dieser Zeit besucht haben, und für nicht so abenteuerlustige Ü70-jahrige ohne Budgetbedenken ist es ideal. Außerdem sicherlich gut als Einstieg für Lateinamerika geeignet (wobei es da m.E. auch viele andere Gegenden gibt).

Campeche, Chiapas, Oaxaca und Mexiko City haben mir viel besser gefallen. Aber da es auch dazu schon einige Infos hier gibt, berichte ich nur vom Rest meiner Reise.

Puebla liegt auf dem Weg von Oaxaca nach CDMX, deswegen war ich überrascht, vglw. wenig Touristen dort zu sehen. Also wenige dafür, was die Stadt zu bieten hat, und auch im Vergleich zu ihrer historischen Bedeutung. Was mir bei der Stadt besonders gefallen hat, ist die Kompaktheit des historischen Zentrums. Man kann in einem Tag alle Sehenswürdigkeiten zu Fuß erreichen und hat nicht das Gefühl, in einer der größten Städte Mexikos unterwegs zu sein. Sehr schöne Atmosphäre! Den klassischen Tagesausflug nach Cholula habe ich auch gemacht, aber die Pyramide (inkl. Besichtigung der Tunnel) hat mich weniger begeistert als erwartet. Also kann man schon machen, ist auch ganz einfach organisiert, aber war für mich nicht das totale Highlight.

Danach bin ich in die Silberstadt Taxco gefahren. Wie auch beim Rest meiner Reise musste ich feststellen, dass es leider häufig keine direkten Verbindungen zwischen den wichtigsten Touristenorten gibt. Konkret hieß das hier, Umstieg in CDMX. Taxco ist klein, aber wunderschön. Insbesondere die Lage in den Bergen hat mich begeistert. In 1,5 Tagen habe ich vielleicht 5 ausländische Touristen gesehen. Inländische Touristen sind ja etwas schwieriger zu erkennen, aber ich bin recht sicher, dass es auch davon nur wenige gab. Mir hat das schon leid getan für die Geschäfte, insbesondere Schmuckläden. Ich selber bin gar nicht der Shoppingtyp. Für das Städtchen reicht ein halber Tag (d.h. eine Übernachtung), aber der lohnt sich wirklich. Nachteil ist, dass man schon sehr auffällt als Westler.

Über CDMX ging es weiter nach Guanajuato (Weltkulturerbe). Tolle Kolonialbauten in einer schönen Lage in den Bergen, wenn auch die Lage nicht ganz so spektakulär ist wie in Taxco. Die charakteristische Aussicht vom Monumento El Pípila über das Zentrum mit den vielen bunten Häusern war für mich das Highlight. Da ich gesundheitlich etwas angeschlagen war, habe ich die meisten Museen ausgelassen, ebenso wie den geplanten Tagesausflug nach San Miguel de Allende. Aber da ich in Guanajuato die US-amerikanischen Touristen schon deutlich gemerkt habe und SMdA noch mehr haben soll, hat es mir darum nicht so leid getan.


GschamsterDiener

« Antwort #1 am: 25. April 2020, 22:15 »
Mir hat diese Ecke Mexikos auch besser gefallen als der Jucatan und für mich ist Taxco so etwas wie der große mexikanische Geheimtipp. Ergänzend möchte ich erwähnen, dass man von Puebla auch gut über Toluca nach Taxco kommt. Von dort bietet es sich an, wieder über Toluca, nach Morelia zu fahren. Mit der historischen Substanz von Morelia können nur wenige spanische Städte mithalten. Zwischen Toluca und Morelia gibt es den Nationalpark mit den vielen Schmetterlingen. Als ich dort war Anfang 2016 hat mich das aber nicht so beeindruckt, weil die Schmetterlinge von Jahr zu Jahr weniger werden.

Marla

« Antwort #2 am: 25. April 2020, 23:58 »
San Luis Potosí hat mich dann richtig überrascht. Laut LP kann es nicht mit den anderen Kolonialstädten mithalten, aber das sehe ich nicht so. So viele schöne Kirchen, repräsentative Bauten und idyllische Plätze auf kleinem Raum habe ich lange nicht gesehen. Alles sehr gepflegt und super erhalten (es wird auch weiter daran gearbeitet). Außerdem eine angenehme, entspannte Atmosphäre, obwohl nur sehr wenig Touristen dort waren, kam ich mir gar nicht beobachtet vor. Auch hier reicht jedoch m.E. ein halber bis ein Tag.

Leider muss ich sagen, dass mich die Huasteca Potosina eher enttäuscht hat. Sicherlich waren meine Erwartungen recht (zu?) hoch. Auch war es nicht ideal am Wochenende, aber das ließ sich leider nicht anders machen, ohne mehrere Tage zu verlieren, oder lästiges Backtracking. Dass es dann blöderweise auch noch ein langes Wochenende für die Mexikaner war, hatte ich vorher nicht aufm Schirm. Aber selbst ohne den Andrang (der auch nicht überall gestört hat, die Stimmung war auf jeden Fall super) hätte es mich nicht überzeugt im Vergleich zu ähnlichen Orten im Rest Lateinamerikas. Am besten hat mir Sótano de Golondrinas gefallen. Dieses Naturschauspiel ist wirklich einzigartig und beeindruckend. Da die Leute kommen und gehen, war es auch kein Problem, nach einiger Zeit einen guten Platz zum Beobachten zu bekommen. Puente de Dios und die Cascadas de Tamasopo waren auch nett. Puente del Dios ist eine Zenote mit Wasserfall und dadurch starker Strömung. Wegen des Andrangs war es eher Volksfest als Naturerlebnis, aber schon sehr spaßig. Ähnlich Tamasopo. Da haben mir die neu angelegten Kletterwege am besten gefallen. Für Familien ist es perfekt (hab die Kinder meiner Freunde vermisst) oder als Ausflug mit guten Freunden. Ganz schrecklich fand ich den Jardín Surrealista von Edward James. Auf so einen Instagram-Hype mit Schlange stehen für Fotos reagiere ich echt allergisch Auch wenn unter der Woche nur ein Drittel der Leute da ist, wäre mir das noch zu viel (das sagen auch TripAdvisor-Bewertungen). Als Tourifalle würde ich es noch nicht bezeichnen, der Eintritt ist mit rund 5 Euro noch im Rahmen. Aber es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis der weiter erhöht wird. Die Strukturen selber haben mich auch nicht überzeugt. Es gibt einige wenige schöne Foto-Optionen, aber nichts, was mich wirklich begeistert hat. In einer Stunde ist man auch durch. Las Pozas sind noch unspektakulärer für alle, die in ihr Leben schon mal irgendeinen Wasserfall gesehen haben.
Was noch ganz wichtig ist: Im März lohnt es sich nicht, die Hauptattraktion, die Cascadas de Tamul zu besuchen, weil der Wasserfall gar kein Wasser hat. Ebenso wenig lohnt sich Rafting, was ich sonst noch sehr gerne gemacht hätte.
Fazit: Die Huasteca Potosina würde ich nur besuchen, wenn Tamul Wasser trägt (bis Ende Februar) und ausschließlich unter der Woche. Alle Touren finden trotzdem ganzjährig statt, auch unter der Woche wirklich jeden Tag (da war ich mir vorher nicht so sicher). Das haben mir mehrere Guides bestätigt. Auch trifft man im Hostel leicht Leute, mit denen man sich einen Fahrer nehmen kann, was viel billiger als eine Tour ist und das gleiche beinhaltet. Das Preis-Leistungsverhältnis der Touren ist aber auch wirklich nicht doll. Z.B. in Semuc Champey, Guatemala, habe ich weniger als die Hälfte bezahlt für eine Tour, die mindestens doppelt so cool war.

Anschließend ging es nach Zacatecas. Diese Kolonialstadt ist wirklich die schönste von allen. Mit den wenigsten Touristen! Hier passt wirklich alles: beeindruckende Kirchen, schöne Gassen, gepflegte Plätze, die Lage in den Bergen. Sehr zu empfehlen ist die Seilbahnfahrt und der Ausblick von oben. Und auch die Mine lohnt einen Besuch. Museen gibt es ebenfalls einige tolle.

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Tja, und dann wären noch Guadalajara, Morelia und der zweite Teil von Mexiko City dran gewesen, aber die sind leider Corona zum Opfer gefallen.

Ansonsten herzlichen Dank an GschamsterDiener und weltweitnah für eure Tipps! Zacatecas und die Huasteca Potosina hätte ich sonst nicht auf dem Schirm gehabt.


Marla

« Antwort #3 am: 26. April 2020, 00:10 »
Ergänzend möchte ich erwähnen, dass man von Puebla auch gut über Toluca nach Taxco kommt.
Ich hatte tatsächlich ziemlich lange die Verbindungen recherchiert, da gibt es ja einige Varianten. Cuernavaca wäre z.B. auch noch eine Option. Toluca hatte ich auch auf dem Schirm. Aber irgendwie wäre es nicht so praktisch gewesen, ich weiß aber nicht mehr, ob das an öfter Umsteigen oder länger irgendwo Warten lag oder es von den Zeiten nicht gepasst hätte. Deswegen erschien mir CDMX, auch wenn es nicht auf dem Weg liegt, die beste Option. Keine Ahnung, ob ich da was übersehen hatte. Aber wer zukünftig diese Route fährt, kann das gerne mal ausprobieren und berichten.

Von dort bietet es sich an, wieder über Toluca, nach Morelia zu fahren. Mit der historischen Substanz von Morelia können nur wenige spanische Städte mithalten. Zwischen Toluca und Morelia gibt es den Nationalpark mit den vielen Schmetterlingen. Als ich dort war Anfang 2016 hat mich das aber nicht so beeindruckt, weil die Schmetterlinge von Jahr zu Jahr weniger werden.
Ja, Morelia ist wie gesagt leider Corona zum Opfer gefallen, was ich wirklich schade fand. Den Schmetterlingspark hätte ich aber ohnehin ausgelassen, weil ich auch schon gehört hatte, dass das nicht so beeindruckend sein soll, wie es zum Beispiel im LP heißt.

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