Thema: Backpacker Umfrage  (Gelesen 2118 mal)

curioustraveler

« am: 09. Mai 2019, 17:28 »
Ich hätte ein paar Fragen an die von euch, die als Backpacker unterwegs waren/sind😅
Ich muss für die Schule eine Seminararbeit schreiben über das Thema Backpacking und brauche dafür auch einen „Fremdversuch“. Ich soll also Backpacker über ihre Reise befragen.😊
Wäre lieb wenn vielleicht ein paar von euch mir ein paar Fragen beantworten könnten😅🙏🏼
Lg

War es immer einfach mit wenig Gepäck zu reisen?
Glücklich mit wenig oder Gefühl mehr „Luxus“ zu benötigen?
Hast du daran gedacht die Reise abzubrechen?
Wie viel Planung steckt hinter so einer Reise?
Hast du von Problemen von anderen Backpackern mitbekommen?
War es amstrengend, welche Probleme können auftreten?
Was war am anstrengendsten?
Hat dich die Reise verändert ?
Hättest du es auch alleine gemacht bzw. wie war es zu 2 zu reisen?
Gab es Momente in denen du besonders glücklich/unglücklich warst?
Andere Backpacker kennengelernt und wir waren die Begegnungen?
Hat dich die Reise verändert? Wie?
Gibt es etwas worauf du heute zurückblickst und es dich glücklich macht (Memories) ? —>nachhaltiges Glück
Wie waren die Umstände der einheimischen Stichwort: andere Glücksvorstellungen?
Hat dich die Reise glücklich gemacht?
Denkst du backpacking ist für jeden was?

Kaamos

« Antwort #1 am: 09. Mai 2019, 18:14 »
Hast du eine Definition von Backpacker für deine Umfrage? Ich kann mit meinem Rucksack ja eine Woche unterwegs sein, aber genauso gut ein halbes Jahr. Ich denke, da würde es sicher zu teils unterschiedlichen Antworten auf deine Fragen kommen.

curioustraveler

« Antwort #2 am: 09. Mai 2019, 18:20 »
Ich meine Backpacker die über eine längere Zeit (mehrere Monate) unterwegs sind😊
Danke für den Hinweis😅
Lg

osprey

« Antwort #3 am: 09. Mai 2019, 19:15 »
Hallo curioustraveler

Vielleicht stellst du dich hier mal kurz vor, wer bist du, was machst du für eine Schule etc. Und natürlich würde uns auch brennend interessieren was du mit deiner Seminararbeit erreichen möchtest, also was steht am Ende da drin? Es sind doch einige sehr persönliche Fragen die du an uns stellst und sofern du etwas mehr zur Antwort möchtest als nur ein Ja oder Nein, dann würden hier im Forum sicher einige gerne auch etwas über dich erfahren.

Danke und liebe Grüsse
osprey

curioustraveler

« Antwort #4 am: 09. Mai 2019, 20:30 »
Hallo Osprey,
Ich bin eine 17 jährige Schülerin und gehe in die 11 Klasse eines Gymnasiums.
Ich habe einen Seminarkurs gewählt unter dem Thema Glück.
Ich soll durch einen Eigenversuch und einen Fremdversuch herausfinden ob mich und auch andere Leute Reisen v.a. Backpacking nachhaltig glücklich macht. Da ich leider nur einen Backpacker persönlich interviewen konnte frage ich jetzt hier und würde mich über jede Antwort freuen.:))))
Lg

curioustraveler

« Antwort #5 am: 13. Mai 2019, 20:24 »
Falls jemand Zeit hat und meine Fragen beantworten möchte würde ich mich freuen😊
Lg

Kaamos

« Antwort #6 am: 13. Mai 2019, 21:25 »
Da du eher länger Reisende suchst, falle ich leider raus, auch wenn ich auch mit Rucksack unterwegs bin.

curioustraveler

« Antwort #7 am: 14. Mai 2019, 08:20 »
Wie lange bist/warst du denn unterwegs, Kaamos?😊
Also auch wenn du mehrere Wochen unterwegs bist/warst würde ich mich über deine Antworten freuen🙈

farmerjohn1

« Antwort #8 am: 15. Mai 2019, 09:38 »
Habe mir hier etwas Zeit genommen, weil mich die Problemstellung deiner Präsentation ueber (Backpacker-) Reisen und nachhaltiges Glück begeistert.
Ob Reisen nachhaltig glücklich macht, hängt vom Einzelfall ab. Das ist eine Frage, die  - ausser mit schlechten Statistiken  - gar nicht allgemein beantwortet werden kann.
Aber der Gegensatz, naemlich die Behauptung 'Nicht-Reisen (als Backpacker) macht nachhaltig glücklich' bzw. '(Backpacker-) Reisen macht nicht nachhaltig glücklich' kann mit einfachen geschichtlichen Grundtatsachen widerlegt werden: es macht gefährlich beschraenkt und nicht nachhaltig glücklich, kann mitunter ganze Kulturräume und vielleicht sogar die Menschheit das nachhaltige Glück ihrer Tugenden kosten, wenn man über die Lebensbedingungen ausserhalb der eigenen direkten Umgebung zu wenig erfährt. Und da selbst im Zeitalter von 'virtual reality - Brillen' alle Theorie grau ist, muss man schon selber hin.

In diesem Sinne also:

War es immer einfach mit wenig Gepäck zu reisen?
-> einfach ja, aber nicht immer ausreichend (z.B. zerknautschte Kleidung wenn man einmal abends etwas 'Schickeres' brauchte).

Glücklich mit wenig oder Gefühl mehr „Luxus“ zu benötigen?
-> zufrieden mit wenig, ja.

Hast du daran gedacht die Reise abzubrechen?
-> ja

Wie viel Planung steckt hinter so einer Reise?
-> einige Monate im Vorfeld Lektüre von Landkarten, Reiseführern, sonstige Literatur zum Reiseziel. Das war aber vor Internet und ist heute wesentlich effizienter machbar.

Hast du von Problemen von anderen Backpackern mitbekommen?
-> ja

War es amstrengend, welche Probleme können auftreten?
-> Anstrengend ist Reisen als solches; Nicht-Anstrengung und Reisen halte ich für einen Widerspruch in sich selbst. Neben Versäumnissen durch fehlende Ortskenntnis sehe ich als grösstes und unangenehmstes Backpacker-Problem: das zwangslaeufige auffaellige und ungeschuetzte Herumlaufen in schwierigen Stadtvierteln und Wildnis.

Was war am anstrengendsten?
-> das unvermeidbare auffällige und ungeschützte Herumlaufen in schwierigen Stadtvierteln und Wildnis.

Hat dich die Reise verändert ?
-> vermutlich ja, es handelt sich aber um mehrere Reisen bis max.  3 Monate Dauer, die über mehrere Jahre unabhängig voneinander durchgeführt wurden, bzw. um mehrjährige Auslandsaufenthalte, die mit Lern- und Berufstätigkeiten  einhergingen. 

Hättest du es auch alleine gemacht bzw. wie war es zu 2 zu reisen?
-> die meisten Reisen habe ich alleine gemacht, nur wenige zu zweit/mit Familie. Vor allem zu zweit wird der Focus auf den jeweiligen Ort / Kultur / etc.  geringer.

Gab es Momente in denen du besonders glücklich/unglücklich warst?
-> ja, beides.

Andere Backpacker kennengelernt und wir waren die Begegnungen?
-> auf Backpackertour habe ich überraschend wenig Bekanntschaften gemacht. Mehr und qualitativ höherwertige Kontakte entstanden bei mehrwöchigen gemeinsamen Aktivitäten an einem Ort (wie z.B. Sprachkurse etc.)

Hat dich die Reise verändert? Wie?
-> siehe oben die ähnliche Frage. Wie genau kann ich aufgrund der Vielfaeltigkeit möglicher Ursachen / Wirkungen nicht auseinanderhalten.

Gibt es etwas worauf du heute zurückblickst und es dich glücklich macht (Memories) ? —>nachhaltiges Glück
-> ja.

Wie waren die Umstände der einheimischen Stichwort: andere Glücksvorstellungen?
-> das halte ich fuer eines der am schwierigsten zu bewältigenden Probleme einer zusammenwachsenden Welt.

Hat dich die Reise glücklich gemacht?
-> ja, insofern als dass ich mit überschaubaren Kosten einen gewissen Teil der Erde persönlich betreten und erfahren habe.

Denkst du backpacking ist für jeden was?
->'backpacking' als Stil: ist nicht fuer jeden etwas - dann gibt es ja auch noch verschiedene Varianten des 'backpackings'.
'backpacking' als Reisemöglichkeit: das ist sehr wohl fuer jeden etwas, der etwas von der Welt sehen will, ja.

santiago

« Antwort #9 am: 15. Mai 2019, 10:34 »
Ich hätte ein paar Fragen an die von euch, die als Backpacker unterwegs waren/sind😅
Ich muss für die Schule eine Seminararbeit schreiben über das Thema Backpacking und brauche dafür auch einen „Fremdversuch“. Ich soll also Backpacker über ihre Reise befragen.😊
Wäre lieb wenn vielleicht ein paar von euch mir ein paar Fragen beantworten könnten😅🙏🏼
Lg

Zitat
War es immer einfach mit wenig Gepäck zu reisen?
So wenig ist das gar nicht. In einen großen Rucksack passt alles, was man für Wochen/ Monate zum Reisen braucht.

Zitat
Glücklich mit wenig oder Gefühl mehr „Luxus“ zu benötigen?
Meist glücklich mit wenig, dann auch wieder mal gerne Luxus. Früher gerne in Hostels (im Dorm wenn alleine unterwegs), jetzt mit kleinem Kind eher ein Appartment, oder kleines, nettes Hotel

Zitat
Hast du daran gedacht die Reise abzubrechen?
Nein.

Zitat
Wie viel Planung steckt hinter so einer Reise?
Beim Backpacking hab ich außer Hin- und Rückflug, und ein Hostel für die ersten Tage meist abgesehen einer groben Reiseroute, und ausführliches Lesen von Blogs und Reiseführern nichts geplant.

Zitat
Hast du von Problemen von anderen Backpackern mitbekommen?
Kaum.

Zitat
War es amstrengend, welche Probleme können auftreten?
Ich empfinde Reisen nicht als anstrengend, manchmal kann es das sein, wenn etwa Busse doch nicht fahren, zu spät sind, man vom Taxifahrer ausgenommen werden will, usw.
Natürlich sollte man gegen Probleme (Krankheiten, Diebstähle, etc.) abgesichert sein, sprich ausreichend versichert.

Zitat
Was war am anstrengendsten?
Andere Backpacker.

Zitat
Hat dich die Reise verändert ?
Ja, bestimmt. Es hat jedenfalls meinen Horizont erweitert, Freundschaften sind entstanden, und es hat wohl meine Art zu Reisen für die Zukunft mitbestimmt.

Zitat
Hättest du es auch alleine gemacht bzw. wie war es zu 2 zu reisen?
Die langen Backpacking-Reisen hab ich alle alleine gemacht. Sonstige Reisen immer zu zweit mit meiner Freundin, bzw. jetzigen Frau. Wir ergänzen uns gut (auch auf Reisen), haben ähnliche Vorlieben, unterschiedliche Stärken und Schwächen.

Zitat
Gab es Momente in denen du besonders glücklich/unglücklich warst?
Manche Momente, zB Schnorcheln mit Schildkröten und Robben, der Gipfel am Machu Picchu, sind unvergessliche Reisemomente, die ich nie vergessen werde. Auch viele Begegnungen mit anderen Menschen auf Reisen.

Zitat
Andere Backpacker kennengelernt und wir waren die Begegnungen?
manchmal mühsam, manchmal versteht man sich richtig gut und bleibt auch nach der Reise in Kontakt.

Zitat
Gibt es etwas worauf du heute zurückblickst und es dich glücklich macht (Memories) ? —>nachhaltiges Glück
Siehe Reisemomente oben.

Zitat
Wie waren die Umstände der einheimischen Stichwort: andere Glücksvorstellungen?
Weiß nicht ob ich die Frage richtig verstehe. Ich habe auf Reisen gemerkt, wie unterschiedlich Glück definiert sein kann.

Zitat
Hat dich die Reise glücklich gemacht?
Auf jeden Fall. Diese besonderen Momente, die Begegnungen, machen mich glücklich.

Zitat
Denkst du backpacking ist für jeden was?
Nein, und das ist auch gut so.

curioustraveler

« Antwort #10 am: 15. Mai 2019, 15:36 »
Vielen vielen Dank für eure Antwort, freut mich!☺️👍🏼

osprey

« Antwort #11 am: 17. Mai 2019, 11:57 »
Jetzt habe ich auch endlich mal Zeit gefunden dir eine ausführliche Antwort zu schreiben. Ich hoffe ich habe all deine Fragen richtig verstanden, sonst kannst du gerne nachfragen.

War es immer einfach mit wenig Gepäck zu reisen?
Ja und nein, kommt etwas auf die Reiseart an. Backpacking mit Camping benötigt etwas mehr Gepäck als wenn man in Hostels übernachtet.

Glücklich mit wenig oder Gefühl mehr „Luxus“ zu benötigen?
Ich war immer glücklich mit wenig, genoss dann umso mehr mal eine Nacht in einem luxuriöseren Hotel.

Hast du daran gedacht die Reise abzubrechen?
Nein, aber ich denke das ist auch abhängig davon was für ein Typ Mensch man ist.

Wie viel Planung steckt hinter so einer Reise?
Am meisten Vorbereitung benötigt das Organisieren der Versicherungen, quitieren/pausieren des Jobs und anderer administrativer Kram, sowie das ansparen des nötigen Reisegeldes. Ansonsten viel über das Reiseland lesen und allenfalls die erste Unterkunf buchen. Der Rest der Reise ergibt sich dann laufend im Reiseland selber. Bei sehr langen Reisen habe ich mir meist eine Vorlaufzeit von 3/4 bis ein ganzes Jahr gegönnt. Es geht natürlich aber auch kürzer.

Hast du von Problemen von anderen Backpackern mitbekommen?
Ja, aber meist nur am Rand.

War es amstrengend, welche Probleme können auftreten?
Als anstrengend habe ich meist den Zustand befunden, wenn das Reisen zum alltäglichen Geschäft - also zum Job - wird. Meistens stellt sich dann bei mir eine Art Reisemüdigkeit ein und habe dann keine Lust mehr auf das Nomadenleben. Dagegen hilft eine längere Pause an einem Ort einlegen und dann schauen wie es weitergeht.
Als alltägliches Problem auf Reisen sehe ich die Kleinkriminalität. Man muss schon gut auf sein Gepäck aufpassen, denn sonst ist im wahrsten Sinne die ganze Habe weg. Andere Probleme können mangelnde ÖV Verbindungen sein, je nach Reiseland Ärger mit Behörden (z.b. Visum beantragen), Naturkatastrophen oder anderes Unvorhergesehenes (z.b. Unfall).

Was war am anstrengendsten?
Siehe vorherige Frage.

Hat dich die Reise verändert ?
Auf jeden Fall. Reisen erweitert den Horizont und räumt mit Vorurteilen auf, die man gegenüber anderen Nationen und Menschen hat.

Hättest du es auch alleine gemacht bzw. wie war es zu 2 zu reisen?
Die ganz langen Reisen habe ich alle alleine gemacht und habe auch nie einen Reisepartner vermisst. Ich wage sogar zu behaupten, dass das Reisen ohne Partner einen mehr öffnet für kulturelle Dinge.
Unterdessen reisen wir zu dritt (mit Mann und Kind). Das ist zwar wieder etwas ganz neues aber auch eine tolle Erfahrung.

Gab es Momente in denen du besonders glücklich/unglücklich warst?
Besonders glücklich war ich immer in den Momenten, in denen es nur mich und die grosse weite Welt gab. Ich liebe abgeschiedene Orte in der wilden Natur. Die lassen einem die negativen Nachrichten dieser Welt vergessen.
An einen besonders unglücklichen Moment kann ich mich nur an einen erinnern, nachdem ich angegriffen und überfallen wurde. In diesem Moment hätte ich mich gerne nachhause gebeamt und mir die Hilfe meiner Familie gewünscht. Zum Glück ist der Mensch aber zäher als man meint  ;) Eine Erfahrung mehr die mich mental stärker gemacht hat.

Andere Backpacker kennengelernt und wir waren die Begegnungen?
Die Begegnungen sind ganz unterschiedlich. Manchmal tut man sich zusammen und macht einen Teil der Reise zusammen, manchmal isst man nur zusammen, manchmal hat man sich auch nichts zu erzählen...

Gibt es etwas worauf du heute zurückblickst und es dich glücklich macht (Memories) ? —>nachhaltiges Glück
Siehe oben.

Wie waren die Umstände der einheimischen Stichwort: andere Glücksvorstellungen?
Auf nahezu jeder Reise beeindruckt mich immer wieder wie zufrieden Menschen in ärmeren Gegenden mit ihrem Leben sind. Sie sind glücklich mit dem was sie haben. Wir in unserer westlichen, geldorientierten und materialistischen Welt vergessen leider viel zu oft, was im Leben wirklich zählt.

Hat dich die Reise glücklich gemacht?
Im Grossen und Ganzen, ja!

Denkst du backpacking ist für jeden was?
Nein. Ich kenne Menschen die würden nie auf den Luxus von zuhause verzichten wollen. Das ist aber auch ganz ok, so sind die Menschen eben verschieden.

Kaamos

« Antwort #12 am: 17. Mai 2019, 17:20 »
 Hallo,

gern beantworte ich dir noch deine Fragen.
Zitat
Wie lange bist/warst du denn unterwegs, Kaamos?😊
Also auch wenn du mehrere Wochen unterwegs bist/warst würde ich mich über deine Antworten freuen🙈
Meine Reisen sind eher im kürzeren Bereich, 1-4 Wochen.
Und dein Beitrag hat mich dazu gebracht, nochmal zu überlegen, was eigentlich genau ein Backpacker ist, weil das ja teilweise sehr schwammig zu sein scheint.

Ich bin nicht der Typ für gesellige Hostels mit der nächsten Party am Strand. Allerdings bin ich durchaus auch mal mit dem Auto unterwegs (große Rundreisen), wobei das aber eben wenig mit dem Pauschaltouristen zu tun hat und bei der Art und Weise des Reisens mit Komforteinschränkungen meiner Meinung nach durchaus auch dem Backpacking nahe kommt.
Und wenn ich nicht mit dem Auto unterwegs bin, bevorzuge ich eben einen Rucksack, weil das wesentlich bequemer ist, als so einen komischen Trolley immer hinter sich her zu ziehen. Dazu hab ich hier auch ne schöne Beschreibung gefunden:
http://www.journeytoadventure.de/was-ist-ein-backpacker/
Demnach würde ich mich eher als Flashpacker (minus Trolley) sehen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Für mich macht das auch den Unterschied zwischen Reisendem und Urlauber aus. Der Reisende fährt weg, um etwas neues kennen zu lernen und der Urlauber will es in der Fremde wie zu Hause zu haben.

Aber nun zu deinen Fragen.

Zitat
War es immer einfach mit wenig Gepäck zu reisen?
Ich kenne es nicht anders. Schon Familienurlaube waren so gestaltet, dass wir (erst 3, später 4 Personen) nur mit dem eigenen PKW unterwegs waren (3-4 Wochen, 7-14.000 km). Da passt dann auch nicht so extrem viel Gepäck mit, wenn man noch Campingausrüstung mit in den Kofferraum packen muss.

Deshalb ist es auch für meine jetzigen Reisen nicht so schwer, sich zu beschränken. Das komplizierte kommt dann erst im späteren Teil der Reise, wenn man versuchen muss, Souvenirs noch irgendwo unterzubringen :-)


Zitat
Glücklich mit wenig oder Gefühl mehr „Luxus“ zu benötigen?
Definiere "wenig".
Längere Reisen waren immer mit dem Auto. Viel Camping und auch mal im Auto übernachtet. Finde ich jetzt nicht so toll, aber als Familie teils einfach günstiger. Jetzt für mich alleine nehme ich schon auch gerne mal ein bisschen Luxus mit, muss budgettechnisch aber im Rahmen bleiben.
Was das packen angeht gönne ich mir auch den Luxus eine gut ausgestattete Waschtasche zu packen, wo viele der hier versammelten Backpacker wahrscheinlich den Kopf schütteln. Shampoo, Spülung, Duschbad? Braucht man das alles einzeln, reicht da nicht ein Stück Seife? Nein, für mich nicht ^^


Zitat
Hast du daran gedacht die Reise abzubrechen?
Ja, aber das war nicht den einschränkenden Bedingungen und Verzicht geschuldet, sondern aus medizinischer Sicht. Sonnenstich allein im Wüstenhotel mit allen körperlichen Begleiterscheinungen und der Aussicht auf noch viele Tage Hitze haben an der Motivation gekratzt. Aber ich bin froh, durchgehalten zu haben.

Zitat
Wie viel Planung steckt hinter so einer Reise?
Ich bin der Typ, der alles vorplant - da bin ich familiär vorgeprägt.
Reiseführer (egal ob online oder gedruckt) wird gelesen und eine Route festgelegt mit taggenauem Ablaufplan. Wenn geflogen wird, kommt noch Preisbeobachtung in einem längeren Zeitraum dazu. Recherche von Sehenswürdigkeiten und Eintrittspreisen.
Aber ich empfinde das auch schon als einen ersten Reiseabschnitt, quasi die Reise beginnt im Kopf.

Zitat
Hast du von Problemen von anderen Backpackern mitbekommen?
Ich bin kein sehr sozialer, eher selbstgenügsamer Reisender und lege wenig Wert darauf auf andere Reisendengruppen zu stoßen. Von daher kann ich mich nicht daran erinnern, jemals Backpackerkontakte geknüpft zu haben. Entsprechend kann ich nichts zu Problemen sagen.

Zitat
War es amstrengend, welche Probleme können auftreten?
Anstrengend ja, weil einfach immer sehr viel los ist und ständig neuer Input kommt, bevor das Erlebte verarbeitet wurde.
Probleme können auftreten, wenn eins der Zahnräder meines Plans sich mal nicht ganz so geschmiert dreht.
Beispiel: ein Wochenendtrip nach Neapel (und nein, ich habe kein schlechtes Umweltgewissen, weil das in meinen 32 Jahren der erste derartige Flug war). Die Fahrt zum Flughafen war durchgeplant, aber dann kam eine Friday-for-future-Demo dazwischen, die laut Verkehrsbetrieben die Tram nicht beeinträchtigen sollte, es aber letztenendes doch tat. Alle Anschlüsse hintenraus haben sich verzögert, sodass ich dann wirklich ganz knapp vor Schluss am Gate stand. Das brauche ich nicht noch mal und habe aus diesem Problem gelernt, großzügiger zu planen.

Zitat
Was war am anstrengendsten?
In Krisensituationen (Krankheit) auf sich allein gestellt zu sein.
Körperlich anstrengend waren die Reisen durchaus auch, aber das gehört dazu. Ich hab da einfach Hummeln im Hintern. Auch wenns dann meistens so ist, dass ich nach der Reise einen Urlaub brauche.

Zitat
Hat dich die Reise verändert ?
Nein. Ich bin schon immer gereist. Meine Familie hat wie gesagt Globetrotterblut.
Von daher sehe ich das bei mir eher als kontinuierliche Entwicklung an, die sich nicht an einer Reise festmachen lässt.
Von einem kleinen ENtwicklungssprung kann man höchstens sprechen, als ich meine erste Reise allein gemacht habe.

Zitat
Hättest du es auch alleine gemacht bzw. wie war es zu 2 zu reisen?
Ja, ich reise allein. Mein Mann kann das gar nicht, vor allem nicht meine Art des Reisens. Und ich denke, ich bin auch ein schwieriger Partner für Reisen mit mehreren Personen. Ich sehe mich sonst eigentlich nicht als Egoist, schlage dann aber beim Reisen wirklich anders um. Ich will das und das und das sehen, habe meinen Plan und der andere muss hinterher rennen und da fällt es mir dann auch sehr schwer, Rücksicht zu nehmen.


Zitat
Gab es Momente in denen du besonders glücklich/unglücklich warst?
;D Jaaa.... Als die Maschine in Algier auf der Landebahn aufsetzte, meine erste große besondere Reise allein, war das ein halber Orgasmus.
Unglücklich immer dann, wenn das Ende näher rückt.

Zitat
Andere Backpacker kennengelernt und wir waren die Begegnungen?
Doch, eine Begegnung fällt mir doch noch ein. Ein Berliner an der türkischen Schwarzmeerküste, der mit dem Fahrrad von Deutschland nach Australien unterwegs war. Nette Begegnung, man hat sich mal unterhalten (er war froh, jemanden zum Reden zu haben), aber nichts tiefergehendes.


Zitat
Gibt es etwas worauf du heute zurückblickst und es dich glücklich macht (Memories) ? —>nachhaltiges Glück
Ähm... alles?
Nein im Ernst. Nach jeder Reise wird noch ein Fotobuch erstellt mit Routen und Tagebuchtexten. Ich brauche die Erinnerung noch gedruckt. Digital ist mir zu wenig.
Schon die Gestaltung des Buches ist ja ncohmal eine intensive Beschäftigung mit dem Erlebten im Nachhinein und ich genieße diese Reise nach der Reise. Ich muss bald anbauen für meine Bücher  :o


Zitat
Wie waren die Umstände der einheimischen Stichwort: andere Glücksvorstellungen?
Vom iranischen Bergdorf bis zur stolz präsentierten 30-Zimmer-Datsche in der Westukraine war schon viel dabei. Uneingeschränktes Glück und Zufriedenheit habe ich noch nirgends erlebt. Aber die Ansprüche sind definitiv unterschiedlich, sodass sich der Ukrainer wahrscheinlich nicht mit dem zufrieden gegeben hätte, was den iranischen Bauern überglücklich macht.


Zitat
Hat dich die Reise glücklich gemacht?
Ja!

Zitat
Denkst du backpacking ist für jeden was?
Nein! Siehe oben: Reisender vs. Urlauber (inklusive aller Grautöne zwischen dem Schwarz-Weiß)
Aber das ist auch nicht schlimm. Jeder hat eben unterschiedliche Ansprüche.

curioustraveler

« Antwort #13 am: 27. Mai 2019, 17:51 »
Danke auch an euch beide!:))

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