Thema: Reiseverhalten in eventuellem unabhaengigen Katalonien  (Gelesen 2365 mal)

farmerjohn1

« am: 20. September 2017, 17:27 »
Mich interessieren Eure Meinungen dazu. Sollte sich Katalonien aus dem spanischen Staatsverband loesen und als eigenstaendige Regional-Nation Teil der EU zu werden beantragen: wuerde das ueberhaupt Euer Reiseverhalten dorthin beeinflussen? Und wenn ja, inwiefern?

echidna

« Antwort #1 am: 20. September 2017, 17:34 »
Ich persönlich bin meistens nicht so begeistert von Abspaltungstendenzen und Kleinstaatereien und bin daher eher dafür, dass Katalonien Teil Spaniens bleibt. Andererseits haben die Bestrebungen zur Unabhängigkeit vermutlich noch ihre Ursache in der Franco-Ära, in der versucht worden war, jegliche Eigenständigkeit der Katalanen zu unterdrücken und zu verbieten (z.B. was Sprache und Traditionen betrifft). Eine schwierige Frage, die ich als Außenstehender nicht gut beantworten kann.

Wie das mein Reiseverhalten beeinflussen würde, würde auch davon abhängen, welche Art Staat ein unabhängiges Katalonien werden würde (neues Mitgliedsland der EU? Ganz unabhängig? Welche Einreise- und Aufenthaltsbedingungen? Wird weiterhin auch Spanisch gesprochen oder nur noch Katalanisch? usw.).

farmerjohn1

« Antwort #2 am: 21. September 2017, 04:25 »
Na, die historischen Ursachen gehen schon noch erheblich weiter zurueck als in die Franco-Aera - deren kastilisch-zentralistische Haltung aber fuer die heutige Situation einen Begruendungszusammenhang darstellt. Dass mein Urgrossvater lebenslang im bergischen Heimatbund aktiv war, stolz regionales Platt sprach und sich einer klar lokal abgegrenzten Werte-Identitaet erfreute, finde ich super und goenne selbiges auch jedem anderen Menschen auf der Welt, auch jedem Katalanen. Dass das nun innerhalb eines Staaten- oder Regionenbundes rechtfertigen soll, jeden nicht eng regional sozialisierten Menschen, sobald er/sie mal fuer ein paar Jahre 300km umziehen muss, mit einem neuen Regionalsprachzwang zu traktieren, finde ich aber falsch.
Bei den Katalanen spielen viele Faktoren eine Rolle; vieles halte ich fuer Unsinn, aber es gibt auch einige kulturspezifisch katalanische Klugheiten - unter anderem die Betonung der Einstellung, dass jeder sein eigenes Haus selbst bestellen soll, die strikte Ablehnung von Rassismus und konsequente Gewaltfreiheit (was physische Gewalt betrifft).

ABER VORSICHT: ich wollte nicht zu einer Diskussion um '(katalanische) Segregation - ja oder nein?' aufrufen. Mich interessieren hier ausdruecklich die Auswirkungen, die solche Veraenderungen auf Euer Reiseverhalten haetten.

Vombatus

« Antwort #3 am: 21. September 2017, 07:33 »
Nur auf das Reiseverhalten bezogen, bei Abspaltung, Übernahme, Zusammenschluss, Teilung und was es sonst alles gibt. Solange ich ein Interesse an dem Land habe, es bereisbar ist und ich die Möglichkeit habe das zu tun, würde ich es in meine Reisepläne mit aufnehmen. Was sollte auch dagegen sprechen?

Eine ähnliche Frage kam bei den Threads unten auf. (Ab) wann Reise ich nicht mehr in ein Land.
Das (Nicht-)Reisen in Ländern mit fragwürdigen Regierungen
https://weltreise-info.de/forum/index.php?topic=12339.msg82465#msg82465
Reisewarnungen – Einfluss auf eure Reisepläne?
https://weltreise-info.de/forum/index.php?topic=11178.msg73851#msg73851

Kama aina

« Antwort #4 am: 21. September 2017, 08:38 »
Nur aufs Reiseverhalten gesehen: Super!
Tolle Region und ich habe ein neues Land auf meiner Liste!
Ähnliche Tendenz sehe ich in Schottland!
Ob das aber alles passiert ist die Frage und für mein Reiseverhalten unerheblich!


gismarett

« Antwort #5 am: 21. September 2017, 21:25 »
In meinem Umfeld gibt es viele Personen, welche nach dem Brexit nichtmehr nach London oder England reisen möchten. Ich kann dies teilweise verstehen, da ich vom EU Austritt auch enttäuscht bin. Andererseits reisen immernoch sehr viele Bekannte von mir nach China oder in andere Länder mit einem zweifelhaften politischen System. Diese zweigeteilte Moral finde ich dann doch etwas zweifelhaft. Wir haben die Freiheit, in nahezu jedes Land zu reisen und dabei die Möglichkeit die schönsten und schlimmsten Seiten des Landes kennenzulernen.

Bezogen auf die Unabhängigkeit von Katalonien sehe ich dies ähnlich. Ich verstehe die Wünsche der Bevölkerung und kenne sogar eine Person von dort. Wir haben ausführlich drüber diskutiert und sehen vor allem wirtschaftliche Nachteile für die Region. Aber mein Reiseverhalten würde dies nicht verändern. Wenn dann spielen die Einreisebedingungen eine zentrale Rolle. Also gehört das neue Land zur EU oder muss ich mich durch die Grenzen kämpfen. Ändern sich rechtliche oder wirtschaftliche Aspekte (Kosten) in Bezug auf meinen Urlaub/Aufenthalt und ähnliches.

Mir persönlich würde es übrigens besser gefallen, wenn Katalonien zumindest in der EU bleibt.

echidna

« Antwort #6 am: 22. September 2017, 08:59 »
Also gehört das neue Land zur EU oder muss ich mich durch die Grenzen kämpfen. Ändern sich rechtliche oder wirtschaftliche Aspekte (Kosten) in Bezug auf meinen Urlaub/Aufenthalt und ähnliches.
Genau, das sind übrigens auch Kriterien für meine zukünftigen Reisen nach UK nach dem Brexit. Ich habe nichts gegen Großbritannien, auch nicht nach dem Brexit. Ich bin immer gern dorthin gereist und mag das Land, die Menschen und die Kultur. Aber wenn das Land dann versucht, sich Besucher vom Leib zu halten und womöglich ähnlich zickige Einreiseregeln schafft wie die USA, dann schwindet mein Interesse.

Ob Katalonien nach einem Kexit noch EU-Mitglied wäre? Soweit ich weiß, müssen neugegründete, aus einem EU-Land ausgetretene Staaten sich erst um eine Aufnahme in die EU bewerben (war das nicht auch bei Schottland ein Thema)?

Eka

« Antwort #7 am: 22. September 2017, 09:49 »
Bei den Abspaltungsbestreben einzelner Regionen in verschiedenen Ländern überwiegen die wirtschaftlichen Interessen. So wollte/will auch einmal Quebec unabhängig werden von Kanada, um seine frankophone Identität zu schützen.

In solchen Interessenskonflikten gibt es dort nur einen Kampf, der reiche Norden gegen den armen Süden. Die mit Industrie und Wirtschaft/Tourismus reich gewordene Region möchte seinen Reichtum mit den anderen verarmten Regionen, diese befinden sich je nach Land meistens im Süden, nicht teilen und wollen dadurch verhindern, dass mehr Geld abfließt.

Aber so wie es heute aussieht, möchte jeder in die  "gute alte Zeit", der vielen Kleinstaaten, zurück. Dieses wird im Notfall auch mit dem Militär durchgesetzt. So in diesem Sinne, jedes Land muss für sich selbst entscheiden, ob dies eine vernünftige Lösung ist.

Da die Bürger diese Entscheidung nicht treffen dürfen, wie auch die meisten politischen Entscheidung, werden sie entmündigt.

Es ist einfach dumm, in manche Länder nicht zu reisen, nur weil es Abspaltungsversuche erfolgreich unternommen hat oder gerade dabei ist, diese umzusetzen. Denn dadurch wird sich die jahrhunderte alte Kultur dieser
Region auch nicht von einem Tag auf den anderen aendern.

Was ich bis jetzt hier in dieser Diskussion vermisst habe, ist wohl die Frage ob Reisende durch hohe Preise abgeschreckt werden, diese Regionen zu besuchen. Aber wer reisen will, findet Mittel und Wege um zu sparen.

farmerjohn1

« Antwort #8 am: 22. September 2017, 14:08 »
Zitat Eka: 'Bei den Abspaltungsbestreben einzelner Regionen in verschiedenen Ländern überwiegen die wirtschaftlichen Interessen. So wollte/will auch einmal Quebec unabhängig werden von Kanada, um seine frankophone Identität zu schützen.'

Da sieht man's: es ist eben doch zwiespaeltig und zwischen den Saeulen 'wirtschaftliche Interessen' und 'Sozialpsychologie' angesiedelt.

Lange habe ich das auch wie Gismarett gesehen: solange keine finanziellen Einbussen aufkommen, mag Katalonien auf seinem Territorium seine Regionalpolitik machen und die Haushaltsdebatte mit der spanischen Zentralregierung  weiterfuehren - aber  im Grunde wissen die Leute dort ganz genau, dass sie als Teil des EU-Mitglieds Spanien besser fahren als mit jeder anderen Moeglichkeit.

Aber es gibt auch andere Aspekte: mittlerweile ist durch fortschreitende Automatisierung evtl. die industrielle Fertigung nicht mehr die Hauptquelle von allgemeinem Wohlstand, und der Handel wird vielleicht seine Knotenpunkte bald nicht mehr in Handelsstaedten an Kuesten, sondern an mathematischen Schnittstellen im Internet und in vollautomatisierten (Lager-)Hallen an Entfernungs- und Kostenoptimalen Punkten haben - die aber fuer die menschliche Wahrnehmung dann irgendwo im Nirgendwo stehen.

Da bleiben dann fuer so Tor-Zur-Welt-Phaenomene wie Venedig, Hamburg oder Barcelona plus Umgebung als  Wohlstandsgeneratoren noch: Tourismus- und Finanzdienstleistungen sowie Immobilien - und etwas (Lokal-)Politik.

Deswegen interessierte mich das Thema mit Bezug auf Reiseverhalten.



Vombatus

« Antwort #9 am: 22. September 2017, 16:44 »
Zur Information – Nachdem das Thema doch eher ins politische übergeht habe ich das Thema in einen anderen Themenblock verschoben.

Herri Mojo

« Antwort #10 am: 22. September 2017, 22:50 »
Der FC Barcelona würde ja wohl weiterhin existieren. Somit fände ich Katalonien auch im Falle einer Abspaltung (die aus wirtschaftlichen, verfassungsmäßigen wie auch realpolitischen Gründen in absehbarer Zeit nicht passieren wird) weiterhin sympathisch und bereisenswert.  ;)

farmerjohn1

« Antwort #11 am: 23. September 2017, 00:25 »
Danke fuer die interessanten Einschaetzungen der Teilnehmer; als Fazit koennte man festhalten: eine eventuelle katalanische Segregation wuerde sich nur dann negativ  auf Eure Besuche dort auswirken, wenn dadurch Preise zu hoch und Besucher behoerdlich benachteiligt wuerden.

Voraussetzung fuer Weltreisen ist Wohlstand - und Weltreisen als Wirtschaftszweig generiert Wohlstand. Deswegen ja das Thema - das mit Weltreisen ja 'nichts zu tun' hat.

'De baralles i de plets, lo qui'n fuig és lo discret'.

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