Thema: 2 Wochen Ukraine (+ Moldawien) in Mai/Juni  (Gelesen 883 mal)

GschamsterDiener

« am: 30. April 2017, 15:52 »
Es geht für mich in 4 Wochen weiter für 2 Wochen. Die folgende Strecke habe ich angedacht: Kiev (2-3 N)-Chernobyl (2 N)- Atomraketenmuseum im Nirgendwo - Odessa (1-2 N)-Moldawien (1-2 N)-Chernovitz (1-2N)-Lviv (2N).

Das ist für meinen Geschmack relativ viel Zeit für eine überschaubare Anzahl an Highlights. Sollte ich meiner Strecke weitere Ziele zufügen? Was wären eure (Geheim-)Tipps zur Ukraine? Gibt es in Moldawien überhaupt IRGENDWAS Sehenswertes? Nette Übernachtungsmöglichkeiten?
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Kibo

« Antwort #1 am: 30. April 2017, 22:05 »
Ich war letztes Jahr in beiden Ländern, und fand, dass Kiew mitunter eine der interessantesten Städte Europas ist, doch leider wird sie immer noch von vielen Touristen gemieden. 2 Tage Tschernobyl ist sicher spannend, war leider nur einen Tag dort.

Zu Moldawien: Deine Frage hab' ich mir auch gestellt, und kann heute sagen: eher nicht. Ich war nur in Chishinau und dort gibt es eher wenig zu tun. Was ich dir aber auf jeden Fall empfehlen würde, ist der alte jüdische Friehdhof. Klingt zwar nicht so spannend, doch du bist sicher der einzige Besucher dort und mit den ganzen alten umgefallenen und überwucherten Grabsteinen hat es schon seinen eigenen Flair.

Hab' dazu auch mal geblogt, falls es dich interessiert:  https://my-travel-life.com/2016/09/21/chisinau-grau-in-grau/

Was du aber noch mitnehmen könntest, ist Tiraspol in der autonomen Republik Transnistrien. Soll echt den Aufwand wert sein, vor allem weil die Zeit dort 1989 stehen geblieben ist. Also wenn du auf Sowjet-Feeling stehst, dann schau doch dort vorbei, ist sicher interessanter als andere Ziele in Moldawien. Ich war noch nicht dort, aber es steht auf meiner Liste ;)

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Kama aina

« Antwort #2 am: 02. Mai 2017, 14:56 »
Zu dem was wir damals nach meinem Aufenthalt besprochen habe ich soweit nicht mehr hinzuzufügen, außer das ich dir viel Spaß wünsche und echt "neidisch" auf Moldawien bin! Auch wenn es vielleicht nicht der Knaller sein wird! Aber das wirst du uns ja dann schon berichten! :-)
Sonst vielleicht noch was mehr Zeit am schwarzen Meer. Die tollen Ziele wie Mariupol und die Krim sind durch den Konflikt ja nicht mehr zu bereisen! Aber vielleicht findet sich ja noch was unterhalb von Moldawien!
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GschamsterDiener

« Antwort #3 am: 10. Juni 2017, 11:07 »
Meine Strecke war letztlich wie folgt: Kiev-Chornobyl Tour (2d)-Kiev-Odessa-Tiraspol (Transdniestr)-Chisinau-Chernivtsi-KamyanetsPodolsk-Kremenez-Pochaiv-Lviv

Das Missile Museum auf halber Strecke von Kiev nach Odessa habe ich aufgrund schlechter Erreichbarkeit fallen gelassen.

Fazit zu den besuchten Orten:

Kiev:
Hat für mehrere Tage Programm zu bieten. Maidan, Altstadt und Podil (das Hipster-Viertel, wenn man so will) sind schick. Vor allem das Höhlenkloster und die Ukrainische Freiheitsstatue (Rodina Mat) samt angehängtem sowjetrealistischem Kitsch waren meine Highlights. Ich war dort um 7 Uhr früh, musste dadurch keinen Eintritt bezahlen und hatte die gesamte Anlage bei perfektem Wetter für mich alleine. Ich war ca. 3 Tage in Kiev und wäre gerne noch 1-2 Tage länger geblieben, um noch mehr zu sehen. Aber die Rolltreppen (tiefste U-Bahn der Welt) fressen halt Zeit...

Chornobyl Tour:
Ich habe mich für die 2-tägige Variante entschieden und über Chornobyl Tours gebucht. Kurz gesagt: Ein Höhepunkt all meiner Reisen, das ich jedem mit Sinn fürs Obskure nur empfehlen kann. Woanders steht darüber mehr. Auch den Touranbieter kann ich unumwunden weiterempfehlen.

Odessa:
In 6 Stunden mit Luxusbus über die "Autobahn" zu erreichen. Die Stadt hat einen angenehmen Flair, war für mich aber ziemlich enttäuschend, denn zu sehen gibt es eigentlich gar nichts. Fortgehen und am Strand liegen sollte aber gut funktionieren, aber fortgehen sollte in jeder großen ukrainischen Stadt sehr gut funktionieren. Jedenfalls: ich habe mich nach 45 Minuten gelangweilt und bin am nächsten Morgen nach Transdnistr.

Tiraspol:
Offiziell die zweitgrößte Stadt Moldawiens, ist aber eigentlich die Hauptstadt des nicht anerkannten Transnistriens. In Tiraspol, hört man immer wieder, soll es noch sehr sowjetisch aussehen, aber bei meinem Besuch gibt es vor allem Baustellen an zentral exponierten Orten, sprich: es gibt außer 1-2 Panzer- und Leninstatuen nichts zu sehen. Transnistriens Grenzschutz ist bekannt dafür, aus den wenigen Touristen mit Tricks Bestechungsgelder herauszupressen, aber diese Zeiten sind wohl vorbei, denn ich hatte überhaupt keine Schwierigkeiten.

Chisinau:
Bisschen mehr Sowjetcharme und viel lebendiger und chaotischer als das verschlafene Tiraspol. Wenn ich das recht überblickt habe, gibt es hier eine große Hauptstraße mit ein paar Gebäuden und ein paar Kirchen. Alles andere als spektakulär, aber ich habe mir auch nichts erwartet, insofern hat das schon gepasst.

Chernivtsi:
Eine schöne, kompakte Universitätsstadt. Die Uni selbst, spannende historistische Architektur, ist UNESCO-Kulturerbe, es gibt zudem eine angenehme Fußgängerzone und am Zahnfleisch kriechende, ständig ihren Finger verlierende Omnibusse. Würde ich mir anschauen, wenn man mal in der Gegend ist.

Fortsetzung folgt..
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GschamsterDiener

« Antwort #4 am: 10. Juni 2017, 11:40 »
Kamyanets-Podolsk:
Gilt als einer der größten Klunker im ukrainischen Portfolio, aber: naja. Die Burg ist zwar schön gelegen, man ist aber nach 10 Minuten durch. Es gibt wohl 100e coolere Burgen in Europa. Die Altstadt? Eine unspektakuläre, große Baustelle. Ich habe hier 2 Nächte verbracht und mich deswegen geärgert.

Kremenez/Pochaiv:
Kremenez bietet mehrere nette Barockklöster in teilweise sehr schönen Ensembles, die durch teilweisen Verfall sogar noch etwas gewinnen, und eine strategisch günstig gelegene Burgruine, von der aus man alles schön sehen kann. Kremenez war aber nur ein Zwischenstopp für Pochaiv, wo es die 2twichtigste Klosteranlage der Ukraine gibt. Touristen gibt es hier kaum, sondern vor allem Pilger und Pfaffen, die teilweise mit dem BMW X5 rumfahren (wohl kein Bettelorden). In der Anlage selbst darf man leider nicht fotografieren, aber das Kloster ist auch von Außen gut sichtbar. Für alle, die auf die Kombi aus weiß und gold stehen, ein Pflichtprogramm. Muss sich nicht hinter SOAsiatischen Anlagen verstecken. In der Umgebung gibt es noch ein paar andere Anlagen, aber dafür hatte ich leider keine Zeit mehr.

Lviv:
Wird allen als neues Prag/Krakau verkauft, nur günstiger und ohne Touristen. Und das ist ein absoluter Schwachsinn, denn Lviv kann mit beiden Referenzen überhaupt nicht mithalten. Wobei, was stimmt (aber das gilt für die gesamte Ukraine): Es ist günstig und man kann super fortgehen. Sehenswürdigkeiten? Ich war mehrmals verwirrt. Bin ich echt in der richtigen Kirche gelandet? Das soll das Highlight sein? Man sollte Lviv dennoch einen Besuch abstatten wegen der teils absurden Konzeptlokale, etwa dem Cafe Masoch, wo man sich von den Kellnerinnen den Hintern versohlen kann, wenn man möchte. Wer Banana Split bestellt, muss es ohne Löffel aufessen. Kleine Gemeinheiten halt. War mir dann doch zu weit außerhalb meiner Komfortzone. Für Bacheloritäten und andere Schweinereien sollte Lviv aber was taugen.

Fortsetzung folgt...
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GschamsterDiener

« Antwort #5 am: 10. Juni 2017, 12:06 »
Das Drumherum:

Kosten:
Supergünstig. Man kann für 1-2€ gut essen. Eine U-Bahn-Fahrt in Kiev kostet 0,15€. Busse und Züge sind spottbillig. Meine heutige Taxifahrt von Lviv zum Flughafen mitten in der Nacht (ca. 15 Minuten Fahrt) hat 2€ gekostet. Ein Bier in einem guten Restaurant in der Provinz: 0,7€. Etc.

Wohnen: In Kiev etwas teurer, aber man findet schon Zimmer mit eigenem Bad ab 15-20€. Apartments sind günstiger als Hotels. Hostelbetten ca. 5-7€. Außerhalb Kievs gehen die Preise merklich runter. In Pochaiv hatte ich ein Einzelzimmer mit Bad und Frühstück in einem Hotel Marke *** Business für 11€.

Transport:
Eine mittlere Katastrophe. Die Straßen sind beschissen, das Zugnetz ausgedünnt (und die wenigen Züge, die in Frage kommen, sind mehrere Tage im Voraus ausgebucht). Bis auf absolute Hauptstrecken, wo es Luxusverbindungen a lá Semi-Cama gibt (z.B. Kiev-Odessa) verkehren vor allem Marshrutkas, also Minibusse bis maximal Tata-Busse, mit enger Bestuhlung, die regelmäßig anhalten, um Babuschkas in die Gänge nachzustopfen. Also ähnliche Zustände wie in Zentralamerika - nur dass die Marshrutkas sehr unregelmäßig verkehren. Also: Zum Busbahnhof hinkommen und 10 Minuten später losfahren, wohin man möchte, das spielt es nicht. Ich habe es 1x probiert mit der Verbindung Odessa-Tiraspol (2 große Städte, die ca. 100km voneinander entfernt sind). Ich habe dann ca. 3 Stunden auf meinen Bus gewartet.

Kommunikation:
Keine Kenntnisse einer slawischen Sprache? Na dann viel Vergnügen! Ich darf mich glücklich schätzen und ich kann auch die Schrift halbwegs lesen, wodurch die ganze Geschichte für mich viel einfacher war als es für andere sein wird. Mit Englisch alleine wird man außerhalb der touristischen Epizentren (im Endeffekt Kiev, Odessa, Lviv) eher aufgeschmissen sein. Die Leute sind mentalitätsmäßig auch eher reserviert/wenig hilfsbereit/uninteressiert. Das gilt auch für die Hotels.

Davon abgesehen: Frauen ohne stabiles Selbstwertgefühl sollten die Ukraine eher meiden. Sie werden sich ziemlich hässlich vorkommen.



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n_rtw

« Antwort #6 am: 10. Juni 2017, 12:57 »
Danke für den ausführlichen Bericht. Das macht echt Lust auf eine Reise...

wobei ich (Frau) den letzten Satz schon grenzwertig finde... als ob alle Frauen sich auf Reisen (oder überhaupt im Leben) ständig mit anderen vergleichen... Oder wie meinst du das? Oder gibt es konkrete Beeinträchtigungen als alleinreisende, hässlich oder nicht, Frau? Das wär die eigentlich wichtige Information.
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GschamsterDiener

« Antwort #7 am: 10. Juni 2017, 17:43 »
Oder gibt es konkrete Beeinträchtigungen als alleinreisende, hässlich oder nicht, Frau? Das wär die eigentlich wichtige Information.

Kann nicht für Frauen sprechen, aber: Jedenfalls keine konkreten Beeinträchtigungen als alleinreisender, hässlicher Mann! ;)
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Kama aina

« Antwort #8 am: 12. Juni 2017, 08:48 »
Sehr cooler Bericht! Schön das dir Tschernobyl auch so gut gefallen hat!
Du hast dich also hauptsächlich mit den kleinen Bussen fortbewegt, ja?
Und nach Moldawien bist auch auf diesem Wege gekommen?
Wäre mal gut zu wissen, denn irgendwann müssen wir auch noch unseren Fuß nach Moldawien setzen! :-) Und da wäre eine Verbindung mit der Ukraine ja wieder ganz schön! 

@n_rtw: GschamsterDiener spielt denke ich ehr auf die Schönheit der ukrainischen Frauen an! Es ist tatsächlich so, wie in den meisten osteuropäischen Staaten, dass die Frauen dort (auch historisch und kulturbedingt) extrem viel wert auf ihr Äußeres legen! Das führt mit unter dazu, dass überdurchschnittlich viele "Traumfrauen" unterwegs sind, die einem westlichen Mann schon mal um den "Verstand" bringen können! :-)

Glaube er wollte damit aber nicht so provozieren wie du es vielleicht verstanden hast! :-)
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GschamsterDiener

« Antwort #9 am: 12. Juni 2017, 21:59 »
Sehr cooler Bericht! Schön das dir Tschernobyl auch so gut gefallen hat!
Du hast dich also hauptsächlich mit den kleinen Bussen fortbewegt, ja?
Und nach Moldawien bist auch auf diesem Wege gekommen?
Wäre mal gut zu wissen, denn irgendwann müssen wir auch noch unseren Fuß nach Moldawien setzen! :-) Und da wäre eine Verbindung mit der Ukraine ja wieder ganz schön! 

Es gibt Verbindungen von Odessa und Chernivtsi nach Chisinau.
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GschamsterDiener

« Antwort #10 am: 12. Juni 2017, 22:01 »
@n_rtw: GschamsterDiener spielt denke ich ehr auf die Schönheit der ukrainischen Frauen an! Es ist tatsächlich so, wie in den meisten osteuropäischen Staaten, dass die Frauen dort (auch historisch und kulturbedingt) extrem viel wert auf ihr Äußeres legen! Das führt mit unter dazu, dass überdurchschnittlich viele "Traumfrauen" unterwegs sind, die einem westlichen Mann schon mal um den "Verstand" bringen können! :-)

Gratuliere zum Mansplaining, Kama Aina!
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Kama aina

« Antwort #11 am: 13. Juni 2017, 10:25 »
1. Danke für den Hinweis :-)
2. So war es nicht gemeint und wenn n_rtw sich davon angegriffen fühlt, dann tut mir das natürlich Leid! Musste den Begriff aber auch erstmal suchen! Interessant auf jeden Fall!
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