Thema: Erfahrungen mit Uber  (Gelesen 9071 mal)

pad

« Antwort #15 am: 28. August 2016, 17:06 »
Hab Uber kürzlich in Polen ein paar mal genutzt und war wiederum meist sehr zufrieden. Sehr günstige Preise, freundliche Fahrer, saubere Autos.

Was mir dort aufgefallen ist: Die Schätzung, in wie vielen Minuten nach der Bestellung man abgeholt wird, war jedes mal deutlich zu optimistisch und es hat immer länger gedauert. Manchmal mehr als doppelt so lang. Ich hab den Eindruck, Uber schummelt hier absichtlich ein wenig und rundet die Berechnung, die dahinter steckt, sehr grosszügig ab.

Insgesamt bin ich weiterhin positiv eingestellt und werde den Dienst auch in Zukunft auf Reisen nutzen. Das hat auch dazu geführt, dass ich heute eher mal ein Taxi nehme, wo ich früher in den Bus gestiegen bin (besonders, wenn man zu zweit oder dritt unterwegs ist).
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Mirabell

« Antwort #16 am: 29. August 2016, 21:32 »
Ich habe Uber in Bangkok genutzt und war super zufrieden. Kein Suchen nach einem Taxi, kein Verhandeln bzw. Überprüfen, ob das Taximeter eingeschaltet ist. Das Auto war komfortabel und der Fahrer freundlich. Gerade als alleireisende Frau habe ich mich sehr sicher gefühlt.
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jukian (ejurgal)

« Antwort #17 am: 30. August 2016, 10:01 »
Hi Leute,
ich freue mich über dieses Thema, da ich vor einem halben Jahr eine Hausarbeit darüber geschrieben habe, wie sich die kommerzialisierte Share-Community auf die Arbeitsbedingungen von Taxi-Fahrern und Anbietern von Gästezimmern o.Ä. auswirkt.
Eigentlich versuche ich hier im Forum, beim Vertreten meiner Ansichten, stets darauf zu achten, nicht in Superlativen zu sprechen... in diesem Fall fühle ich mich aber dazu genötigt einmal ganz klar zu sagen: Das ist Ausbeutungskapitalismus par excellence und ich halte mich von AirBnB, Uber, etc. fern. (Nein, ich bin weder Kommunist, noch Systemaussteiger, versuche aber kritisch zu denken.)

Erst einmal, kann ich verstehen, dass Uber auf der Kundenseite viele Vorteile birgt: Höhere Kontrolle, freundlichere Fahrer und vor allem anderen: günstigere Preise.

Grundsätzlich und verständlicherweise sind Konsumenten erstmal begeistert, wenn etwas aufgrund einer (vermeintlichen) Systemverbesserung günstiger wird. Und in vielen Fällen hat das sicher gut funktioniert...
Die Frage ist natürlich, wer dafür zahlt, wenn weniger Geld fließt.
Leider sind es wie so oft, die die ohnehin am untersten Ende der Kette hängen... in diesem Fall die Fahrer.

Warum es für Fahrer in Deutschland schlechter ist, plötzlich nicht mehr angestellt zu sein, sondern selbstständig oder schein-selbstständig liegt auf der Hand: Altersabsicherung, Krankenkasse, etc. etc. müssen plötzlich aus eigener Tasche finanziert werden. Wer angestellt war und sich kein eigenes Taxi leisten kann, wird also in Zukunft weiter für eine prozentuale Gewinnbeteiligung im Auto eines anderen fahren... Ich kann mir das unterschiedliche Geschäftsmodelle ausmalen. In keinem kommt der Taxifahrer besser weg.
Herzlichen Glückwunsch übrigens auch an Uber, dass auf diesem Weg der gerade erst durchgesetzte Mindestlohn wieder ausgehebelt wird...

Für noch fataler halte ich die Folgen in Ländern wie Thailand, in denen soziale Strukturen und Absicherungen im Entstehen sind... Länder die sich einen steigenden Wohlstand erarbeitet haben und in denen die Menschen endlich anfangen können, über Rechte und Gesetze die Arbeitsbedingungen in kleinsten Schritten langsam zu verbessern.
Toll, wenn dann ein amerikanisches Unternehmen kommt, dass die Preise drückt und selber noch einen Teil davon einstreicht. Das wird dem Land sicher helfen, auch in Zukunft den eigenen Wohlstand weiterauszubauen.
Die "Taxi-Mafias" werden im Übrigen auch ihre Wege finden ihre Macht über Uber-Fahrer zu behalten und vermutlich nicht unbedingt weniger Geld verlangen, nur weil der Taxifahrer jetzt für die gleiche Strecker weniger Geld erhält.

Und nochmal, nur weil es ein anderes System gibt, werden nicht mehr Fahrer sich jetzt ein eigenes Auto leisten können... ergo fahren sie vermutlich immer noch das Auto eines Unternehmers. Vermutlich wird das Geld immer noch aufgeteilt (bsw. 30% erhält der Fahrer, 70% der Fahrzeughalter), blöderweise werden die Margen kleiner und Uber erhält auch noch seinen Anteil. Für mich ist das eine Milchmädchenrechnung...


Letztendlich ist es doch so, dass Taxifahren durch Uber billiger wird und das ist natürlich stets ein gutes Verkaufsargument... und auf den ersten Blick ändern sich für den Kunden ansonsten nicht viel. Das ganze sieht aber anders aus, wenn es beispielsweise zu einem Unfall kommt. Angenommen, der Taxifahrer baut einen Unfall und ist schuld. Das kann immer passieren. Der Fahrgast verletzt sich dabei schwer und nachhaltig am Bein. Blöderweise hat der Fahrer die Fahrt in seinem Privatwagen angeboten und auch keinerlei Versicherungen abgeschlossen... Jetzt klagt der Fahrgast seine Rechte beim Anbieter ein und - Überraschung - der kann sich die horrenden Entschädigungssummen gar nicht leisten... Vermutlich ist seine Existenz damit dahin und die des Fahrgastes natürlich erst Recht.

Ich weiß, dass vieles in Deutschland über reguliert ist und manches auch keinen Sinn ergibt, aber es macht mich wütend, wenn ein riesiges Unternehmen daher kommt und mittels rechtswidriger Schlupflöcher Verbraucher- und Arbeiterrechte aushöhlt...

So, jetzt könnte ich noch viel mehr schreiben, aber ich habe das Gefühl, langsam wird es unstrukturiert und zu lang...
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