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Reiseberichte / Antw:Nordatlantik - Orkney, Shetland, Färöer
« Letzter Beitrag von Kaamos am 27. August 2025, 22:35 »Montag, 11.08.2025
Tja, die Fähre hätte ich mal vorbuchen sollen. Kein Plätzchen mehr frei fürs Auto. Mit Cairns und Knowes auf Rousay wird's wohl nichts. Alternativprogramm: auf nach Hoy!
Statt Frühgeschichte geht's jetzt eben ins 20. Jh. In Lyness lerne ich mehr über Scapa Flow. Im Visitor Center gibt's sowohl Informationen zur Ölförderung auf den Orkneys, wie auch zur Militärgeschichte. Dazu habe ich ja bei den Churchill Barriers schon ein paar Worte verloren.


Die Orkney Inseln waren schon lange von strategischer Bedeutung. Umso mehr, als Napoleon die Kontinentalsperre gegen Großbritannien errichtete. Die Briten bauten daraufhin die Verteidigung der Insel aus und errichteten mehrere sogenannte Martello-Türme. Die besonders stabilen Bauwerke sollten auch Kanonenbeschuss standhalten und waren stabil genug, um ihrerseits ebenso schwere Artillerie zu tragen.
Das Prinzip kopierten die Briten von spanischen Türmen auf Menorca, von deren Stabilität sie beeindruckt waren.
Für nähere Besichtigung reicht die Zeit leider nicht, denn die nächste Fähre zurück zum Mainland wartet.

Eigentlich hätte ich für Hoy etwas mehr Zeit gebraucht. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass ich die Insel ursprünglich gar nicht geplant hatte, begnüge ich mich mit dem Schnuppern.
Was ich nicht gesehen habe, sind die zweithöchsten Klippen Britanniens, das nördlichste neolithische Felsengrab Europas und der Old Man of Hoy, eine 140m hohe Felsennadel.
Zwar ist es heute ein wunderbar sonniger Tag, aber die Überfahrt ist relativ stürmisch. Hilft nix, ich will an Deck und nicht im Auto sitzen.
Die ganzen Berge blühen. Leider kommt die Farbe aus der Ferne nicht so schön rüber.

Zum Glück ist Mainland nicht so groß, da ist es nicht so schlimm, wenn man immer wieder kreuz und quer fährt. Jetzt bin ich also wieder im Norden, wo mich die Fähre heute Vormittag abgewiesen hat - und doch wieder bei alten Steinen.
Ein Broch ist ein eisenzeitlicher Turmbau und der Broch von Gurness ist einer der größten seiner Art. Er stammt wohl aus dem ersten oder zweiten vorchristlichen Jahrhundert und wurde als Siedlungsplatz mehrfach recycelt. Nach den ursprünglichen Erbauern kamen die Pikten (mit denen muss ich mich unbedingt Mal näher beschäftigen) und schließlich wieder einmal die Wikinger.
Im Gegensatz zu Skara Brae kann man hier durch die - zugegebenermaßen nicht ganz so gut erhaltenen - Häuser laufen. Es ist schon eine idyllische Lage.

Sehenswürdigkeiten sind hier mit braunen Schildern ganz gut ausgewiesen. Und einen Audioguide, der alles wichtige auf den Orkneys abgedeckt gibt es auch.
Da biege ich doch gleich einmal ab, lass mich von neugierigen Kühen bestaunen und schaue mir die Dounby Click Mill an. Das besondere ist, dass sie ein horizontales Wasserrad hat.
Auch der Mechanismus aus dem 19. Jh. ist noch erhalten. Von ihm kommt auch der Name Click Mill. Bei der Drehung des Rades öffnen hölzerne Noppen regelmäßig eine Luke, durch die neues Getreide auf den Mühlstein fällt, was das typische Geräusch erzeugt. Deswegen singt man also auch: Es klappert die Mühle am rauschenden Bach ...

Jetzt wieder 15 Meilen nach Süden fahren... wie gesagt: kreuz und quer.
Orphir ist nicht nur Geburtsort des Arktisforschers John Rae, der die Nordwestpassage entdeckt hat, sondern war schon seit Jahrhunderten ein bedeutender Ort. Hier stand einmal die einzige mittelalterliche Rundkirche Schottlands, die zudem von der Grabeskirche in Jerusalem inspiriert sein soll. Heute sieht man nur noch die Apsis.
Nebenan stolpere ich fast über die Grundmauern des Earl's Bu, einer Trinkhalle, die das kulturelle und politische Zentrum der Wikingerherrschaft war. Die Orte (ebenso wie andere, etwa der Brough of Birsay) werden auch in der Orkneyinga Saga erwähnt, der Geschichte der ersten norwegischen Jarle von Orkney. Die Mischung aus Legende, Geschichte und Mythos ist noch heute identitätsstiftend für die Orcadians.

Gestern Abend habe ich in der Bucht von Scapa Fisch and Chips gegessen, heute schaue ich noch einmal in der Gedenkstätte vorbei.
Die Royal Oak war ein Schlachtschiff aus dem ersten Weltkrieg. Am 14. Oktober 1939 wurde es vom deutschen U-Boote U47 unter Günther Prien torpediert und versenkt. Auch wenn das Schiff mittlerweile veraltet war, war es ein schwerer Schlag für die britische Marine, insbesondere, da 833 der 1.234 Besatzungsmitglieder ums Leben kamen.

Jetzt geht es noch einmal unter die Erde. Auf den Orkneys gibt es einige Earth Houses, bzw. Souterrains. Ihr Zweck ist nicht ganz geklärt, war aber wahrscheinlich kultisch. Auf einem Bauernhof in Rennibister befindet sich eines der am besten erhaltenen Earth Houses. Über eine Leiter steige ich hinab und krieche ein Stück einen Gang entlang, bis es nicht mehr weitergeht.
Das Bauwerk stammt aus dem ersten vorchristlichen Jahrtausend.

Abendessen! Vorgestern war voll, heute hab ich mir einen Tisch reserviert. Das Ferry Inn serviert ausgesprochen guten Fisch! (Und Whiskey)
- Orkney crab and smoked fish paprika tart
- Baked hake fillet, spring onion mash, watercress, garlic herb cream sauce
- Rich chocolate terrine whisky jelly, berry coulis

Tja, die Fähre hätte ich mal vorbuchen sollen. Kein Plätzchen mehr frei fürs Auto. Mit Cairns und Knowes auf Rousay wird's wohl nichts. Alternativprogramm: auf nach Hoy!
Statt Frühgeschichte geht's jetzt eben ins 20. Jh. In Lyness lerne ich mehr über Scapa Flow. Im Visitor Center gibt's sowohl Informationen zur Ölförderung auf den Orkneys, wie auch zur Militärgeschichte. Dazu habe ich ja bei den Churchill Barriers schon ein paar Worte verloren.


Die Orkney Inseln waren schon lange von strategischer Bedeutung. Umso mehr, als Napoleon die Kontinentalsperre gegen Großbritannien errichtete. Die Briten bauten daraufhin die Verteidigung der Insel aus und errichteten mehrere sogenannte Martello-Türme. Die besonders stabilen Bauwerke sollten auch Kanonenbeschuss standhalten und waren stabil genug, um ihrerseits ebenso schwere Artillerie zu tragen.
Das Prinzip kopierten die Briten von spanischen Türmen auf Menorca, von deren Stabilität sie beeindruckt waren.
Für nähere Besichtigung reicht die Zeit leider nicht, denn die nächste Fähre zurück zum Mainland wartet.

Eigentlich hätte ich für Hoy etwas mehr Zeit gebraucht. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass ich die Insel ursprünglich gar nicht geplant hatte, begnüge ich mich mit dem Schnuppern.
Was ich nicht gesehen habe, sind die zweithöchsten Klippen Britanniens, das nördlichste neolithische Felsengrab Europas und der Old Man of Hoy, eine 140m hohe Felsennadel.
Zwar ist es heute ein wunderbar sonniger Tag, aber die Überfahrt ist relativ stürmisch. Hilft nix, ich will an Deck und nicht im Auto sitzen.
Die ganzen Berge blühen. Leider kommt die Farbe aus der Ferne nicht so schön rüber.

Zum Glück ist Mainland nicht so groß, da ist es nicht so schlimm, wenn man immer wieder kreuz und quer fährt. Jetzt bin ich also wieder im Norden, wo mich die Fähre heute Vormittag abgewiesen hat - und doch wieder bei alten Steinen.
Ein Broch ist ein eisenzeitlicher Turmbau und der Broch von Gurness ist einer der größten seiner Art. Er stammt wohl aus dem ersten oder zweiten vorchristlichen Jahrhundert und wurde als Siedlungsplatz mehrfach recycelt. Nach den ursprünglichen Erbauern kamen die Pikten (mit denen muss ich mich unbedingt Mal näher beschäftigen) und schließlich wieder einmal die Wikinger.
Im Gegensatz zu Skara Brae kann man hier durch die - zugegebenermaßen nicht ganz so gut erhaltenen - Häuser laufen. Es ist schon eine idyllische Lage.

Sehenswürdigkeiten sind hier mit braunen Schildern ganz gut ausgewiesen. Und einen Audioguide, der alles wichtige auf den Orkneys abgedeckt gibt es auch.
Da biege ich doch gleich einmal ab, lass mich von neugierigen Kühen bestaunen und schaue mir die Dounby Click Mill an. Das besondere ist, dass sie ein horizontales Wasserrad hat.
Auch der Mechanismus aus dem 19. Jh. ist noch erhalten. Von ihm kommt auch der Name Click Mill. Bei der Drehung des Rades öffnen hölzerne Noppen regelmäßig eine Luke, durch die neues Getreide auf den Mühlstein fällt, was das typische Geräusch erzeugt. Deswegen singt man also auch: Es klappert die Mühle am rauschenden Bach ...

Jetzt wieder 15 Meilen nach Süden fahren... wie gesagt: kreuz und quer.
Orphir ist nicht nur Geburtsort des Arktisforschers John Rae, der die Nordwestpassage entdeckt hat, sondern war schon seit Jahrhunderten ein bedeutender Ort. Hier stand einmal die einzige mittelalterliche Rundkirche Schottlands, die zudem von der Grabeskirche in Jerusalem inspiriert sein soll. Heute sieht man nur noch die Apsis.
Nebenan stolpere ich fast über die Grundmauern des Earl's Bu, einer Trinkhalle, die das kulturelle und politische Zentrum der Wikingerherrschaft war. Die Orte (ebenso wie andere, etwa der Brough of Birsay) werden auch in der Orkneyinga Saga erwähnt, der Geschichte der ersten norwegischen Jarle von Orkney. Die Mischung aus Legende, Geschichte und Mythos ist noch heute identitätsstiftend für die Orcadians.

Gestern Abend habe ich in der Bucht von Scapa Fisch and Chips gegessen, heute schaue ich noch einmal in der Gedenkstätte vorbei.
Die Royal Oak war ein Schlachtschiff aus dem ersten Weltkrieg. Am 14. Oktober 1939 wurde es vom deutschen U-Boote U47 unter Günther Prien torpediert und versenkt. Auch wenn das Schiff mittlerweile veraltet war, war es ein schwerer Schlag für die britische Marine, insbesondere, da 833 der 1.234 Besatzungsmitglieder ums Leben kamen.

Jetzt geht es noch einmal unter die Erde. Auf den Orkneys gibt es einige Earth Houses, bzw. Souterrains. Ihr Zweck ist nicht ganz geklärt, war aber wahrscheinlich kultisch. Auf einem Bauernhof in Rennibister befindet sich eines der am besten erhaltenen Earth Houses. Über eine Leiter steige ich hinab und krieche ein Stück einen Gang entlang, bis es nicht mehr weitergeht.
Das Bauwerk stammt aus dem ersten vorchristlichen Jahrtausend.

Abendessen! Vorgestern war voll, heute hab ich mir einen Tisch reserviert. Das Ferry Inn serviert ausgesprochen guten Fisch! (Und Whiskey)
- Orkney crab and smoked fish paprika tart
- Baked hake fillet, spring onion mash, watercress, garlic herb cream sauce
- Rich chocolate terrine whisky jelly, berry coulis
