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Reiseberichte / Antw:Nordatlantik - Orkney, Shetland, Färöer
« Letzter Beitrag von Kaamos am 27. August 2025, 22:35 »
Montag, 11.08.2025

Tja, die Fähre hätte ich mal vorbuchen sollen. Kein Plätzchen mehr frei fürs Auto. Mit Cairns und Knowes auf Rousay wird's wohl nichts. Alternativprogramm: auf nach Hoy!
Statt Frühgeschichte geht's jetzt eben ins 20. Jh. In Lyness lerne ich mehr über Scapa Flow. Im Visitor Center gibt's sowohl Informationen zur Ölförderung auf den Orkneys, wie auch zur Militärgeschichte. Dazu habe ich ja bei den Churchill Barriers schon ein paar Worte verloren.




Die Orkney Inseln waren schon lange von strategischer Bedeutung. Umso mehr, als Napoleon die Kontinentalsperre gegen Großbritannien errichtete. Die Briten bauten daraufhin die Verteidigung der Insel aus und errichteten mehrere sogenannte Martello-Türme. Die besonders stabilen Bauwerke sollten auch Kanonenbeschuss standhalten und waren stabil genug, um ihrerseits ebenso schwere Artillerie zu tragen.
Das Prinzip kopierten die Briten von spanischen Türmen auf Menorca, von deren Stabilität sie beeindruckt waren.
Für nähere Besichtigung reicht die Zeit leider nicht, denn die nächste Fähre zurück zum Mainland wartet.



Eigentlich hätte ich für Hoy etwas mehr Zeit gebraucht. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass ich die Insel ursprünglich gar nicht geplant hatte, begnüge ich mich mit dem Schnuppern.
Was ich nicht gesehen habe, sind die zweithöchsten Klippen Britanniens, das nördlichste neolithische Felsengrab Europas und der Old Man of Hoy, eine 140m hohe Felsennadel.
Zwar ist es heute ein wunderbar sonniger Tag, aber die Überfahrt ist relativ stürmisch. Hilft nix, ich will an Deck und nicht im Auto sitzen.
Die ganzen Berge blühen. Leider kommt die Farbe aus der Ferne nicht so schön rüber.



Zum Glück ist Mainland nicht so groß, da ist es nicht so schlimm, wenn man immer wieder kreuz und quer fährt. Jetzt bin ich also wieder im Norden, wo mich die Fähre heute Vormittag abgewiesen hat - und doch wieder bei alten Steinen.
Ein Broch ist ein eisenzeitlicher Turmbau und der Broch von Gurness ist einer der größten seiner Art. Er stammt wohl aus dem ersten oder zweiten vorchristlichen Jahrhundert und wurde als Siedlungsplatz mehrfach recycelt. Nach den ursprünglichen Erbauern kamen die Pikten (mit denen muss ich mich unbedingt Mal näher beschäftigen) und schließlich wieder einmal die Wikinger.
Im Gegensatz zu Skara Brae kann man hier durch die - zugegebenermaßen nicht ganz so gut erhaltenen - Häuser laufen. Es ist schon eine idyllische Lage.



Sehenswürdigkeiten sind hier mit braunen Schildern ganz gut ausgewiesen. Und einen Audioguide, der alles wichtige auf den Orkneys abgedeckt gibt es auch.
Da biege ich doch gleich einmal ab, lass mich von neugierigen Kühen bestaunen und schaue mir die Dounby Click Mill an. Das besondere ist, dass sie ein horizontales Wasserrad hat.
Auch der Mechanismus aus dem 19. Jh. ist noch erhalten. Von ihm kommt auch der Name Click Mill. Bei der Drehung des Rades öffnen hölzerne Noppen regelmäßig eine Luke, durch die neues Getreide auf den Mühlstein fällt, was das typische Geräusch erzeugt. Deswegen singt man also auch: Es klappert die Mühle am rauschenden Bach ...



Jetzt wieder 15 Meilen nach Süden fahren... wie gesagt: kreuz und quer.
Orphir ist nicht nur Geburtsort des Arktisforschers John Rae, der die Nordwestpassage entdeckt hat, sondern war schon seit Jahrhunderten ein bedeutender Ort. Hier stand einmal die einzige mittelalterliche Rundkirche Schottlands, die zudem von der Grabeskirche in Jerusalem inspiriert sein soll. Heute sieht man nur noch die Apsis.
Nebenan stolpere ich fast über die Grundmauern des Earl's Bu, einer Trinkhalle, die das kulturelle und politische Zentrum der Wikingerherrschaft war. Die Orte (ebenso wie andere, etwa der Brough of Birsay) werden auch in der Orkneyinga Saga erwähnt, der Geschichte der ersten norwegischen Jarle von Orkney. Die Mischung aus Legende, Geschichte und Mythos ist noch heute identitätsstiftend für die Orcadians.



Gestern Abend habe ich in der Bucht von Scapa Fisch and Chips gegessen, heute schaue ich noch einmal in der Gedenkstätte vorbei.
Die Royal Oak war ein Schlachtschiff aus dem ersten Weltkrieg. Am 14. Oktober 1939 wurde es vom deutschen U-Boote U47 unter Günther Prien torpediert und versenkt. Auch wenn das Schiff mittlerweile veraltet war, war es ein schwerer Schlag für die britische Marine, insbesondere, da 833 der 1.234 Besatzungsmitglieder ums Leben kamen.



Jetzt geht es noch einmal unter die Erde. Auf den Orkneys gibt es einige Earth Houses, bzw. Souterrains. Ihr Zweck ist nicht ganz geklärt, war aber wahrscheinlich kultisch. Auf einem Bauernhof in Rennibister befindet sich eines der am besten erhaltenen Earth Houses. Über eine Leiter steige ich hinab und krieche ein Stück einen Gang entlang, bis es nicht mehr weitergeht.
Das Bauwerk stammt aus dem ersten vorchristlichen Jahrtausend.



Abendessen! Vorgestern war voll, heute hab ich mir einen Tisch reserviert. Das Ferry Inn serviert ausgesprochen guten Fisch! (Und Whiskey)

- Orkney crab and smoked fish paprika tart
- Baked hake fillet, spring onion mash, watercress, garlic herb cream sauce
- Rich chocolate terrine whisky jelly, berry coulis

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Reiseberichte / Antw:Nordatlantik - Orkney, Shetland, Färöer
« Letzter Beitrag von Kaamos am 27. August 2025, 22:32 »
Sonntag, 10.08.2025

Viele, viele alte Steine - das wird's heute werden. Ich hatte vor der Planung überhaupt nicht auf dem Schirm, dass es hier so ein reiches neolithisches Erbe gibt.
Bei Stennes schiebt sich eine schmale Landbrücke zwischen zwei Lochs. Die war schon früh kultisch erschlossen. Den Anfang mache ich bei den Stones of Stennes, einem der frühesten Steinkreise Britanniens, etwa 5.100 Jahre alt. Vier von zwölf Steinen stehen noch und ragen knapp 6m aus dem Boden. Die Steine waren auch bis in unsere heutige Zeit von mehr oder weniger kultischer Bedeutung. Es gab einen mit Loch, durch den frischvermählte sich die Hand reichen sollten. Und als ein Bauer im 19. Jh. die Steine von seinem Land beseitigen wollte (u.a. eben jenen Lochstein), wäre er von der aufgebrachten Bevölkerung fast gelyncht worden.

Etwa 400 Jahre jünger ist der ganz in der Nähe befindliche Ring of Brodgar. Hier stehen noch mehr Steine und die ganze Anlage ist von wunderbar blühender Heide umgeben. Auch einige Cairns gibt es, aber man kann nicht rein.



oben links: Stennes, der Rest ist Brodgar




Die Steinkreise sind ja relativ abstrakte, religiöse Bauwerke. Jetzt wird es bodenständiger: Skara Brae - ein Highlight auf den Orkneys, bzw. das Pompeii Schottlands. Vor 200 Jahren wurde beim Pflügen die am besten erhaltene jungsteinzeitliche Siedlung Europas entdeckt. Das kleine Dorf besteht aus mehreren Gebäuden, die von bis zu 100 Menschen bewohnt wurden.
Mich wundert ein wenig, dass man sich den relativ ungeschützten Strand als Siedlungsort rausgesucht hat, es ist sehr ungemütlich und windig. Aber wahrscheinlich waren die flach im Erdreich liegenden Häuser gut isoliert.
Wie es in so einem Haus aussah, sieht man sehr schön an einem Nachbau.

Gleich daneben befindet sich Skaill House. Es ist seit dem 17. Jh in Familienbesitz und diente nach der Entdeckung Skara Braes als erstes Museum. Auch die Queen Mum war schon hier zu Gast. Wer hier nicht logiert hat, war James Cook. Der starb leider schon vorher auf Hawaii, bevor er hier einkehren konnte, als sein Schiff 1780 die Orkneys erreichte. Allerdings ist das Porzellanservice ausgestellt, dass er bei seiner Weltumsegelung dabei hatte.




Den Geschichtsunterricht unterbreche ich jetzt erst einmal für ein bisschen Natur. Die Klippen von Yesnaby sind vielleicht nicht die höchsten, die ich gesehen habe, aber sie sind definitiv beeindruckend. Ich könnte ewig hier stehen und den Urgewalten des Wassers zuschauen, wie die Brandung gegen die Sandsteinklippen schlägt, der Schaum emporgewirbelt wird. Das Meer hat hier so eine tolle Farbe.






Einen Termin habe ich noch. Nachdem in Irland der Eintritt ins Hügelgrab von Newgrange 2022 schief gegangen ist, hole ich das jetzt hier auf den Orkneys nach. In das Grab von Maeshowe kommt man nur mit Führung. Und Bilder drinnen durfte man leider nicht machen. Aber es war ähnlich wie gestern Abend der Cairn, nur deutlich größer. Das besondere hier sind aber die Runeninschriften, die man gefunden hat. Es ist die größte Ansammlung von Runeninschriften überhaupt. Allerdings ist ihr Inhalt aber wohl eher profaner Natur: "Jarl hat diese Runen geschnitzt", "Ingigerth ist die schönste aller Frauen.” usw.
Sehr schön war auch eine senkrecht angebrachte Inschrift. Die war zumindest so lang senkrecht, wie der Arm des Ritzers reichte, oben ist sie abgeknickt, wie in einem Schulheft, bei dem die Zeile kürzer ist als der Satz.



Nicht nur in Kirkwall gibt es einen Earl's Palace. In Birsay hatte sich der Vater des in Kirkwall berüchtigten Earls schon einen Palast errichten lassen. Aber auch von dem sind nicht mehr so viele Steine erhalten. Kurzer Spaziergang - gleich geht's weiter...



... nämlich zum Brough of Birsay. Den Besuch musste ich gut timen. Die Gezeiteninsel ist nämlich nur bei Ebbe zugänglich.
Hier gibt es eine Siedlung der Pikten, eine Kirche und eine Wikingersiedlung. Natürlich alles nur noch als Ruine.
Auch Thorfinn der Mächtige soll hier seine Residenz gehabt haben. Er war der Großvater vom Nationalheiligen Magnus, hat im 11. Jh. Orkney regiert, an der Seite von Macbeth gekämpft und herrschte nach den Worten des isländischen Skalden Arnor Jarleskalds von „Tussaskjær (auf Shetland) bis Dublin“ (Königreich der Inseln).
Es gibt auch wieder einige brütende Vögel.



Und was mache ich jetzt zum Abendessen? Endlich mal typisch britisches Fast Food: Fish and Chips in Kirkwall.

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Reiseberichte / Antw:Nordatlantik - Orkney, Shetland, Färöer
« Letzter Beitrag von Kaamos am 27. August 2025, 22:27 »
Samstag, 09.08.2025



Das Hotel hatte ich mit Bedacht gewählt. Nach der späten Ankunft etwas länger ausschlafen zu können, noch genug Zeit für ein Frühstück zu haben und dann gemütlich zum Flughafen laufen zu können, ist schon ganz angenehm. Und da Aberdeen vergleichsweise klein ist, wird nachts auch nicht geflogen, sodass es angenehm ruhig war.



Mit einer kleinen Maschine der schottischen Regionalfluggesellschaft Loganair geht es mit Rückenwind nach Norden. Ziel: Orkney.

Da vielleicht höchstens 15 Personen an Bord waren, ist das Gepäck auch echt schnell da. Jetzt noch fix das Auto und dann geht es los... Achtung: links!







ABZ-KOI. Ein 45-Minuten-Flug mit schönen Ausblicken



Ganz so eitel Sonnenschein ist allerdings nicht mehr. In einer halben Stunde ändert sich 37 Mal das Wetter... Regen, Wolken, Sonne... Wind ist aber die ganze Zeit dabei.

Ganz im Osten von Mainland, der Hauptinsel der Orkneys, gehe ich zum Gloup. Das altnordische 'Gluppa' bedeutet Abgrund - und an dem stehe ich jetzt auch. Eine Meereshöhle ist hier 120m hinter der Küste eingestürzt.

In den Klippen sehe ich auch schon die ersten Nistplätze - nur noch keine Puffins.









Der Regen ist doch noch einmal abgezogen, also gehe ich noch ein wenig an den Klippen entlang. Der Fels bildet hier spannende Formationen.

Der Brough of Deerness ist eine kleine Gezeiteninsel, die über einen abenteuerlichen Kettenpfad erreicht werden kann. Früher haben hier schon die Pikten und die Wikinger gesiedelt. Davon sieht man allerdings nicht mehr viel. Nur noch die Mauern einer kleinen Kapelle stehen. Ausgerechnet dieses Gemäuer ist aber wohl das früheste Zeugnis für das Christentum in der Wikingerzeit im Nordatlantik, wie Münzfunde aus der Zeit um 960 belegen.








Ein Stückchen weiter südlich erreiche ich nun das Inselchen Lamb Holm, auf dem sich Im Zweiten Weltkrieg ein italienisches Kriegsgefangenenlager befand. Die Italiener durften sich 1942 eine eigene Kapelle bauen, die wunderbar ausgemalt wurde. Allerdings war dies eher Freizeitbeschäftigung, denn eigentlich sollten sie die Churchill Barriers errichten.



Die Bucht südlich von Orkney Mailand ist Scapa Flow. Wegen ihrer geschützten Lage wurde sie schon lange als Naturhafen genutzt, erst von den Wikingern und später von den Briten.

Nach dem ersten Weltkrieg hat sich die hier internierte Kaiserliche Hochseeflotte selbstversenkt. 74 Schiffe sind untergegangen.



Im zweiten Weltkrieg ist 1939 das deutsche U-Boot U47 in den Scapa Flow eingedrungen und hat das Schlachtschiff HMS Royal Oak versenkt. Daraufhin ließ Churchill die östlichen Ausfahrten aus der Bucht mit Dämmen versperren, den Churchill Barriers.



Ein paar Wracks schauen noch immer über die Wellenkämme.







The Italian Chapel on Lamb Holm







Churchill Barriers, Scapa Flow und einige Blockschiffe. Schiffe, die zum Blockieren der Fahrrinne versenkt wurden



Mittlerweile wird es sogar richtig schön. Der Wind pfeift zwar immer noch, aber in der Sonne wird es beinahe warm.

In Kirkwall, der Hauptstadt der Orkneys, besuche ich den Earl's Palace. Im 16. Jh. hat Robert Stewart, ein illegitimer Sohn des schottischen Königs die Herrschaft über die Orkneys erhalten. Dessen Sohn, Patrick Stewart wiederum wollte gern standesgemäß residieren und hat sich eines der bedeutendsten Renaissancebauwerke Schottlands errichten lassen. Ganz fertig wurde der Palast jedoch nicht. Der mittlerweile als Black Pattie geschmähte Herrscher wurde als Tyrann hingerichtet und man brauchte keinen Palast mehr.

Auch vom benachbarten Bishop's Palace stehen nur noch Ruinen.




Gleich neben des Bischofs ruinierter Residenz befindet sich die St. Magnus Kathedrale. Früher waren mal die Norweger hier. Als die Kathedrale von Kirkwall 1137 gestiftet wurde, gehörte sie noch zur Erzdiözese Trondheim. Erst im 15. Jh. wurden die Inseln schottisch.

In der Kathedrale, die auch das Licht des Nordens genannte wird, gibt es ziemlich viele tolle Grabsteine.



Magnus war Jarl von Orkney. Der Titel des Jarl entspricht in etwa einem Earl, bzw. Grafen. Er war Onkel des Kirchenstifters und ist der Nationalheilige der Orkneys, der besonders für seines Friedenswillen verehrt wird.




Ich bleibe aber nicht in Kirkwall. Meine Unterkunft habe ich im Westen von Mainland gefunden, in Stromness.

Hier wohnt Sylvia.

Sylvia hat ein Haus mit viel zu vielen Zimmern.

Also macht Sylvia kurzerhand ein Hostel auf.

Kleines Zimmer, shared bathroom, aber es ist günstig...



Stromness wird auch die "graue Stadt am Meer" genannt. Das glaube ich aufs Wort, insbesondere bei dem Wetter. Es beginnt schon wieder zu regnen.

Der Pub ist leider schon voll. Da muss ich fürs Abendessen wohl woanders hin fahren...




Aber was ist das? Habe ich mich etwa verfahren? Ach nee, es gibt doch keine Pelmeni, sondern Paté, Pie und Panna Cotta.






Ich bin schon relativ weit im Norden, also ist es noch ziemlich hell um die Zeit. Da zieht es mich noch nicht ins Bett, sondern eher noch einmal den Hügel hoch. Die Orkneys haben ein reiches prähistorisches Erbe. Es gibt etliche Hügelgräber wie das Cuween Hill Cairn, das in einer wunderbaren Heidelandschaft am Hang liegt.

Man kann rein - kriechend und im Finstern.


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Reiseberichte / Antw:Nordatlantik - Orkney, Shetland, Färöer
« Letzter Beitrag von Kaamos am 27. August 2025, 22:22 »
Donnerstag, 07.08.2025

Bitte Rucksack packen und Roller schnappen, damit wir uns den ersten Marsch zur Bushaltestelle sparen können. Es ist schon praktisch, dass es die Roller mittlerweile bis zu uns ins Viertel geschafft haben. Das frühmorgendliche Gepäck Schleppen im Dauerlauf war immer ätzend. Man will ja nicht zu zeitig aufstehen, aber auch nicht zu spät an der Bushaltestelle stehen.
Mit Eurowings geht es von Berlin nach Newcastle. Alles pünktlich, was will man mehr. Das Gepäck lade ich nur schnell im Hotel ab, einem alten Kaufhaus aus den 1930er Jahren. Ein bisschen was vom Art Deco ist noch erhalten.



Newcastle und Tynemouth



Da halte ich mich allerdings nicht lange auf und stehe schon wieder am Bahnsteig. Hier muss man echt aufpassen, nicht in den falschen Zug zu steigen, es gibt zu viele verschiedene Bahngesellschaften bei den Briten. Bei mir lief aber alles gut und schon stehe ich in Durham. Hübsches kleines Städtchen.



Durham, 20km südlich von Newcastle. Die Stadt ist knapp 1000 Jahre alt und wurde von vor Wikingern fliehenden Mönchen aus Lindisfarne gegründet

Durham ist Weltkulturerbe. Die Briten sagen sogar, die Kathedrale ist das schönste Bauwerk ihrer Insel. Zumindest ist sie das größte und perfekteste Monument normannischer Architektur in England. Die runden Pfeiler im Langhaus sind gewaltig. Ebenso wie der Blick, den man vom Vierungsturm aus hat. Den musste ich mir aber mit 325 Stufen schwer erarbeiten.
Man hat von oben auch einen schönen Blick auf Durham Castle mit seinem mittelalterlichen Wohnturm.

Im Chor der Kathedrale befindet sich das Grab des hlg. Cuthbert. Der Bischof von Lindisfarne soll während seiner Lebzeiten im 7. Jh., aber auch noch danach etliche Wunder bewirkt haben, was ihn zu einer der wichtigsten Persönlichkeiten der anglikanischen Kirche macht.
Ihm wird auch nachgesagt, eines der ersten Naturschutzgesetze der Geschichte gestiftet zu haben, da er den Mönchen Regeln auferlegte, wie sie mit Enten umzugehen hätten. Die nennt man jetzt teilweise noch St.-Cuthberts-Enten.
Als die Wikinger in England einfielen und Lindisfarne zerstört wurde, musste Cuthbert umziehen. Seine Gebeine wurden ein paar Jahre lang Mal hierhin, Mal dahin transportiert und schließlich in Durham wieder beigesetzt. Während der Reformation wurde sein Schrein zerstört, das Grab gibt es aber immer noch.

Und zu guter Letzt noch was ganz triviales: auch Harry Potter wurde hier gedreht.

 




Den Nachmittag verbringe ich noch im sonnigen Newcastle. Die Stadt hat hübsche Ecken. Eigentlich erstaunt das fast, wenn ich mir anschaue, wie wenig Geschmack die Briten bei der Mode an den Tag legen. Was mir allerdings auch auffällt, sind die vielen Bettler und Obdachlose, das fand ich erschreckend.



Über den Fluss Tyne gehen einige große Brücken. Das sieht recht malerisch aus. Dass dann die Eisenbahn gleich mal 2m neben der alten Burg von Newcastle (pun intended) vorbei rattert, nimmt man einfach mit in Kauf.
Ganz in der Nähe werde ich fast von einer schwarzen Gestalt angesprungen: dem Vampirhasen von Newcastle. Der soll wohl früher erschienen sein, um Grabräuber neben der Kathedrale zu verscheuchen. Sachen gibts...



Zum Abendessen gibt's karibisch... Man, ist das scharf... und viel. Da darfs dann noch ein Verdauungsspaziergang sein. Noch einmal über die Brücken, diesmal mit Ausblick auf die Millennium Bridge. Das besondere: die Kippbrücke lässt sich um die Längsachse rotieren. Gerade will kein großer Kahn durch, aber auch beleuchtet macht sie was her.



Die Millennium Bridge ist jene, direkt unterm Abendessen


Freitag, 08.08.2025

Das Frühstück ist very british, mit Bohnen, Rührei und Schinken. Das gibt eine gute Grundlage für den Tag. Ein bisschen Zeit bleibt mir in Newcastle noch. Meine Runde starte ich im Grainger Market. Was denn, ein Basar? Naja, ganz Orient ist es nicht. Der Grainger Market war lange Zeit der Fleischmarkt von Newcastle. Mittlerweile (seit fast 200 Jahren) ist er überdacht und hat sich zu einer Markthalle für alle möglichen Lebensmittel entwickelt. Gleich daneben gibt es eine wunderschöne Passage, die Central Arcade.



Es war aber gut, dass ich schon gestern alles abgelaufen bin, heute fehlt ein bisschen die Sonne. Dafür hat heute die Kathedrale geöffnet. Bei den Kirchengebäuden fallen mir hier in der Gegend die für mich ungewöhnlichen Proportionen auf: relativ flach und langgezogen. Da wirkt der Turm dann unpassend dran. In Newcastle hatte er allerdings eine wichtige Funktion. Die Laterne wurde hier ihrem Namen gerecht, denn früher hat man im Strebwerk ein Feuer entzündet, um den Schiffen den Weg in den Tyne zu weisen.




Mit dem Doppelstockbus geht's jetzt ein Stück aus Newcastle raus. Hier finde ich den Engel des Nordens, der an die industrielle Vergangenheit Englands erinnern soll.
Hier ist ganz schön was los, damit habe ich nicht gerechnet. Wahrscheinlich liegt es auch an dem inoffiziellen Friedwald neben dem Engel. Bestattet ist hier zwar wohl keiner, aber mit der Zeit sind viele Gedenkstätten errichtet worden.



Bus zurück und in die S-Bahn umgestiegen: jetzt geht es an die Küste, nach Tynemouth. Briten sind hartgesotten. Es ist zwar jetzt kein schlechtes Wetter, aber auch nicht so, dass ich unbedingt ins Wasser wollen würde. Das stört hier wenige, es herrscht reges Strandtreiben.
Aber ich bin nicht wegen der Wellen hier, sondern natürlich wegen alter Steine. Direkt an den Klippen erhebt sich die Ruine der Abtei von Tynemouth. Im Mittelalter war sie einst recht bedeutend, und Grablege zweier Könige von Northumbria, sowie der schottischen Königs Malcolm III., dessen Vater übrigens von Macbeth ermordet wurde.
Seitdem haben Mal wieder dänische Wikinger gewütet und die Reformation hat ihr Übriges zum Verfall beigetragen.



Jetzt aber schnell zurück nach Newcastle, ich habe einen Zug zu bekommen. Crosscountry? LNER? Whatever... Tja, was hab ich gesagt? Verwirrendes Zugsystem. Jetzt sitz ich in der falschen Bahn. Gleiches Gleis, gleiches Ziel, gleiche Route, 15 Minuten eher - aber falscher Anbieter.
Vielleicht hab ich Glück und es wird nicht kontrolliert, bis die nächste Haltestelle kommt.
Aber da man ohnehin nur mit Ticket auf den Bahnsteig kommt, stehen die Chancen gut.

In Berwick-upon-Tweed klappt der Zugwechsel und so geht die Fahrt ohne Probleme weiter nach Norden, vorbei an Edinburgh, mit einem wunderbaren Sonnenuntergang am Firth of Tay. Die Brücke hat zum Glück gehalten 😁

Zitat
Fontane: Die Brück’ am Tay
(28. Dezember 1879)
When shall we three meet again?
Macbeth

»Wann treffen wir drei wieder zusamm?«
»Um Mitternacht, am Bergeskamm,«
»Auf dem hohen Moor, am Erlenstamm.
»Ich komme.«
»Ich mit.«
»Ich nenn’ euch die Zahl.«
»Und ich die Namen.«
»Und ich die Qual.«

»Hei!
Wie Splitter brach das Gebälk entzwei.«
»Tand, Tand
Ist das Gebilde von Menschenhand.«
Auf der Norderseite, das Brückenhaus —
Alle Fenster sehen nach Süden aus,
Und die Brücknersleut’ ohne Rast und Ruh
Und in Bangen sehen nach Süden zu,

Sehen und warten, ob nicht ein Licht
Übers Wasser hin »Ich komme« spricht,
»Ich komme, trotz Nacht und Sturmesflug,
Ich, der Edinburger Zug.«
Und der Brückner jetzt: »Ich seh’ einen Schein
Am anderen Ufer. Das muß er sein.

Nun, Mutter, weg mit dem bangen Traum,
Unser Johnie kommt und will seinen Baum,
Und was noch am Baume von Lichtern ist,
Zünd’ alles an wie zum heiligen Christ,
Der will heuer zweimal mit uns sein, —
Und in elf Minuten ist er herein.«

Und es war der Zug. Am Süderturm
Keucht er vorbei jetzt gegen den Sturm,
Und Johnie spricht: »Die Brücke noch!
Aber was tut es, wir zwingen es doch.
Ein fester Kessel, ein doppelter Dampf,
Die bleiben Sieger in solchem Kampf.
Und wie’s auch rast und ringt und rennt,
Wir kriegen es unter, das Element.
Und unser Stolz ist unsre Brück’;
Ich lache, denk’ ich an früher zurück,
An all den Jammer und all die Not
Mit dem elend alten Schifferboot;
Wie manche liebe Christfestnacht
Hab’ ich im Fährhaus zugebracht
Und sah unsrer Fenster lichten Schein
Und zählte und konnte nicht drüben sein.«

Auf der Norderseite, das Brückenhaus —
Alle Fenster sehen nach Süden aus,
Und die Brücknersleut’ ohne Rast und Ruh
Und in Bangen sehen nach Süden zu;
Denn wütender wurde der Winde Spiel,
Und jetzt, als ob Feuer vom Himmel fiel’,
Erglüht es in niederschießender Pracht
Überm Wasser unten... Und wieder ist Nacht.

»Wann treffen wir drei wieder zusamm?«
»Um Mitternacht, am Bergeskamm,«
»Auf dem hohen Moor, am Erlenstamm.«

»Ich komme.«
»Ich mit.«
»Ich nenn’ euch die Zahl.«
»Und ich die Namen.«
»Und ich die Qual.«
»Hei!
Wie Splitter brach das Gebälk entzwei.«
»Tand, Tand
Ist das Gebilde von Menschenhand.«

Was weniger schön war, ist die Verspätung, die die Bahn mittlerweile hat. Meinen Anschlussbus in Aberdeen habe ich knapp verpasst. Ich hab ihn noch um die Ecke fahren gesehen. Immerhin gibt's für die Verspätung gleich eine Entschädigung. Bei der DB hätte ich sicher erst betteln müssen. Und während ich noch auf den nächsten Bus warte, ist das Geld sogar schon da, die Hälfte des Fahrpreises.
Das Hotel ist diesmal direkt am Flughafen. Und Foodporn gibts auch nicht, da ich heute ausnahmsweise nur Sandwiches habe.

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Reiseberichte / Nordatlantik - Orkney, Shetland, Färöer
« Letzter Beitrag von Kaamos am 27. August 2025, 22:06 »
Ich war mal wieder unterwegs. In für mich eher ungewohnten Ecken. Mal so gar nicht heiß und staubig.  ;D
Und natürlich wie gewohnt mit vielen Bildern!

Viel Spaß beim Anschauen.

Reisezeit: 2 Wochen, Anfang August. (Leider etwas zu spät, um Puffins zu beobachten)
Transport: viel Flug, ein bisschen Mietwagen und etwas Fähre und Eisenbahn. (den kürzesten Linienflug der Welt habe ich aus Zeitgünden leider nicht mit einbauen können)
Buchung: unkompliziert über Booking
Bezahlen: zu 95% bargeldlos
Wetter: verglichen mit Dtl. kühl, aber unerwartet schön (selbst auf den Färöern)
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Hallo Gemeinde

Indien (Nordindien und teils Himalaya) Royal Enfield Motorrad Tour - Januar - Februar 2026,

Rein Privat, wer fährt mit ? Mitfahrer gesucht.

Hatte mich ja schon vorgestellt. Thread Neu aus dem Allgäu.
61 Lenze, Indien erprobt seit 35 Jahren,
Fit vor Travel

Nachdem ich 2014 (5.000 km) und 2024 (6.000 km) mit einem Kumpel wiederholt Nordindien und Rajasthan befahren habe, werde ich im Januar und Februar 2026 erneut Nordindien mit teils Himalaya und Rajasthan auf einer ähnlichen Rundtour befahren. (Inkl. Desert Festival in Jaisalmer Ende Januar 2026)

Hierzu suche ich noch einen erfahrenen Mitfahrer, welcher mindestens 4 Wochen Zeit hat.

Darunter macht es keinen Sinn, da 4 Wochen eh schon sehr knapp bemessen ist.

Start und Ende meiner Reise ist, 05.01.2026 – 24.02.2026

Nun die Frage, ob jemand Lust hat auf eine Nordindien Motorradtour mit Royal Enfield Motorrädern, Ich fahre wieder eine (rein Private Tour) da mein Reisekumpel für diese Tour berufsbedingt ausfällt. Ich hole mir wieder ne Royal Enfield, packe meinen Kram drauf und los gehts, genaue Route steht noch nicht fest, da ich vieles ja schon gesehen habe, was nicht heisst das ich es nicht wiederhole, hängt aber auch ein bisschen von einem evtl. Mitfahrer ab. (Reisezeit ca. 4-6 Wochen).

Ich reise nun seit fast 35 Jahren nach Indien, möchte also behaupten dass ich mich auskenne, bin ansonsten auch viel unterwegs mit Motorrad in versch. Ländern. Also wer Lust hat auf ne Tour, kann sich gerne anschliessen, (1 Mitfahrer gesucht) aber bitte keine unerfahrenen Motorradfahrer, dies soll nur darauf hinweisen das Mopedfahren in Indien, nicht gerade ungefährlich ist, wers kennt weiss von was ich rede, aber ansonsten ist Motorradreisen in Indien eine faszinierende Angelegenheit in Verbindung mit Land, Leuten, Natur und Landschaften und wie ich zu sagen pflege, 25 Stunden Kino.

Also Gemeinde, wer fährt mit ?

Hotel wird nur für die Anreise in Delhi reserviert, alle anderen ein paar Tage vorher wenn die Reiseroute ca. feststeht, was ich meist über Booking mache, das hat immer super gefunkt.

Warum nicht auf gut Glück bei Ankunft an den Spots?, falls diese Frage auftaucht, weil ich Indien kenne und wenn ich den ganzen Tag unterwegs bin, habe ich keinen Bock, noch Abends rumzufahren und mir irgendwelche Absteigen anzusehen, dafür ist mir die Zeit zu schade, wie gesagt ich kenne Indien seit 35 Jahren. Somit weis ich wo ich Abends bin und kann mich darauf einstellen, sollten Pannen passieren die die Reservierung zunichte machen sollten, habe ich bei Booking meist eine längere Vorlauf Storno Option, je nach dem, ist also wenig Geld kaputt, sollte sich was verzögern, somit also kein Problem. Nun gut, soweit mal die Infos, bei fragen, einfach fragen.

gruss markus
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Neuvorstellungen / Neu aus dem Allgäu
« Letzter Beitrag von terramoto am 27. August 2025, 20:59 »
Hallo Gemeinde

Mein Name ist Markus, 61 Lenze, aus dem schönen Allgäu nähe Memmingen, viel gereist und viel erlebt,
Indien erprobt seit 35 Jahren und noch ein paar mehr Länder befahren.
Fit vor Travel, mache nun einen Post auf, da ich einen Mitfahrer für Indien suche, (Motorradtour) Januar und Februar 2026,
mal sehen ob jemand Lust hat mitzufahren, rein private Tour.
gruss markus
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Es schleicht sich bei mir deutlich der Inselkoller ein. Ich werde daher meinen Aufenthalt auf Tonga (was soll ich da auch 20 Tage lang machen?) halbieren und die gewonnene Zeit auf Auckland und Wellington verteilen. Ich nehme an, dass ich Wellington stärker gewichten sollte. Von Auckland geht es dann weiter nach Tahiti.
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Amerika / Antw:Fragen zu Tour Vancouver - Calgary (Wohnmobil oder Mietauto)
« Letzter Beitrag von GschamsterDiener am 27. August 2025, 08:03 »
Vielleicht ist mit eurer Route auch ein Gabelflug möglich? Die sind häufig auch günstiger als 1-way, wenn das Routing passt.
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Europa / Antw:Krakau - last minute Tipps?
« Letzter Beitrag von GschamsterDiener am 27. August 2025, 07:59 »
Die Altstadt ist recht kompakt und walkable, außer du willst jetzt unbedingt die Plattenbauten sehen. Ich war zuletzt vor ca. 15 Jahren, also kann ich nichts Aktuelles beitragen. Kennst du die polnische Küche? Wenn nicht, würde ich dir die klassischen Pierogi (ca. wie Kärntner Kasnudeln, aber besser ;) ) ans Herz legen. Wenn du Suppen magst: Polen ist wie alle Nordslawen „soup-centered“. Probier: barszcz, ogorkowa (Basis sind fermentierte Gurken, was jetzt nicht so appetitlich klingt - ist aber köstlich!). Polen hat auch großartige Mehlspeisen. Wenn du einen süßen Zahn hast, musst du auf jeden Fall die Krapfen und die Cremeschnitte probieren.

Ansonsten ist das eine sehr westliche und moderne Studentenstadt. Die meisten, die du triffst, werden sehr gut Englisch sprechen und gute Tipps geben können.

Viel Spaß!
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