Einige Unwahrheiten über Weltreisen

"Ich werde die ganze Welt sehen."

Je schneller Du Dich von dieser Vorstellung verabschiedest, desto besser. Die Welt ist ziemlich groß. Selbst wenn Du ein Jahr Zeit hast, kannst Du nur einen kleinen Ausschnitt sehen. Die meisten Leute laden sich den Teller zu voll. Das ist der mit Abstand größte Fehler, denn Du bei der Planung Deiner Weltreise machen kannst. Selbst wenn Du nur die wichtigsten Sehenswürdigkeiten auf jedem Kontinent besuchen willst –und zwar zu einer vernünftigen Jahreszeit–, brauchst Du dafür mindestens 3 Jahre. Oder Du fliegst so viel hin und her, dass es für mehrere Weltumrundungen reichen würde, hinterlässt dabei einen gigantischen ökologischen Fußabdruck und bist am Ende auch nicht glücklicher.

"Eine Weltreise mache ich, wenn ich in Rente bin."

Schön, wenn Du zu den wenigen gehören solltest, bei denen das klappt. Die Welt ist voller Menschen, die sich für das Rentenalter eine Weltreise vorgenommen haben. Die Welt ist aber nicht voller weltreisender Rentner. Warum? Weil viele, wenn sie das entsprechende Alter erreicht haben, diese Reise nicht mehr machen können oder wollen — wenigstens nicht in der Form, wie sie das als junge Menschen gedacht hatten. Gesundheitliche Probleme, niedrige gesetzliche Rente, eine plötzliche Mitverantwortung für die Erziehung der Enkel oder die Pflege der eigenen Eltern sind nur einige der möglichen Gründe.

"Eine Weltreise ist nur etwas für Reiche."

Die meisten Weltreisenden sind nicht reich und waren es auch nie. Sie haben dafür gearbeitet und gespart und ganz einfach an ihren Traum geglaubt. Die Kosten halten sich übrigens in einem recht überschaubaren Rahmen (in etwa der Wert einer guten Einbauküche), wenn Du den Schwerpunkt auf günstige Reiseländer legst und Dir nicht zu viele Eskapaden bei der Routenführung leistest.

"Eine Weltreise ist gefährlich."

Wieso das denn? Jedenfalls nicht gefährlicher als eine kurze Urlaubsreise. Die Tatsache, dass auf einer Weltreise vieles nicht im Voraus durchgeplant ist, stellt für sich genommen ja kein Sicherheitsrisiko dar. Schon eher kann man sich durch die Auswahl der Reiseländer in Schwierigkeiten bringen. Aber wenn Du Deinen Jahresurlaub nicht in Afghanistan verbringen würdest, warum solltest Du dann auf Deiner Weltreise dorthin fahren?

"Ich werde ganz auf mich alleine gestellt sein."

Reisende hat es seit tausenden Jahren immer gegeben, und da man mit ihnen Geld verdienen kann, ist auch die Reiseindustrie etwa genauso alt. Schon in der Weihnachtsgeschichte ist von einer "Herberge" die Rede.1) überall da, wo regelmäßig Reisende hin kommen, gibt es Menschen, die ihnen für Geld helfen wollen. Das Problem ist weniger, sich alleine durchschlagen zu müssen, als sich dem (nicht immer willkommenen) Hilfsangebot auch mal entziehen zu können.

"Für eine Weltreise braucht man einen Reisepartner."

Es ist zwar schön, einen Reisepartner zu haben, aber gebraucht wird er nicht. Natürlich wird vieles mit Begleitung einfacher, und gerade Frauen haben alleine ein höheres Sicherheitsrisiko. Aber manches wird durch einen Reisepartner auch komplizierter. Besonders das Gefühl der absoluten Freiheit, das für viele das eigentlich faszinierende einer Weltreise ausmacht, hast Du nur alleine. Als Einzelreisende(r) lernst Du auch viel mehr Leute kennen, und viele von ihnen werden Reisepartner auf Zeit.

"Eine Weltreise ist ein Karriereknick."

Auch kein größerer Karriereknick, als ständig von der Weltreise zu träumen und deshalb im Job schlechte Leistung abzuliefern. Es gibt im Übrigen kaum eine bessere Möglichkeit, an seinen Softskills zu arbeiten. Eine Firma, die im 21. Jahrhundert noch eine selbst organisierte Weltreise als Beweis der Faulheit ansieht, wird den zweitbesten Kandidaten einstellen. Die Schlauen nehmen lieber jemand, der Organisationstalent, Flexibilität, Belastbarkeit und Fremdsprachenkennstnisse schon bewiesen hat.

"Ich werde mir die Reise teilweise durch Arbeiten unterwegs finanzieren."

Früher ging das mal. Aber auch nur in entwickelten Ländern, die ordentliche Löhne und einen hohen Arbeitskräftebedarf hatten, sprich: in den klassischen, englischsprachigen Einwanderungsländern. Heute sind die Möglichkeiten, eine halbwegs gut bezahlte Arbeit zu finden, längst nicht mehr so prall. Und viele Schwellenländer rund um den Globus haben die Visumbestimmungen verschärft, um ihren Arbeitsmarkt gegen Armutsmigration und Gelegenheitsarbeiter aus dem Ausland abzuschotten — auch gegen genau solche Leute wie Dich! Das beste Land, in dem Du für die Finanzierung der Reise arbeiten kannst, ist Dein Heimatland.

1) Allerdings ist in der Weihnachtsgeschichte auch von einem typischen Problem die Rede, nämlich dass die Herberge voll ist, weil wegen eines besonderen Ereignisses (hier: Volkszählung) das ganze Land auf den Beinen ist. Die moderne Entsprechung für dieses Phänomen wäre wohl das chinesische Neujahrsfest.

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