Reisegepäckversicherung

Die meisten Versicherungsexperten raten vom Abschluss einer Reisegepäckversicherung ab. Allerdings haben sie normalerweise ein anderes Zielpublikum im Auge, nämlich Pauschalreisende bzw. "normale" Urlaubsreisende, die nur wenige Wochen unterwegs sind.

Diese Leute haben typischerweise ein überschaubares Risiko und einen recht guten anderweitigen Versicherungsschutz (z.B. durch eine bestehende Hausratversicherung). Bei Weltreisenden sind die Voraussetzungen etwas anders, so dass es sich lohnt hier mal genauer hinzuschauen.

Sinn und Unsinn einer Reisegepäckversicherung

Zunächst einmal muss man sagen, dass Reisegepäckversicherungen aus verschiedenen Gründen problematisch sind:

  • Sie sind sehr teuer. Du musst mit Kosten von etwa 60€ pro Monat rechnen, d.h. die Versicherung kann locker doppelt so viel kosten wie Deine Auslands-Krankenversicherung — falls Du überhaupt einen Anbieter findest, der Dein Gepäck für den gesamten Reisezeitraum versichert, denn bei den meisten Tarifen ist die Höchstdauer auf 3 Monate oder gar 6 Wochen begrenzt. (Eine Ausnahme ist World Nomads.)
  • Sie laden von ihrer Natur her zum Missbrauch ein, daher sind ehrliche Kunden tendenziell im Nachteil. Die Versicherer versuchen, sich durch hohe Selbstbeteiligungen und strenge Versicherungsbedingungen gegen diesen Missbrauch zu schützen, aber das macht die Versicherung nicht unbedingt attraktiver.
  • Das Risiko, das sie abdecken, ist nicht existenziell. Genau genommen ist das maximale Risiko exakt der Zeitwert Deines Gepäcks (zwischen ca. 1000€ und 2000€) plus die Wiederbeschaffungskosten von Reisedokumenten, wobei in den meisten Schadensfällen nicht einmal alles weg ist, sondern nur ein vergleichsweise kleiner Teil.
  • In vielen typischen Schadensfällen ist die Leistung lächerlich gering. Bei Diebstahl eines gebrauchten Smartphones oder einer Digitalkamera bleibt nach Anwendung der Zeitwertregel und Abzug der Selbstbeteiligung oft nichts mehr übrig, was erstattet werden könnte.

Allerdings gibt es auch gute Nachrichten: die Tarife hängen nicht vom einzelnen Reiseland ab, sondern höchstens davon, ob nach Europa oder in den Rest der Welt gereist wird. Skandinavien-Reisende subventionieren also z.B. die Reisegepäckversicherung von Leuten, die nach Südosteuropa reisen; Japan- oder Australienreisende subventionieren Versicherungen von Reisenden in Venezuela oder Nigeria. Die –normalerweise nicht besonders große– Sinnhaftigkeit einer Reisegepäckversicherung steigt also deutlich an, wenn Du viel Zeit in Gebieten mit einem überdurchschnittlichen Risiko verbringst, und zwar besonders dann, wenn Du mit Raubüberfällen rechnest, bei denen der Schaden tendenziell höher ausfällt als bei Diebstählen.

Anbieter

Leider ist eine Langzeit-Reisegepäckversicherung bei so gut wie keinem Anbieter zu bekommen. Die einzigen, die mir bekannt sind:

Die Europäische Reiseversicherung soll bis zu 6 Monate versichern, allerdings kann die Versicherung nicht online abgeschlossen werden. Wende Dich am besten direkt an die ERV oder an ein Reisebüro.

Bei World Nomads ist eine Reisegepäckversicherung mit einer Deckungssumme von 800€ Bestandteil des –leider inzwischen relativ teuren– Pakets mit der Auslandskrankenversicherung, ohne Zeitbegrenzung, ohne Selbstbeteiligung und mit weltweiter Geltung.

Alternativen

Selbst wenn die Versicherung greift, ist die Wiederbeschaffung der verlorenen Gegenstände ein zeitaufwändiger und nerviger Prozess. Deshalb sind die folgenden Alternativen in den meisten Fällen vorzuziehen:

  • Du solltest möglichst viele Wertsachen zu Hause lassen. Das senkt nicht nur das Risiko, es erhöht auch das Gefühl der Freiheit.
  • Statt in eine teure Versicherung kannst Du einen Teil des Geldes in Sicherheitsausrüstung wie eine Geldkatze oder einen PacSafe investieren.
  • Wenn Du die gesparte Versicherungsprämie auf ein Konto einzahlst, kannst Du schon nach wenigen Reisen den einen oder anderen Diebstahl finanziell selbst abfedern. Im Laufe Deines Lebens könntest Du von dem gesparten Geld wahrscheinlich sogar mehrere Totalverluste des Gepäcks bezahlen.
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