Wetterphänomene

Bei der Planung der Reiseroute solltest Du unbedingt einen Blick auf das zu erwartende Klima haben. Es ist nicht zwingend notwendig, immer die beste Reisezeit zu treffen (auf einer Weltreise geht das normalerweise auch gar nicht), aber in vielen Gegenden gibt es ausgesprochen schlechte Zeiten zum Reisen, und wenn Du zu so einer Zeit da bist, kannst Du im günstigsten Fall nur wenig unternehmen und im ungünstigsten Fall in Naturkatastrophen geraten.

Für die Grobplanung ist es nicht nötig, für jedes Land einzeln das genaue Klima zu kennen. Am Anfang ist es hilfreicher, in Regionen zu denken, die bestimmte Muster gemeinsam haben. Das gibt Dir schon einmal einen Anhaltspunkt, ohne dass Du lange Klimatabellen auswendig lernen musst.

Globale Wetterphänomene

Sommer und Winter

Eigentlich banal, gehört aber dazu:

Die Unterteilung der Jahreszeiten in Frühling, Sommer, Herbst und Winter gibt es nur in deutlichem Abstand vom Äquator, außerhalb der Tropen. In diese Zone fallen viele der industrialisierten bzw. weiter entwickelten Gegenden der Welt:

  • Nordamerika (mit Ausnahme der Gegend um den Golf von Mexico)
  • Europa
  • Asien nördlich des Himalaya bis Japan

Auf der Südhalbkugel gibt es nur wenige vergleichbare Gebiete, wobei die Jahreszeiten natürlich umgekehrt liegen:

  • die Südspitze von Südamerika etwa ab der Höhe von Uruguay
  • Neuseeland
  • der Süden von Australien.

Regionen mit diesem "klassischen" Klima können am besten während der dortigen Sommermonate bereist werden, wobei mit zunehmender Nähe zum Äquator der Hochsommer unangenehm heiß werden kann (Beispiele: Griechenland, südliches Kalifornien, China), so dass man besser auf Frühling oder Herbst ausweicht. In den Wintermonaten hat man nicht nur tendenziell schlechtes Wetter, sondern auch sehr kurze Tage, so dass die Möglichkeiten zu Aktivitäten im Freien eingeschränkt sind.

Trockenzeit und Regenzeit

Näher am Äquator wird das uns vertraute Bild der Jahreszeiten abgelöst durch eine grobe Zweiteilung in Trocken- und Regenzeiten. Die Sommermonate sind hier gerne feucht und heiß, während der Winter trocken und warm ist. Beispiele für solche Zonen auf der Nordhalbkugel sind:

  • die gesamte Karibik inklusive Mexico, Zentralamerika und der Golfküste der USA
  • Hawaii
  • die Philippinen

bzw. auf der Südhalbkugel:

  • die Mitte von Südamerika (Peru, Bolivien und südliches Brasilien)
  • Indonesien
  • der Norden von Australien
  • die Südsee.

(Auch hier wieder: Sommer und Winter sind natürlich auf der Südhalbkugel genau anders herum als auf der Nordhalbkugel.)

In diesen Regionen bieten sich eher die Wintermonate zum Reisen an, weil es dann in der Regel erträgliche (für unsere Verhältnisse: frühlingshafte) Temperaturen und viel Sonne gibt. Der (Spät-)Sommer ist dort, wo größere warme Wassermassen vorkommen, auch die Zeit der Wirbelstürme (vor allem Karibik, Indischer Ozean, Südsee, Südchinesisches Meer). Wirbelstürme, auch wenn sie einen nicht direkt treffen, verursachen selbst in weiter Entfernung noch starke Regenfälle und ggf. hohen Seegang, so dass eine ganze Region beeinträchtigt sein kann.

Der Monsun

Der Monsun ist eine Luftzirkulation, die in tropischen und subtropischen Gebieten aufgrund der unterschiedlichen Erwärmung von Landmasse und Ozean ensteht. Besonders ausgeprägt ist dieser Effekt im Bereich des Indischen Ozeans, weswegen man auch sagt, dass die Länder an seinem Nordrand ein Monsunklima haben. Der Monsun weht entlang der Kontinente von Ostafrika über Indien bis nach Südostasien, wobei es in jedem Jahr zwei relativ stabile Phasen gibt:

Der Sommermonsun weht von etwa Juni/Juli bis September/Oktober aus südwestlicher Richtung. Während er den ostafrikanischen Ländern eine Trockenzeit beschert, nimmt er über dem Indischen Ozean viel Wasser auf, das an natürlichen Hindernissen (Bergen) abregnet. In dieser Zeit kommt es in Indien und Bangladesh regelmäßig zu Überschwemmungen, aber auch der nördliche Teil von Südostasien (Thailand, Myanmar, Laos, Kambodscha, Nord-Malaysia) ist betroffen. Trockener ist es in dieser Zeit nur im Windschatten der Gebirge, also z.B. an der thailändischen/malaysischen Ostküste oder in Vietnam.

Ab etwa Oktober/November kehren sich die Verhältnisse um, dann weht bis etwa April/Mai der Wintermonsun (auch Nordost-Monsun genannt). Er ist kühler und weniger feucht und führt in Südostasien und Indien generell zu einer Trockenzeit, während in Ostafrika in dieser Zeit mehr Regen fällt. Dort, wo es in Asien während des Sommermonsuns trockener war, ist es während des Wintermonsuns etwas ungemütlicher (besonders an der Westküste des Golfs von Siam).

Kalte und warme Meeresströmungen

Wenn ein besonders kalter oder warmer Strom an den Küsten eines Kontinents entlang fließt, beeinflusst er entscheidend das Wetter in den angrenzenden Ländern. Warme Strömungen bringen viel Luftfeuchtigkeit mit, die über dem (kälteren) Festland abregnen kann. Dagegen sind kalte Strömungen mit trockener Luft verbunden, was an der (wärmeren) Küste oft zu Steppen- oder Wüstenbildung führt. Ich werde das jetzt mal stark übervereinfachen, was mir die Wetterfrösche unter meinen Lesern hoffentlich verzeihen werden:

Auf der Nordhalbkugel gibt es im Atlantik und im Pazifik jeweils ein großes Strömungssystem, das sich grob im Urzeigersinn bewegt. Im Atlantik sieht das so aus: warmes Wasser (der Golfstrom) fließt aus dem Äquatorbereich über die Karibik entlang der amerikanischen Ostküste und trifft schließlich auf Nordwesteuropa. Diese Gebiete bekommen dadurch ein mildes, relativ feuchtes Klima (was man gut in Irland beobachten kann). Das Wasser kühlt sich nach und nach ab und fließt zumindest teilweise an der Ostseite des Atlantik wieder nach Süden (der Kanarenstrom), wodurch ein relativ trockenes Klima auf der iberischen Halbinsel und in Nordwestafrika entsteht. Vergleichbar ist die Situation im Pazifik, wo die Philippinen, Japan und die amerikanische Nordwestküste die Feuchtigkeit abkriegen, während Kalifornien und das westliche Mexico trocken sind.

Auf der Südhalbkugel gibt es ähnliche Systeme in allen drei Ozeanen (Atlantik, Indik und Pazifik), die allerdings entgegen dem Uhrzeigersinn fließen. Sie sind mitverantwortlich für Wüstenbildung in Südwestafrika (Namib-Wüste), Westaustralien (Nullabor Plain) und an der Westküste von Südamerika (Atacamawüste), während auf der anderen Seite tropisches oder subtropisches Klima herrscht (in Brasilien/Argentinien, Südostafrika und an der australischen Ostküste).

Wüsten und Hochgebirge

In Wüsten gibt es aufgrund der fehlenden Vegetation (und eines oft klaren Himmels) riesige Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht bzw. (ab einer gewissen Entfernung vom Äquator) zwischen Sommer und Winter. Temperaturstürze von mehr als 30 Grad nach Einbruch der Dunkelheit sind keine Seltenheit. Und im Sommer ist das Reisen in vielen Wüstengebieten für Mitteleuropäer schlichtweg unerträglich.

Im Hochgebirge sind (oberhalb der Vegetationsgrenze) die Unterschiede zwischen Tag und Nacht ähnlich krass, allerdings spielt hier auch noch die Höhe eine Rolle. Pro 150-200 Meter Höhenunterschied wird es etwa ein Grad kälter. So kommt es, dass an manchen Orten ein Klima herrscht, das man aufgrund der geografischen Position nicht erwarten würde. In Quito (3000m ü.N.) wird es z.B. trotz der Lage direkt am Äquator nur selten wärmer als 25 Grad.

El Niño und La Niña

Als "El Niño" wird das etwa alle 3-8 Jahre vorkommende Phänomen bezeichnet, bei dem die zyklische Strömung im Südpazifik zuerst zusammenbricht und sich dann vorübergehend umkehrt. Dadurch gelangt warmes, feuchtes Wasser in den Ostpazifik, was zu schweren Unwettern in Südamerika führt, während gleichzeitig in Südostasien und Teilen von Australien Dürre herrschen kann.

2015-16 gab es einen relativ starken El Niño. Das letzte vorhergehende starke El Niño- Jahr war 2009-10, etwas schwächer 2002-03.

La Niña, die "kleine Schwester" von El Niño, folgt oft im Anschluss an ein Niño-Jahr. Sie ist eine Gegenbewegung, bei der die die normalen Verhältnisse (Trockenheit an der Westküste Südamerikas, Niederschläge in Südostasien) in verstärktem Maße auftreten. Der Effekt ist normalerweise wesentlich weniger dramatisch als ein El Niño.

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