Australien

Steckbrief

Down Under, der Traum vieler Reisender. Das Land auf der "Unterseite" der Erdkugel übt schon aufgrund der Entfernung von zu Hause eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus.

Klaustrophobie ist hier ein Fremdwort1), es ist eigentlich Platz genug für alle. Endlose Weiten, putzige Tierchen (plus einige sehr, sehr giftige) und die Küsten gehören zu den Naturschätzen, mit denen das Land punkten kann. Dazu kommt noch ein guter Schuss Aborigines-Kultur, auf die die Australier inzwischen doch stolz sind. Der Umgang mit Touristen ist äußerst entspannt, und grundsätzlich besteht für junge Leute sogar die Möglichkeit, legal Geld für die Weiterreise zu verdienen. Kein Wunder also, dass Australien auf den meisten Weltreisen als Ziel gesetzt ist. No worries, mate!

Was erwartet Dich?

Die Ostküste zwischen Sydney und Cairns ist das touristische Herzstück von Australien. Wer nur vier Wochen Zeit hat, bekommt oft nur diesen Teil zu sehen, vielleicht noch verbunden mit einem Abstecher zum Ayers Rock. Das Reisen an der Ostküste ist untrennbar verbunden mit dem Begriff 'Activities'. Hier fährt man nicht nur einfach so entlang, sondern man wird fast schon genötigt, irgend etwas zu tun. Tauchen am Great Barrier Reef, Fallschirm- und Bungeespringen, Wellenreiten, Trekking in den Blue Mountains, Kajakfahren, Abseiling, Offroadfahren auf Fraser Island, Weinprobe, Schafscheren, Rodeoreiten, Digeridookurs, Whalewatching, Bumerangwerfen oder Segeln durch die traumhaften Whitsunday Islands sind nur einige der Möglichkeiten.

Die anderen Highlights verteilen sich über ein riesiges Gebiet, was dazu fährt, dass wegen der damit zusammenhängenden Transportkosten die Touristendichte schon wesentlich geringer ist. Um Darwin im Northern Territory liegen in tropischem Klima einige sehr schöne Nationalparks, allen voran der Kakadu National Park. Wer sich von dort aus in Richtung Süden vorarbeitet trifft nach nur 1500 Kilometern auf das rote Zentrum, also den Bereich südwestlich von Alice Springs, wo sich z.B. der Ayers Rock (Uluru), der Kings Canyon und die Olgas befinden. Hier ist man schon mitten im Outback. Weiter südlich liegt noch die Opalsucherstadt Coober Pedy, bevor man in der Nähe von Adelaide auf die Südküste trifft.

Nicht mehr ganz so viele Reisende verschlägt es zum Wandern nach Tasmanien (gerade deshalb lieben es viele) oder in den Westen zum Ningaloo Reef.

Einer der interessantesten Aspekte des Kontinents ist seine Tierwelt. Aufgrund der isolierten Lage haben sich viele Tierarten etwas anders entwickelt als im Rest der Welt. Säugetiere gibt es nur in importierter Form, wobei sich viele Arten (Kaninchen, Dingos) mangels natürlicher Feinde zur Plage entwickelt haben. Typisch für Australien (und Teile von Indonesien und Papua Neuguinea) sind dagegen Beuteltiere in allen Variationen. Während diese noch grundsätzlich harmlos sind, leben auf dem Kontinent (oder in seiner Nähe) auch einige sehr gefährliche Tiere, z.B. Giftschlangen (23 der 25 giftigsten Schlangenarten der Welt kommen nur hier vor), Giftspinnen, Salzwasserkrokodile, Haie und Würfelquallen (Seewespen). Letztere sind übrigens für die meisten Todesfälle "verantwortlich".

Die Menschen in Australien sind eine recht entspannte, trinkfeste Spezies. Es gibt gar nicht so viele von ihnen in Relation zur Größe des Landes (Australien hat nur etwa so viele Einwohner wie die Niederlande), und die Hälfte von ihnen lebt in den sechs großen Städten Sydney, Melbourne, Brisbane, Perth, Adelaide und London. Zweifellos die interessanteste (neben London) ist Sydney. Außer der traumhaften Lage sind es vor allem die weltbekannten Sehenswürdigkeiten wie das Opernhaus und die Harbour Bridge, die Besucher anziehen, aber es gibt noch viel mehr zu entdecken. Sydney ist sehr lebendig und hat ein kosmopolitisches Flair, das man in wenigen Städten auf der Welt findet. Leider ist das Klima relativ extrem, im Sommer kann es schon mal 45 Grad warm werden. Angenehmer ist es dann im weiter südlich gelegenen Melbourne, der heimlichen Hauptstadt Australiens. Die anderen Millionenstädte wirken dagegen eher farblos, ganz zu schweigen von solchen urbanen Highlights wie Darwin (100.000 Einwohner), Cairns (100.000) oder gar Alice Springs (20.000).

Kulinarisch betrachtet ist Australien keine Sensation. Wer Barbecue ("Barbie") und Bier mag, wird sicher auf seine Kosten kommen. Früher galt einmal der Spruch: australisches Essen ist wie englisches Essen, nur schlechter. Das hat sich aber in den letzten Jahrzehnten durch die vielen Einwanderer aus allen Teilen der Welt zumindest in den Großstädten geändert. Wer in Australien in Restaurants Alkohol trinken will, wird mit ziemlicher Sicherheit sehr bald auf die Abkürzung BYO stoßen: bring your own. Da viele Restaurants keine Schanklizenz haben, kann man im Supermarkt eine Flasche Wein kaufen und gegen ein symbolisches Korkgeld zum Essen trinken.

1) Klaustrophobie (von lat. claustrum "Käfig", gr. phóbos "Furcht") ist natürlich auch woanders ein Fremdwort.

Praktische Informationen

Beste Reisezeit

Australien kann ganzjährig bereist werden, allerdings unterscheidet sich das Klima je nach Landesteil ganz erheblich. Der Süden (inklusive der Gegenden um Perth bzw. Sydney) bietet sich von Oktober bis etwa April/Mai an, wobei die Monate von Dezember bis Februar extrem heiß werden können. Im Outback und im Norden ist es genau umgekehrt: hier sollte in der Zeit von April bis September/Oktober gereist werden. Dann ist es im Outback trocken und relativ kühl, und in den tropischen Gebieten im Norden ist dann Trockenzeit. In der Regenzeit ist außerdem mit Würfelquallen im Meer zu rechnen, so dass wenn überhaupt nur an besonders gesicherten Stränden geschwommen werden kann.

Laufende Kosten/Tag

Grobe Abschätzung pro Person (Ansprüche und Reisestil variieren): 70-100€.

Australien ist kein billiges Reiseland, und dieser Trend ist durch den massiven Kursanstieg des Australischen Dollars in den letzten Jahren noch einmal verstärkt wurden. Die Lebenshaltungskosten bewegen sich in einer ähnlichen Größenordnung wie in Skandinavien, viele Güter sind importiert (und entsprechend teuer) und die ewigen Parties strapazieren das Budget auch. Auf der anderen Seite gibt es jede Menge Hostels (die hier Backpackers heißen) und Jugendherbergen (Youth Hostels) mit Sammelunterkünften und Selbstkocherküchen. Die muss man aber auch regelmäßig nutzen, sonst wird Australien schnell unbezahlbar. Die Alternative lautet Camping, aber dafür braucht man wenigstens zeitweise ein eigenes Fahrzeug.

Neben den Lebenshaltungskosten gibt es noch zwei weitere Kostentreiber: die riesigen Entfernungen, die die Transportkosten geradezu explodieren lassen, und die Tatsache, dass der Tourismus in Australien sehr stark kommerzialisiert ist. Praktisch alles, was man im Land unternehmen kann, kostet Geld. Hier ein Nationalparkeintritt, da ein gemieteter 4x4, dort eine 'Activity'... es addiert sich. Dazu kommt, dass die Preise in den letzten Jahren stark angezogen haben, während die dafür gebotene Leistung nicht immer optimal ist.

Verständigung

Die Landessprache ist so etwas ähnliches wie Englisch. Generell gibt es wenig Verständigungsprobleme, die Einheimischen sind an Touristen gewöhnt. Allerdings ist der australische Dialekt am Anfang für Europäer etwas gewöhnungsbedürftig.

Transport innerhalb des Landes

Australien ist riesig, und die Distanzen zwischen den einzelnen Sehenswürdigkeiten sind enorm. Wer auf dem Landweg reist, wird sich also auf einige sehr lange Etappen einstellen müssen.

Am einfachsten und schnellsten kommt man mit dem eigenen Fahrzeug herum. An den Linksverkehr hat man sich schnell gewöhnt, und außerhalb von Städten ist auch genug Platz für den einen oder anderen Fahrfehler (es sei denn, man begegnet im Outback einem Road Train). Ein eigenes Fahrzeug hat auch den Vorteil, dass man einfach an viele interessante Orte kommt, für die man sonst eine Tour buchen müsste, außerdem kann man campen, was eine Menge Geld spart. Für die meisten Weltreisenden wird zwar ein Mietwagen wegen der Kosten keine echte Option sein. Aber wer mindestens 2-3 Monate im Land ist, sollte ernsthaft über einen Autokauf nachdenken. Es gibt an verschiedenen Stellen in Australien zentrale Gebrauchtwagenmärkte speziell für Backpacker, wo man auch gleich bei einer darauf spezialisierten Agentur den Wagen anmelden und versichern kann. Professionelle Autohändler bieten oft eine Buyback-Garantie an, so dass Du den Wagen in jedem Fall vor der Abreise wieder los wirst, wenn auch eventuell mit einem deutlichen Preisabschlag (was in den meisten Fällen immer noch günstiger ist als ein Mietwagen).

Wer nicht mit dem eigenen Fahrzeug reisen will, für den bieten sich Busse und Züge an. Es gibt nur relativ wenige Zugstrecken. Eine verläuft von Perth an der Westküste über Adelaide, Melbourne, Sydney und Brisbane bis nach Cairns im Nordosten. Eine andere (der Ghan) von Adelaide über Alice Springs nach Darwin. Viele Backpacker kaufen wegen der vielfältigeren Routenmöglichkeiten lieber einen Buspass.

Bei den Buspässen gibt es zwei Optionen:

  • Die Busgesellschaften in Australien (Greyhound hat das größte Netz) bieten Pässe an, mit denen man entweder für eine bestimmte Zeit oder eine bestimmte Anzahl von Kilometern auf allen Verbindungen fahren kann. Die Zeitpässe bieten sich dabei für diejenigen an, die schnell reisen und in kurzer Zeit viel sehen wollen. Kilometerpässe würde ich eher empfehlen, wenn man die Strecke schon einigermaßen sicher weiß, sich aber mehr Zeit lassen will.
  • Die Gesellschaft Oz Experience betreibt Hop-On-Hop-Off-Busse. Diese fahren in festgelegten Tagesetappen bestimmte Strecken ab, wobei sie die wichtigsten touristisch interessanten Punkte (außerhalb von Nationalparks) anfahren. Wenn man eine Fahrkarte gekauft hat, kann man jederzeit unterwegs aussteigen (Hop-Off) und später mit einem anderen Bus weiterfahren (Hop-On). Zusätzlich werden an touristisch interessanten Stellen kurze Zwischenstopps gemacht. Auf diese Weise kommt man relativ leicht zu abgelegeneren Punkten, die mit Greyhound schwer zu erreichen sind. Obwohl das Prinzip bestechend ist, kann ich es nicht wirklich empfehlen. Oz Experience wirbt mit Flexibilität, aber genau die bleibt auf der Strecke, weil man nur eine Route fahren kann (Abstecher muss man selbst organisieren und bezahlen), und selbst an der viel bereisten Ostküste werden je nach Jahreszeit manchmal nur 3 Busse pro Woche und Richtung eingesetzt. Dadurch kann man schon mal für ein paar Tage irgendwo festsitzen, falls der nächste Bus ausgebucht sein sollte. In der Praxis muss man seinen Platz für die Weiterfahrt bis zu einer Woche vorher reservieren. Soviel zum Thema Flexibilität. Geyhound hat auf den meisten Strecken mehrere Busse täglich, die zudem auch noch komfortabler sind. Ein anderer Nachteil von Oz Experience ist das Publikum. Das Konzept ist zugeschnitten auf 18- bis 35-jährige Engländer, wobei die breite Masse zwischen 18 und 20 zu sein scheint. Wer Bingo und Komasaufen mag und im Bus mit neckischen Spielchen unterhalten werden will, wird es lieben.

Für die ganz langen Etappen (oder dort, wo es kaum Straßen gibt) sind Inlandsflüge oft die beste Wahl. Mehrere Billigfluggesellschaften konkurrieren inzwischen auf dem australischen Markt. Noch günstiger ist es allerdings, wenn das Round-the-World-Ticket bereits einige inneraustralische Flüge enthält, was oft der Fall ist bei RTW-Tickets, in denen Qantas-Langstreckenflüge enthalten sind (ein nicht zu unterschätzender Kostenvorteil).

Visa und Grenzübertritte

Für die Einreise nach Australien wird immer ein Visum verlangt, das man sich vorab besorgen muss. Eine Verurteilung wegen eines Kapitalverbrechens ist inzwischen nicht mehr erforderlich.

Das Touristenvisum (Electronic Travel Authority, ETA) kann im Internet beantragt werden und gilt 12 Monate für beliebig viele Aufenthalte in Australien, wobei jeder Aufenthalt maximal 3 Monate dauern darf. Das Visum wird innerhalb kurzer Zeit per E-Mail erteilt. Einen Stempel in den Pass gibt es erst bei der tatsächlichen Einreise.

Für junge Menschen bis 30 Jahre, die in Australien arbeiten wollen, gibt es das Working Holiday Visa (WHV), allerdings leider nicht für alle Nationalitäten. Deutsche können derzeit ein WHV bekommen, Österreicher und Schweizer nicht. Mit dem WHV darf man 12 Monate lang im Land bleiben und kann praktisch jeden Job annehmen, allerdings keinen länger als 6 Monate. Ein WHV kann grundsätzlich nur einmal erteilt werden. Allerdings keine Regel ohne Ausnahme: auch Australien braucht Erntehelfer, und so kann man ein zweites WHV bekommen, wenn man mit seinem ersten mindestens 3 Monate auf dem Land ('seasonal worker in regional Australia') gearbeitet hat.

Australien hat keine Landgrenze und damit auch keine Grenzübergänge, deshalb spielen Grenzübertritte von und zu den Nachbarländern keine Rolle. Die Ein/Ausreise wird für die meisten Leute an einem der internationalen Flughäfen stattfinden. Hier wird übrigens streng auf die Einfuhr verbotener Waren kontrolliert. Viele Krankheiten und Seuchen sind in Australien unbekannt, und das soll auch so bleiben. Wer mit Lebensmitteln im Gepäck erwischt wird, der hat ein ernstes Problem.

Verbindungen mit anderen Regionen

  • Südostasien: Sehr viele Direktverbindungen. Qantas bietet auch innerhalb von Südostasien ein dichtes Streckennetz, so dass mit einem einzigen Ticket auch mehrere Punkte dort angeflogen werden können.
  • Südpazifik: Neuseeland liegt quasi "vor der Haustür" und wird häufig von Sydney und anderen Städten aus angeflogen. Wer "Island Hopping" auf den Südseeinseln machen will, kann das relativ preisgünstig mit dem Visit South Pacific Airpass tun, oder es sind schon Stopps im RTW-Ticket enthalten.
  • Ostasien: Gute Verbindungen von der Ostküste aus, vor allem von Sydney. Ab Perth kann man auch nach Hong Kong und Tokyo fliegen.
  • Indien: Es gibt nur eine Direktverbindung, mit Qantas von Sydney nach Mumbai (früher: Bombay). Umsteigeverbindungen über die südostasiatischen Hubs wie Singapur, Bangkok und Kuala Lumpur sind aber kein Problem.
  • Mittlerer Osten: Verschiedene Fluggesellschaften bieten Flüge von den Emiraten aus an, u.a. Emirates, Gulf Air und der interessante Newcomer Etihad Airways.
  • Europa: Die Strecke ist für Nonstopflüge zu weit. Direktflüge mit Tankstopp in Singapur werden von Qantas angeboten, allerdings empfiehlt sich wegen der langen Flugdauer eine Unterbrechung in Asien. Die günstigsten Angebote gibt es von/nach London. Bei Umsteigeverbindungen ist es dadurch, dass Australien fast auf der anderen Seite des Globus liegt, fast egal, über welche Stadt man fliegt. Am günstigsten ist in der Regel ein Flug über Südostasien, Hong Kong, Taiwan oder die Emirate. Aber auch Japan oder Südafrika sind typische Stopover-Punkte.
  • Nordamerika: Auch Nordamerika wird von den meisten Airlines nur mit Zwischenlandung angeflogen. Verbindungen gehen typischerweise nach Los Angeles und stoppen auf Fiji oder Tahiti. Qantas fliegt mit den neuen A380 nonstop. Günstige Umsteigeverbindungen gibt es über Hongkong und Taiwan.
  • Mexiko+Zentralamerika: Dies ist praktisch die einzige Region, die von Australien aus nicht direkt angeflogen wird. Umsteigen in Los Angeles ist erforderlich. Man könnte zwar auch über Südamerika fliegen, aber das ist ein ziemlicher Umweg.
  • Südamerika: LAN fliegt in Codeshare mit Qantas von Santiago de Chile nach Sydney und Melbourne. Qantas fliegt Buenos Aires an. Beide Verbindungen gibt es erst seit einigen Jahren. Die Alternative ist "Island Hopping" via Tahiti und die Osterinsel, allerdings kann man nicht die ganze Strecke mit einer Gesellschaft fliegen.
  • Afrika: South African Airways flight von Johannesburg nach Sydney und Perth.
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