Thema: Wie schnell einen der Alltag wieder einholt  (Gelesen 1597 mal)

Reisenoob

« am: 27. Juni 2013, 09:24 »
Hey Leute,
ich wollte mal hören, wie es euch so bezüglich dieses Themas ergangen ist.
Ich bin jetzt gerade mal 2 Monate von meiner Reise wieder da. Und es kommt mir irgendwie vor, als würde sie schon ewig zurück liegen. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, dass ich noch vor ein paar Monaten an einem Strand in der Südsee gelegen bin. Wenn ich an die Reise zurückdenke, kommt es mir manchmal vor, als wäre es ein Film gewesen, den ich gesehen habe.
Ich bin jetzt wieder voll im Arbeitsleben. Ist ja auch irgendwie gut so - denn wenn ich ständig an meine Reise denken würde, könnte ich nicht effektiv arbeiten. Nur irgendwie hätte ich nicht erwartet, dass der Alltag einen so schnell wieder einholt.

Was ich schade finde: während meiner Reise habe ich einige Gewohntheiten geändert, wie ich finde zum positiven. Ich habe viel öfter und viel mehr einfach mit Fremden geplaudert. Ich habe mir angewöhnt, meine Umgebung genauer zu beobachten, nicht so sehr "im Kopf" zu sein. Leider hat das nach meiner Rückkehr nicht lange angehalten und ich bin wieder in alte Muster zurück gefallen.

Wie ging es euch so damit? Würde mich sehr interessieren
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Lelaina

« Antwort #1 am: 27. Juni 2013, 09:32 »
Ich konnte es kaum erwarten nach Hause zu kommen. Jetzt habe ich 4 Nächte in meinem eigenen Bett geschlafen, alles ist gewaschen und draußen regnet es. Ich würde am Liebsten schon wieder nach Australien düsen...

Ja, der Alltag holt einen schnell ein. Zu schnell.
Mir geht es auch so, dass ich manchmal das Gefühl habe alles war ein schöner Film. Irgendwie ist es schön hier zu sein, aber ein anderer Teil in mir schreit nach Australien oder vielleicht auch nur nach der Zeit in der ich dort so glücklich war und das muss ich erst wieder hier aufbauen  :-\

southern_cross

« Antwort #2 am: 27. Juni 2013, 09:43 »
Ich war zwar nicht auf Weltreise, aber mehrmals ein paar Monate weg. Die Rückkehr geht schnell und ich versuche, immer "soft" zu landen und es langsam anzugehen. Der Alltag kommt schnell genug wieder (und füllt aber auch die Reisekassa wieder auf hihi).

Ich hab mir von meinen Reisen ein paar wenige Lieblingsbilder auf Keilrahmen-Leinwände drucken lassen und sie in meiner Wohnung verteilt aufgehängt, gemeinsam mit Souvenirs wie Wandbehängen, Didgeridoo usw. Es gibt inzwischen ein Thailand-Indien-Wohnzimmer, ein Afrika-Vorzimmer und ein Australien-Arbeitszimmer  :)  Hab auch von jeder Reise einen "Soundtrack" mitgebracht oder verbinde gewisse Lieder mit bestimmten Orten und habe von jeder Reise ein Fotobuch. Ich sitz dann gerne mal abends und schwelge zurück in die Erinnerung. Wenn ich physisch nicht mehr dort bin, dann zumindest im Geist. Das ist auch wie Kurzurlaub und vor allem - diese Erinnerungen und Erfahrungen kann uns keiner mehr nehmen. Es ist auch nach der Rückkehr noch ein wervoller Besitz!
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weltentdecker

« Antwort #3 am: 27. Juni 2013, 10:06 »
Wir sind Mitte März wiedergekommen und bei uns hat es eigentlich sehr lange gedauert, bis wir wieder einen richtigen Alltag hatten. Ich würde sagen, wir sind immer noch nicht im richtigen Alltagstrott angekommen, was auch daran liegen mag, dass wir noch nicht wieder arbeiten (ich fang erst zum 15.07. wieder an). Als wir wiederkamen, haben wir buchstäblich bei Null wieder angefangen: neue Wohnung, Möbel kaufen, Job suchen.... Aber ich muss sagen, ich fand es auch sehr schwer! Auch das "in alte Muster zurückfallen" kommt mir bekannt vor. Wie oft haben wir gesagt, wie gut es uns in Deutschland doch geht und dass wir uns nicht mehr über Kleinkram aufregen. Aber irgendwie passiert es doch manchmal wieder, einfach weil man auch mit ganz anderen Leuten zusammen ist als auf der Reise und diese einen mit ihren Problemchen auch ein bisschen anstecken.  :-\

Was ich auch komisch fand, war, dass mich am Anfang alles hier überfordert hat. Die neue Wohnung, renovieren, bis dahin muss das und das fertig sein, weil dann die Küche eingebaut wird, Druck von Eltern, schnell wieder einen Job zu finden, obwohl man geistig noch nicht mal angekommen ist... Da dachte ich mir immer: Wieso überfordert mich das alles so, wenn ich es schaffe, irgendwo auf der Welt mich durch überfüllte Straßen auf Hostelsuche zu begeben oder nur mit Händen und Füßen den richtigen Bus zu finden, weil kein Mensch Englisch spricht? Oder mit Kakerlaken und anderem Kriechtier in einer Hütte zu schlafen?  ???

Und wenn wir ganz großes Fernweh haben, gehn wir einfach ins Frankfurter Bahnhofsviertel und dort beim schmutzigsten und billigsten Inder ein Thali essen und dann fühlen wir uns wieder wohl  :D
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stali

« Antwort #4 am: 27. Juni 2013, 10:39 »
Bei mir ging es auch sehr schnell: Nach meiner Rückkehr dauerte es genau 2 Wochen, bis ich wieder bei meiner alten Arbeitsstelle angefangen habe. Mit den alten Kollegen, alter Arbeit, alten Arbeitsweg und alten Muster war ich kein Monat nach meiner Rückkehr wieder so in den Alltag integriert, als wie wenn ich nie weg gewesen wäre. Hauptgrund für den schnellen Einstig war, weil ich nach der Reise etwas ausgebrannt war und mich in die alten Muster hineindrücken ließ, da ich nicht die Kraft hatte nach der Reise "mein Ding" durchzuziehen. Jetzt, ein Jahr später, bin ich wieder erholt und hab genau zum Jahrestag gekündigt und dort angeknüpft, wo ich eigentlich hin will/wollte. ;)

Auch der Umgang mit Familie und Freunden hat sich überraschend schnell "normalisiert".

Das einzige was sich verändert hat, wie bereits geschrieben, ist der persönliche Charakter und die Sicht einiger Personen auf mich.
Meine Prioritäten haben sich verschoben, ich gehe offen auf fremde Menschen zu, hab einen besseren Blick auf die Kleinigkeiten und bin gelassener.
Letztere erworbene Eigentschaft stört mich ein bisschen: Ich vielleicht ein bisschen zu gelassen geworden. ;) :D

Für mich überraschend ist, dass ich es mir nicht vorstellen kann, die nächsten 5-10 Jahre wieder eine Langzeitreise zu unternehemen. Ich bin erst 23 Jahre alt und habe momentan ganz andere Prioritäten, als wie in der Welt herumzugondeln (Nein, nicht die Arbeit  ;D ). Was nicht heißen soll, es wäre nicht schön! ;)
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jacandra

« Antwort #5 am: 09. Juli 2013, 10:26 »
Bei mir geht es leider auch immer ganz schnell! Ruck zuck ist man wieder im deutschen Alltag und die Reise erscheint einem wie ein schöner Traum. :)
Ich denke mal, es ist auch abhängig davon, ob man allein oder evtl mit Partner/ Freundin oder so unterwegs war. Ich reise ja wirklich gern allein und hab überhaupt keine Probleme damit, aber wenn man nach Hause kommt, dann sitzt man da allein mit seinen schönen Erinnerungen. Die Freunde hören sich das alles mal an, aber irgendwann ist auch mal gut. ;) Mit dem Partner kramt man viel länger die ganzen schönen (oder nicht so schönen ;) )Erinnerungen hoch und hat dadurch irgendwie auch länger etwas davon. Oder?
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icybite

« Antwort #6 am: 10. Juli 2013, 01:35 »
Ich bin jetzt genau 1 Monat und 3 Tage wieder zurück. Ich fand - Nein ich finde es immernoch komisch. Ist denn jetzt alles vorbei? Die ersten 2 Wochen danach habe ich mich noch in Blogarbeit gestürzt. Vieles aufgearbeitet und dokumentiert. Bloß nichts vergessen. Dann hat es mich irgendwie traurig gemacht.

Habe die Tage erst ein Bericht fertig geschrieben: Nach der Weltreise ist vor der Weltreise

Letztendlich bin ich überrascht von meiner Familie... Da kommt man ganz schnell wieder zu Alltagsthemen... Was mich dann am meisten angekotzt hat ist dass mich jeder gefragt hat ob ich denn schon Arbeit gefunden habe... Man Man man... Manche sehen ein Jahre nicht und dann sone Frage. Ich versteh es nicht..

Ich bin jetzt auch wieder innerhalb von Deutschland umgezogen und beginne einen Job am 15.07. Ich lebe in Frankfurt und merke jetzt schon, dass das hier irgendwie nicht si klappt. Meine Motivation -> guter Job -> gutes Einkommen -> Sparen und ganz schnell wieder abhauen...

Vielleicht bekommt man es ja doch hin mit dem Reisen und Arbeiten....

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Reisenoob

« Antwort #7 am: 11. Juli 2013, 10:54 »
Ja, irgendwie scheint es immer keinen so wirklich zu interessieren, was man alles gemacht hat/ wo man war. Die meisten Leute sind eben nicht so extrem am reisen interessiert, was sollen sie sich da ewig die Geschichten von einem anhören.
Bei mir war es so, dass meine Familie eigentlich nur am ersten Tag wissen wollte, wie es denn so war. Dann war das Thema für sie eigentlich schon gegessen. Manche Freunde von mir hat es auch kaum interessiert.
Das ist irgendwie erstmal enttäuschend, aber man muss sich halt damit abfinden, dass es so ist. Wenn man eine Reise macht, um danach damit prahlen zu können, ist man denke ich sowieso auf dem Holzweg.
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Ruebli

« Antwort #8 am: 11. Juli 2013, 19:51 »
Als ich (vor einem Monat) Heim kam, fragten mich immer viele wie es denn war. Ich hab immer nur mit 'schön' geantwortet, da ich erstens ja eh nicht meine ganze Reise in 10 Sätze zusammenfassen konnte (wenn ich dann mal anfange, kann ich schon mal ein kleines Referat halten) und zweitens mich viel mehr interessiert hatte, was denn Zuhause so passiert ist, wies meiner Familie geht, meinen Freunden, welche Parties ich verpasst habe, wo sie im Urlaub waren, wer einen neuen Job hat usw. Ich mag gar nicht so viel über mich reden, ich war ja nur ein halbes Jahr im Urlaub. Wenn ich daheim bin passiert in einem halben Jahr ja auch nicht nichts, und das wollte ich natürlich alles erfahren.

Drei Tage zurück war mir schon gar nicht mehr bewusst dass ich jetzt tatsächlich wieder daheim bin, morgen ist schon mein 1. Arbeitstag im neuen Job und seit einer Woche überleg ich mir schon, wo meine nächste Reise (in 4-5 Monaten) hinführt...

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