Thema: Eisenbahnen in Südamerika  (Gelesen 3945 mal)

Kuhrscher

« am: 20. Februar 2013, 18:26 »
Ich würde mich zwar nicht als absoluten Eisenbahn-Fan bezeichnen, aber ich fahre gerne mit der Bahn und bevorzuge diese auf Reisen wann immer es geht auch gegenüber dem Bus oder dem Flugzeug. In praktisch allen Ländern Südamerikas ist es in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Verfall der Eisenbahninfrastruktur, Privatisierungen und als Folge dessen zu zahllosen Streckenstilllegungen gekommen. Dennoch gibt es in einem reduziertem Umfang noch Bahnverkehr über längere Strecken. Mit einigen davon habe ich mich näher befasst, weil ich Sie entweder schon gefahren bin oder das auf der kommenden Tour plane:

1. Argentinien hatte ursprünglich das mit Abstand umfassendste Bahnnetz Südamerikas. Nach den Privatisierungen der Menem-Ära wurde der Langstreckenverkehr 1993 praktisch von einem Tag auf den anderen stillgelegt und der Vorortverkehr von Buenos Aires privatisiert. Der größte Teil des Netzes ist zwar  nicht offiziell stillgelegt, aber überwiegend nicht mehr in einem befahrbaren Zustand und wird allenfalls noch für Güterverkehr genutzt. Folgende Strecken sind aber noch regelmäßig in Benutzung und können eine extrem kostengünstige Alternative zum Bus darstellen:

- Buenos Aires --> Cordoba (2x/Woche mit FerroCentral ab 30 (!) Peso mit Möglichkeit einer Onlinebuchung)
- Buenos Aires --> Tucuman (3x/Woche mit FerroCentral ab 45 (!) Peso mit Möglichkeit einer Onlinebuchung)
- Buenos Aires --> Bahia Blanca (4x/Woche mit FerroBaires ab 76 Peso an allen Fahrkartenschaltern in BsAs)
- Viedma --> Bariloche (wöchentlich ab 180 Pesos als TrenPatagonico, schwierig zu reservieren)
- Weitere teilweise längere Strecken über 100 km Länge in der Provinz Buenos Aires

Die Züge von FerroCentral und der TrenPatagonico sind in den höheren Klassen sehr komfortabel und haben auch Abteile mit jeweils zwei Betten im Angebot. FerroBaires besticht dagegen mit fast schrottreifen Zügen.

Informationen über den aktuellen Stand einschließlich Störungen im Betrieb und die aktuellen Preise findet man spanischsprachig unter: http://www.sateliteferroviario.com.ar/horarios/

2. In Bolivien gibt es zwei voneinander getrennte Bahnnetze im Osten und im Westen. La Paz ist nicht mehr an das Bahnnetz angeschlossen und die Züge enden in der Regel in Oruro. Folgende Verbindungen sind derzeit im Betrieb:

- Uyuni --> Oruro (4x/Woche von FCA betrieben, recht komfortabel)
- Uyuni --> Grenze mit Chile (1x pro Woche, ein unbeheizter Waggon an einem Güterzug, Bus nach Calama)
- Sucre --> Potosi (3x pro Woche ein Schienenbus)
- Santa Cruz --> Grenze mit Brasilien
- Santa Cruz --> Grenze mit Argentinien

Die Strecke von Oruro führte bis Januar noch bis Villazon. Heftige Regenfälle haben dann eine Brücke bei Tupiza zerstört. Ob und wann wieder eine Verbindung hergestellt wird ist unklar.

3. In Peru gibt es praktisch nur touristische Strecken bzw. die regulären Züge dürfen nur von Einheimischen genutzt werden. Die Tickets von und nach Cusco sind im Internet erhältlich: http://www.perurail.com

- Cuzco --> Aguas Calientes (täglich von PeruRail, für Ausländer nur im Touristenzug)
- Cuzco --> Puno (täglich von PeruRail)
- Lima --> Huancayo (sporadisch in der Saison, wohl spektakulär, kenne ich persönlich aber noch nicht)
- Huancayo --> Huancavelica (kein Touristenzug, darf aber von Touristen genutzt werden)

4. In Brasilien hat das Bahnsystem nach den Privatisierungen der 90er Jahre eine andere Entwicklung genommen als in Argentinien. Zwar wurden auch hier fast alle Personenzüge stillgelegt, es kam aber zu vielen Investitionen in die Strecken und der Güterverkehr auf der Schiene boomt. Mir persönlich sind zwei Langstreckenzüge bekannt, mit denen ich aber noch nicht gefahren bin.

- Vitoria --> Belo Horizonte (täglich, betrieben durch VALE)
- Carajás --> São Luis (betrieben durch VALE)

5. In Ecuador gab es die spektakuläre Bahnstrecke von Quito nach Guayaquil. Diese war nach fast vollständiger Zerstörung durch ein Unwetter für Jahre außer Betrieb. Nur auf einzelnen Teilstücken wurden Fahrten für Touristen durchgeführt. Die aktuelle und gerade wiedergewählte Regierung hat stets versprochen, die Strecke vollständig wiederherzustellen und hat offenbar ihr Wort gehalten. Ab Juni soll es eine Art Schienenkreuzfahrt für Touristen auf der Gesamtstrecke geben. Ob auch wieder ein regulärer Zugverkehr eingerichtet wird und ob den Touristen nutzen dürfen, weiß ich nicht. Infos zur "Kreuzfahrt" hier: http://www.ferrocarrilesdelecuador.gob.ec

Hat jemand von Euch Erfahrungen mit den genannten Strecken gesammelt oder kennt andere Routen, die in Betrieb sind und sich auch zum Reisen eignen (also jetzt nicht unbedingt die Touri-Dampflok auf Feuerland)?
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Vombatus

« Antwort #1 am: 20. Februar 2013, 18:53 »
Bolivien
Kenne nur die Teilstrecke von Uyuni nach Tupiza, der Zug fährt weiter nach Villazón (nahe der argentinischen Grenze). Relativ schwer kurzfristig an Karten zu kommen. Wenn man ein bis zwei Tage vorher bucht ist das kein Problem.

Brasilien
Curitiba nach Paranagua. Fährt nicht täglich und auch unterschiedlich weit. Bekannte schöne Touristrecke, aber auch für A nach B reisen tauglich.

Ecuador
Riobamba nach Alausi. Zu meiner Zeit (2011) war die Strecke von Riobama nach Alausi noch nicht wieder hergestellt, aber es wurde daran gearbeitet. Ansonsten gab es nur eine Rundfahrt um Alausi herum, die nicht zum reisen gedacht ist.

Nicht ganz Südamerika, aber zum Reisen von A nach B tauglich
Von Panama City nach Colon, teilweise mit schönen Ausblick auf den Kanal, weiß nicht wie das durch die Ausbauarbeiten zukünftig sein wird.

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ulmi

« Antwort #2 am: 22. Februar 2013, 22:30 »
Hallole

In Chile gibts eine, die auch tatsächlich "normales" Transportmittel ist. Geht von Santiago bis in den Süden. Ein Teilstück bin ich gefahren. Unspektakulär, aber sehr angenehm und willkommene Abwechslung zum Reisebus auf der Panamericana.

In Brasil gibts natürlich den Klassiker von Curitiba an die Küste. Ich habs gemacht, find aber den Ruf übertrieben, war jetzt kein Highlight.

Besser:
Die Strecke Uyuni-Sucre mit dem Schienenbus kann ich sehr empfehlen. Siehe auch mein Blog. Im August 2011 war ich dort.

Ecuador: Die Riobamba-Sache war auch noch im März 2012 im Bau. Zumindest ab Riobamba. Weiter im Süden konnte man ein kleines Teilstück jund dann bis zum Höhepunkt Teufelsnase fahren. Ich fands dann für das kurze Teilstück aber verhältnismäßig teuer und habs nicht gemacht.

Dann gibts doch noch diesen berüchtigten "TRen a las nubes" in Argentina?? Ich glaube den werbewirksamen Namen "El tren a ..." haben sie irgendwo anders auch noch verwendet!?

ach ja, in Peru gibts was von Lima nach Huancayo wie Du schon sagtest, fährt aber nur sehr selten. Das gleiche geht auch mit dem Bus, fährt Großteil der Strecke durch ähnliche Landschaft, obwohl das Superhighlight glaub ich nur bei Bahnfahrt zu sehen ist.Bin ich mir aber nicht mehr sicher.

Die Fahrt Santa Cruz de la Sierra an die Grenze zu Brasil hab ich gemacht, und zurück. Laaaangweilig (landschaftlich), aber trotzdem Erlebnis, vor allem wenn Du die Billigstklasse nimmst und nachts bestimmt kein Auge zu machst auf den harten Bänken.
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tetsi

« Antwort #3 am: 25. Februar 2013, 08:33 »
Selbst gefahren bin ich die Strecken von Ollantaytambo nach Aguas Calientes in Peru und Oruro nach Uyuni in Bolivien. Erstere ist jetzt wenig spektakulär und für das was du geboten bekommst einfach nur unverschämt teuer - ist ne ziemlich üble Touristenabzocke leider.

Oruro Uyuni lohnt sich IMHO. Mit dem Bus sparst du nicht wirklich viel. Im Zug hast ne schöne Aussicht, kannst rumlaufen, hast n Speisewagen (so wie man das von früher kennt, mit hinsetzen und richtigem Essen und so :) ), alle Nase lang kommt ein Zugbegleiter durch, der Getränke verkauft etc. Ich fands klasse.

Stecki

« Antwort #4 am: 13. August 2014, 16:28 »
Der Touristenzug „Tren de las Nubes“ auf der spektakulären Strecke im Norden Argentiniens verkehrt momentan nicht.

Nachdem der Tren a las Nubes am 19.07.2014 in der Nähe von San Antonio de los Cobres ohne weitere Schäden für die Passagiere entgleist ist, wurde dem Betreiber Ecotren SA die Lizenz entzogen. Der Zug verkehrt bis auf weiteres nicht. Es ist geplant, der Provinz Salta die Lizenz für den Betrieb dieses populären Touristenzuges zu übertragen.

Quelle: Globetrotter Magazin (online)
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