Thema: Gefühlschaos auf der Reise  (Gelesen 3356 mal)

Miku

« am: 09. Juli 2012, 12:06 »
So, da sitze ich nun in Chiang Mai in Thailand. 3 Monate bin ich jetzt unterwegs, nach Indien und Nepal ist es das dritte Land, dass ich das Glück habe besuchen zu dürfen - allerdings kommt bei mir komischerweise im Moment nicht viel von dem Glück an. Alles ist irgendwie... so gewöhnlich, die Aufregung und Spannung der letzten Monate sind fast über Nacht verschwunden. (Gut, in Bangkok am Flughafen war das noch anders, da hab ich meine Zeit gebraucht um auf dem riesen Gelände zurecht zu kommen, und rauszufinden wo ich eigentlich hinmuss.)
Naja, ist etwas schwer, alle Gefühle irgendwie in Worte zu packen.
Mir kommt Thailand (und die Reise insgesamt) im Moment so unspektakulär vor. Wenn ich Reiseberichte lese, sind die immer voll von solchen Sachen wie: Und dann war ich da und da, hab den und den kennengelernt, wurde von den Einheimischen zum Essen eingeladen, und insgesamt war es einer der coolsten Tage der Reise - und so weiter und so fort. Im Moment sitze ich alleine in der Kneipe - Leute kennenzulernen finde ich hier gar nicht so einfach - was ziemlich komsich ist, schließlich ist hier alles voll mit Touristen. Aber vielleicht ist genau das das Problem - es sind so viele Leute unterwegs, alle sind entweder mit Partner oder in einer Gruppe unterwegs - in Indien und Nepal war es genau das Gegenteil, ich kann die Tage, an denen ich da alleine war, fast an einer Hand abzählen.
Insgesamt habe ichdas Gefühl, zu wenig "außergewöhnliches" zu machen, sondern immer nur das, was schon tausende vor mir gemacht haben. Kamelsafari in Indien? - Macht fast jeder, der in Rajasthan ist.  Trekking in Nepal? Auch da, macht jeder. (war trotzdem eine der geilsten Sachen, die ich bis jetzt gemacht habe - das macht es so schwierig, alles zu erklären).

Vielleicht liegt es daran, dass Thailand nach den anderen beiden Ländern, wirklich einfach zu bereisen ist. In Indien und Nepal war alles irgendwie eine Herausforderung - sei es auch nur, den richtigen Bus zu finden. Und die Busfahrt an sich war auch nicht nur eine einfache Fahrt, sondern... naja, aufregend. Hier kommst du an den Busbahnhof, der richtige Bus ist schon von weitem zu erkennen, und die Busfahrt ist, naja, halt einfach nur eine Busfahrt. Jeder sitzt s vor sich hin auf seinem Sitz und wartet darauf, dass man am Ziel ankommt. Ich will gar nicht wissen, wie es dann ist, wenn ich am Ende in Australien bin...

Wahrscheinlich habe ich einfach nur den Fehler gemacht, mit den komplizierteren Ländern anzufangen, und dann immer leichter zu werden. In meinen letzten Tagen in Nepal hab ich mich total darauf gefreut, dass jetzt alles einfacher wird - jetzt finde ich es schon fast langweilig.

Vielleicht komme ich jetzt auch gerade einfach nur in die Zeit, wo ich ein bisschen reisemüde werde. Aber in einem anderen Sinn: Ich will unbedingt etwas aufregendes, spannendes machen, nur hab ich keine Ahnung was. Ich finde es schwer, den Touristenpfad zu verlassen - schon allein weil ich nicht weiß wohin es gehen soll. Und ob es dann da Unterkünfte, etc gibt, und es schwer ist irgendwie Informationen über abgelegene, kleine Orte zu bekommen. Ich würde gerne richtig was vom leben der Einheimischen mitbekommen, abseits von den ausgetrampelten Pfaden - nur wo?
Morgen geht es für 3 Tage Trekken, im Norden von Chiang Mai - auch eine absolut ausgelutschte Sache, aber gut, mal wieder etwas anderes.

Ich freue mich schon darauf, wenn in weniger als 5 Wochen mein Freund kommt, um dann mit mir zusammen zu reisen - vielleicht bekomme ich dann auch wieder eine andere Sicht auf die Dinge, so wie es war, als ich ganz am Anfang der Reise stand, wo alles irgendwie spektakulär ist - sei es auch nur, ein Zugticket zu kaufen.

Versteht eigentlich irgendjemand gerade, was ich meine? Wie gesagt, ich finde es selbst schwer, zu verstehen, was genau ich eigentlich fühle. Wahrscheinlich sieht die Welt morgen auch wieder ganz anders aus...
Aber falls irgendjemand Tipps hat, wo ich in Thailand etwas für mich wieder aufregendes finden kann - immer her mit den Infos! Als nächstes geht es dann nach Laos, ab Huay Xai mit dem Slow Boat nach Luang Prabang - ach ja, das macht ja auch irgendwie jeder.
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WilleValle

« Antwort #1 am: 09. Juli 2012, 12:26 »
Wenn Du Kontakte suchst dann kann ich Dir Couchsurfen oder Help X empfehlen.
Ist eine super Abwechslung zum "Alltag". Lernst Leute kennen, wirst mit auf eine Feier geschleppt. Lernst die FReunde von deinem Host kennen.
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Jenny_far_away

« Antwort #2 am: 09. Juli 2012, 12:33 »
Hallo Miku,
in Thailand gibt es auch Homestays...vielleicht ist das ja etwas. Einfach mal googlen ;) Hab da leider keine Erfahrungen mit.
Aber wie WilleValle sagt, Couchsurfen ist auch super, kann ich nur empfehlen! Man lernt viele Leute kennen und zudem hauptsächlich einheimische.
Mach mich im Oktober auf nach Indien, Nepal... :)

Gruß
Jenny
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WilleValle

« Antwort #3 am: 09. Juli 2012, 13:00 »
Was ich persönlich auch spitze finde ist Help X. Google es mal. Leider ist es kostenpflichtig!
Man hilft Leuten vor Ort in dem man ihnen im Haushalt hilft, Maler oder Gartenarbeit erledigt usw.. Dafür bekommt man in der Regel Kost und Logie. Helfen muss man im Schnitt 3-4 Stunden am Tag. Kommt halt drauf an was du mit deinem Host ausmachst.
Sobald die Arbeiten abgeschlossen sind zieht man weiter.
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Vombatus

« Antwort #4 am: 09. Juli 2012, 14:14 »
http://weltreise-info.de/forum/index.php?topic=5382.0

In Thailand ist manchmal schwieriger, weil es eben so viele Reisende da sind, viele hier erst mit der Reise anfangen und darum mehr mit sich selbst beschäftigt sind.

Würde erstmal mehr Geduld empfehlen.
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Jens

« Antwort #5 am: 09. Juli 2012, 15:25 »
Ich denke auch, dass du vielleicht etwas in deinem ersten kleinem Reiseloch reingerutsch bist! Hatte das auch nach 3,5 und dann nochmal nach 5 Monaten. Setzt dich einfach mal in eine Bar und lass dich anquatschen, oder quatsch einen an, der dir sympatisch erscheint.....
Das wird schon wieder und ich kann dich gut verstehen, du bist nicht alleine mit diesem Gefühl! ;)
Grüße aus Bangkok
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Sebastian81

« Antwort #6 am: 09. Juli 2012, 16:47 »
Versteht eigentlich irgendjemand gerade, was ich meine?

Von mir dazu ein ganz klares JEIN!

Auf der einen Seite voll und ganz, auch wenn bei mir diese Reisemüdigkeit erst nach 9 Monaten zum ersten Mal kam. Ich bin halt ein schlichtes Gemüt und einfach zu begeistern. ;)
Auf der anderen Seite schreibst du immer wieder "das macht ja jeder".
1. macht sowas bei weitem nicht jeder, sondern egal, ob deutschland- oder weltweit gesehen nur eine kleine "elitäre" Minderheit.
2. dass es viele aus dieser elitären Minderheit machen, ist ein Zeichen dafür, dass es wahrscheinlich gut ist. Ein Beispiel hierzu hatte ich letztens in La Paz. Von da fahren halt alle Kids die Deathroad mit dem Bike runter und erstmal dachte ich mir: "Das ist doch viel zu teuer, abgelutscht und nur was für die Kids, die von Bolivien nix anderes sehen als Death Road, Uyuni und die Hostelbars." Aber nein, vollkommen falsch, die Deathroad ist einfach hammergeil. Und auch wenn es manchmal genervt hat, dass ich in einer 20 köpfigen Gruppe war, weil sich ausgerechnet an dem Tag 12 australische Kids zusammen angemeldet haben (und auch sonst sind einfach verdammt viele an dem Tag die Straße runter gebikt), war es ein geiler Tag.

Ich finde ein gesundes Expectationmanagement immer wichtig. Wir alle hier sind Reisende. Manche sind Reisende & Work&Traveler, andere Reisende & Volunteers, Reisende & Stadium-Spotter (Hallo Stecki! ;)), ich persönlich bin Reisender & (u.a.)Tourist. Und wenn schon andere Touristen vor dir / mir den Kochkurs in Chiang Mai gemacht haben, dann sollte das dich / mich nicht davon abhalten, dich / mich genauso daran zu erfreuen, wie der erste Tourist (genauso wie ein Volunteer einem Waisenkind nicht weniger helfen will, bloß weil schon ein anderer Volunteer in dem Dorf war).
Daher meine Empfehlung: Mach dir klar wie du reisen willst und nimm die Begleitumstände billigend in Kauf.

Meersburger01

« Antwort #7 am: 09. Juli 2012, 18:30 »
Das macht ja jeder... hmmm. Ist es dein Ziel, irgendetwas zu unternehmen, das noch niemand vor dir gemacht hat? Ich denke, die Wenigsten von uns sind Pioniere, sondern unternehmen Dinge, die schon mal jemand oder halt auch hunderttausende vor uns gemacht haben. Das hält dich doch nicht davon ab, das ebenfalls genial zu finden. Ich latsche auch grad durch die Tempel von Angkor Wat und bin nicht diejenige, die sie aus dem Dschungel wiederentdeckt hat ;o) Und dennoch ist es einfach nur toll! Wenn du etwas Neues auf dieser Welt machen willst, wirst du dich wohl tangotanzend mit einem Känguruh zum Nordpol aufmachen müssen oder so.

Genieße die kleinen Dinge, die für dich aufregend sind, nicht für den Rest der Menschheit. Wenn DU noch nie tauchen warst, ist das für dich aufregend, auch wenn schon viele vor dir diese Erfahrung gemacht haben. Und wenn DU ein kleines Krokodil im Arm halten willst, ist das wohl auch nichts im Vergleich zu den durchgeknallten Typen bei Nat Geo Wild, doch für DICH ist es etwas Besonderes.

Mein Tipp: konzentrier dich daruaf, was DU willst und nicht, was Andere von dir und deiner Weltreise erwarten könnten. Die Blogs von Anderen klingen interessanter als deine Reise? Auch nur, weil dort halt die Highlights drinstehen und (Gott sei Dank) nicht auch das ganze Alltagsleben jedes einzelnen Reisenden. Du hast sicher auch viele interessante, witzige und außergewöhnliche Geschichten zu berichten, die Andere begeistern.
Also, mach einfach weiter so auf deiner Reise wie in Nepal und Indien. Thailand ist anders, vielleicht einfacher als die beiden anderen Länder, aber auch dort kann man viele tolle Sachen erleben.  Und es kann nicht ein Highlight das nächste jagen. Manchmal ist es halt etwas ruhiger unterwegs.

Genieße deinen Urlaub,

Sabine

PS: wann bist du denn in Laos? Werde ab 22.07. auch dort sein...
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Litti

« Antwort #8 am: 09. Juli 2012, 19:03 »
Ich kann das was du schreibst sehr gut nachvollziehen. Dieses Gefühl, nur einer von Hunderten anderen an diesem Punkt der Erde zu sein, schwingt bei mir auch immer mit. Obwohl ich natürlich weiß dass ich in nichts von dem was ich tue ein "Pionier" bin - ausschalten kann ich dieses Gefühl einfach nicht. Ich bin wie ich bin.

Und wie du schon schreibst, Thailand ist in dieser Hinsicht einfach sehr speziell. Es ist das touristischste Land der ganzen Region, und damit ist natürlich auch leichter zu bereisen. Die einen sehen das als großen Pluspunkt, für andere macht es das langweilig. Auch Weltreisende sind eben verschieden...

Ich denke es ist ziemlich wichtig rauszufinden, was man selbst für ein Reisetyp ist. Vermutlich weißt du das jetzt einfach schon ein Stück besser.

Ich konnte Thailand damals noch sehr gut genießen weil es damals mein erster Rucksack-Trip war, beim zweiten Mal war es dann auch schon nicht mehr so meins, aus den von dir genannten Gründen. Aber anfangs hat eben die Spannungskurve noch gepasst, da war ich noch völlig ohne Reiseerfahrung.

Mein Vorschlag wäre eigentlich: Schau dir in Thailand einfach die Regionen, die weniger Touristen auf dem Schirm haben, genauer an. Da gibt es sicherlich genug zu entdecken, ohne dass du dir wie in Europa vorkommst.
Ansonsten: Ich kenne deine weitere Route nicht, aber vielleicht würde es sich für dich lohnen sie anhand deiner jetzigen Erfahrungen ein wenig neu auszurichten - und vielleicht nicht beinhart die Standardroute SOA - Ozeanien - Cooks - Südamerika durchzuziehen.
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Miku

« Antwort #9 am: 09. Juli 2012, 19:16 »
Hallo an alle, und danke für die ganzen Antworten!
Klar, was zu machen, was noch nie einer vor mir gemacht hat wäre sicherlich super - aber eben auch verdammt schwer zu realisieren ;) Und gut, meine stimmung ist jetzt auch schon wieder deutlich besser als vorher, das wechselt inzwischen so häufig von einer MInute auf die nächste.. Ein paar Chang und Cocktails haben da sicherlich auch ihren Beitrag dazu geleistet.

@Sabine: Kann ich dir leider nicht so genau sagen, kommt darauf an, wie lange ich mich jetzt noch in Nordthailand herumtreibe. Morgen gehts für 3 Tage trekken, danach wollte ich noch nach Pai (ir wurde von ungefähr tausend Leuten gesagt, dass ich da unbedingt hinmuss ;D) Ich denke aber mal, dass ich in den nächsten anderthalb /zwei Wochen über die Grenze komme.

Und gut, das "macht ja jeder" war wahrscheinlich ein bisschen falsch ausgedrückt, was ich eigentlich meine, ist, dass ich gerne einmal abseits der typischen Touristenroute unterwegs sein würde - bloß leider im Moment keine Ahnung hab, wie genau ich das anstellen soll. (Ich mache mir halt schon immer meine Gedanken, gerad zu Themen wie: Gibt es da dann überhaupt Unterkünfte/ Leute, die mich verstehen wenn ich was frage?) Homestay Programm hört sich da gerade ziemlich perfekt an, mal schauen, ob ich da was gutes auftreiben kann.

@ Litti: Die Route, so wie sie mal geplant war, sieht vor, nach Thailand dann über Malaysie und Indonesien nach Australien zu kommen, um da dann die ganze Reisekasse wieder aufzubessern. Das komplett umzuplanen wird leider nicht funktionieren, zum ersten, weil ich in Australien gerne arbeiten und manche Freunde wiedertreffen würde, zum anderen, weil mein Freund da wahrscheinlich sein Praxissemester von der Uni machen wird - das ganze wird dann schon fast wieder nach normalem Leben aussehen ;)
Und der Rückweg von Laos wird dann wahrscheinlich auch durch Isan führen - wie ich gehört habe, noch eine der untouristischsten Regionen Thailands. (Eine Thai aus Isan hat mir auch schon versichert, dass man da mit Englisch nicht weit kommt ;) )

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Vombatus

« Antwort #10 am: 09. Juli 2012, 20:15 »
Ja. Pia ist cool, auch richtig touristisch aber übern Fluss gibt es kleine tolle Hütten, am besten mit anderen Solo-Reisenden zusammenschließen. ... Und dann gibt es heiße Quellen, einfach mit dem Rad zu erreichten. Herrlich!
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Bella

« Antwort #11 am: 11. Juli 2012, 08:03 »
Hallo Miku,

ich bin auch gerade in Chiang Mai und ähnlich gut drauf wie du: Reisemüde und mit Liebeskummer. Also wenn du mal Lust hast, was trinken zu gehen... wir wären bestimmt ein lustiges Team ;-) Meld dich einfach per PN, wenn du möchtest.

Ich habe nicht alle Antworten gelesen, wollte aber sagen, dass Laos bestimmt das richtige für dich ist. Ich kann total verstehen, dass du es blöd findest, genau das gleiche zu machen wie alle anderen auch, ich bin auch so. Natürlich sind wir alle keine Pioniere, aber das heißt ja nicht, dass man es toll finden muss, auf absolut ausgetrampelten Pfaden zu laufen. Vor allem in Zentrallaos gibt es solche Pfade nicht, so dass du dich dort bestimmt wohlfühlen wirst.
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Traveler78

« Antwort #12 am: 21. September 2012, 13:10 »
Pia klingt ja echt interessant und scheint mir eine Reise wert zu sein.
Ich denke ich werde mich mal noch ein bisschen informieren und es vielleicht in eine Reise einzuplanen.
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Miku

« Antwort #13 am: 23. September 2012, 12:43 »
Da hat glaub ich irgendwer nen Buchstabendreher eingebaut, der Ort heißt Pai und nicht Pia - ist wirklich schön da, auch wenn ich nur für 2 Nächte da war. (Wollte eigentlich länger bleiben, aber da man für die meisten Aktivitäten (Wasserfälle, Höhlen, heiße Quellen) einen Roller braucht um hinzukommen, und ich mich beim ersten Mal richtig schön hingelegt habe... Bin ich lieber gleich weiter nach Laos ;) )
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