Thema: Trinkgeld: Ja oder nein?  (Gelesen 7013 mal)

Stecki

« am: 25. Februar 2012, 14:47 »
Gestern hatte ich wieder einmal so eine Situation wo ich einem Kellner einfach sagen musste, dass er der letzte sei dem ich Trinkgeld geben würde. Dies nachdem er 1 Mal die Bestellung vergessen hatte, 2 Mal das falsche gebracht hatte und am Ende erst kein Rückgeld brachte und dann fragte ob er denn kein Trinkgeld bekomme.

Nun ja, ich bin bestimmt nicht der der mit Trinkgeld herumwirft, doch wenn ich es für angebracht halte, da sich derjenige wirklich Mühe gibt bzw. der Service gut war runde ich den Betrag gerne mal auf. Dasselbe bei Taxifahrern mit Taximeter. Sobald ein Festpreis ausgemacht wurde gibts keinen Cent mehr, denn der Preis ist auf jeden Fall eh schon zu hoch.

Schade finde ich es wenn sich zum Beispiel Busfahrer die ganze Fahrt wie das grösste Arschloch aufführen und Dir dann am Ende der Fahrt noch den Rucksack anziehen wollen um anschliessend die hohle Hand hinzuhalten.

Allgemein denke ich in ärmeren Ländern eher mal daran Trinkgeld zu geben, doch in Westeuropa denke ich mir: Wieso soll jemand der in der Öffentlichkeit arbeitet und in meinen Augen positiverweise den ganzen Tag Kundenkontakt hat Trinkgeld bekommen, während ich und viele andere die den ganzen Tag/Nacht in einem Raum ohne Kontakt zur Öffentlichkeit geschweigedenn Sonnenlicht arbeiten noch nie was bekommen haben? Ausserdem wurde gerade in der Schweiz mal darüber abgestimmt dass Trinkgeld im Preis inbegriffen ist.

Mich würde mal interessieren wie Ihr dass so handhabt? Gebt Ihr grundsätzlich nix oder schmeisst Ihr mit der Kohle umher?
0

chasseur

« Antwort #1 am: 25. Februar 2012, 15:11 »
Hi,

beim Trinkgeld gehe ich fast immer davon aus, dass es Teil des Gehaltes ist. Wenn jemand also keinen schlechten Job macht, gibt es von mir auch immer Trinkgeld. Das mache ich in Deutschland aber auch nicht anders.

Als Grundlage rechne ich mit 5-10% des zu zahlenden Betrages. Die fünf Prozent gibt es dann für den Kellner, der mir zwei Bier auf den Tisch gestellt hat. Der Kellner, der sich im Restaurant zwei Stunden um mich bemüht hat, bekommt auch schon mal zehn Prozent.

Bei Festpreisen halte ich es so wie Du, in Hostels gibt es auch mal Tip, wenn die Crew sich wirklich bemüht hat.

Grüße

Björn
0

wom-bat

« Antwort #2 am: 26. Februar 2012, 12:13 »
Hi,

Ich glaube es kommt ganz darauf an in welchem Land man ist. In Asien ist es nicht üblich, Trinkelder zu geben, während es in den USA quasi obligatorisch und Lohnbestandteil ist. Persönlich richte ich mich zuerst nach den Gepflogenheiten des Landes, und danach nach meinem Gefühl. Bei besonders gutem Service geb ich schon mal Trinkgeld, maximal im Bereich von +/- 5%. Jedoch will ich das selber entscheiden und wenn ich danach gefragt werde, gebe ich aus Prinzip nichts. Ich gebe auch immer erst Trinkgeld, nachdem ich das Wechselgeld erhalten habe. Wechselgeld einfach einzubehalten mit der Annahme das wäre sowieso einfach mal Trinkgeld, das finde ich eine Frechheit, auch wenn es nur um kleine Beträge geht.

LG
Samuel
0

tetsi

« Antwort #3 am: 26. Februar 2012, 21:59 »
Das kommt aufs Land (vorher informieren) und auf den Laden an.

Bei vereinbarten Festpreisen (Taxi z.B.) geb ich nix. Der Taxifahrer versucht dich sowieso übers Ohr zu hauen (Stichwort kein Wechselgeld und zu wenig reusgeben). Ich wüsste nicht, warum ich das belohnen sollte. In Europa/USA ist das etwas anders, da runde ich im Normalfall einfach auf.

Restaurants, die x% Service-Charge auf die Preise packen, bekommen nichts Extra. Ebenso, wenn die mir schon in die Rechnung "10% Volontario" reinrechnen und unten dick den Gesamtbetrag hinschreiben (der dann meist erst recht krumm ist). Das nehm ich dann durchaus wörtlich und kürz das zusammen. Wenn der Service stimmt, man mir mein Wechselgeld korrekt zurück gibt etc. dann lass ich im Normalfall immer was liegen.

Ebenso wenn ein Guide sich z.B. richtig Mühe gegeben hat, ich den Eindruck hatte, der ist nicht einfach nur auf mein Geld scharf, sondern will mir die Sache näher bringen, dann geb ich im persönlich was extra (zwischen $1-$5).

Ich bin der Meinung zu obligatorisches Trinkgeldgeben versaut die normalen Gehälter und führt eher dazu, dass der Service schlechter wird.

Sebastian81

« Antwort #4 am: 27. Februar 2012, 03:43 »
Eigentlich wurde alles sagenswerte zu diesem Thema in der sehr geilen Eroeffnungsszene von "Reservoir Dogs" gesagt. ;)

http://www.youtube.com/watch?v=x7dHA0wtDmE

steelydan

« Antwort #5 am: 28. Februar 2012, 09:30 »
Ich sehe das genau so wie wom-bat: Kommt stark auf das Land an. Wobei ich auch in Ländern, in denen das obligatorisch ist, keinen Cent gebe, wenn der Service nicht stimmt.

Ein Spezialfall sind Guides, die einen über mehrere Tage begleiten: Unser Trekking-Guide in Nepal war ein dermaßen unfähiger Trottel, dass ich ihm zum Abschied am liebsten eine geklebt hätte - außerdem im Prinzip vollkommen überflüssig, aber ohne ihn hätten wir das Permit für den Manaslu nicht bekommen. Die Träger waren super, also haben wir ihnen das Trinkgeld gegeben, das wir nach gut zwei Wochen in den Bergen für angemessen gehalten haben. Und ich hatte den Eindruck, dass sie sich freuen, weil sie natürlich gemerkt haben, dass wir mit dem Guide mehr als unzufrieden waren und haben dementsprechend kein Trinkegeld mehr erwartet haben.

In Bhutan und Pakistan sah das anders aus: Der Guide, mit dem wir den Biafo-/Hispar-Gletscher überquert haben, hat seinen (ziemlich harten) Job extrem gut gemacht, außerdem war er ein wirklich netter Kerl, der hatte sich sein (ziemlich großzügiges) Trinkgeld mehr als verdient. In Bhutan haben wir auf einen Guide verzichtet (geht nur mit offizieller Einladung) und sind mit einem Fahrer durch das Land gefahren, der exzellent Englisch gesprochen hat, das Land wie seine Westentasche kannte, viel Ahnung vom Buddhismus und bhutanischen Traditionen hatte und uns auch öfter zu Freuden mitgenommen hat. Das war eins der phantastischsten Reiseerlebnisse, die wir je hatten, außerdem deutlich billiger als wenn wir die normale Tagespauschale hätten zahlen müssen - na klar haben wir ihm ein (für unsere Verhältnisse) üppiges Trinkgeld gegeben.
0

perner123

« Antwort #6 am: 28. Februar 2012, 21:11 »
also wenn der service wirklich etwas besonderes ist, dann geb ich auch mal trinkgeld.
aber dann muss es wirklich herausragend sein. und nicht einfach nett lächeln und dann die hand aufhalten.
wer von mir so offensichtlich ein trinkgeld fordert, der ist sowieso am falschen platz.

und im gastrobereich find ich das sowieso zum kotzen. egal in welchem land.
es soll eine gerechte entlohnung geben und das war es.
ich arbeit in einer bank (ok - als softwareentwickler) - aber ich hab auch noch nie von einem kollegen vom schalter gehört, dass ihm ein kunde ein trinkgeld gegeben hat, weil er ihn so schön beraten hat  ;D

bin allgemein also ein trinkgeldgegner und vielmehr für gerechte entlohnung. aber solange immer alle brav trinkgeld geben und es somit gehaltsbestandteil ist, wird sich das nicht ändern. würde schlagartig niemand mehr trinkgeld geben, dann würds mal in ein paar branchen einen aufstand geben und die würden gerechte entlohnungen fordern.

lg
stefan
2

Toby

« Antwort #7 am: 29. Februar 2012, 16:08 »
Zitat
Wobei ich auch in Ländern, in denen das obligatorisch ist, keinen Cent gebe, wenn der Service nicht stimmt.

Zitat
und im gastrobereich find ich das sowieso zum kotzen. egal in welchem land.
es soll eine gerechte entlohnung geben und das war es.

Solche Aussagen (die ich nur zu oft von Westeuropäern höre) zeugt meiner Meinung nach nicht gerade von sehr viel kulturellem Verständnis.

Ob das System nun sinnvoll ist oder nicht braucht man gar nicht zu diskutieren - es ist wie es ist. Oder was kann der Barman in Florida dafür dass er keinen Cent Lohn erhält und deshalb die selbstverständlichen 15% Minimum Tip erwarten darf, wenn er gut ist auch mal 20, 25%? Klar könnte man auch die 20% Service charge auf den Preis draufschlagen, aber wie gesagt, das System im Gastland ist nun mal wie es ist. - sehts mal so, bei uns zahlt man den Service auch mit, egal ob er jetzt gut war oder schlecht.

Kolonialherrschaftliche Aussagen wie "macht es halt wie bei uns und führt Fixlöhne ein" kommen für mich etwa aus der gleichen ignoranten Ecke wie wenn sich jemand über den Lärm am Karneval beklagt oä.

Meine persönliche Meinung zu diesem Thema.
14

Stecki

« Antwort #8 am: 29. Februar 2012, 17:58 »
Sorry, aber dass jemand nur für Trinkgeld arbeitet glaubst Du ja selber nicht und wenn doch ist dem wirklich nicht mehr zu helfen.

Dass Du dafür 3 Daumen gekriegt hast halte ich für unverständlich.

Und nur mal so nebenbei: Wenn in einem Land Tip angeblich obligatorisch ist, wird das komischerweise nirgends erwähnt, ausser es wir eben auf die Rechnung draufgeschlagen. Oder erwartet man beispielsweise in Florida dass sich jeder vorher aus dem Internet raussucht dass Trinkgeld angeblich obligatorisch ist? Absoluter Quatsch! Es reicht schon dass gerade in den USA noch ständig die unsägliche Mehrwertsteuer draufkommt.
1

perner123

« Antwort #9 am: 29. Februar 2012, 19:49 »
Zitat

Kolonialherrschaftliche Aussagen wie "macht es halt wie bei uns und führt Fixlöhne ein" kommen für mich etwa aus der gleichen ignoranten Ecke wie wenn sich jemand über den Lärm am Karneval beklagt oä.

Meine persönliche Meinung zu diesem Thema.

bin halt ein mensch der nicht alles akzeptiert. und man sollte meiner meinung nach auch nicht alles akzeptieren.
und da nirgends geschrieben steht, dass ich trinkgeld geben MUSS, mach ichs auch nicht. ist ja auch nicht obligatorisch.

ich gebe lieber mal den ein oder anderen euro für leute aus, die auf der straße sitzen. egal ob es in münzen, oder in essen oder sonst was ist.
ich gebe nicht oft trinkgeld - aber das hat nix mit geiz zu tun - nicht dass ich hier falsch verstanden werde.

viva la revolucion! (ps: nicht auf einem bolivianischen grenzposten sagen. kommt schlecht an) ;-)

lg aus peru
1

waveland

« Antwort #10 am: 29. Februar 2012, 19:57 »
Sorry, aber dass jemand nur für Trinkgeld arbeitet glaubst Du ja selber nicht und wenn doch ist dem wirklich nicht mehr zu helfen.

?

Und nur mal so nebenbei: Wenn in einem Land Tip angeblich obligatorisch ist, wird das komischerweise nirgends erwähnt, ausser es wir eben auf die Rechnung draufgeschlagen. Oder erwartet man beispielsweise in Florida dass sich jeder vorher aus dem Internet raussucht dass Trinkgeld angeblich obligatorisch ist? Absoluter Quatsch! Es reicht schon dass gerade in den USA noch ständig die unsägliche Mehrwertsteuer draufkommt.

Natürlich leben z.B. Kellner in den USA hauptsächlich nur vom Tip und es ist in touristischen Gebieten ein gewisses Problem, wenn der Anteil der Gäste, die "europäisches" Trinkgeld geben, hoch ist, weil dem Kellner dann ein wesentlicher Teil seines Einkommens einfach weg bricht, obwohl er sich oft sehr hart arbeitet und meistens auch sehr bemüht ist, meiner Erfahrung nach viel mehr als bei uns, zumindest im Durchschnitt.

In D sind 10% vom Umsatz für eine Bedienung üblich und der Gesamtpreis inkl. MwSt steht auf der Karte. Plus Trinkgeld, aber das ist ja i.d.R. deutlich niedriger als 10%.

In den USA steht halt der dafür entsprechend niedrigere (Grund-)Preis auf der Karte, die niedrigere Sales Tax kommt dazu und halt der Tip. Warum soll das größerer Quatsch als in Europa sein, es ist halt anders als bei uns?

Grundsätzlich sollte man sich meines Erachtens an die lokalen Gepflogenheiten halten, nur nicht aber auch beim Trinkgeld. So gebe ich halt nichts, wenn nicht üblich, runde etwas auf, wo dies so gemacht wird, oder gebe in den USA 15-20%. Nur weil etwas anders als daheim ist, sollte man nicht auf seiner Anschauung bestehen, ich dachte, das wäre ein wesentlicher Aspekt einer "Weltreise" oder Reisen allgemein ...
10

Toby

« Antwort #11 am: 29. Februar 2012, 23:21 »
Klar MUSS man sich nicht im Internet über lokale Gepflogenheiten informieren. Weder über traditionell bedingte Höflichkeitsregeln, Rollenverständnisse, übliche Höhe der Trinkgelder oder überhaupt sonst irgendetwas - man bezahlt schliesslich und die anderen sind auf einen angewiesen.   Aber man kann. Und versuchen, sich wenigstens ein bisschen danach zu richten, aus Respekt gegenüber dem Gastland und den Menschen die dort Leben.

Ich bin ehrlich gesagt überrascht dass dies ausgerechnet in diesem Forum offenbar nicht allen selbstverständlich ist.


Mehr werd ich zu diesem Thread nicht mehr sagen.
10

Mooni

« Antwort #12 am: 01. März 2012, 01:16 »
Solange der Service so ist, wie man es wohl erwarten kann - ich also freundlich und zügig bedient werde - gebe ich auch das für das Land übliche Trinkgeld. Werde ich langsam und schlecht bedient gebe ich nichts, auch wenn das eigentlich üblich wäre. Dann hat für mich der Kellner seine Seite des Deals eben auch nicht erfüllt.

Ich kann nicht verstehen, wie man in weniger entwickelten Ländern den Leuten prinzipiell kein Trinkgeld gibt, auch wenn das eigentlich dort üblich ist.  Und in den USA ist einfach das System und der im Endeffekt resultierende Preis anders.. das weiß man ja und kann sich darauf einstellen.

Wer sich bei solchen einfachen Unterschiede zwischen Kulturen aus Prinzip nicht anpassen will, handelt meines Erachtens schon engstirnig und geizig.
4

Stecki

« Antwort #13 am: 01. März 2012, 01:35 »
Sich mit den Gepflogenheiten des Landes auseinanderzusetzen heisst aber auch nicht alles akzeptieren und mitchmachen müssen. Ich habe ja auch nie geschrieben dass ich kein Trinkgeld gebe, aber wenn in den USA der Service nicht stimmt ist mir eigentlich ziemlich egal ob der Kellner halt am Ende mit gar nichts da steht.
3

perner123

« Antwort #14 am: 01. März 2012, 06:46 »
Sich mit den Gepflogenheiten des Landes auseinanderzusetzen heisst aber auch nicht alles akzeptieren und mitchmachen müssen. Ich habe ja auch nie geschrieben dass ich kein Trinkgeld gebe, aber wenn in den USA der Service nicht stimmt ist mir eigentlich ziemlich egal ob der Kellner halt am Ende mit gar nichts da steht.

danke! exakt was ich auch meine. und ich bin allgemein auch ein usa-gegner. das system dort werde ich sicher nicht akzeptieren. auf der anderen seite: muss ich auch nicht. da könnens noch so viele nationalparks haben. ich fahr nicht hin.
bin da etwas sehr extrem. aber es gibt noch ca 190 andere länder zu besuchen.
sorry für mein posting.

zB in bolivien hab ich oft mal ein trinkgeld bekommen. wegen nem guten essen mit super service. weil der taxifahrer während der fahrt auch was über die stadt erklärt hat, der guide sich wirklich bemüht hat, dass man sich wohl fühlt etc.
aber allgemein muss ich sagen. wenn der preis - für egal welche sache - von haus aus schon hoch ist, dann wirds immer mehr kritisch. und wenn ein kellner, etc. mit seinem trinkgeld nicht zufrieden ist, weil es zu viele "europäische" trinkgeldgeber gibt, dann hoffe ich, dass er ein besseres lokal zum arbeiten findet (was in einigen ländern sicher nicht einfach ist - aber besser ein bisschen trinkgeld von den "sparsamen" touristen, als kein oder fast kein trinkgeld von einheimischen) ;-)
1

Tags: trinkgeld