Thema: Was geht mit meinem Kopf ab?  (Gelesen 3459 mal)

sgtc

« am: 10. Februar 2012, 00:13 »
Hey Leute!!!




ich bin gerade an einem Punkt, wo ich ueberhaupt nicht mehr weiter weiss: seit ca 8 Monaten unterwegs, super coole Sachen gesehen, Freiheit gelebt, neue Freunde in andern Laendern dieser Welt gemacht und einfach einen Traum gelebt.
Trotzdem ist gerade irgendwie so eine Leere da. Sprich ich bin nicht direkt mit dem Ziel los, irgendwas besonderes zu finden. Natuerlich ist (ich denke mal wie bei fast jedem) irgendwie wie immer die Hoffnung dabei, einen besonderen Menschen kennenzulernen - das ist das wohl das einzige Ziel, das wenns gut geht waehrend der Reise erreicht werden koennte und das mir jetzt neben der Selbstfindung einfaellt. Wie gesagt, ich bin allerdings nicht damit los, eigentlich wollte ich nach meinem Abi einfach mal Abstand von daheim haben, einen Traum leben und super coole Orte auf unsrer Welt sehen.



Gerade ueberlege ich mir, was mir denn eigentlich fehlt? Seit Jahren habe ich von so einer Reise getraeumt und kann irgendwie gar nichts mehr geniessen. Ich hab oft Gesellschaft (auch mal von daheim), war schon mal ein paar Tage alleine aber da fehlt einfach noch was.

Ist es die super Frau? Ist es der Punkt, an dem ich sagen kann, jetzt habe ich mich selbst gefunden? Ist es die Situation, wo ich sagen kann: genau DAS ist der perfekte Moment? Mache ich mir zu viel Kopf, weil ich keine Ahnung habe, wie es denn weitergehen soll - sowohl jetzt auf dieser Reise, wo ich noch ca 3 Monate habe als auch nach meiner Rueckkehr in Deutschland?

Damit verbunden natuerlich auch die Frage: ist mein Problem, dass ich nur Lateinamerika mache und deswegen es irgendwie immer "das Gleiche" ist (auch wenn jedes Land natuerlich auch irgendwo verschieden ist)? Soll ich einfach mal einen Ort auf der Welt finden, wo ich mich 2 Monate selber finden kann (faellt mir zb Into the Wild oder ein Kloster in Tibet ein)? Soll ich Menschen helfen - ich helfe unglaublich gerne Menschen - und zb mein Spanisch verbessern und nebenzu Kindern helfen? Was wuerdet ihr mir denn empfehlen?



Alleine komme ich da auf keine Antwort und ich glaube es gibt nirgendwo andre Leute, wo bestimmt der ein oder andere die Situation kennt und wo man einfach mal "anonym" fragen kann und eine gute Antwort darauf bekommt bzw wohl eher hilfreiche Tipps. In diesem Sinne schon mal riesen danke an alle, die sich jetzt Zeit genommen haben, das zu lesen und vielleicht sogar nen Tipp dazugeben :).
Hoffe, dass ich es so ruebergebracht habe, dass mich jeder versteht.
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southern_cross

« Antwort #1 am: 10. Februar 2012, 08:53 »
Hallo Sgtc,

8 Monate ist schon eine lange Zeit, vielleicht bist du einfach gerade ein bisschen reisemüde. Es gibt hier auch einen Thread wo dieses Thema schon behandelt wurde: http://weltreise-info.de/forum/index.php?topic=3456.0

So gesehen ist es vielleicht mal eine Möglichkeit, irgendwo "Urlaub" vom "Urlaub" zu machen und länger an einem Ort zu bleiben, wo du mal runterkommen und alles Erlebte verdauen, vielleicht auch wieder neue Kraft und Lust zum Weiterreisen tanken kannst. Wenn du die Zeit hast - ich würd es so machen. Der Alltag hat dich früh genug und wohl für den Rest deines Lebens eh viel zu früh wieder - genieße es.

So eine lange Reise hebt dich aus deinem Alltag, sei es jetzt Schule oder auch schon Job, komplett heraus und verändert Prioritäten oder macht dich zumindest darauf aufmerksam, was für dich eigentlich wirklich wichtig ist.

Ich kenn das von mir auch. Man merkt, was man wirklich will. Ergo kannst du deine Kraft und deine Anstrengungen fokussieren, um genau das anzutreiben, wenn du dann wieder daheim bist (zB das Thema Liebe). Und damit hast du vielen Leuten einiges voraus. Es gibt genug Menschen, die den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen und ziellos herumirren oder wie wild was ändern wollen, den Anfang aber nicht finden.

Ich reise immer wieder, um genau den Abstand zum Alltag zu kriegen und mir (31) hat das echt oft schon viele Antworten gegeben. Und mit so vielen Eindrücken und positiver Kraft nach der Rückkehr - kann man dann einiges ganz anders anpacken.

LG
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Jens

« Antwort #2 am: 10. Februar 2012, 15:31 »
Hallo Sgtc,

vielleicht sind auch 8 Monate Südamerika genug für dich! Falls du das nötige Kleingeld hast, dann denke doch mal über einen Standortwechsel z.B. Asien nach! Neue Eindrücke, andere Kultur, anderes Essen und Strände zum ausspannen....
Ob du deine Traumfrau dort findest bezweifel ich zwar, aber vielleicht sitzt sie neben dir im Flieger - alles eine Glücks/Schicksallsfrage  ::)
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Flynn

« Antwort #3 am: 10. Februar 2012, 21:55 »
Mir ging das am Ende unserer Weltreise auch so (lustigerweise auch in Südamerika :D). Irgendwann hatte ich das Gefühl "jetzt is aber auch wieder gut" und selbst eine Woche "Urlaub vom Urlaub" mit nix anderem als Herumhängen, Lesen, TV glotzen und so weiter haben daran nix geändert.

Da unser Heimflug eh in 4 Wochen war haben wir beschlossen das dann noch zu Ende durchzuziehen. Aber das Gefühl "Ach toll, noch nen Wasserfall, noch nen tolles Restaurant, noch ne neue Stadt" war einfach immer da. So ne Art Gleichgültigkeit. Ich denke das kommt einfach mit der Zeit und auch wenn das nicht jeder zugeben kann (schließlich ist so eine Reise ja ein Traum auf den man lange hingearbeitet hat) gehts glaube ich echt vielen so. Aber Hand aufs Herz: der schönste Traum kann irgendwann nerven wenn er eben zum Alltag wird.

Du kannst versuchen dir ne Auszeit zu gönnen - einfach nur das machen worauf du Bock hast und in den Tag hineinleben. Am Besten an einem festen Ort. Bringt das nix und du hast immer noch so Gefühle, dann kannst du abwägen: entweder was komplett Neues (sprich welchsel den Kontinent) oder aber du fliegst nach Hause. Letzteres ist keineswegs ein Abbruch oder eine Aufgabe - auch wenn einige das nicht einsehen können (oder wollen). Genau daher fällts glaube ich so vielen schwer über diese Durchhänger beim Reisen zu reden. Letztendlich ist der Zweck einer Weltreise auch, dass es Spaß macht. Wenn du permanent Frust schiebst, dann bist du weder offen für Neues noch macht es meiner Meinung nach Sinn das auf Teufel komm raus durchzuziehen (welchen Grund gäbe es denn dann noch weiterzumachen?).

Spar dir dein restliches Geld, setz dir zu Hause ein neues Reiseziel und plane den nächsten großen Trip ;)

Bei mir stand nach der Weltreise wesentlich mehr auf der ToDo-Reiseliste als vorher :D Ich muss auf die Galapagos Inseln und auf jeden Fall will ich die Panamerica Richtung Feuerland runterdüsen und vorher nochmal Santiago de Chile genießen (ich weiß nich was die Stadt für nen Reiz hat, eigentlich is sie langweilig...aber irgendwie hatten wir dort so ne tolle Zeit, dass Santiago einfach Kultstatus erreicht hat bei mir :D).

Naja...und wer weiß, vielleicht würdest du ja dann beim Auftaktflug der großen Reise gleich zwei Tickets buchen :)
Das mit dem "Auf der Weltreise verlieben" geht meist in die Hose. Da sind so viele Leute so einsam und Menschen tun manchmal leider alles um ein bisschen Nähe zu bekommen. Ich denke jeder kennt die Handtücher vor den Etagen-Betten ;)
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little_earthquake

« Antwort #4 am: 12. Februar 2012, 12:02 »
wenn ich das so lese, würde ich sagen du bist an dem punkt wo du mal wieder eine aufgabe brauchst im leben. im prinzip bist du voller tatendrang aber eben nicht fürs reisen, sondern etwas zu bewältigen, ein ziel verwirklichen etc. und da ich weiß dass es mir auf reisen auch so gehen wird, habe ich einige projekte vor.

such dir vielleicht volunteer arbeit. in einem nationalpark oder in einem camp oder auf einer farm. du kannst in projekte gehen die kindern helfen, wildtiere aufpeppeln, armen menschen helfen, auf ner rinderfarm helfen, lebensräume helfen instand zu halten, siehe urwald, küstenstreifen etc. wenn du kultur liebst kannst du dich sogar bewerben und helfen inka oder maya ruinen mit auszubuddeln. es gibt so ziemlich in jedem land solche volunteer-sachen. und in südamerika gibt es einiges.

oder eben du reist in ein anderes land und siehst mal andere dinge.

ich würde nach 8 monaten nur ins blaue leben auch nicht mehr so wirklich einsehen früh aus dem bett zu steigen, aber wenn man ab an etwas arbeitet dass einem spaß macht, denke ich dies sind wirklich wichtige erfahrungen im leben die auch den weiteren weg prägen. ein freund von mir hat sein hobby auf reisen zu seinem jetzigen beruf gemacht udn ist überglücklich. ohne zufällig auf einer farm mitgeholfen zu haben hätte er jetzt nicht das leben was er führt und er lebt seinen beruf und sein leben.

probiers mal aus... weiter ziehen kannst du immer.
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FIT4IT

« Antwort #5 am: 13. Juni 2012, 08:04 »
Hallo Sgtc,

hatte vor kurzem 15jähriges Jubiläum (mein "erstes Mal" war in Mexico) und bin (viel zu früh) wieder aus Mittelamerika zurückgekehrt - Reisen will gelernt sein aber nach 8 Monaten brauche ich Dir nichts mehr erzählen. Schau Dir mal "Ärzte ohne Grenzen" an: haben auch zahlreiche Projekte in Südamerika und falls Du einen Kulturwechsel brauchst: ab nach Asien - ich mach es zumindest immer so: 1. Winterhälfte in Indonesien und dann ab nach Süd/Mittelamerika

such dir vielleicht volunteer arbeit. in einem nationalpark oder in einem camp oder auf einer farm. du kannst in projekte gehen die kindern helfen, wildtiere aufpeppeln, armen menschen helfen, auf ner rinderfarm helfen, lebensräume helfen instand zu halten, siehe urwald, küstenstreifen etc. wenn du kultur liebst kannst du dich sogar bewerben und helfen inka oder maya ruinen mit auszubuddeln. es gibt so ziemlich in jedem land solche volunteer-sachen. und in südamerika gibt es einiges.

oder eben du reist in ein anderes land und siehst mal andere dinge.

liebe Grüße aus dem verregneten & kalten Wien
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Sebastian81

« Antwort #6 am: 13. Juni 2012, 15:19 »
Mein Ansatz zum Thema Ziel / Selbstfindung / Erkenntnis sieht ein bisschen anders aus und bisher bin ich damit verdammt gut gefahren:
Für mich gibt es kein großes Ziel oder den perfekten Moment, nein, aus meiner Sicht muss man die Perfektion in jedem Moment suchen (und auf der anderen Seite mit der eigenen Nicht-Perfektheit (ich z.B. konnte gerade selbst durch kurzes googeln nicht das richtige Fremdwort hierfür finden...) und der Nicht-Perfektheit des eigenen Lebens (egal wie sehr man es auch versucht, es könnte immer irgendwas anders sein) im Reinen sein).
Und das führt dann auch unweigerlich zu deinem Problem zurück: Wenn man so viele tolle Momente erlebt hat, wird es immer schwieriger das besondere im nächsten zu erkennen ("In Asien hatte ich so einen Sonnenaufgang, aber da war es 20 Grad wärmer..." ;)).

Inzwischen bin ich auch an dem Punkt, wo ich all die coolen Reisebekanntschaften (die zukünftigen, nicht die vergangenen) gegen die Bekanntschaft einer Frau, die mir wirklich was bedeutet, und mit der man mit einer langfristigen Perspektive ausgehen kann, eintauschen würde. Aber das geht nun mal nicht so einfach und so werde ich gleich die Perfektion des Momentes in der Betrachtung des EM Spiels gegen die Holländer schauen und ich hoffe unsere Elf macht es mir nicht zu schwer. ;)